»Für die Hersteller ist es einfach billiger, die Plastiklaken und -hosen in Erwachsenengrößen mit denselben Mustern zu bedrucken, die auch bei den Kleinkindergrößen verwendet werden. Ich nenne das ein Glück«, sagte die Therapeutin eindringlich, »schafft es doch genau diese Kleinkind-Atmosphäre von Behütetsein und Fürsorge, die unsere Patienten positiv erleben sollen.«
Der Rollifahrer guckte etwas skeptisch, bemühte sich aber, Begeisterung zu zeigen. Gehorsam nahm er das Ende der Plastik-Windelhose in die Hand, das ihm die Therapeutin reichte.
»Hören Sie doch nur« – die Therapeutin knetete lustvoll das andere Ende – »wie schön das Material knistert und wie angenehm es sich anfühlt! Und die straffen Bündchen am Bauch und an den Beinen sind bei diesem Modell vier Zentimeter breit; da kann Ihre Tochter bald nur noch vermuten, daß Sie die Hosen voll haben – erschnuppern kann sie es nicht mehr!« Sie lachte.
Fast widerwillig nickte der Patient. »Das hört sich ja gar nicht schlecht an.«
»Dann nehmen wir das Modell doch gleich für unseren Ausflug.« Die Therapeutin machte Nägel mit Köpfen.
Der Patient nickte wieder. Die Therapeutin zog eine dicke Windel aus der Fünfundzwanzigerpackung und raschelte auch mit ihr. »Wir wollen in den kommenden Wochen versuchen, dieses Rascheln ebenso zu genießen wie das Gefühl des Warm-und-dick-eingepackt-seins.«
Der Patient nahm die Windel aus der Hand der Therapeutin und knetete sie gehorsam, bemühte sich dabei sichtlich, zu lächeln und das Ganze positiv zu empfinden. »Es fühlt sich tatsächlich wie ein wolliger dicker Pullover an – stimmt!«
»Und nun stellen Sie sich vor, dieser Pullover umschließt und behütet sie unten herum … Zum Glück haben Sie ja noch ein sehr gutes Empfinden in dieser Region, nur Ihre Beine sind unzuverlässig geworden – zu unzuverlässig, um den Rollstuhl zu verlassen.«
Sie schob ihn mit dem Rollstuhl dicht an die Liege mit dem bärchenbedruckten Plastiküberzug heran. »Kommen Sie …« Sie half ihm auf die Liege, spreizte seine Beine, puderte seinen Intimbereich und wickelte ihn straff, aber nicht zu eng, streifte ihm dann die Plastikhose über und lächelte.
»Na – gutes Gefühl?«
»Ja – es fühlt sich dick und gemütlich an.«
»Sicherheit und Geborgenheit – das müssen Sie sich immer vor Augen führen.«
Sie half ihm, seine bewußt weitgeschnitten gewählte Hose über das Windelpaket zu ziehen. »Wenn die Ausbeulung um Ihre Hüften herum auffällt – denken Sie immer daran: Das ist von nun an Ihre Normalität, und dazu stehen Sie mit Selbstbewußtsein.«
Minuten später war der Patient vollständig angekleidet.
»Und jetzt geben Sie mir bitte Ihren Geldbeutel, Ihre Papiere, Ihre Kreditkarte – alles. Es ist wichtig, daß Sie lernen, mehr loszulassen, sich fallen zu lassen und anderen die Führungsrolle zu überlassen. Im Bett haben Sie sich wohl schon daran gewöhnt, geritten zu werden?«
»Ja. Es war eine … nicht unbeträchtliche Umgewöhnung, aber jetzt geht’s.«
»Versuchen Sie, es noch mehr zu genießen. Denken Sie immer an den alten Spruch: Tue gern, was du tun mußt. Wenn Sie schon zur Passivität … sagen wir mal: bestimmt sind, dann tun Sie am besten von Ihrer Seite aus alles, um den Genuß an dieser Passivität zu erhöhen!
Und nun stellen Sie sich bitte vor, ein kleiner Bub geht an der Hand seiner Mutter durchs Einkaufszentrum. Sie führt ihn an der Hand durch die Läden, sie weiß, was gut für ihn ist und was nicht, welches Comic, welcher Kaugummi, sie verwaltet das Einkaufsgeld.
Können Sie sich vorstellen, wie wohl dieses Umsorgtwerden dem Umsorgten tut, auch wenn er das nicht in jedem Moment zu schätzen weiß?
Denken Sie immer daran: Ihre Frau will nur Ihr Bestes, wenn sie Ihnen mal dies oder jenes verweigert. Und nun geben Sie mir bitte Ihr Portemonnaie und was sonst noch so in Ihren Taschen ist.«
Er tat es.
