»O.k.«, sagte Jo. »Und jetzt muß ich Sie wieder ärgern, Chef. Wieso behaupten Sie, daß es ein politischer Mord war?«
Der Superintendent lächelte: »Panahiamu, Heilige Maria, was sonst sollte es ein.«
Jo nickte und lächelte ebenfalls. Er machte sich wieder Notizen. Das war unerfreulich. Wenn die Griechen auf einem interkommunalen Konflikt bestanden, hatte er eine Menge Arbeit. »O.k.«, sagte er dann, »werden sehen, was die drüben sagen.« Er meinte die Türkische Polizei. »Informiert sind sie ja schon durch unseren Verbindungsoffizier.« Er machte sich zum Gehen fertig. Er hatte das Gefühl, etwas vergessen zu haben. »Ja«, sagte er schließlich, »richtig. Was war das für ein Lärm, von dem Sie sprachen?«
Der CID Chef schien nicht glücklich über diese Frage. »Zikaden«, sagte er dann fast kleinlaut. »Zikaden. Die Ohrenzeugen sagen übereinstimmend aus, unmittelbar nach dem Schrei hätten alle Zikaden der Nachbarschaft zu zirpen begonnen. Ein Höllenlärm.« Der Superintendent zuckte die Schultern.
Jo verstand seine Verlegenheit nicht recht.
»Na, wahrscheinlich sind die Viecher von dem Schrei geweckt worden«, sagte er.
Der Grieche schüttelte traurig den Kopf.
»Zikaden reagieren nicht auf Lärm«, sagte er. »Und sie zirpen nur, wenn die Sonne scheint.«
»Nur wenn die Sonne scheint?« fragte Jo fassungslos.
»Eben. Ja. Nur wenn die Sonne scheint. Jedes Kind weiß das bei uns.«
Er zog wieder die Schultern hoch, schaute unglücklich drein. Er wußte, daß damit die Zeugenaussagen fraglich, unglaubwürdig wurden. Immerhin war er ehrlich, der Bursche. Jo konnte nun leicht das »Allah«, die gesamte »Türkenversion« in Frage stellen.
»Kann ich mit den Zeugen einmal reden?« fragte Jo höflich.
»Aber selbstverständlich.« Der CID Chef war nun wieder ganz Herzlichkeit. »Selbstverständlich. Ich muß Sie nur bitten, einen meiner Beamten mitzunehmen. Sie wissen, Sie haben allein nicht das Recht, Vernehmungen durchzuführen.«
Natürlich wußte Jo das.
Er würde anrufen, wenn es notwendig wäre. Der CID Chef gab ihm eine Visitenkarte mit Telefonnummer. Jo ging.
Er mußte nun die Türkische Polizei kontaktieren. Jo beschloß, das am nächsten Tag zu tun. Avrio. Es war heiß, und er hatte Durst auf ein Bier. Er dachte über die komische Zikadengeschichte nach. Er fuhr in den UNO-Club und trank ein paar Flaschen Bier. Herrlich kaltes, dänisches Bier. Die Zikaden vergaß er wieder.
Später, Jahre später, mußte Jo Heller oft an diesen Tag denken. An diesen Tag, an dem er in die komische Zikadensache verwickelt wurde. Und er verfluchte diesen Tag.
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