Gundolf S. Freyermuth - Reise in die Verlorengegangenheit

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Die «Reise in die Verlorengegangenheit» erzählt vom deutschen Exil – von dem Exodus der kulturellen Elite, mit dem 1933 die Teilung der deutschen Kultur begann. Freyermuths Reise führt vom Berlin der Gegenwart in das von Nazi-Truppen umstellte Marseille, das letzte Schlupfloch der «Falle Europa». In sechs exemplarischen Portraits deutscher Emigranten werden die halbverwischten Spuren dieses wichtigen Teils unserer Geschichte gesichert. Aus einzelnen Schicksalen, Anekdoten und Erinnerungen der portraitierten Künstler weitet sich die Erzählung zu einer Geschichte des deutschen Exils.
Gespräche mit Berliner Künstlern, Kulturpolitikern und Intellektuellen über die Vergangenheit von Exil und Teilung sowie über die Chancen und Gefahren einer vereinigten Zukunft begleiten die historische Reise. In diesem Chor damaliger Berliner Charaktere verschränken sich die Umwälzungen der Jahreswende 1932/33 mit der «Revolution» von 1989/90 – der gewaltsame Beginn der deutschen Teilung mit ihrer friedlichen Beendigung. Die Fahrt auf den Spuren deutscher Emigranten ist daher auch eine aktuelle «Bildungsreise»: eine Erkundung der historischen wie der «ideologischen» Orte, an denen sich eine neue nationale Identität gebildet hat.
Stationen einer Reise in die deutsche Verlorengegangenheit, auf der Suche nach dem anderen, besseren Teil unserer Tradition.

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Kohner lehnt sich in den Polstern der Besucherecke zurück und winkt mit einer resignierten Geste ab, die sagen will: Machen musste ich's, aber geholfen hat's eh nichts.

Mit jedem Monat, den Paul Kohner in Berlin arbeitete, mehrten sich die Anzeichen des heraufziehenden Unheils. Die Serie wichtiger Urnengänge im Frühjahr und Sommer 1932 - die Wahl des Reichspräsidenten, die preußische Landtagswahl, zwei Reichstagswahlen - heizten das Klima an.

»Die Hauptschlachtfelder waren Bierstuben, die verräucherten kleinen Kneipen der Arbeiterviertel«, erinnert sich Arthur Koestler. »Das falsche Lokal betreten hieß in die feindlichen Linien vordringen. Von Zeit zu Zeit zerschossen die Nazis in der klassischen Gangstertradition Chicagos eines unserer Verkehrslokale. Eine Bande von SA-Leuten pflegte dort zu langsam an der Kneipe vorbeizufahren und durch die Fensterscheiben zu schießen. Dann rasten sie mit halsbrecherischer Geschwindigkeit davon.« 50

Doch fast unbeeinflusst von dem politischen Terror ging das Leben weiter, verdrängten der Alltag und der Wille zur Normalität die tägliche Ausnahmesituation, den drohenden Bürgerkrieg.

In seiner Heimatstadt Teplitz-Schönau feierte Kohner in diesem Sommer Hochzeit mit Lupita Tovar, einer populären mexikanischen Filmschauspielerin. Zu dieser Zeit produzierte er gerade den Arnold-Fanck-Film »SOS Eisberg«. Die weibliche Hauptrolle in dem Mensch-gegen-Natur-Spektakel spielte Leni Riefenstahl, bekannt für ihre Adolf-Idolatrie. »Sie verdrehte immer, wenn von Hitler die Rede war, in Verzückung die Augen«, spottete Marta Feuchtwanger. 51Teile der Dreharbeiten fanden damals in Grönland statt. Als die Crew zurückkam, wurden dem Produzenten die eigentümlichen Extravaganzen der Hauptdarstellerin berichtet: »Die hatte ein großes Foto von Hitler mitgenommen, und für das hat sie sich von einem Eskimo einen Rahmen aus Seehundfell machen lassen.«

Der distinguierte alte Herr tippt sich an die Stirn: »Der Hitler im Seehundfell, was soll man dazu sagen?«

»Haben Sie noch andere Erinnerungen an Frau Riefenstahl?«

»Nur die schlechtesten, das ist eine aufdringliche, widerliche Person. Bei der Erstaufführung des Films erschien sie plötzlich auf der Bühne, begleitet von einer uniformierten Schutzstaffel, einem SS-Trupp, und dann machten sie alle den Hitler-Salut. Von dem Augenblick an habe ich jeden Kontakt mit ihr verweigert.«

Auf den Plakaten, stellte Kohner empört fest, fehlte entgegen den Verträgen der »jüdische« Name des Produzenten. »Ich habe die Ufa verklagt, das war damals noch möglich.« Der alte Mann mir gegenüber strahlt in der Erinnerung: »Sie mussten alles überkleben, mit einem Querstreifen: ›Eine Paul-Kohner-Produktion‹.«

»Hatten Sie keine Angst bei Ihren persönlichen Konfrontationen mit den Nazis?«

»Ach, ich war eigentlich sehr frech. Denn ich war ja inzwischen Amerikaner. Wenn die Nazis ankamen mit ihren Sammelbüchsen und all diesem Quatsch, zückte ich immer den Pass, da haben sie den Schwanz eingezogen und sind abgehauen. Außerdem, am Anfang hat man das alles nicht so ernst genommen.«

Doch die Zeit, zu der noch Amüsement über die Dummheit und Borniertheit des Gegners möglich war, ging schnell vorbei. Mochten die Nazis nicht besonders helle sein, für Brutalitäten und Mord reichte es allemal. Der Schrecken, den sie verbreiteten, eskalierte von Woche zu Woche - und zeigte Wirkungen über den Straßenterror hinaus. Kleine wie große Firmen begannen vorsichtig, ihren »nicht-arischen« Personalbestand abzubauen, viele jüdische Deutsche mussten erleben, dass gute Bekannte und Freunde sie nicht mehr kennen wollten. 52Die endgültige Wende brachte dann der 30. Januar 1933.

