REAKTIONEN AUF STRESS
Ein Rüde, der ständig und überall auf dem Hundeplatz markiert, ist nicht unbedingt „dominant“, sondern steht eventuell unter starkem Stress.
Auf Ausstellungen kann man sehr häufig Hunde beobachten, die an Durchfall leiden. Auch hier ist die Ursache meistens Stress. Die Enge und der Lärm in den Ausstellungsräumen, verbunden mit den vielen fremden Menschen und Artgenossen überfordern viele Hunde. Durch den andauernden Stress wird der Wasserhaushalt derartig aus dem Gleichgewicht gebracht, dass es zu Durchfall kommt.
Werden dem Hund häufig solche Situationen zugemutet, sind chronische Durchfälle die Folge. Nicht selten konsultiert der ratlose Hundehalter dann diverse Tierärzte, probiert die verschiedensten Diäten oder Heilmittel aus, ohne zu einem zufrieden stellenden Ergebnis zu gelangen. Kein Wunder, denn Ursache des Durchfalls ist nicht eine Darminfektion, sondern Stress.
Auch Blase und Nieren werden von Stresshormonen beeinflusst. Das bei Stress ausgeschüttete Aldosteron bewirkt zusammen mit Adrenalin eine Anregung der Nierentätigkeit und so eine verstärkte Wasserausscheidung. Ein Rüde, der ständig und überall auf dem Hundeplatz uriniert, ist nicht unbedingt „dominant“, sondern steht eventuell unter starkem Stress.
Auch andere für den Hund belastende Situationen machen sich durch vermehrten Harndrang bemerkbar. Der Dalmatinerrüde Dandy zum Beispiel muss nicht oft allein zu Hause bleiben. Ist dies aber doch einmal der Fall, gibt er bei der Rückkehr seiner Halterin deutlich zu verstehen, dass er raus muss, obwohl es eigentlich noch nicht an der Zeit für die nächste Gassi-Runde ist. Endlich draußen, bleibt er deutlich länger als üblich am nächsten Baum stehen, um seine Blase zu entleeren. Auch uns Menschen geht es nicht anders. Ob Führerscheinprüfung oder Gang zum Traualtar – meistens wird kurz vorher noch die Toilette aufgesucht…
Permanenter Stress kann auch an Blase und Nieren Krankheiten hervorrufen. Vor allem, wenn die Möglichkeit fehlt, die Blase ausreichend häufig zu entleeren, kann der ständige Druck auf die Blase zu Inkontinenz führen, was bedeutet, dass der Hund den Urin nicht mehr kontrolliert halten kann und unsauber wird. Durch den anhaltenden Druck in der Blase staut sich der Urin im Nierenbecken, wodurch auch die Niere geschädigt werden kann.
Ist ein Hund häufig krank, leidet er an Allergien oder infiziert er sich grundsätzlich mit jedem Magen-Darm-Virus, der im Umlauf ist, muss an eine Erkrankung des Immunsystems gedacht werden. Wie schon erwähnt, kann das bei Stress ausgeschüttete Cortisol das Immunsystem schwächen.
Auch ein Hund, der ständig hechelt, hat eventuell ein Stressproblem. Durch die Adrenalinwirkung werden Kreislauf und Atmung beschleunigt, was sich beim Hund neben einem erhöhten Puls auch durch Hecheln bemerkbar macht. Hechelt ein Hund zum Beispiel permanent beim Autofahren, so muss nicht nur die Innenraumtemperatur überprüft werden, sondern auch, ob der Hund grundsätzlich Angst vor dem Mitfahren im Auto hat und deshalb stressbedingt hechelt.
WICHTIG:Nicht nur die bisher geschilderten Beispiele von Hunden, die mit Überforderung, Angst oder Krankheit zu tun hatten, verweisen auf Stress als Ursache. Selbst Erlebnisse, die wir als positiv bewerten würden, wie zum Beispiel das Spielen mit dem Ball, können Stress auslösen. Sehr positive, überraschende Ereignisse regen nicht nur Hunde, sondern auch uns Menschen auf.
Stellen Sie sich vor, jemand überbringt Ihnen die Nachricht, dass Sie fünf Millionen Euro im Lotto gewonnen haben. Würden Sie da ruhig sitzen bleiben und denken „…ach Gott, das ist ja nett…“? Bestimmt nicht! Sie würden jubeln, sich freuen, Ihr Pulsschlag wäre beschleunigt, Sie wären aufgeregt. Oder denken Sie an ein Kind, das heute seinen Geburtstag feiert. Viele Freunde sind eingeladen, es gibt Geschenke, Verwandte kommen zu Besuch, Spiele werden gespielt. Dieser kleine Mensch steht den ganzen Tag im Mittelpunkt des Geschehens – und ist entsprechend aufgekratzt, kann abends nicht einschlafen, muss immer wieder von all diesen vielen Erlebnissen erzählen, ehe er sich schließlich beruhigen kann. Und nun stellen Sie sich mal vor, Sie würden mit diesem Kind eine Woche lang jeden Tag Geburtstag feiern… es würde gar nicht mehr zur Ruhe kommen.
Sieht man sich den „Stundenplan“ einiger Hunde an, so drängt sich einem genau dieses Bild auf. Montag: Agility in der Gruppe. Dienstag: Bergwandern mit sechs weiteren Hunden. Mittwoch: Stadtbesuch inkl. Einkaufsbummel durch die Kaufhäuser mit anschließendem Essen im Lokal. Donnerstag: Obedience in einer gemischten Hundegruppe. Freitag: Laufen am Fahrrad, denn der Hund soll ja seinen Auslauf bekommen. Und jetzt haben wir endlich Wochenende und können mit unserem vierbeinigen Freund so richtig was unternehmen! Das alles ist sicher gut gemeint, aber es bietet dem Hund nicht ausreichend viele Ruhephasen und führt auch wieder zu Stress.
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