Der Richter kam später zu mir und sagte: „Sie haben eine großartige Entdeckung gemacht, ich wünsche Ihnen für die Zukunft viel Glück.“ Das war ein erster Hinweis darauf, dass ich überhaupt eine Zukunft hatte und meine Arbeit fortsetzen konnte.
In Anerkennung meiner Entdeckung wurde ich nicht hingerichtet, sondern zu drei Jahren Haft verurteilt. Mein Leben wurde aufgrund der Entdeckung, die ich im Gefängnis gemacht hatte, geschont. Alle meine persönlichen Besitztümer wurden jedoch konfisziert. Nach 27 Monaten Haft sagte mir der Gefängniswärter, dass die Behörden in mir nicht länger den „schlechten Menschen“ sähen, der ich angeblich war, und dass sie meine vorzeitige Entlassung in Betracht zögen. Ich bedankte mich bei ihm, sagte aber, ich würde gerne noch eine Weile im Gefängnis bleiben. Ich steckte mitten in klinischen Beobachtungen über die Auswirkungen der Wasserbehandlung bei verschiedenen stressbedingten Gesundheitsproblemen, einschließlich blutender Magengeschwüre. Ich erklärte ihm, Evin sei als „Stresslabor“ einzigartig. Es bedarf kaum einer Erwähnung, dass der Wärter überrascht war. Er hatte geglaubt, mir mit der Entlassung vor Ablauf meiner Haftstrafe einen großen Gefallen zu tun, bestätigte aber, dass meine Arbeit wichtig war und ich die Gelegenheit erhalten sollte, meine Studie abzuschließen. Manchmal dachte ich, meine Inhaftierung sei kein Zufall gewesen. Es war mir bestimmt zu entdecken, dass der menschliche Körper in Krisensituationen, wenn er unter Stress steht und auszutrocknen beginnt, nach Wasser verlangt. Ich blieb weitere vier Monate im Gefängnis und gelangte zu bestimmten klinischen Schlussfolgerungen, die nun wissenschaftlich erklärt werden mussten. Nach zwei Jahren und sieben Monaten Gefangenschaft wurde ich entlassen und für meine Entdeckung offiziell beglückwünscht.
Während meines Gefängnisaufenthaltes hatte ich viel Neues über die physiologische Wirkung von Wasser und über seine Rolle im Hinblick auf zahlreiche Krankheitszustände gelernt. Alles hatte mit Leibschmerzen begonnen. Erste Hinweise auf meine Entdeckung veröffentlichte ich im Iranian Medical Association Journal, als ich noch im Gefängnis saß. Eine Übersetzung des Artikels gelangte nach Amerika und wurde schließlich für die Publikation als Gasteditorial im Journal of Clinical Gastroenterology überarbeitet, das im Juni 1983 erschien.
Wie die moderne Medizin sich entwickelte
Die folgenden Erklärungen stützen sich auf klinische Beobachtungen in einem der schlimmsten Stresslaboratorien der Welt. Diese Beobachtungen führten zu einer neuen, physiologisch begründeten Erklärung zur Entstehung körperlicher Erkrankungen. Meine Erkenntnisse wurden auf mehreren Fachkongressen mit internationalen Teilnehmern vorgestellt. Außerdem wurden wissenschaftliche Abhandlungen publiziert, die meine Ergebnisse bestätigen.
Man muss nicht über wissenschaftliche Fachkenntnisse verfügen, um begreifen zu können, dass Wasser bei bestimmten, durch Dehydration bedingten Krankheiten vorbeugend und heilend eingesetzt werden sollte. Noch muss die Anwendung von Wasser als „Medizin“ genehmigt werden. Wasser ist die wichtigste Quelle des Lebens, und jeder weiß das. Demgegenüber herrscht jedoch ein schmähliches Unwissen über die gesundheitlichen Gefahren, denen wir unsere Körper aussetzen, wenn wir nicht genug Wasser trinken. Was uns rettet, ist die Tatsache, dass der menschliche Körper im Gegensatz zur modernen Medizin die Rolle des Wassers für die Aufrechterhaltung des physiologischen und physischen Wohlbefindens kennt. Offensichtlich wurden wir Ärzte über die unterschiedlichen Funktionen des Wassers im menschlichen Körper nicht sonderlich gut informiert. Wir wissen noch nicht einmal, wann der Körper wirklich durstig ist. Wir verstehen nicht, was passiert, wenn er nicht regelmäßig genug Wasser bekommt.
