Michael Löwy - Erlösung und Utopie

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Das Verhältnis zwischen jüdischem Messianismus und anarchistischer Utopie ist trotz seiner zahlreichen Berührungspunkte durch eine spannungsreiche Verschiedenheit unterschiedlicher Positionen gekennzeichnet. Es reicht von radikaler Unvereinbarkeit wie bei Gershom Scholem und Gustav Landauer bis hin zu wechselseitiger Befruchtung und Erhellung wie im Fall von Ernst Bloch und Walter Benjamin. Eine mögliche Verbindung dieser Pole steht und fällt mit der Überwindung des traditionellen Gegensatzes zwischen Atheismus und Religion, Materialismus und Spiritualität, Nationalismus und Romantik. Michael Löwy konzentriert sich dabei auf eine Gruppe von deutsch-jüdischen Intellektuellen (u.a. Benjamin, Kafka, Rosenzweig, Buber, Scholem, Löwenthal, Landauer, Bloch, Lukács, Fromm), deren Beiträge zu diesem Thema bis heute weitgehend unabgegolten sind.

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Dasselbe lässt sich von den Bewegungen mit libertärer Inspiration in der gegenwärtigen Welt auch jenseits der jüdischen Gemeinschaften sagen: Erfahrungen wie die der Zapatista in Mexiko oder der revolutionären Kurden in Rojava (im Norden Syriens) sind sehr wichtig und wecken in planetarischem Ausmaß viel Sympathie. Einer der wesentlichsten Ideengeber des Versuchs, eine nichtstaatliche Demokratische Konföderation in Kurdistan ins Leben zu rufen, ist der amerikanische Anarchist Murray Bookchin, Sohn von Emigranten russischer Juden. Sollte Bookchin tatsächlich etwas mit Gustav Landauer und anderen deutschen libertären Juden der Jahre 1905 bis 1945 gemein haben? Ich muss diese Frage offenlassen.

Das alles heißt nicht, dass man in dem weiten intellektuellen, kritischen und subversiven, melancholischen und utopischen Arsenal der jüdischen Kultur von Mitteleuropa des vergangenen Jahrhunderts nicht Ideen, Begriffe und „Wunschlandschaften” (Bloch) finden könnte, die für die heutigen Kämpfe Relevanz haben. Solange es Kämpfe und Anliegen gibt, die auf „eine radikale Idee der Freiheit” ausgerichtet sind – so Walter Benjamin im Blick auf den Surrealismus – wird dieses Erbe nicht vergessen sein.

Michael Löwy

Paris, Oktober 2020

INHALT

Einleitung

Die Besiegten der Geschichte

Kapitel 1

Zum Begriff der Wahlverwandtschaft

Kapitel 2

Jüdischer Messianismus und libertäre Utopie – Von den »Korrespondenzen« zur »attractio electiva«

Kapitel 3

Parias, Rebellen und Romantiker: Versuch einer soziologischen Analyse der jüdischen Intelligenz in Mitteleuropa

Kapitel 4

Religiöse Juden mit anarchistischen Tendenzen: Martin Buber, Franz Rosenzweig, Gershom Scholem, Leo Löwenthal

Kapitel 5

»Theologia negativa« und »utopia negativa«: Franz Kafka

Kapitel 6

Abseits und am Scheideweg: Walter Benjamin

Kapitel 7

Zwischen Assimilation, religiösem Atheismus und libertärer Utopie: Gustav Landauer, Ernst Bloch, Georg Lukács, Erich Fromm

Kapitel 8

Kreuzwege, Treffpunkte und Figuren: einige Beispiele

Kapitel 9

Eine französische Ausnahme: Bernard Lazare

Schlußbemerkung

Der »historische Messianismus« als romantische/messianische Konzeption der Geschichte

Bibliographie

Personenindex

EINLEITUNG

Die Besiegten der Geschichte

Unsere Generation wird bezahlt für ihr Wissen, denn das einzige Bild, das sie hinterlassen wird, ist das einer besiegten Generation. Dies wird ihre Hinterlassenschaft sein für die, die nach ihr kommen.

