Begreift man die Bedeutung chronischen Wassermangels, wird der Weg frei für die Entwicklung eines menschenfreundlicheren Gesundheitssystems. Nach meiner Einschätzung können die Menschen in Zukunft entschieden gesünder und produktiver sein – und das mit einem Aufwand, der nur 30 Prozent der heutigen Kosten im Gesundheitswesen ausmacht. Wie Sie sehen, mache ich keine Werbung für ein profitables Produkt. Ich mache lediglich eine einzigartige medizinische Erkenntnis und das Ergebnis meiner jahrelangen Forschungen bekannt, die den medizinischen Fachleuten und der Öffentlichkeit helfen werden, das Grundübel so vieler Krankheiten zu verstehen.
Wir leben jetzt im 21. Jahrhundert, doch selbst auf dieser Stufe unserer Entwicklung haben wir Mediziner die äußeren Manifestationen der in bestimmten Körperregionen lokal auftretenden Dehydration noch nicht ganz verstanden. Wir suchten immer nach medikamentösen Lösungen für gesundheitliche Probleme. Es ist uns nicht gelungen, diese Probleme einzugrenzen; stattdessen haben wir sie ständig ausgeweitet und weitere Medikamente dagegen eingesetzt. Im Namen der modernen Medizin richteten wir ein wahrhaftig kostspieliges Chaos an, und ein Ende ist nicht in Sicht. Nun haben wir schwer wiegende Probleme, die dringend gelöst werden müssen. Schon Albert Einstein stellte fest: „Unsere wichtigen Probleme können nicht auf der Ebene des Denkens gelöst werden, wo wir sie geschaffen haben.“ Zur Lösung unserer gesundheitlichen Probleme bedarf es offensichtlich eines neuen wissenschaftlichen Ansatzes.
Lösen kann man die gegenwärtigen, vom Menschen verursachten und von der Pharmaindustrie gedeckten Gesundheitsprobleme der Gesellschaft nur auf der Basis physiologischer Grundlagen. Versteht man die Physiologie der Dehydration auf molekularer Ebene, kann sich die zukünftige Vorgehensweise der klinischen Medizin neu strukturieren. Dies wird zu einem fundamentalen Paradigmenwechsel in der Medizin führen. Die Vorgehensweise besteht darin, aufzuzeigen, wie sich die Selbstheilungskräfte des Körpers auf der Basis der Physiologie stärken lassen. Der pharmazeutische Ansatz wird im Hinblick auf unsere gegenwärtigen Gesundheitsprobleme keinerlei Rolle mehr spielen. Die Medizin wird sich in erster Linie auf die Vorsorge und weniger auf die bisherigen langwierigen, kostenintensiven und invasiven Behandlungsverfahren konzentrieren.
Die neue Ebene des Denkens in der Medizin
Was ist ein Paradigma, und wie kann es innerhalb der klinischen Medizin zu einem Paradigmenwechsel kommen? Ein Paradigma ist die Gesamtheit aller Grundauffassungen, auf denen das Wissen innerhalb eines Wissenschaftszweiges aufbaut. Infolge der Grundüberzeugung, dass der Planet Erde ein kugelförmiger Körper ist, bilden beispielsweise alle geographischen Karten und Modelle die Erde als Kugel ab. Die Erkenntnis, dass die Erde keine Scheibe ist, wie ursprünglich angenommen wurde, revolutionierte die Vorstellungen über die Struktur des Universums. Führt ein Paradigma einen Wissenschaftszweig in eine Sackgasse (wie im Fall unseres Beispiels der Glaube, die Erde sei eine Scheibe), eröffnet sich für diejenigen, die die Gesamtheit aller Grundauffassungen aus einem gewissen Abstand unvoreingenommen einer neuen Bewertung unterziehen können, oft ein neues Paradigma. Es bedarf lediglich einer Assoziation oder einer Beobachtung, um den Denkprozess in Gang zu setzen.
Taucht ein für eine wissenschaftliche Richtung elementares, wohl begründetes Paradigma auf, erleuchtet es den Pfad in ein riesiges neues Wissensareal, wie ein Blitz, der die Dunkelheit der Nacht erhellt. Ein neues Paradigma hebt Begrenzungen und Barrieren auf und ermöglicht den künftigen Fortschritt innerhalb eines Wissenschaftszweigs.
Ein neues Paradigma entsteht besonders leicht, wenn die Notwendigkeit besteht, für ein Problem eine Lösung zu finden. Solange diese Notwendigkeit unerkannt bleibt, gewinnt auch eine entsprechende Lösung keine Bedeutung. Die folgende Geschichte ist ein gutes Beispiel für diesen Gedankengang.
