Mein persönlicher Höhepunkt sind die Days of American Bikes, die Susanne Skerra, Besitzerin des Hotels Wisser’s, seit Langem jährlich im August veranstaltet. Viele hundert coole Harleys mit ihren außergewöhnlichen Besitzern versammeln sich rund um den Marktplatz und lassen die Motoren röhren. Drei Tage lang können Sie die schweren Maschinen und ihre manchmal skurril gekleideten Fahrer bewundern.
Ein weiteres großes Event sind die seit 2014 veranstalteten Burger Weihnachtswochen. Ein schwedisch angehauchter Weihnachtsmarkt, der schon im ersten Jahr viele Besucher anlockte. Bei Glühwein und Elchburger lässt sich die Weihnachtszeit fast fünf Wochen lang ausgiebig feiern.
Schrill und bunt ist der Inselkarneval. Wer glaubt, auf Fehmarn dem Karnevalsrummel in Köln, Mainz und Düsseldorf entkommen zu sein, irrt. Alljährlich tummeln sich im Februar die Inseljecken in tollen Kostümen im großen Festzelt und rund um den Marktplatz. Partymeile Burger Marktplatz. Erst im Morgengrauen verlassen die letzten Karnevalisten das beliebte Fest. So manch einen traf ich am nächsten Tag zur Kaffeezeit noch in seinem Kostüm an. Auf dem Burger Marktplatz ist einfach das ganze Jahr über etwas los.
Die frisch gekochte Erbsensuppe von Kerstins Marktstand auf dem Marktplatz ist ein Gedicht. Mittwochs einen Topf Suppe vom Markt zu holen, ist quasi Pflichtprogramm.
9
Wochenmarkt auf dem Marktplatz Burg
im Zentrum der
Burger Altstadt
23769 Fehmarn
10 Zwischen Politik und Hochzeitsgelübde
Burg: Rathaus
Wunderschön ist das aus rotem Backstein gebaute Burger Rathaus, direkt am Marktplatz gelegen, unter großen Lindenbäumen. Es wurde am 22. November 1901 eingeweiht und stellt ein wahres Schmuckstück der Altstadt dar. Mit seinen runden Türmchen, die mit ihren Zinkdächern fast an Pickelhauben erinnern, ist das historische Haus mit all seinen Verschnörkelungen aus Holz und Ornamenten nicht nur von außen ein sehr beliebtes Fotomotiv.
Nachdem ich die Stufen zum Eingang des Gebäudes hinaufgestiegen bin, durchquere ich das schwere Portal aus Eichenholz, hinter dem ein schönes Entree wartet. Während der Öffnungszeiten ist das Rathaus für jedermann zugänglich. Ehrfürchtig betrete ich die Eingangshalle, die einem Saal gleicht. Das durch die bleiverglasten Fenster einfallende Licht bringt das Stadtwappen von Burg an der gegenüberliegenden Wand zum Leuchten. Weiter geht es auf dem mit Ornamenten verzierten Terrazzofußboden. Im Erdgeschoss beherbergt das Rathaus Verwaltungsbüros sowie das Standesamt mit seinem hübschen Trauzimmer. Ein Blick in den normalerweise nur für Hochzeiten geöffneten Raum verrät mir, dass die Erbauer nicht mit Holzvertäfelungen sparten.
Anschließend wende ich mich wieder dem Eingangsbereich zu. Eine Steintreppe mit schmiedeeisernem Geländer führt in den ersten Stock. Schmale Rundbogenfenster, die fast den Eindruck entstehen lassen, man würde sich in einem Turmzimmer aufhalten, wecken mein Interesse. Ich betrete den ehemaligen Sitzungssaal, in dem vor etlichen Jahren die Stadtvertretung tätig war. Mit seinen getäfelten Wänden und historischen Möbeln wirkt er nahezu königlich. Die Stadtvertretersitzungen finden heute allerdings im Senator-Thomsen-Haus unweit des Rathauses statt.
Interessieren Sie sich für die Geschichte Fehmarns? Im Stadtarchiv im zweiten Stock des Rathauses sind Sie bei Fragen gut aufgehoben.
