Reiner Sörries - Ein letzter Gruß

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Die Bestattungskultur in Deutschland hat sich in den letzten zwanzig Jahren radikal verändert. Neben der traditionellen Beisetzung auf dem Friedhof haben sich See- und Luftbestattungen weiter etabliert ebenso wie Friedwälder und Kolumbarien. Und der Trend zum kreativen Umgang mit Trauer, Sterben und Tod hält an. Immer mehr Menschen suchen entsprechend persönlicher Merkmale wie z.B. Alter, Geschlecht, Rasse, Herkunft, Religion, Weltanschauung und sexueller Orientierung neue Möglichkeiten, ihren «letzten Weg» aktiv mitzugestalten. Reiner Sörries zeigt, welches Potenzial eine plurale Gesellschaft auch im Hinblick auf den «letzten Weg» entfalten kann und dass ein Comeback der traditionellen kirchlichen Bestattung durchaus möglich ist.

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Dabei herrscht unter den Frauen eine bewusste Reflexion ihrer Praxis, die allerdings bis heute kaum theoretisch unterfüttert ist. Selbst Erni Kutter, Diplom-Sozialpädagogin und Vorkämpferin für eine weibliche Trauerkultur, die versucht, in das Phänomen der Frauentrauer tiefer einzudringen, verweist letztlich nur auf das „uralte Frauenwissen“, von dem Impulse für die „Entstehung einer neuen Sterbe- und Gedenkkultur“ 18ausgehen. Sie verweist auf die traditionelle Beziehung der Frauen zur Kranken- und Totenfürsorge, auf altes schamanisches Wissen ebenso wie auf spirituell-magische Hintergründe der mittelalterlichen Beginen. Aus meiner Sicht macht sie deutlich, dass es sich hier um Gefühle handelt, die den Ausschlag geben, wenn Frauen, die sich ihrer Verschiedenheit bewusst werden, sich bei Geschlechtsgenossinnen besser aufgehoben wissen.

Die weiblichen Bestatterinnen kommen jedoch nicht nur einem erwachenden Bedürfnis nach der Betreuung der Frauen durch Frauen entgegen, sondern sie nehmen Einfluss auf die Bestattungskultur an sich, denn immer mehr Männer orientieren sich an den weiblichen Idealen und befleißigen sich derselben Sensibilität. Viele Vertreter der neuen Bestattergeneration sind Quereinsteiger/innen und kommen aus unterschiedlichsten Berufen; sie haben sich aufgrund eigener Erfahrungen – gelungenen wie weniger gelungenen Abschieden von nahestehenden Menschen – an einem bestimmten Punkt ihrer jeweiligen Biografie entschieden, ein eigenes Bestattungsinstitut zu gründen. So heißt es auf der Website des „BestatterInnen Netzwerk“ 19, sie seien ein bundesweiter Kreis inhabergeführter Bestattungsunternehmen, die sich einem gemeinsam erarbeiteten Leitbild 20verpflichtet haben. Vielem darin fühlen sich „normale“ Bestatter/innen ebenso verpflichtet, aber ein besonderer Gedanke ist schon, dass sich die alternativen Bestatter/innen als Wegbegleiter in der kostbaren Zeit zwischen Tod und Bestattung für die Toten und ihre Angehörigen verstehen. Kostbare Zeit ist hier der Schlüsselbegriff, mit dem sie der durch den Tod belasteten Zeit eine neue Qualität verleihen. Und sie verstehen die Toten nicht als Objekte ihres Tuns, sondern als schutzbedürftige Menschen und Teil des Beziehungsgeflechtes, innerhalb dessen es eines Interessenausgleichs zwischen Toten, Angehörigen und Institutionen bedarf.

Friedhöfe für Frauen

Wie die Bestattung seit dem 19. Jahrhundert eine Domäne der Männer geworden war, so gehörte es umgekehrt zum Bild der Frau, dass sie sich um die Pflege der Gräber kümmert. Grabpflege war reine Frauensache, solange die Familie das Standardmodell der Lebensgestaltung war. Dies hat sich, wie wir alle wissen, längst geändert, und eine Vielzahl von Lebensformen ist nicht an ihre Stelle, ihr aber wohl zur Seite getreten. Das Single-Sein als eine weitverbreitete Lebensform erfordert hier neue Strukturen, macht Familiengräber überflüssig und lässt überhaupt die Frage nach der Sinnhaftigkeit und Bedeutung des Grabes entstehen. Die anonyme Bestattung war gewiss auch eine Antwort auf die Frage nach einer ungewissen Sorge um das Grab. Wo keiner da ist, der diesen Ort der Trauer braucht und sich darum kümmert, ist er verzichtbar. Doch schließt das nicht den Wunsch der Betroffenen nach einer Grabstelle aus.