Die klinische Medizin beruht auf der Verabreichung pharmazeutischer Präparate. Bei der medizinischen Ausbildung dienen mehr als 600 Unterrichtsstunden dazu, den Einsatz von Pharmaka zu vermitteln. Demgegenüber sind nur wenige Stunden für Diätetik und Nahrungsmittelkunde vorgesehen. Es scheint, als versuchten die medizinischen Ausbilder bei den meisten „Krankheitszuständen“ mit aller Kraft, den menschlichen Körper mit dem „Reagenzglas“ zu bezwingen.
Das Problem ist, dass die pharmazeutischen oder chemischen Produkte die meisten Krankheiten gar nicht heilen und auf Dauer auch nicht ungefährlich sind. Sie maskieren lediglich vorübergehend die äußere Manifestation eines Problems und mildern die Symptome. Gleichgültig, wie wissenschaftlich die Rechtfertigungen für die Verwendung dieser chemischen Produkte auch daherkommen – Pharmaka beseitigen das medizinische Problem nicht. Nur Antibiotika, die man bei Infektionen verabreicht, bilden diesbezüglich eine Ausnahme. Menschen, die unter Bluthochdruck leiden, können mit Diuretika (Entwässerungsmitteln) oder anderen chemischen Mitteln nicht geheilt werden. Oft soll die diuretische Behandlung ein Leben lang fortgeführt und durch die Einnahme anderer Medikamente ergänzt werden. Auch bei rheumatoider Arthritis erzielt keines der vielen auf dem Markt befindlichen Schmerzmittel dauerhafte Heilerfolge. Betroffene Patienten müssen die Schmerzmittel für den Rest ihres Lebens einnehmen. Weder Diabetiker noch Menschen, die an Myasthenia gravis oder Muskeldystrophie leiden, können geheilt werden. Wie ist es möglich, dass weit verbreitete gesundheitliche Probleme wie Sodbrennen, Dyspepsie, Kreuzschmerzen, rheumatoide Arthritis, Migräne oder Asthma trotz intensiver Forschung noch immer nicht heilbar sind?
Letztlich führt Dehydration zum Ausfall von Funktionen und schädigt den Körper. Aus Unkenntnis dieser Tatsache interpretieren Ärzte die Symptome, die während des bedrohlichen und andauernden Wassermangels erzeugt werden, jedoch als Krankheiten unbekannter Ursache. Diese Symptome sind ebenso wie lokale Schädigungen die Folge eines Wassermangels. Es ist ein Grundfehler der Medizin, diesen Zusammenhang zu ignorieren – ein Fehler, der Menschen, die auf professionelle Hilfe angewiesen sind, zugrunde richten kann.
Kapitel 2
Wasser – die beste Medizin
Wasser, überall Wasser,
und doch haben wir noch nicht genug getrunken.
Wasser, überall Wasser,
und immer noch schreit unsere Lunge und ist eingesunken.
Unser Körper besteht zu etwa 75 Prozent aus Wasser und zu 25 Prozent aus festen Stoffen. Das Gehirn soll zu 85 Prozent aus Wasser bestehen, und es reagiert äußerst empfindlich auf jede Art von Wassermangel oder die Erschöpfung seines Wassergehaltes. Es schwimmt in einer salzigen Flüssigkeit, der Zerebrospinalflüssigkeit. Der Wassergehalt des Körpers wird als „Lösungsmittel“, die darin gelöste Materie als „gelöste Stoffe“ bezeichnet. Dieses „chemische“ Verständnis des Körpers führte dazu, dass die Forschung sich nahezu vollständig auf seine genaue molekulare Zusammensetzung und auf die winzigen Schwankungen der festen Stoffe im Körper konzentrierte. So entstand ein „chemisch-pharmazeutisches“ Bild des menschlichen Körpers, aus dem die Entwicklung des „medizinisch-industriellen Systems“ resultierte. Infolge der hartnäckig verfochtenen Annahme, dass in erster Linie die festen Stoffe die Körperfunktionen beherrschen, wurden eine Menge Fehlinformationen in Umlauf gesetzt, die zum gegenwärtigen chaotischen Zustand in der Medizin beitrugen.
Doch der menschliche Körper ist noch immer eine nahezu unbekannte Größe. Wir wissen allenfalls über zehn Prozent der chemischen Vorgänge und ihres Zusammenspiels im Körper Bescheid.
Die heutige Praxis der klinischen Medizin begünstigt die Produktions- und Vertriebszweige der pharmazeutischen Industrie. Die Konzentration auf „gelöste Stoffe“ fördert die Unwissenheit und wird mit Nachdruck propagiert – denn sie dient dem Verkauf von Arzneimitteln. Obwohl man inzwischen mehr über die Physiologie des menschlichen Körpers weiß, profitiert die klinische Medizin in der Praxis nicht davon.
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