Er rollte, begleitet von seiner Therapeutin, in die geräumige Garage, hievte sich mit ihrer Unterstützung auf den Beifahrersitz; der Rollstuhl wurde in den Kofferraum verfrachtet.
Geschickt steuerte die Therapeutin den Van durch den dichten Verkehr der Innenstadt, lenkte ihn in ein Parkhaus und steuerte einen der bequemen Behindertenparkplätze an. »Sehen Sie? Noch ein Vorteil! Sie bzw. Ihre Frau haben in Zukunft die bestgelegenen, breitesten Parkplätze. Sie werden umsorgt, brauchen sich um keine finanziellen Angelegenheiten mehr zu kümmern, die aktive Rolle beim Sex macht Ihnen auch keinen Streß mehr, Sie werden überallhin hinchauffiert, müssen nicht mehr selbst fahren – Sie sind wahrlich ein Glückspilz.«
So kann man’s auch sehen, dachte der Patient, und nach den vorangegangenen Argumenten der Therapeutin waren seine Gedanken nur noch zur Hälfte sarkastisch gemeint.
Minuten später saß der Patient wieder in seinem Rollstuhl, der in der rollstuhlgerecht breiten Gasse zwischen zwei geparkten Autos stand.
Die Therapeutin griff in ihre Tasche, holte zwei mit kleinen Vorhängeschlössern versehene schwarze Lederriemen daraus hervor und fixierte die Füße des Patienten damit seitlich an den Rollstuhl.
Auf den fragenden Blick des Patienten hin erläuterte sie: »Ich möchte nicht, daß du dich im kritischsten Moment der Reste deiner Beinkraft erinnerst und in Panik zu fliehen versuchst. Der kritischste Moment ist außerdem gar kein kritischer Moment, sondern fortan etwas völlig Normales für dich, und du wirst ihn in Zukunft so hinter dich bringen, daß auch der Rest der Welt das als etwas völlig Normales ansieht. Es ist Zeit, daß du dich daran gewöhnst. Verstanden!?« Sie hatte leise, aber bestimmt gesprochen, war vom Siezen zum Duzen übergegangen und sah dem in seinem Rollstuhl sitzenden Patienten dabei schräg von oben in die Augen.
Der nickte.
Sie klopfte ihm beruhigend auf die Schulter. »Dann gehen wir jetzt in medias res.«
Nur wenige Meter waren es vom Behindertenparkplatz des Parkhauses zum Übergang zum Einkaufscenter.
Langsam rollte er im Center in ihrer Begleitung an Bäckereien und Fleischereien vorbei, an Spielwarenläden und Zoogeschäften und fragte sich wie immer beim Anblick des Menschenstroms, wie die lieben Mitmenschen wohl reagieren würden auf …
An einem Café blieb die Therapeutin stehen. »Hier werden wir nachher essen und trinken«, bestimmte sie. »Aber zunächst müssen wir woanders hin.«
Gehorsam folgte er ihr vom Menschenstrom weg auf einen Gang, um eine Ecke und bis in den Baby-Wickelraum. Eine plastikbespannte Liege mit »lustigen« Disneymotiven.
Die Tür schloß sich hinter ihnen. Sie waren allein in dem Raum.
»Du wirst diesen Raum wohl eher selten benötigen. Die guten Cremes verhindern ein rasches Wundwerden deines Pos, und die neuen Windelhosen mit den vier Zentimeter breiten, straffen Bündchen sind, wie wir schon besprochen haben, weitgehend geruchsdicht, so daß du es in Zukunft eine ganze Zeitlang … ohne Windelwechsel aushalten kannst, aber trotzdem möchte ich, daß du auch diesen Raum als dir zugehörig empfindest, ganz selbstverständlich und normal.«
Der Patient nickte wieder stumm.
Die Therapeutin löste die Fußriemen, half ihrem Patienten, sich vornüber mit gespreizten Beinen über die Liege zu beugen.
Der Patient hörte ein Rascheln und Knistern von Medikamentenpackungen und Cellophanstreifen, dann ein Rascheln seiner Plastik-Windelhose. Er spürte, wie sich eine gummibehandschuhte Hand den Weg zwischen seine Pobacken bahnte und behutsam, aber sicher ein Zäpfchen in seinem Po versenkte, das sogleich ein leichtes Prickeln in ihm auslöste.
Behutsam hievte sie ihn wieder in seinen Rollstuhl, fixierte seine Füße wieder seitlich an den blinkenden Metallstreben, an denen die Fußstützen befestigt waren.
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