Langsam rollte er hinaus, hinaus zu dem Café, das nicht nur Kaffee und Kuchen bot, sondern – fast wie ein Restaurant – auch solide, wohlschmeckende Gerichte.
Die Therapeutin nahm ihm gegenüber Platz, nachdem sie ihm und seinem Rollstuhl einen Platz freigeräumt hatte.
Das Café füllte sich zusehends. Auch unmittelbar rechts und links von ihnen nahmen jetzt Leute Platz. Der Patient blickte leicht besorgt um sich.
Sie vertieften sich in das Studium der Speisekarte. Ein immer stärkeres Grollen in seinem Bauch hinderte ihn daran, sich diesem Studium so hinzugeben wie die Therapeutin. Sie bemerkte es. »Laß es einfach geschehen, wenn es geschehen will. Beachte es nicht weiter«, wies sie ihn ruhig an.
»Ich hätte gern ein Pfeffersteak mit grünen Bohnen, ein großes Bier dazu und Erdbeeren mit Vanillepudding zum Schluß«, sagte er der Therapeutin.
Die lächelte. Sie wußte, Vanillepudding mit Erdbeeren war sein Lieblingsnachtisch, der würde ihm die schwierige Situation versüßen. Sie wollte es ihm aber nicht so einfach machen.
Die Kellnerin erschien. »Für mich bitte Lasagne al forno und einen Valpolicella und für ihn Pfeffersteak mit Salzkartoffeln und ein alkoholfreies Bier«, sagte sie lächelnd.
Die Kellnerin verschwand. Die gute Laune der Therapeutin blieb. »Bohnen machen zu viel Blähungen, und Alkohol wäre im Moment für dich unangebracht, ebenso wie zu viel Süßes.« Den wahren Grund nannte sie nicht, er war ohnedies offensichtlich: Ich will es schlicht und einfach so. Basta .
Das Rumoren in seinem Darm wurde immer stärker. Man sah es wohl seinem Gesicht an.
»Schenk dem keine Beachtung. Es dauert sowieso immer länger, als man so denkt.«
Stimmt, dachte er, das Rumoren geht weiter, aber es führt nicht zu seinem logischen Ende. Noch nicht .
Die Bedienung brachte das Essen, für beide zugleich, und wünschte guten Appetit.
Dampfend und wohlriechend stand das Essen vor dem Patienten und der Therapeutin, da geschah das Unvermeidliche: Der Patient mußte sich kurz an den Seitenlehnen seines Rollstuhls hochstemmen, eine dicke, warme, breiige Masse entfuhr seinen Hinterbacken und verteilte sich breit unter ihm, als er sich wieder in seinen Stuhl plumpsen ließ. Vorne wurde es naß und warm.
Der Patient beugte sich vor. »Ich hab immer Angst, man hört was, ein Quackern oder Prasseln«, wisperte er mit scheuem Seitenblick auf die Gäste an den Nebentischen der Therapeutin zu.
»Dann mußt du eben dazu stehen«, entgegnete sie in normaler Lautstärke. »Es ist Teil deiner künftigen Alltagsrealität, für den ganzen Rest deines Lebens, und je eher du lernst, eventuelle despektierliche Bemerkungen ebenso wortgewandt zu parieren, desto besser.«
Konsequent zog sie ihn in ein Gespräch über allerlei Alltägliches und forderte ihn immer wieder dazu auf, das Essen zu genießen. Er bemühte sich nach Kräften, ihren Anforderungen zu genügen und alles so selbstverständlich und locker zu sehen, wie sie es wollte.
Endlich hatten sie ihre Mahlzeit beendet, sie hatte bezahlt, und wieder rollte er an ihrer Seite durch die Menschenmassen und an den Läden und Geschäften vorbei, wobei er bei jeder Bewegung die Matsche unter seinem Po und zwischen seinen Beinen spürte. Geruch gab es kaum, die neuen breitbündigen Windelhosen waren in der Tat vorzüglich.
An einem Zeitschriftenstand blieb er stehen. Das Titelthema des ausliegenden aktuellen SPIEGEL interessierte ihn.
»Könnte ich bitte einen SPIEGEL haben?« fragte er seine Therapeutin.
Die Therapeutin trat heran, nahm einen SPIEGEL vom Stapel, blätterte kurz darin, sagte: »Ich glaube nicht, daß im aktuellen SPIEGEL etwas von wirklichem Interesse steht« und legte ihn wieder auf den Stapel.
Der Patient wußte, damit war die Sache gegessen. Sie hatte den Geldbeutel, nicht er.
