Michael Löwy - Erlösung und Utopie

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Das Verhältnis zwischen jüdischem Messianismus und anarchistischer Utopie ist trotz seiner zahlreichen Berührungspunkte durch eine spannungsreiche Verschiedenheit unterschiedlicher Positionen gekennzeichnet. Es reicht von radikaler Unvereinbarkeit wie bei Gershom Scholem und Gustav Landauer bis hin zu wechselseitiger Befruchtung und Erhellung wie im Fall von Ernst Bloch und Walter Benjamin. Eine mögliche Verbindung dieser Pole steht und fällt mit der Überwindung des traditionellen Gegensatzes zwischen Atheismus und Religion, Materialismus und Spiritualität, Nationalismus und Romantik. Michael Löwy konzentriert sich dabei auf eine Gruppe von deutsch-jüdischen Intellektuellen (u.a. Benjamin, Kafka, Rosenzweig, Buber, Scholem, Löwenthal, Landauer, Bloch, Lukács, Fromm), deren Beiträge zu diesem Thema bis heute weitgehend unabgegolten sind.

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Der Begriff attractiones electivae erscheint zum ersten Mal bei dem schwedischen Chemiker Torbern Olof Bergman. Seine Schrift De attractionibus electivis (Uppsala 1775) wird auf Französisch unter dem Titel Traité des affinités chimiques ou attractions électives (1788) veröffentlicht. Zur Terminologie erklärt Bergman: »Einige verwenden den Begriff Affinität für das, was wir Attraktion genannt haben. Ich werde im folgenden beide Begriffe gebrauchen, obwohl der erste, bildhaftere, für eine physikalische Untersuchung weniger geeignet erscheint.«

De Morveau, ein französischer Chemiker und Zeitgenosse Bergmans, betont in der Auseinandersetzung mit diesem, bei der Affinität handle es sich um einen besonderen Fall von Attraktion, bei der die Anziehungskraft besonders groß sei. Dank ihrer bildeten zwei oder mehrere Körper »ein Wesen mit neuen Eigenschaften, die ganz verschieden sind von denen, die diese Körper vor ihrer Verbindung besaßen« 3.

In der deutschen Übersetzung des Buches von Bergman (Frankfurt am Main, Tabor Verlag, 1782–1790) wird attraction élective mit Wahlverwandtschaft wiedergegeben, was dem Französischen affinité élective entspricht.

Von dieser deutschen Version hat Goethe den Titel seines Romans Die Wahlverwandtschaften (1809) wahrscheinlich übernommen. Dort ist die Rede von einer wissenschaftlichen Untersuchung über chemische Vorgänge, die eine der handelnden Personen »etwa vor zehn Jahren« studiert hat. Mehrere Passagen widmen sich der Beschreibung des chemischen Vorgangs und wirken wie unmittelbare Auszüge aus dem Werk des schwedischen Gelehrten – vor allem die Untersuchung der Reaktion zwischen AB und CD, die sich neu verbinden zu AD und CB. Goethes Übertragung des chemischen Begriffs in den gesellschaftlichen Bereich der Spiritualität und der Gefühle war um so gewagter, als der Ausdruck seitens mehrerer Alchimisten (wie Boerhaave) mit sozialen und erotischen Vorstellungen bereits befrachtet war. Für Goethe liegt dann Wahlverwandtschaft vor, wenn zwei Wesen oder Elemente »einander suchen, sich anziehen, ergreifen … und sodann aus der innigsten Verbindung wieder in erneuter, neuer, unerwarteter Gestalt hervortreten.« 4

Die Ähnlichkeit mit der Formulierung von Boerhaave (zwei Elemente die »sich suchen, vereinigen und finden«) ist verblüffend und wir können nicht ausschließen, daß Goethe auch das Werk des niederländischen Alchimisten kannte und daraus Anregungen bezog.

Seit Goethes Roman hat der Begriff sich im deutschen Sprachraum eingebürgert, er bezeichnet einen besonderen Typ von Seelenverwandtschaft. In Deutschland wird er auch seine dritte Metamorphose erfahren: Max Weber, dieser große Alchimist der Sozialwissenschaften, formt ihn um zu einem Konzept der Soziologie. Vom überlieferten Bedeutungszusammenhang übernimmt er bestimmte Konnotationen wie die der gegenseitigen Wahl, Anziehung und Verbindung, aber die Dimension des Neuen scheint zu verschwinden. Das Konzept der Wahlverwandtschaft – desgleichen das bedeutungsähnliche der Sinn-Affinitäten – taucht in Webers Schriften in drei präzisen Zusammenhängen auf.

Zuerst soll eine bestimmte Beziehung zwischen verschiedenen Erscheinungsformen der Religion charakterisiert werden. Zum Beispiel zwischen der Sendungs-Prophetie, bei welcher die Auserwählten sich als Werkzeug Gottes fühlen, und der Konzeption eines persönlichen, überweltlichen, zürnenden und mächtigen Gottes, besteht »eine tiefe Wahlverwandtschaft«. 5

Des weiteren wird die Verbindung zwischen Klasseninteressen und verschiedenen Formen von Weltanschauung definiert. Nach Weber sind die Weltanschauungen autonom, aber die Entscheidung eines Individuums für diese oder jene hängt in hohem Maße von der Wahlverwandtschaft ab, die zwischen der Weltanschauung und seinen Klasseninteressen besteht. 6

