Man erklärte uns, dass man erst versuchen müsse, die Wolle, die sie verzehrt, wieder herauszubekommen.
Als dies durch Eingeben von Öl glücklich gelungen war, begann die Fütterung mit altem, trockenem Heu. Davon erhielt sie aber anfangs nur sehr kleine Portionen und auch die in ziemlich langen Zwischenzeiten. Und es war gut so.
Dúfa erholte sich zu unserer grossen Freude viel schneller, als wir gedacht hatten, und wir konnten sie in der Spanischen Hütte wieder besuchen, so oft wir wollten.
*
Von Júlli hatte man sonderbarerweise noch keine Spur. Wir hätten gern nach ihm gesucht, aber wir fürchteten uns davor, denn wir wussten, dass er längst tot war. —
Wieder vergingen einige Wochen. Im April taute es noch stärker, und der Schnee schmolz fast ganz weg.
Eines Morgens nun, als ein paar Männer des Hofes eben auf den Berg gegangen waren, kam einer von ihnen eiligst wieder heim und erzählte, sie hätten unten in einer tiefen schmalen Felsenschlucht Júllis Leiche gefunden. Sie hätten sie aber noch liegen lassen, denn sie wollten die Sache erst dem Hausherrn melden.
Der Hausherr befahl sofort einigen Männern, eine Tragbahre und Decken herzurichten.
Dann zogen sie hinauf. Wir Kinder aber durften diesmal nicht mit.
Eine gute Stunde später sah man den traurigen Leichenzug den Berg herabkommen und sich langsam dem Hofe nähern.
Die Leiche war eingehüllt in die mitgenommenen Decken.
Daheim hatten inzwischen die Frauen in einer „Skemma“, einem kleinen mit den Wohnhäusern verbundenen Aussengebäude, einen langen Tisch zurechtgestellt.
Darauf wurde dann unser guter Freund gelegt mit all der Schicklichkeit und Sorgfalt, wie man sie dem teuren Toten erweisen konnte.
Als wir Kinder ihn so aufgebahrt sehen durften, brachen wir in heftiges Weinen aus.
Wir konnten Júlli noch gut erkennen. Seine Gesichtszüge hatten sich wenig geändert. Die Verwesung war von der Kälte aufgehalten worden.
In der einen Schläfe aber sah man eine grosse, klaffende Wunde.
Man hatte ihn auf dem Angesicht liegend gefunden auf dem Grunde der Kluft unter einem vorragenden Felsenstück.
Jetzt wusste man auch, warum man mit den langen Stangen nicht hatte zu ihm hinabdringen können, da man im Schnee so eifrig nach ihm suchte: die Stange konnte nur bis zum Felsenvorsprung gelangen, worunter er lag.
Alles andere erklärten sich die Männer also:
Gleich zu Beginn des Schneesturms versuchte Júlli den höchsten Punkt der Lavablöcke zu erreichen, um so eine weniger dicke Schneeschicht über sich zu bekommen. Dann aber stürzte er in die Kluft hinab und schlug den Kopf auf einen Stein auf.
Doch muss die Wunde nicht seinen augenblicklichen Tod bewirkt haben, sondern er konnte sich noch unter das breite Felsenstück schleppen, wo man ihn fand.
Da lag er dann und wartete auf den Tod, der ihn sicher bald erlöst hat.
Sein Wunsch, lieber ein kurzes Leben mit Ehre als ein langes mit Schande zu haben, war ihm erfüllt worden. —
Nach zwei Tagen wurde die Leiche in einen schönen Sarg gelegt, den ein paar von den Hirten verfertigt hatten.
Zu seiner letzten Ruhestätte wurde Júlli nicht, wie es sonst Brauch ist auf Island, zu Pferde gebracht, sondern es trugen ihn den langen Weg dorthin, tieftrauernd, seine treuen Freunde.
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