Walter Benjamin, Über den Begriff der Geschichte, 1940 .

Der Begriff »Mitteleuropa« bezeichnet eine geographische, kulturelle und geschichtliche Vorstellungswelt, die durch die deutschsprachige Kultur vereinheitlicht wird: Deutschland und die Österreichisch-Ungarische Monarchie. Während eines Zeitraums, der von der Mitte des 19. Jahrhundert bis 1933 reichte, hat die jüdische Gemeinschaft Mitteleuropas eine kulturelle Blüte erlebt, die alle Kategorien sprengte, ein Goldenes Zeitalter , das sich nur mit der jüdisch-arabischen Kultur des 12. Jahrhundert in Spanien vergleichen läßt. Diese Kultur des deutschen Judentums war das Produkt einer einzigartigen geistigen Synthese und hat der Welt Heine und Marx geschenkt, Freud und Kafka, Ernst Bloch und Walter Benjamin. Sie erscheint uns heute wie eine verschwundene Welt, ein Kontinent, den die Geschichte ausgelöscht hat, ein im Ozean versunkenes Atlantis mit seinen Palästen, Tempeln und Monumenten. Von der Flut des Nationalsozialismus hinweggespült, konnte sie nur im Exil überleben. Ihre Vertreter wurden in alle Winde zerstreut. Die letzten Überlebenden, die letzten Funken eines gewaltigen geistigen Feuers, sind vor kurzem erloschen: Marcuse, Fromm, Bloch.

Doch in dem, was unser 20. Jahrhundert an kulturellem Reichtum und geistiger Erneuerung hervorgebracht hat, haben sie bleibende Spuren hinterlassen: in der Wissenschaft, der Literatur und der Philosophie.

Diese Arbeit widmet sich einer ganz bestimmten Generation, einer ganz bestimmten geistigen Strömung im Universum der jüdischen Kultur in Mitteleuropa : einer Generation von Intellektuellen, die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts geboren sind und deren Schriften sich sowohl aus den Quellen der deutschen Romantik wie aus der jüdischen Tradition des Messianismus speisen.

In ihrem Denken verbinden sich im tiefsten Kern, organisch und unauflöslich, deutsche und jüdische Elemente, ganz gleichgültig, ob dieser Synkretismus nun stolz verantwortet wird wie bei Gustav Landauer, oder ob er in die innere Zerrissenheit führt wie bei Kafka. Einige von ihnen versuchen, ihre deutschen Ursprünge zu verleugnen (Gershom Scholem), andere ihre jüdische Identität (Lukács). Ihre Gedanken kreisen um die jüdische oder kabbalistische Idee des Tikkun , ein Begriff mit mehreren Bedeutungen, der sowohl Erlösung heißen kann, wie vor allem auch Entschädigung, Wiedergutmachung, Erneuerung, Wiederherstellung der verlorenen Harmonie.

Es war eine Generation von Träumern und Utopisten. Sie erstrebten eine Welt, die von Grund auf anders sein sollte, ein Königreich Gottes auf Erden, ein Reich des Geistes, ein Reich der Freiheit, ein Reich des Friedens. Ihr Ideal war die Gemeinschaft, in der alle gleich sind, der freiheitliche Sozialismus, die antiautoritäre Revolte, die permanente Revolution des Geistes. Mehrere von ihnen sind gefallen – einsame Kämpfer in den Thermopylen des 20. Jahrhunderts, Opfer der aufkommenden Barbarei wie Gustav Landauer 1919 in München, oder Opfer des Triumphs der Barbaren: Walter Benjamin 1940 in Port-Bou.

