Reiner Sörries - Ein letzter Gruß

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Die Bestattungskultur in Deutschland hat sich in den letzten zwanzig Jahren radikal verändert. Neben der traditionellen Beisetzung auf dem Friedhof haben sich See- und Luftbestattungen weiter etabliert ebenso wie Friedwälder und Kolumbarien. Und der Trend zum kreativen Umgang mit Trauer, Sterben und Tod hält an. Immer mehr Menschen suchen entsprechend persönlicher Merkmale wie z.B. Alter, Geschlecht, Rasse, Herkunft, Religion, Weltanschauung und sexueller Orientierung neue Möglichkeiten, ihren «letzten Weg» aktiv mitzugestalten. Reiner Sörries zeigt, welches Potenzial eine plurale Gesellschaft auch im Hinblick auf den «letzten Weg» entfalten kann und dass ein Comeback der traditionellen kirchlichen Bestattung durchaus möglich ist.

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Der „Garten der Frauen“ ist in seiner Weise ein deutliches Signal nicht nur der Emanzipation, sondern auch einer neuen Trauerkultur, in der der Unterschied der Geschlechter zu einem neuen Wesensmerkmal wird. Frauen sind anders, sie empfinden das und sie gestalten entsprechend ihr Leben anders und ihr Sterben.

Männer trauern anders

Wenn hier gewissermaßen einleitend von Frauen die Rede war, so müsste man eigentlich auch von ihnen sprechen, wenn es um die Trauer geht. Zumal mit der relativ jungen Gender-Forschung vorwiegend das weibliche Geschlecht in den Fokus rückte, weil man hier im Zuge der Emanzipation auch die Defizite entdeckte, die mit dem Rollenbild Frau verbunden sind. Selbstredend wusste man von der Benachteiligung der Frau durch die Last der Trauerkleidung, die sie fast ausschließlich zu tragen hatte. Überhaupt wurde man sich bewusst, dass die Trauer eine Frau war. Ihre ins Bild gesetzten Personifikationen finden sich auf vielen Friedhöfen und sind in ihrer anrührenden bis erotischen Gestalt die Zierde vieler Grabmale des 19. Jahrhunderts. 26Frauen hatten allerdings auch das verbriefte Recht, ihre Gefühle offen zu zeigen und zu weinen. Die Männer schienen dabei außen vor zu sein.

Die bereits für das Rollenverständnis herangezogene Radierung des Malers Rudolf Jordan die das Begräbnis des jüngsten Kindes zum Inhalt hat und 1857 entstanden ist, mag einen Eindruck von solcher Rollenverteilung vermitteln, wenn die Mutter vor Gram gebeugt die Hände vors Gesicht schlägt und ihrem Schmerz freien Lauf lässt. Einen Schritt vor ihr trägt der Vater das Särglein des Kindes und hat den Blick nach vorn gerichtet. Mag auch er den Schmerz des Verlustes spüren, so ist ihm die Möglichkeit versagt, ihn zu zeigen. Selbst in dieser bitteren Stunde bleibt er der Handelnde, denn er muss agieren. Auch dem Töchterchen neben ihm, das sich an seinem Hosenbein festhält, ist eine Rolle zugewiesen, die des unwissenden Kindes, das noch nichts von dem tragischen Geschehen versteht und hilflos in die Welt blickt. Alles hängt am Vater, der gerade jetzt keine Schwäche zeigen darf, obwohl ihm danach zumute ist.

Dass die Mutter trauern darf, dass ihr als Frau sogar die Pflicht des Schmerzes auferlegt war, ist Teil des Familienbildes dieser Zeit und bis heute geblieben. Frauen, so glaubt man, können deshalb mit ihrer Trauer besser umgehen. Sie können darüber reden, schließen sich einer Trauergruppe an oder besuchen ein Trauercafé. Dass Männer an ihrer auferlegten Rolle scheitern können, manche Ehen deshalb den Verlust eines Kindes nicht aushalten, wird von Psychologen heute auf lang zurückliegende, archaische Zeiten zurückgeführt. Der Mann musste still sein, damit ihm das zu jagende Tier nicht wegläuft, während die Frau am Herd und mit ihrer Kinderschar zu ständiger Kommunikation gezwungen war. Andere führen die Sprachlosigkeit der Männer, die sich hinter Rationalität und dem Willen zur Kontrolle über sich selbst verbirgt, auf ihre anders verlaufende Sozialisation zurück. 27Man mag solche und ähnliche Erklärungsversuche mögen oder nicht, aber die Erkenntnis reift, dass Männer anders trauern als Frauen. 28