»Nach der Machtübernahme haben wir fürchterliche Sachen gesehen, soviel Gewalt. Einmal sind meine Frau und ich abends mit der U-Bahn nach Hause gefahren, da haben draußen auf einem Bahnsteig Nazis in Uniform auf zwei orthodoxe Juden eingeschlagen. Es war entsetzlich. Jeder hat so etwas mit anschauen müssen.«

»Wie lange blieben Sie in Berlin?«

»Am 1. April 1933 bin ich abgereist, an dem fürchterlichen antijüdischen Aktionstag. 53Man ist durch Scherbenhaufen gegangen, und wo die Fensterscheiben noch heil waren, da stand ›Juda verrecke‹, ›Kauft nicht bei Juden‹, es war widerlich. Überall Uniformen, und überall haben sie Leute zusammengeschlagen.«

»Können Sie ...«

»Ich will darüber nicht weiter sprechen«, sagt Kohner. Einen Augenblick sitzen wir schweigend da.

Bereits am frühen Morgen des Freitag sah man die SA mit ihren Transparenten durch die Stadt ziehen. »Die Juden sind unser Unglück«, »Gegen jüdische Greuelpropaganda im Auslande«. In den Vormittagsstunden begannen sich die Posten der Nazis vor die jüdischen Geschäfte und Betriebe zu stellen, und jeder Käufer wurde darauf aufmerksam gemacht, nicht bei Juden zu kaufen. Auch vor unserem Lokal postierten sich zwei junge Nazis und hinderten Kunden am Eintritt. Mir erschien das Ganze unbegreiflich. Es konnte mir nicht einleuchten, dass so etwas im 20. Jahrhundert überhaupt möglich sein konnte, denn solche Dinge hatten sich doch höchstens im Mittelalter ereignet ... Und für dieses Volk hatten wir jungen Juden einst im Schützengraben in Kälte und Regen gestanden und haben unser Blut vergossen, um das Land vor dem Feind zu schützen. Gab es keinen Kameraden mehr aus dieser Zeit, den dieses Treiben anekelte? Da sah man sie auf der Straße vorübergehen, darunter gar viele, denen man Gutes erwiesen hatte. Sie hatten ein Lächeln auf dem Gesicht, das ihre heimtückische Freude verriet. 54

»Wer sollte da noch bleiben?« Kohner macht eine abwehrende Geste, die sich gegen die Vergangenheit zu richten scheint. »Ich habe dann von Paris aus gearbeitet, Filme produziert in London, Budapest, Wien. Aber immer mal wieder musste ich zurück. Als Ausländer war ich der einzige, der die Geschäfte der Firma abwickeln konnte. Dabei habe ich versucht, möglichst viel von dem Besitz unserer Angestellten, von denen die meisten weggingen, mit rauszuschmuggeln; Geld und Juwelen. Leider gab es einige, die geblieben sind, weil sie einfach nicht glauben wollten, was passieren würde. Manchmal ging es mir selbst so. Als ich 1935 zurück nach Amerika sollte, bekam ich eine wunderbare Offerte von der Ufa ...«

»Als Jude ...?« unterbreche ich ihn erstaunt.

»Ach, die haben gemeint, das regeln wir schon alles, ich bräuchte keine Angst zu haben ... Die wollten halt jemanden, der sich auskannte. Jedenfalls, in einer schwachen Stunde habe ich überlegt, ob ich nicht vielleicht ... Berlin war so großartig ... Doch da hat meine Frau gesagt: ›Ohne mich.‹« Kohner schüttelt den Kopf und seine Augen scheinen durch mich hindurchzusehen: »Gott sei Dank hat meine Frau sich damals geweigert!«

Abrupt schlägt er beide Hände ineinander. Ich zucke erschrocken zusammen, so sehr hatten Kohners Erzählungen die Gegenwart verdrängt und die Vergangenheit heraufbeschworen.

»Entschuldigen Sie«, sagt er, »aber jetzt brauchen wir etwas zu trinken und ein Sandwich. Anders lassen sich diese Geschichten nicht mehr aushalten.«

5

»Soviel Humanität, soviel Menschlichkeit wie man bei den emigrierten deutschen Juden antrifft, kann man in Deutschland mit der Laterne suchen ...« 55

Eine Kultur wandert aus• Hunderttausende 56mussten Deutschland verlassen, als die Nazis 1933 ihre blutige Jagd begannen. 57Auch die Elite der deutschen Kultur rettete sich ins Exil. Ein in der deutschen Geschichte einmaliger Exodus an Talent und Wissen, an Erfahrungen und an handwerklichem Können setzte ein. Kaum ein Schriftsteller von Rang mochte den Nazis dienen; die künstlerische Avantgarde floh den Zensurterror, die Bauhäusler ebenso wie die Neutöner; die Teams ganzer Filmproduktionen fanden sich fast vollständig in Hollywood ein, komplette Forschungsinstitute siedelten in die USA um, über die Hälfte aller Ordinarien emigrierte, unter den dreitausend Spitzenwissenschaftlern, die Deutschland den Rücken kehrten, waren allein vierundzwanzig Nobelpreisträger.

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