Die meisten von ihnen waren unbewaffnete Propheten. Eine Episode, die man aus dem Leben von Georg Lukács berichtet, könnte für viele von ihnen stehen. Nach der Niederlage der ungarischen Revolution, die er als Kulturminister der Regierung Imre Nagy unterstützt hatte, wurde Lukács im November 1956 verhaftet. Der sowjetische Offizier, der ihn mit seinem Maschinengewehr bedrohte, erteilte ihm den Befehl: »Liefern Sie sofort Ihre Waffen ab!« Da er keine andere Wahl hatte, soll der alte Philosoph seinen Füllfederhalter aus der Tasche gezogen und den Ordnungskräften übergeben haben …

Es handelt sich also um eine Generation, die von der Geschichte besiegt worden ist . Es verwundert nicht, daß so viele unter ihnen den Selbstmord gewählt haben: Tucholsky, Toller, Wolfenstein, Carl Einstein, Hasenclever, Benjamin …

In seinen Thesen Über den Begriff der Geschichte forderte Walter Benjamin, die Geschichtsschreibung müsse den Standpunkt der Besiegten einnehmen. Die vorliegende Studie ist ein Versuch, diese Methode anzuwenden.

Es klingt paradox, aber gerade weil es sich um Verlierer handelt, um Außenseiter, die gegen den Zeitgeist gedacht haben, gegen den Strom geschwommen sind, um trotzige Romantiker und unheilbare Utopisten, gerade deshalb gewinnen ihre Werke immer mehr an Aktualität und Sinngehalt, je mehr wir uns dem Ende des 20. Jahrhunderts nähern .

Selbstverständlich wurde diese romantische und messianisch gestimmte Generation von politischen und ideologischen Strömungen beeinflußt, die völlig unterschiedlich, oft sogar widersprüchlich waren. Ziel dieser Arbeit kann nicht sein, zu einem Urteil im Hinblick auf ihre Debatten zu gelangen oder in ihren Kontroversen Position zu beziehen. Vielmehr geht es darum, diese Bewegung aus dem Gesamtzusammenhang heraus zu verstehen , ihre Entstehung in einer ganz bestimmten historischen und sozialen Lage in Mitteleuropa, in einem Moment der Krise und der Erneuerung der jüdischen Tradition und der deutschen Kultur. Es handelt sich darum, eine Methode anzuwenden, die zur Kultursoziologie gehört, um den Aufschwung einer neuen sozialen Kategorie zu analysieren: der jüdischen Intelligenz, und die Bedingungen, die in ihrem Zentrum das Aufblühen einer zweifachen geistigen Konfiguration begünstigen: romantische Utopie und den Glauben an einen Messias, der die Erlösung bringt. Der Schlüsselbegriff dieser Untersuchung, der neue und noch weitgehend unerforschte Möglichkeiten im Bereich der Kultursoziologie eröffnet, ist der der Wahlverwandtschaft ; ein Begriff, der bei Goethe und Max Weber erscheint, hier aber anders verwendet wird. Hier wird das Werk von ungefähr fünfzehn Autoren behandelt, bekannten und unbekannten, berühmten und ruhmlosen, verehrten und vergessenen. Doch handelt es sich nicht darum, die Geschichte ihrer Ideen zu skizzieren oder eine kleine philosophische Darstellung jedes von ihnen zu präsentieren. Vielmehr soll in seiner Vielschichtigkeit von Bedeutungen ein kulturelles Universum wiedererstehen, das auch soziale Ursachen hatte. Diese Herangehensweise will versuchen, einen bedeutenden Bereich der modernen europäischen Kultur unter einem neuen Blickwinkel zu erhellen, ein unterirdisches Netz von Beziehungen zu enthüllen, das jene kreativen Geister miteinander verbindet. Sie versucht auch, innerhalb des magnetischen Feldes, dessen Pole die freiheitsgläubige Romantik und der jüdische Messianismus bilden, den Einbruch aufzuzeigen, den ein neuer Geschichtsbegriff bedeutete, eine neue Wahrnehmung von Zeitlichkeit, im Widerspruch zum Evolutionismus und zur Philosophie des Fortschritts.

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