Gemächlich rollten und schlenderten sie zurück zum Parkhaus …
Wieder zurück in der mollig warm geheizten Praxis bettete die Therapeutin den bis auf die Windelhose entkleideten Patienten mit leicht gespreizten Beinen auf eine bequeme Chaiselongue, die sie zuvor mit einem Gummilaken überzogen hatte.
»Und nun wollen wir noch ein wenig daran arbeiten, das Erlebte zu verarbeiten und mit positiven Gefühlen zu konnotieren«, verkündete die Therapeutin. »Greif jetzt in die Windel und reib deinen Schwanz. Stell dir vor, wie es in Zukunft öfter mal sein wird. Deine Windel ist voll, aber es ist nicht lästig oder unangenehm, eher gemütlich, und es ist überhaupt nicht schlimm, daß der nächste Windelwechsel erst in einigen Stunden ist.
Du bist mitten in einer dichten Menschenmenge und mußt ›groß‹, und es geht eben nicht lautlos und unauffällig, sondern diesmal nur sehr auffällig laut, alle gucken irritiert bis indigniert, aber du siehst das ganz locker.
Du bist auf einem Stadtbummel mit deiner Frau, und natürlich hat sie den Geldbeutel, und sie verweigert dir etwas, was du gerne hättest, aber dein Verstand muß ihr im Grunde Recht geben, sie weiß besser als du, was für dich gut ist …«
Nach gut zehn Minuten solcher Erzählungen ergoß sich der Patient schließlich in seine Windel.
Zufrieden nickte die Therapeutin. Dann verschwand sie im Nebenraum und kehrte mit einer Portion Vanillepudding mit Erdbeeren zurück, die sie dem beglückten Patienten reichte.
Oben Matsche, unten Matsche, dachte er, als er den Pudding mit der Zunge kostete und dabei mehr denn je das schmierige Gefühl auf seinem Po spürte.
Die folgende Geschichte erwuchs aus einem Rollenspiel zwischen mir und der erfahrenen »Gummimami« »Pam von Pers«:
www.kleines-fetischstudio.de/ich.htm
Telefon: 0173/8185318 .
Es ist eigentlich überflüssig zu betonen, daß es sich bei der folgenden Story um ein Rollenspiel unter Erwachsenen handelte; aber manche Leute kriegen ja alles in den falschen Hals …
Gary Pooper
Große Ferien
LANGSAM ERWACHTE ER. Nein, er fuhr nicht mehr mit dem schreckerfüllten Gedanken Oh Gott, ich komm zu spät zur Schule! hoch. Jetzt war schon der dritte Tag der großen Ferien – jetzt wußte er schon beim Erwachen, daß große Ferien waren. Sechs Wochen lang herrliche große Ferien – nicht mehr früh aufstehen müssen, keine Müdigkeit mehr, keine Hetze mehr morgens. In aller Ruhe ausschlafen können. Und nach den Ferien kam er schon in die zweite Klasse – er war jetzt schon bald ein richtig großer und starker Junge!
Eigentlich ging er nämlich gerne zur Schule. Endlich kein Kindergartenkind mehr, endlich ein richtiger Schüler! Und nach den Sommerferien würde er auch kein »I-Männchen« und kein »ABC-Schütze« mehr sein – die nahm man ja nicht recht für voll –, sondern schon ein richtiger Zweitkläßler! Und diesen eingebildeten Buben vom Nachbarhaus, die ihn immer hänselten, denen würde er es schon zeigen, daß er stärker war als sie …
Sein Mut sank, als er sich an die Hüfte griff und mit dem Finger an ein dickes Polster stieß. Plötzlich kamen ihm auch die Geräusche im Haus wieder zu Bewußtsein: Das Klopfen und Schieben, die Fußtritte und die tiefen Männerstimmen. Und da begann auch schon eine Bohrmaschine zu kreischen. Oder war es eine Schleifmaschine? Er wußte es nicht. Seit Beginn der Sommerferien – der ersten großen Ferien für ihn überhaupt! – herrschte Hochbetrieb im Hause. Das ganze Haus sollte renoviert werden, seine größere Schwester und er sollten schönere Zimmer bekommen, Bad, Dusche und Klo waren eine einzige Baustelle – und weil Mama nach der Scheidung von Papa nicht mehr so viel Geld hatte, mußte sie bei den ganzen Renovierungsarbeiten selber mit Hand anlegen, soweit es ging. Und es ging natürlich nur in den großen Ferien – Mami war nämlich Lehrerin an derselben Schule, die er jetzt als Schüler besuchte!
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