Als eine Lösung bietet sich das Gemeinschaftsgrab an, in dem man sich schon zu Lebzeiten einen Platz sichert. Dort kann man sich aufgehoben wissen, bleibt indes so vereinzelt, wie man vielleicht gelebt hat. Wird das Single-Sein indes durch andere Wohnformen ergänzt, in denen Gleichgesinnte zusammenleben, so bietet sich zugleich ein gemeinsames Grab an. Diesen Entschluss fassten 2009 die Frauen der Genossenschaft FrauenWohnen in München: „Die Genossenschaft FrauenWohnen bietet ihren Mitfrauen die Möglichkeit, in einem gemeinsamen Gräberfeld auf dem neuen Friedhof in Riem bestattet zu werden. Dies ist eine Alternative zur anonymen Bestattung oder auch ein Ort für Frauen, die keine Angehörigen haben, die das Grab pflegen können bzw. wollen.“ 21Die Frauen der Münchner Wohngemeinschaft wollen demnach nicht nur zusammenleben, sondern nach dem Tod zusammenbleiben, gewissermaßen als „Nachbarinnen für immer“, wie die Süddeutsche Zeitung ihren Bericht über den Frauenfriedhof titelte. Dabei war den Münchner Frauen durchaus bewusst, dass sie nichts Neues erfunden hatten, sondern auf die alte Tradition der Friedhöfe für Ordensfrauen zurückgriffen. Die Frauen wollten wissen, wo sie ihre letzte Ruhe finden. Beim Vereins-Grab haben sie die Gewissheit, dass sie von den Mitgliedern besucht werden – ein schöner Gedanke für jene, die keine Familie haben.

„Gräberfeld Schiefe Kiefer für Frauen der Genossenschaft FrauenWohnen“ nennt sich das Projekt offiziell in der Trägerschaft eines nicht eingetragenen Vereins, der seinen Vereinszweck in seiner Satzung folgendermaßen formuliert: „Der Zweck des Vereins ist die Anmietung, Verwaltung und Pflege des Gräberfelds Nr. 53 auf dem neuen Friedhof Riem für die Bestattung von Mitfrauen des Vereins.“ 22Auf dem Gräberfeld steht eine blaue Stahlskulptur mit dem Titel „Raumzeichnung“, die der Verein in Auftrag gegeben hat. Man habe, so wird berichtet, schon seine Einweihung mit Prosecco begossen, wie man das vielleicht auch bei Trauerfeiern tut. (Abb. 2)

Dieses Friedhofsmodell wird nicht das einzige bleiben und belegt exemplarisch, dass das gruppenspezifische Gemeinschaftsgrab als wesentlicher Teil des Wandels der Friedhofskultur Ausdruck des Bewusstseins von Verschiedenheit ist. Die Frauen, die hier zusammenleben, haben eine Wohnform gewählt, die ihrer selbst gewählten Lebensform entspricht und verschieden ist von dem, was man lange Zeit für das Übliche gehalten hat. Dass man entsprechend eine andere Bestattungsform wählt, ist naheliegend. Dass es seit 2014 in Berlin einen Friedhof für Lesben gibt, muss als logische Konsequenz dieser Entwicklung angesehen werden. Auf ihn werden wir an anderer Stelle noch näher eingehen.

Abb 2 München Friedhof Riem Gräberfeld Schiefe Kiefer für Frauen der - фото 3

Abb. 2: München, Friedhof Riem, Gräberfeld Schiefe Kiefer für Frauen der Genossenschaft FrauenWohnen, 2009, Foto: Dagmar Kuhle

War bereits davon die Rede, dass Grabpflege Frauensache ist, so ist Erinnerung Männersache. Dies hat bereits der römische Geschichtsschreiber Tacitus in dem Satz FEMINIS LUGERE HONESTUM EST VIRIS MEMINISSE 23– Für Frauen ist das Trauern ehrenvoll, für Männer das Gedenken festgehalten, und diese Worte waren einst sogar für den Eingang zum berühmten Friedhof Père-Lachaise in Paris vorgesehen. Weitaus mehr als Frauen standen Männer im gesellschaftlichen Mittelpunkt und pflegten ihre memoriale Zukunft. Selbst als im 20. Jahrhundert Frauen die Gesellschaft zu erobern begannen, war ihnen ein entsprechendes Gedenken nicht gewiss. Diese Erkenntnis führte in Hamburg 2001 zur Eröffnung der „Garten der Frauen“ genannten Gedenkstätte: „Durch den Garten der Frauen sollen Frauen, die Hamburgs Geschichte mitgeprägt haben, in bleibender Erinnerung gehalten werden. Denn im Gegensatz zum Umgang mit bedeutenden männlichen Persönlichkeiten, deren Verdienste gewürdigt werden und deren Andenken bewahrt wird, geraten weibliche Persönlichkeiten schnell in Vergessenheit.“ 24Angelegt wurde der „Garten der Frauen“ auf dem Friedhof Hamburg-Ohlsdorf und entwickelte sich rasch zu einem Kulturprojekt.

Allerdings blieb es beim „Garten der Frauen“ nicht bei einem Gedenkort, sondern er dient zugleich als Begräbnisstätte für Frauen, die sich als Mäzeninnen dieses Ortes verstehen und in dieser Frauenwelt bestattet sein wollen: „Im Garten der Frauen können sowohl Sarg- als auch Urnengrabstellen erworben werden. Wer eine Grabstelle erwirbt, wird gleichzeitig Mäzenin für den Erhalt der historischen Grabsteine.“ 25Es sind Schauspielerinnen, kulturschaffende Frauen sowie Frauen aus den Bereichen Politik, Bildung und Soziales, die sich für dieses Projekt engagieren und zumindest teilweise auch an diesem Ort bestatten lassen. Etwa 60 Frauen fanden bisher (2015) hier ihre letzte Ruhestätte.

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