10
Rathaus Burg
Am Markt 1
23769 Burg
04371 5060
www.stadtfehmarn.de
11 Erstes Haus am Platz
Burg: Wisser’s Hotel
Das erste Haus am Platz, das kann man von diesem Hotel zu Recht behaupten. Das historische Gebäude, das sich seit 1750 in Besitz der Familie Wisser befindet, ist direkt gegenüber dem Marktplatz gelegen. Der Name »Wisser« wird abgeleitet aus dem niederländischen »Visser«, was so viel wie »Fischer« bedeutet. Auf dem Wappen des Hotels befinden sich drei Fische, wodurch im Laufe der Zeit der heutige Name des Hotels entstand. Seit 1822 wird das Haus als Hotel geführt, zuvor gehörte es zu einer Apotheke.
Einen historischen Tag erlebte dieses Bauwerk im Jahr 1864, als Fehmarn unter dänischer Herrschaft stand. Damals residierten im Haus Wisser dänische Offiziere. Während diese noch schliefen, stürmten 160 Preußen unter Hauptmann Mellenthin die Insel und das Gebäude. Nach kurzem, heftigem Gefecht übernahmen die Preußen die Insel, und die dänische Besatzungszeit auf Fehmarn ging zu Ende. Ein wirklich geschichtsträchtiges Ereignis vor und in dem Hotel. Diese Zeiten sind längst vorüber. Heute haben Fehmaraner und Skandinavier ein freundschaftliches Verhältnis und Letztere sind gern gesehene Gäste.
Das Hotel wird in siebter Generation von Susanne Skerra, geborene Wisser-Rosolleck, und ihren Kindern Frank und Nicole geführt. Mit schönem Ambiente, hervorragendem Essen und jeder Menge Events überzeugt dieses Gemäuer seine Gäste. Der einzige Wermutstropfen ist, dass der alte Spiegelsaal, der ein Anbau des Hotels war, in der Silvesternacht 2004 völlig ausbrannte. Zahlreiche ausgelassene Feste fanden hier statt, sodass der Spiegelsaal den Insulanern bis heute fehlt. Aber die Zeit bleibt nun einmal auch auf Fehmarn nicht stehen.
Besuchen Sie einen der Grillabende auf der Terrasse des Wisser’s Hotel, die mit herrlichen Scampis aufwarten. Ein Hochgenuss!
11
Wisser’s Hotel
Am Markt 21
23769 Burg
04371 3111
www.wissers-hotel.de
12 Die Küste in der Kiste
Burg: Atelier Kirsch
Fast ein wenig versteckt, im großen Innenhof der Osterstraße 13 in einer ausgebauten Scheune aus rotem Backstein und Fachwerk, befindet sich das Atelier von Gerd R. Kirsch. Die kleine Künstlerwerkstatt zeigt in ständiger Ausstellung die Bandbreite von Kirschs Schaffenskraft, zum Beispiel Bilder von Insel- und Küstenlandschaften in beeindruckender Vielfältigkeit und Farbgebung. Der Maler aus Kassel ist seit 1976 freischaffend auf der Insel tätig. Zu seinen Lieblingsmotiven zählen Landschaften am Meer und Fehmarn-Impressionen, die er mit verschiedenen Arbeitsweisen auf Bilder bannt.
Er findet seine Motive in der Natur der Umgebung, verarbeitet die Ideen dann in dem Atelier. Mein Blick schweift durch den Raum, und immer wieder bleibt er an den unterschiedlichsten Motiven hängen, die mit breitem Farbspektrum jede Menge Lebensfreude verströmen. Die Skulpturen sind, bis auf ein paar wenige Unikate im Kleinformat, nur an den Plätzen am Meer zu entdecken.
Besonders beeindruckt hat mich die Serie Küste in der Kiste, von der es zur Zeit 61 Bilder gibt. Bei einem Gespräch mit Gerd Kirsch und seiner Frau Ingeborg, die ebenfalls künstlerisch tätig ist, erzählten sie mir, dass die Bilderserie Küste in der Kiste aus dem Gedanken geboren wurde, dass nahezu jeder eine Kiste mit einem Sammelsurium von Gegenständen besitzt, die man über Jahre hortet, ohne sie wirklich gebrauchen zu können. Das brachte die Idee, die Küste und ihre Vielfältigkeit in einer vom Künstler gemalten Kiste darzustellen und ein wenig vom bunten Durcheinander der Sammelsuriumskisten dazuzugeben. Klingt wie die Rezeptur eines genialen Fünfsternemenüs.
Читать дальше