Die Schluchten
Das häufigste Sujet der Crème der montenegrinischen Landschaftsmaler ist die Schlucht - die Nationalgalerie in Podgorica wirkt wie ein Katalog der tiefen Täler und wilden Flüsse. Prunkstück der Canyons ist die Schlucht der Tara ganz oben im Norden des Landes. Vom oberen Rand des engen Flusstals am Ćurevac beträgt die lichte Fallhöhe bis zum Bett der Tara über 1300 m, das ist der europäische Spitzenwert. Das sieht von oben schon ergreifend toll aus, noch großartiger entfaltet sich die geologische Sensation dann vom Wasser, und so gehört die Rafting-Tour auf der Tara auf jeden Reiseplan. Wem der Spitzenwert egal ist und wer und nicht unbedingt eine Fahrt im Gummiboot braucht: Auch Morača, Mrtvica und Piva haben sich eindrucksvoll tief in die Berglandschaft eingraben, der Preis für den spektakulärsten Canyon gebührt jedoch der superengen Komarnica.
Das Durmitor-Gebirge
Montenegro allgemein ziemlich hügelige Landschaft faltet sich am kräftigsten im Durmitor-Gebirgsstock in die Höhe. Ein halbes Hundert 2000er-Gipfel nimmt dort gerade einmal etwas mehr als die Grundfläche Münchens in Anspruch und hat trotzdem alles, was ein richtiges Gebirge braucht: schroffe Felswände, Hochalmen, Tieftäler, Schneefelder und ein paar Schluchten. Das sieht nicht nur endschick aus, sondern gibt Bergsportlern aller Couleur beste Bedingungen für ihre Aktivitäten: Singletrail und Downhill, Klettern und Bergwandern, im Winter Skifahren - und das alles ohne den Massenauflauf der einschlägigen Alpenregionen.
Der Skadar-See
Für Geologen ist er nicht einfach ein See, sondern eine Kryptodepression. Das ist sachlich korrekt - sein Grund liegt unterhalb des Meersspiegels, der Seespiegel darüber -, klingt aber doch arg nach fieser Krankheit. Romantiker werden sich nicht groß darum scheren, für sie ist der Skandar einzig und allein ein großes, stilles Gewässer inmitten elegischer Landschaften. Doch trotz seiner knapp 170 km langen Uferlinie ist es gar nicht so einfach, an den See ranzukommen. Zum Teil weil knapp ein Drittel auf albanischem Staatsgebiet liegt, vor allem jedoch, weil die riesige Wasserfläche touristisch fast völlig unerschlossen ist, was vor allem die Birdspotter- und Anglerfraktion freut. Erstere können in aller Ruhe ihrem reiche Aussichtsbeute verheißenden Geschäft nachgehen, Letztere müssen sich nicht mit planschenden Schwimmern herumärgern und können beachtliche Mengen von Karpfen aus dem trinkwassersauberen Wasser ziehen - eine sehr athletische endemische Subspezies des Fisches übrigens, die ganz und gar nicht tranig schmeckt. Nicht einmal 20 km Luftlinie entfernt von den proppevollen Ständen an der Adria hat man ein Idyll der ersten Kategorie fast vollständig für sich allein. Melancholische Anwandlungen lassen mit den hervorragenden Weinen aus den fruchtbaren Hängen und Flächen am Ufer bekämpfen.
Biogradska Gora
Von den Gebirgsregionen ist der Nationalparkum den kleinen Hochmoorsee ganz bestimmt die grünste. Ziemlich genau in der Landesmitte wachsen hier die Baumriesen tatsächlich fast bis in den Himmel, und das in einer Dichte, dass dem Nationalpark das Prädikat „Urwald“ verliehen wurde. Weiter oben wird die Vegetation zwar niedriger, aber bis auf Gipfelhöhe sind die Hänge wiesengrün und strauchbewachsen. Wie auch im Rest der weiten Bergwelt sind Wanderer hier ziemlich allein unterwegs, nur in der kurzen Wintersaison wird es um das Hochplateau der Bjelasica kurz recht voll - dann dreht sich hier die einzige echte Skischaukel Montenegros.
In salzig und süß
Wassern in Montenegro
Fast an der ganzen Küste fallen die Berge steil ins Meer, deshalb die Isomatte mitnehmen: Es kieselt an den Stränden, dafür ist das Wasser meist kristallklar. Erst ganz im Süden bei Ulcinj gibt es Sand, dann aber gleich auf ostadriaweit einzigartigen dreizehn Kilometern.
