Lisa Henry - Ein guter Junge

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Der introvertierte College Student Lane Moredock ist in Schwierigkeiten. Seine Mutter wurde verhaftet wegen eines Finanzbetrugs und sein Vater ist auf der Flucht – und jeder glaubt, Lane weiß, wo die Millionen versteckt sind. Lane, der jetzt mittellos da steht und keine Bleibe hat, lässt sich auf einen verzweifelten Deal mit Acton Wagner, einem sogenannten Dom, ein, der ihm noch größeren Ärger einbringt.
Der Fotograf Derek Fields hat eine Menge Geld an die Moredocks verloren und auch er ist sicher, dass Lane schuldig ist, egal, was der behauptet. Doch als sie sich treffen, wird ihm klar, dass Lane mehr ist als der arrogante und priviligierte junge Mann. Derek fragt sich sogar, ob Lane nicht der sein könnte, nach dem er gesucht hat: einem Sub, der sein Lebenspartner werden könnte.
Doch zuerst müssen beide die Wahrheit herausfinden – und lernen, einander zu vertrauen.

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Und dieser Scheck. Dieser Scheck war seine Zukunft.

Lane schlug seinen Kopf sanft gegen die rissigen Fliesen.

„Was müsste ich denn tun?“

Er hatte alles getan, verdammt noch mal, nicht wahr?

Zog sich in Actons großer Küche aus. Übergab seine Kleider, seine Telefone, nicht nur, weil es Teil des Deals war, sondern auch, weil es Teil der Fantasie war. Acton würde das Sagen haben. Acton würde ihn dazu bringen, Dinge zu tun.

Die erste Sache war ein Blowjob, direkt in der Küche. Lane war nicht sehr erfahren. Er konnte an einer Hand abzählen, wie oft er jemandem schon einen geblasen hatte. Auf dem College sollte es darum gehen, sich zu betrinken und Sex zu haben, und Lane war in beidem schlecht. Er war ein paar Mal gefickt worden, hatte ein paar Blowjobs gegeben und noch ein paar weniger bekommen, und er schämte sich für seine Unerfahrenheit. Sex war unbeholfen und ungeschickt, wenn Lane ihn initiierte. Er brauchte jemand anderen, der das Sagen hatte. Acton wusste das. Und nutzte das.

Lane seufzte, als das warme Wasser die offenen Striemen auf seinem Rücken sowohl brannte als auch linderte.

Das erste Mal, als Acton ihn bestraft hatte – für den Blowjob: zu langsam, zu schlampig, nicht genug Enthusiasmus –, und er es nicht gehasst. Lane war aus dem Gleichgewicht geraten, nervös gewesen, hatte nicht wirklich geglaubt, dass es überhaupt passierte, aber er hatte es nicht gehasst.

Er befolgte gerne Befehle. Er mochte es, wenn Leute ihm sagten, was sie erwarteten. Die Sache mit Acton stand auf einer ganz anderen Skala, aber was hatte er sich gesagt, als er sich für seine erste Bestrafung über den Schreibtisch beugte?

Es war nur eine Woche.

Acton hatte ihm geholfen.

Es hatte wehgetan. Sein ganzer Hintern hatte gestochen, als Acton ihm die sechs Hiebe mit dem Rohrstock verpasst hatte. Die Haut hatte sich straff und geschwollen angefühlt. Lanes Beine hatten gezittert, als er endlich aufgestanden war.

Und, dumm wie er war, hatte er gedacht, das sei das Schlimmste.

„Was für ein Mensch lutscht Schwänze für einen Schulgeldscheck?“, hatte Acton ihn gefragt.

Das hatten sie schon besprochen. Diesmal hatte Lane nicht gezögert, trotz seiner Tränen. „Eine Hure.“

Acton hatte lächelnd mit dem Rohrstock auf seinen Schreibtisch geklopft. „Und wo sind deine Manieren, Landon? Was sagst du, wenn dir jemand genau das gibt, was du brauchst?“

Lane hatte sich ein Schluchzen verkniffen. „Ich danke Ihnen, Sir.“

Oh Gott. Nein.

Hör auf. Hör auf, daran zu denken.

Wenn diese erste Bestrafung die schlimmste gewesen wäre, hätte Lane die Woche überstehen können. Wenn die letzte Nacht nicht gewesen wäre, hätte er es vielleicht getan. Aber letzte Nacht … Er konnte sich nicht einmal überwinden, an letzte Nacht zu denken.

Lane schaltete die Dusche aus und stieg aus der Wanne. Er griff nach dem dünnen Hotelhandtuch und rieb damit durch sein Haar. Langsam und vorsichtig ab tupfte er seinen Körper ab. Seinen Rücken wischte er nicht ab. Er wollte das Handtuch nicht blutig machen.

Er hatte dummerweise gedacht, dass seine Verletzungen am Morgen besser sein würden.

Sie waren nicht besser und hatten sich den ganzen Tag über verschlimmert.

Lane zuckte zusammen, als er sich bückte, um seine Kleidung aufzuheben. Er wrang sie im Waschbecken aus und hängte sie über den Handtuchhalter.

Lane verließ das Bad und setzte sich auf das schmale Bett. Er zog sich mühsam eine Hose an, denn alles tat noch verdammt weh, und das meiste war noch blutig. Jedes Mal, wenn er sich bewegte, riss er den Schorf auf.