Der Nobelpreisträger Sir Alexander Fleming ist als Entdecker des Penicillins bekannt. Er stammte aus Schottland und arbeitete am Wright-Fleming Institute der St. Mary’s Hospital Medical School der Londoner Universität, als ich in den 1950er-Jahren dort Medizin studierte. Viele Medizinstudenten haben den Drang, Entdecker zu werden, und ich bildete da keine Ausnahme. Von Kindheit an wollte ich Medizin studieren und kranken Menschen helfen.
Im Einführungskurs Bakteriologie wurden die Studenten in kleine Gruppen eingeteilt und verschiedenen Tutoren zugewiesen. Durch eine glückliche Fügung landete ich in der Gruppe von Sir Alexander. Er war ein kultivierter und bescheidener Mann. Am Ende des Tutorenkurses nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und stellte ihm eine Frage, deren Antwort mich bis heute stark beeinflusst.
Ich fragte ihn: „Sir Alexander, was braucht man, um auf dem Gebiet der Medizin zum Entdecker zu werden?“ Er sah mich an und dachte über meine naive Frage nach. Schließlich antwortete er in seinem sehr kultivierten, schottisch gefärbten Englisch: „Es muss eine Notwendigkeit geben, und man muss ein Ziel haben.“ Er erklärte, dass die Anzahl von Todesfällen aufgrund bakterieller Komplikationen umso mehr gestiegen war, je mehr unterschiedliche chirurgische Behandlungsmethoden Eingang in die medizinische Praxis gefunden hatten. Ein Mittel gegen bakterielle Infektionen im menschlichen Körper zu finden war zu einer Notwendigkeit ersten Ranges geworden und hatte den in der Bakterienforschung Beschäftigten einen entsprechenden Forschungsgrund geliefert und die nötige Entschlossenheit in ihnen erzeugt. Die „Notwendigkeit“ war die Keimzelle für die Entdeckung des Penicillins gewesen, und das „Ziel“ war der Wunsch gewesen, es für die Anwendung beim Menschen nutzbar zu machen.
Die Geburt einer neuen wissenschaftlichen Wahrheit
Die Geschichte lehrt uns, dass wir oft wichtige Entwicklungssprünge machen, wenn wir die grundlegenden Techniken erkennen, derer sich die Natur bedient. Durch Zufälle und durch Geistesblitze enträtselte die Menschheit viele Geheimnisse, die bei ihrer Entstehung eine Rolle spielten.
Zu einem solchen Zufall kam es im Jahre 1979. Ich war als politischer Gefangener der islamischen Revolutionäre im Iran gefangen genommen und ins Gefängnis von Evin gebracht worden. Die Gefahr einer möglichen Exekution vor Augen, entdeckte ich eines Nachts, dass zwei Gläser Wasser selbst die stärksten mit einem Magengeschwür einhergehenden Schmerzen lindern konnten.
Ein Gefangener brauchte Medikamente gegen seine schrecklichen Ulkusschmerzen. Er hatte sich zusammengekrümmt und konnte nicht mehr alleine gehen. Zwei Freunde stützten ihn. Die Wachen hatten auf sein wiederholtes Bitten, ins Gefängniskrankenhaus verlegt zu werden, nicht reagiert. Es war elf Uhr nachts, als er zu mir gebracht wurde. Ich war selbst Gefangener und hatte keine Medikamente, die ich dem verzweifelten Mann hätte geben können. Als ich ihm das erklärte, verzerrte sich sein Gesicht noch mehr vor Schmerz. Anstelle von Medikamenten verabreichte ich ihm zwei Gläser Wasser. Innerhalb von Minuten ließen seine Ulkusschmerzen nach. Nach acht Minuten waren sie völlig verschwunden. Dies bestätigte, dass Wasser bei einem „Krankheitszustand“ Bauchschmerzen lindern kann (auch meine eigenen Bauchschmerzen hatte ich mit Wasser gelindert, als ich in Einzelhaft saß und mehrere Tage lang die Nahrung verweigerte). Ich ermutigte weitere Mitgefangene, bei charakteristischen Bauchschmerzen anstelle der manchmal verfügbaren Medikamente Wasser zu nehmen.
In den folgenden zweieinhalb Jahren meiner Gefangenschaft behandelte ich mehr als 3000 Fälle von stressbedingten Magengeschwüren erfolgreich mit nichts anderem als Leitungswasser. Mir wurde klar, dass diese Menschen in Wirklichkeit nur durstig waren. Dass sie an Dehydration litten, zeigte sich anhand von Schmerzkrisen, die wir Mediziner als „Krankheitszustände“ bezeichneten. Ungefähr 15 Monate nach meiner Verhaftung legte ich einen wissenschaftlichen Artikel vor, der zur Veröffentlichung freigegeben werden sollte. Ich bat den Richter, diese Informationen nicht untergehen zu lassen, selbst wenn er meine Erschießung beschließen sollte. „Es ist die größte medizinische Entdeckung der Geschichte“, sagte ich. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits ein paar hundert Mitgefangene in dem Gefängnistrakt behandelt, in dem ich selbst untergebracht war.
Читать дальше