Springen ist vielleicht keine so gute Idee.
Baden auf der Halbinsel
Davon träumt der Strandaficionado: eine abgelegene, menschenleere Bucht mit azurblauem Wasser und pittoresken vorgelagerten Inselchen. In Žanjicegibt es das fast alles noch, bloß völlig menschenleer ist es nicht mehr, dafür sorgt schon der rege Bootsverkehr. Aber immer noch ist hier viel, viel weniger los als an den industriell betriebenen Stränden in Budva und Herceg Novi. Die vergleichsweise lange Anfahrt über die engen Straßen der Halbinsel Luštica ist die Bucht aber unbedingt wert. Ganz toll auch zum Schnorcheln und zum Klippenspringen: einen halben Kilometer bis zur Ruine des Forts Mirište laufen, da hat man auch einen besseren Blick auf die Gruselinsel Mamula.
Viel Sand am Großen Strand
Der feine, dunkle Sand der Velika Plaža soll ja sogar gesund sein, vor allem schmiegt er sich warm um die nackten Füße - mit Kiesgepiekse ist hier endlich Schluss. Außerdem kann man die Kinder endlich auch unbeaufsichtigt schwimmen lassen, der Flachwasserbereich zieht sich sehr weit hinaus. Der Große Strand ist zwar touristisch sehr gut erschlossen, aber auf dem endlos langen und sehr breiten Sandstreifen findet man problemlos auch ein einfaches Plätzchen. Am südlichen Ufer der Buna auf der Nudistensandbank der Ada Bojana geht dann auch FKK.
Strand brutal
Die Hard-Rock-Variante des Strandbesuchs. Oder Tekkno. Oder Speed Metal: auf jeden Fall laut. Die Badestreifen vor den Bettenburgen von Herceg Novi, Budva und Bečići sind ganz gewiss nicht beschaulich, dafür sorgen zuverlässig Jet-Skis, Powerboote und Musikbeschallung; lustig ist es aber schon. So wie Oktoberfest mit Sonne - wer mitfeiert und mittrinkt, hat ganz sicher einen Riesenspaß.
Einsam am großen See
Das komplette Gegenteil der Amüsiermeilen an der Küste: In Murići am Skadar-See ist man ganz allein, und wenn man beim Schwimmen im komfortabel von Mutter Natur temperierten See Wasser schluckt, gleich noch einmal einen nehmen: Die Füllung des riesigen Sees erreicht spielend Trinkwasserqualität. Nur das Bier und das Strandpicknick muss man eben selber den recht langen, aber ungemein spektakulären Weg über die Klosterroute mitbringen.
Gumpenspringen an der Cijevna
Die paar Kilometer, die die Cijevna durch die glühend heißen Felder in der Ebene von Podgorica fließt, reichen nicht aus, um den Gebirgsfluss auf schmusige Temperatur zu bringen: Ein Bad in der Cijevna ist vor allen Dingen erfrischend. Aber nur um zu schwimmen kommt man hier auch nicht her: Hinter dem Wasserfall „Niagara“ (der ist hübsch, die Bezeichnung dann aber doch schon ein bisschen großmäulig) hat sich die Cijevan weit in den Boden gefräst und bietet großartige Möglichkeiten zum 12 m-Sprung in die tief ausgewaschenen Strudeltöpfe. Die Bewunderung der Dorfjugend ist Ihnen sicher!
Schwimmen in der Komarnica-Schlucht
Na ja, schwimmen - so einfach ist es nicht: Ohne ganz dicken Neoprenanzug und einen ortskundigen und qualifizierten Guide geht das nicht, aber die Durchquerung, -schwimmung und -hüpfung des Nevidio-Canyons der Komarnica ist ganz bestimmt das aufregendste Erlebnis, das man in montenegrinischen Gewässern so haben kann.
Ohne Schirm und Strandmatte
Natürlich kann man in der Wassern Montenegros viel mehr als bloß planschen. Für den Anfang reicht schon eine Taucherbrille, um den Reiz der üppig belebten Meeresfauna plastischer zu erleben, mit deutlich mehr Ausrüstung kommt man dann noch weiter und länger unter Wasser: Montenegro, besonders vor und in der Bucht von Kotor, ist ganz sicher ein Tauchrevier der obersten Kategorie.
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