Anna sagte, sie wolle ihr eigenes kleines Geschäft eröffnen, ein Outlet für Freunde, die Schmuck herstellten: »Sehr originell, gute Qualität.« Sie hob ihr Haar und zeigte Paul silberne Ohrringe, kleine gezackte Blitze, besetzt mit winzigen Steinen, Schmuck, wie man ihn an jedem Stand kaufen konnte. Er fragte sich skrupulös, ob sie vielleicht dachten, er hätte Geld, und sich für ihre Projekte Unterstützung von ihm erhofften. Vielleicht war Marek verheiratet oder hatte zumindest andere Frauen in Polen. An einem Punkt zog er sogar in Zweifel, ob Anna Mareks Schwester war: Aber es gab eine fast verborgene Ähnlichkeit zwischen den beiden, die zwar nicht offensichtlich, aber unverkennbar war, wenn man sie erst einmal entdeckt hatte, nämlich wie ihre dunklen Augen in den Höhlen lagen, sodass ihr Bewusstsein sich hinter ihren Gesichtern zu sammeln schien und von dort nach außen drang.
Als er sie fragte, woher sie kämen, antworteten sie, aus Lódź, aber offenbar waren sie nicht daran interessiert, näher auf ihr Zuhause einzugehen. Paul war vor langer Zeit zweimal in Polen gewesen, aber seine Vorstellung von dem Land stammte hauptsächlich von den Dichtern, die er gelesen hatte. Diese beiden wollten bestimmt nicht, dass er all die alten Verbindungen, den alten Müll ausgrub, sie wollten nicht wissen, dass er als Student einen Solidarność-Button getragen hatte. Sie waren zu jung, um sich an das Leben im alten Polen, hinter dem eisernen Vorhang zu erinnern, und er wusste nicht viel über das Leben im neuen. Im Moment jedenfalls waren sie Londoner, die in ihrem Leben aufgingen und sich in der Hauptstadt mehr zu Hause fühlten als er. Als ihm einfiel, dass er zum Zug musste, und schließlich ging, gelang es ihm, Pia halb aus der Tür auf den Gehsteig zu ziehen. Wahrscheinlich hielt sie ihn für betrunken.
»Du musst mir etwas versprechen«, sagte er mit leiser, drängender Stimme. »Wenn sie etwas von dir verlangen, das du nicht willst, rufst du mich sofort an, ja?«
Er sah, wie ihre Augen sich unter den blau bemalten Lidern weiteten. »Ich weiß nicht, wovon du redest«, sagte sie. »Meinst du Drogen?«
»Egal. Du musst nichts tun, was du nicht willst.«
Ihm war selbst nicht klar, was genau er befürchtete, und er schämte sich fast ein wenig für seine Gedanken. Lag es nur daran, dass Pias Auserwählter ein Ausländer war?
Sie schüttelte seine Hand von ihrem Arm ab, um wieder ins Haus zu gehen. »Ich hab’s dir gesagt. Es ist genau das, was ich will.«
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