Schließlich wird die Beziehung zwischen religiösen Lehren und verschiedenen Formen der Wirtschaftsethik analysiert. In diesem Zusammenhang erscheint uns der Begriff am bedeutendsten. Als exemplarisch für seine Verwendung sei hier folgende Passage aus Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus angeführt: »Dabei kann nun angesichts des ungeheuren Gewirrs gegenseitiger Beeinflussungen zwischen den materiellen Unterlagen, den sozialen und politischen Organisationsformen und dem geistigen Gehalte der reformatorischen Kulturepochen nur so verfahren werden, daß zunächst untersucht wird, ob und in welchen Punkten bestimmte ›Wahlverwandtschaften‹ zwischen gewissen Formen des religiösen Glaubens und der Berufsethik erkennbar sind. Damit wird zugleich die Art und allgemeine Richtung , in welcher infolge solcher Wahlverwandtschaften die religiöse Bewegung auf die Entwicklung der materiellen Kultur einwirkte, nach Möglichkeit verdeutlicht.« 7

Wir stellen fest, daß der Begriff das erste Mal in Anführungszeichen erscheint, als ob Weber sich entschuldigen wollte für die Verwendung einer romantischen und literarischen Metapher im Rahmen einer wissenschaftlichen Analyse. Aber im folgenden fallen die Anführungsstriche weg: das Wort ist zum Konzept geworden …

Es ist nicht verwunderlich, daß der Ausdruck im Zusammenhang der angelsächsischen positivistischen Rezeption Max Webers unverstanden blieb. Ein Beispiel, das ans Karikaturistische grenzt, liefert uns die englische Übersetzung der Protestantischen Ethik von Talcott Parsons, die um 1930 entstanden ist: In der oben zitierten Textpassage übersetzt er Wahlverwandtschaft einmal mit certain correlations , dann mit those relationships . 8

Während Webers Begriff auf eine innere Beziehung zwischen den beiden Figuren verweist, die reich ist an Sinngehalt und Bedeutungen, verrät sie Parsons mit seiner Übersetzung, macht sie zu einer banalen Beziehung oder Wechselbeziehung, die äußerlich bleibt und sinnentleert. Man könnte nicht besser illustrieren, daß dieses Konzept unauflöslich verbunden ist mit einem ganz bestimmten kulturellen Hintergrund, einer Tradition, die ihm seine expressive und analytische Kraft verleiht.

In diesen drei von Weber verwendeten Definitionen besteht Wahlverwandtschaft zwischen soziokulturellen Strukturen (wirtschaftlicher oder religiöser Natur), ohne daß es zur Bildung einer neuen Substanz oder einer wesentlichen Veränderung der ursprünglichen Komponenten käme – selbst dann nicht, wenn ihre Interaktion wirksame Konsequenzen hat, indem sie zum Beispiel die innere Logik jeder Figur verstärkt.

Max Weber hat nie versucht, diesen Begriff genauer zu untersuchen, die Konsequenzen zu diskutieren, die er als Methode mit sich bringt, oder das Gebiet festzulegen, in dessen Grenzen er angewendet werden kann. Hier und da begegnet er uns in deutschsprachigen Untersuchungen der Soziologie, jedoch immer ohne die geringste Reflexion, was er als Konzept bedeutet. Zum Beispiel schreibt Karl Mannheim in seiner bemerkenswerten Studie über das konservative Denken: »Bei dem Zusammenfließen zweier Denkrichtungen besteht die wissenssoziologische Aufgabe darin, jene Momente in den beiden Strömungen aufzusuchen, welche bereits vor der Synthese eine innere Verwandtschaft aufwiesen und dadurch die Vereinigung erst ermöglichten.« 9

Im Verlauf unserer Arbeit über die Verbindungen zwischen jüdischem Messianismus und gesellschaftlicher Utopie erschien uns das Konzept der Wahlverwandtschaft als geeignetes und erfolgversprechendes Handwerkszeug, um diese Verbindung genauer zu analysieren. Natürlich haben wir den Eindruck, daß es darüber hinaus beim Studium vieler anderer Aspekte der sozialen Realität dienlich sein könnte. Es hilft uns beim Verständnis, beim Verstehen im wörtlichen Sinne, wenn es um eine ganz bestimmte Art von Verbundenheit zwischen Phänomenen geht, die auf den ersten Blick disparat erscheinen mögen, aber innerhalb der kulturellen Sphäre angesiedelt sind. Wir denken an Verbindungen zwischen Religion, Philosophie und Literatur, aber auch an die Beziehungen zwischen Phänomenen unterschiedlicher sozialer Bereiche: zwischen Religion und Ökonomie, Mystik und Politik usw. Es könnte z. B. recht erhellend sein, auf das Konzept der Wahlverwandtschaft zurückzugreifen, wenn die Beziehung studiert werden soll, die sich im Mittelalter zwischen ritterlicher Ethik und Kirchenlehre 10herausgebildet hat, oder seit dem 16. Jahrhundert zwischen Kabbala und Alchimie. (Zu letzterem Thema existiert übrigens eine lesenswerte Arbeit von Gershom Scholem, »Alchimie und Kabbala«, veröffentlicht 1977 im Eranos Jahrbuch Nr. 45 ). Im 19. Jahrhundert lassen sich Beziehungen zwischen traditionalistisch konservativem Denken und romantischer Ästhetik beobachten (siehe dazu den oben erwähnten Artikel von Mannheim), zwischen deutschem Idealismus und Judentum (vgl. die Studie von Habermas), zwischen Darwinismus und der Lehre von Malthus.

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