Lane wollte Acton hassen, aber er hasste sich selbst mehr. Er war schwach, er war dumm, und deshalb war es passiert. Er hatte es verdient, denn so war er nun mal.

Und was er letzte Nacht getan hatte – wie konnte er überrascht sein, dass Acton durchgedreht war? Hatte ihn fertiggemacht, ihn rausgeschmissen.

„Es geht nicht um den Betrag, es geht ums Prinzip. Verstehst du mich?“

Er sollte froh sein, dass Acton ihn zwei Tage früher hatte gehen lassen.

Er wollte sich nicht im Stich gelassen fühlen.

„Hast du mich verstanden?“

Lanes Eingeweide verdrehten sich, und er schmeckte Galle. Er musste die Augen öffnen und auf den Boden starren, um sich zurück in die Gegenwart zu zwingen. Sein Blick wanderte zu seinen Händen, die zitterten. Die blauen Flecken an seinen Handgelenken. Gott, er hatte so eine Scheißangst gehabt.

Verfluchter Acton.

Ein Klopfen an der Tür ließ ihn aufschrecken.

„Polizei, Mr Moredock. Öffnen Sie die Tür.“

Lane kämpfte sich auf die Beine und griff nach einem trockenen T-Shirt.

„Nur eine Minute!“

Das hatten sie doch im Fernsehen gesagt, oder? Jetzt würden die Cops wahrscheinlich denken, dass er zur Toilette rannte, um Drogen runterzuspülen oder so. Oder, in seinem Fall, Dokumente zu schreddern. Er zog das Hemd an, zuckte zusammen und ging zur Tür. Er öffnete sie einen Spalt. Die Kette war kaputt, also würde das niemanden aufhalten, aber er hasste die Vorstellung, sich mehr zu entblößen, als der Spalt in der Tür zuließ.

Zwei Männer in Anzügen und mit zwei Ausweisen schoben sich auf ihn zu.

Lane ließ die Tür aufschwingen.

„Landon Moredock?“, fragte einer von ihnen.

Im ersten Moment dachte er, sie seien hier, um ihn zu verhaften. Sein Herz raste, und er konnte nur nicken.

Derjenige mit dem Hängebauch sah fast gelangweilt aus. „Wir möchten, dass Sie mit aufs Revier kommen und eine Aussage über Acton Wagner machen.“

Lane verstand nicht. Er hatte keine Anzeige erstattet. Hatte Acton es jemandem erzählt? Hatte jemand sie gesehen? Gott, dieser Blowjob in der Küche, als er das Summen der Heckenschere direkt neben dem Fenster gehört hatte. Hatte der Gärtner es gesehen? Aber seit wann war ein Blowjob gegen das Gesetz?

„Ich weiß nicht …“, begann er. „Ähm, worüber?“

Plötzlich sah Bierbauch nicht mehr gelangweilt aus. Wenn überhaupt, dann sah er unbeholfen aus. Er räusperte sich. „Acton Wagner ist tot. Selbst zugefügte Schusswunde. Ich brauche Ihre Aussage.“

Lane kämpfte gegen eine plötzliche Welle von Schwindelgefühl an.

Tot. Oh Gott.

Die Detectives starrten ihn an.

Okay, okay.

„Ich, ähm, ich ziehe meine Schuhe an“, sagte er zu den Polizisten, obwohl er ihnen eigentlich sagen wollte, dass alles seine Schuld war.

***

Derek schloss sein Studio um sechs Uhr ab.

Das Studio befand sich in Belleview. Das Gebäude war in Ordnung, die Miete war angemessen, und die Lage – drei Türen von einem Brautmodengeschäft entfernt – war ideal.

In der Highschool, als Derek sich zum ersten Mal für die Fotografie interessiert hatte, war die Vorstellung, eines Tages ein professioneller Fotograf zu sein, glamourös gewesen. Man musste sich nur überlegen, welche Art von Fotograf man sein wollte, hatte Derek gedacht: Der Typ, dessen einziger Schutz in einem Kriegsgebiet eine Splitterschutzweste und ein Presseausweis war, oder der Typ, der spröde, rehäugige, androgyne Models „Darling“ nannte und später von ihren dünnen Ärschen Koks abzog.

Erst viel später fiel Derek auf, dass die meisten Fotografen genau wie alle anderen auf der Welt waren. Sie erschienen jeden Tag zur Arbeit, erledigten ihren Job kompetent und entschieden, welche Rechnungen jetzt bezahlt werden mussten und welche auf den nächsten Monat verschoben werden konnten. Er hatte die Augen offen gehabt, als er seinen Kabinenjob hingeworfen hatte. Er hatte gewusst, dass es nicht glamourös sein würde, aber er war sein eigener Chef. Und das war verdammt viel wichtiger als Glamour.

Die fünfzehnminütige Fahrt war auch ganz nett.

Als Derek genau achtzehn Minuten später nach Hause kam – er hatte eine rote Ampel auf der Maple Avenue erwischt –, lag ein gelber Umschlag in seinem Briefkasten. Auf der Außenseite war in Christys grässlicher Handschrift „Ideen für den Kalender“ gekritzelt.

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