Hierher gehört die Beobachtung, dass Trauergruppen ganz überwiegend von Frauen besucht werden; Männer sind hier Exoten und so fühlen sie sich dann auch und bleiben wieder weg, falls sie überhaupt den Mut aufgebracht haben, dort Hilfe und Unterstützung zu suchen. Die Erkenntnis, dass Männer nicht mit, vor allem nicht vor Frauen reden können, führte schließlich zur Einrichtung von Trauergruppen für Männer. Es ist eine späte Anerkenntnis der Verschiedenheit von Menschen, auf deren unterschiedliche Bedürfnisse differenziert eingegangen werden muss. Verfolgt man die Entwicklung des Prinzips Trauergruppe, die aus verschiedenen Gründen mehrheitlich an die Stelle der Einzelseelsorge getreten ist, so wird die wachsende Wahrnehmung von Verschiedenheit noch deutlicher. Trauergruppen werden nicht nur nach Geschlecht, sondern nach Situation organisiert. In der Trauergruppe „Verwaiste Eltern“ treffen sich Eltern, in deren Familie ein Kind gestorben ist; dagegen wendet sich die „Regenbogengruppe“ an Eltern, deren Kind kurz vor, während oder kurz nach der Geburt verstorben ist. Die „Trauergruppe Suizid“ wiederum ist offen für Menschen, die einen Angehörigen oder Freund durch einen Suizid verloren haben. Gerade unter großstädtischen Verhältnissen ist es durchaus üblich, dass mehrere geschlechts- oder anlassbezogene Trauergruppen nebeneinander bestehen.

Genderspezifische Aspekte der anonymen Bestattung

Dass Männer und Frauen sich jeweils anders verhalten, belegt ein Blick auf die anonyme Bestattung, die gewissermaßen als Indikator für eine veränderte Bestattungs- und Friedhofskultur gelten kann. Da sie in den späten 1980er- und den 1990er-Jahren rasch an Akzeptanz gewann, steht sie gewissermaßen auch am Beginn des Wandlungsprozesses. Als man sich kritisch mit ihr auseinanderzusetzen begann, hielt man finanzielle Erwägungen für ausschlaggebend bis hin zur Diffamierung der Bevölkerung, der die Bestattung ihrer Angehörigen nichts mehr wert sei. Völlig unbeachtet blieben dabei geschlechtsspezifische Unterschiede in den Beweggründen für eine anonyme Bestattung. Es ist das Verdienst der Soziologin Nicole Sachmerda-Schulz und des Sozialwissenschaftlers Paul Sebastian Ruppel, auf diese Sachverhalte aufmerksam gemacht zu haben. Für ihre Forschung bedienten sie sich der Methode offener Leitfadeninterviews mit Personen, die sich für eine anonyme Bestattung entschieden hatten.

Bei der Wahl einer anonymen Bestattung, so die beiden Forscher, zeigen sich auffällige Differenzen zwischen Männern und Frauen: „Die Präsentation bzw. Repräsentation von Weltanschauungen und Werthaltungen stellt für die (männlichen) Interviewpartner eine Triebfeder für die Entscheidung für eine Anonymbestattung dar. Aussagen der (weiblichen) Interviewpartnerinnen indes verweisen darauf, dass diese Entscheidung primär einer pragmatischen und am sozialen Umfeld ausgerichteten Orientierung folgt.“ 29Wählen Männer die Anonymität, so wollen sie vielfach tatsächlich ganz verschwinden („ein Verschwinden in der Masse“) und sehen darin eine bewusste antichristliche Haltung. So äußerte sich ein Befragter, dass das Grab als ortsgebundene Erinnerungsstätte religiöser Praxis entspreche, welche er ablehne: „Das ist für mich typisch christlich oder an bestimmte Religionen gebunden, und die sind für mich nicht relevant.“ Ein anderer präferierte ein anonymes Friedwaldgrab, weil er darin einen Gegenentwurf zum christlich konnotierten Friedhof sieht. Bemerkenswert ist zudem der Schluss, dass Männer diese quasi unsichtbare Form der Bestattung gleichzeitig als Manifestation ihrer Anschauung im öffentlichen Raum verstehen. Sie wollen damit etwas über ihren Tod hinaus ausdrücken.

Für Frauen spielten diese Gedanken, so Sachmerda-Schulz und Ruppel, eine eher untergeordnete Rolle. Sie orientieren sich bei ihrer Entscheidung eher an den Bedingungen ihres sozialen und privaten Umfeldes. Eine Frau erläuterte, die anonyme Bestattung sei eine pragmatische Alternative, um den Angehörigen Aufwendungen in Form von Zeit und Geld zu ersparen. Der Beweggrund, den Hinterbliebenen nicht zur Last fallen zu wollen, scheint demnach eher für Frauen maßgeblich zu sein, während er für Männer allenfalls eine untergeordnete Rolle spielt.

Frauen wiederum lassen sich zudem von der Sorge leiten, ihr Grab könnte dereinst ungepflegt sein und nicht ihren Vorstellungen einer Gedenkkultur entsprechen, wobei zusätzlich eine denkbare Verwahrlosung der Grabstätte die Angst vor den Blicken der anderen schürt: „… jeder guckt, diese Woche war die gar nicht aufm Friedhof und hat geharkt oder es wurden noch keine neuen Blumen gepflanzt und das Gesteck, na das ist bestimmt von Aldi oder so. Also da wird so richtig drüber hergezogen, und das ist was, was mir total gegen den Strich geht.“ Damit kann die anonyme Bestattung für Frauen eine Möglichkeit darstellen, sich den Konsequenzen der sozialen Normen und Konventionen in Bezug auf die Grabpflege zu entziehen.

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