Hilfestellungen für den Dialog
Als einfühlsamer und vertrauensvoller Gesprächspartner, dem man seine Träume anvertrauen mag
Als Bestätigung, dass man nicht verrückt geworden ist
Als emotionales und soziales Ventil über das eigene Erschrekken vor der Wahrnehmung und vielleicht Ahnung bezüglich der Botschaft
Als Resonanz: Ich bin noch real und existiere noch in der Wirklichkeit
Als Übersetzungshilfe: Um Geborgenheit zu geben und das Schutzbedürfnis in dieser sehr verletzungsanfälligen Situation (andere Menschen sprechen vielleicht abfällig über die Wahrnehmungen, bagatellisieren die Träume und kränken den Betroffenen dadurch)
Wenn der Begleiter die Andeutungen des Betroffenen aufnimmt und mit Zeit und Ruhe, vor allem mit wahrhaftigem Interesse ihm zuhören mag, dann kann sich dies zu einem befreienden Gespräch für den Betroffenen entwickeln.
Einige praktische Tipps 5
Wenn der Betroffene Sorgen oder Ängste äußert, versuchen Sie ihm diese nicht auszureden. Da seine Sorgen emotional begründet sind, würde die Ansprache auf der Sachebene dem Betroffenen nicht weiterhelfen.
Vermeiden Sie die Träume, Symbole, Sorgen und Ängste des Betroffenen zu interpretieren. Dem Betroffenen helfen nur seine eigenen Assoziationen.
Sie können aber dem Betroffenen helfen, indem Sie ihm Geborgenheit vermitteln, ihn mit seinen Sorgen und Ängsten annehmen, ihn ermuntern seine Gedanken auszusprechen. Lassen Sie ihm dafür Zeit und unterstützen Sie ihn mitunter durch Wiederholung seiner eigenen Ausdrücke oder Spiegelung seiner Gedanken. Sagen Sie ihm, dass er Ihnen gegenüber alles aussprechen darf.
Ermuntern
Ermuntern Sie den Betroffenen bei wiederholt auftretenden Träumen mögliche Veränderungen wahrzunehmen (z. B. der Schatten wird heller, sieht nicht mehr so furchterregend aus).
Vermitteln
Vermitteln Sie dem Betroffenen die Phantasie, dass er Geistwesen direkt anschauen, mit ihnen sprechen, seine Gefühle zeigen und Forderungen stellen darf ( Ich kenne jetzt die Figur. Jetzt habe ich weniger Angst vor dir! Zieh‘ nächstes Mal nicht einen so dunklen Mantel an, das erschreckt mich! ). So kann der Betroffene erleben, dass er nicht nur vor Furcht gelähmt sein muss, sondern im direkten Dialog mit den Geistwesen Einfluss auf seine Träume nehmen kann. Träume, welche in einen Dialog einbezogen werden, verändern sich und kehren in dieser Form oder überhaupt nicht wieder.
Begleiten
Begleiten Sie einen Schlafenden, der von schlimmen Träumen belastet wird, dann haben Sie die Möglichkeit, durch das Summen leiser und ruhiger Melodien (mit aufmunterndem Charakter) dem Betroffenen eine Alternative anzubieten. Die Melodie vermittelt ihm Geborgenheit und Halt, lässt ihn neue phantasievolle Wege im Traum finden (Eine plötzliche körperliche Berührung könnte hingegen den Betroffenen irritieren und aufwachen lassen). Sobald der Betroffene ruhiger wird, beenden Sie auch Ihre Melodie.
Als Kranken- und Sterbebegleiter erleben wir immer wieder den Moment, da uns der Betroffene in seiner eigenen Ohnmacht um Antworten bittet. Diese Fragen nach dem Sinn und dem Werden des alten oder versehrten Lebens werden vor allem in Momenten geäußert, wo der Betroffene schwere körperliche oder seelische Not leidet. Es gibt Fragen, auf die wir noch keine Antworten finden. Und gerade auf diese für den Betroffenen so bedeutsamen Fragen wird er eines Tages selber Antworten finden können.
Geduld und Zuversicht
Aber als Begleiter können wir dem Betroffenen helfen Geduld und Zuversicht zu bewahren, ihm eine heilsame Geborgenheit schenken. Vermeiden Sie eine mögliche Atemlosigkeit des leidenden Betroffenen zu übernehmen. Atmen Sie ruhig und suchen Sie z. B. in der Natur, im Gebet oder in der Meditation Ihre eigene innere Ruhe. Besinnen Sie sich auf Ihre Kraftquelle. Versuchen Sie in sich stimmig zu werden, denn Ihre Ruhe wird sich auch auf die Stimmung des Betroffenen übertragen. Dies wird Ihnen besonders gut mithilfe einer ruhigen dialogischen Körpersprache (z. B. Hinwendung des Körpers, ruhiger Lidschluss, Ihre Hand trägt die des Betroffenen, Streicheln, Handauflegen o. a.) gelingen.
Vielleicht verbinden Sie mit Ihrer Kraftquelle eine spirituelle Kraft, die Sie trägt. Und vielleicht erfahren Sie auch, dass nicht Sie allein den Betroffenen begleiten, vielmehr für den Betroffenen, wie für den Begleiter und alle anderen beteiligten Menschen, gesorgt ist. Wenn Sie in einem besonders nahen Moment mit dem Betroffenen dies wahrhaftig empfinden, dann können Sie – mit ruhiger Bestimmtheit und Gelassenheit zugleich – allein die folgenden vier Worte sagen:
Für Sie ist gesorgt.
Literatur
Balgo, R. (1998): Bewegung und Wahrnehmung als System in der Psychomotorik, Reihe Motorik Bd. 21, Schorndorf.
Ebert, A.; Godzik, P. (Hrsg.) (1993): Handbuch zur Begleitung Schwerkranker und Sterbender, Rissen.
Lückel, K. (1994): Begegnung mit Sterbenden, Gütersloh.
Otterstedt, C. (2001): Tiere als therapeutische Begleiter (u. a. Sterbebegleitung), Kosmos, Stuttgart.
Otterstedt, C. (2004): Kommunikation mit Schwerkranken und Koma-Patienten, verlag modernes lernen, Dortmund.
Piper, H. Chr. (1993): Die Sprache der Sterbenden, in: Ebert / Godzik (1993:59 – 72).
1Vgl. hierzu auch Balgo (1993:144).
2In Anlehnung an Martin Buber.
3Literatur zum Thema: Gruber (1998), Piper (1993).
4Ad. Symbolik in der Abschiedsgestaltung, s. a. Otterstedt (1995: 31 ff.).
5Hilfreiche Übungen zur Einübung des Dialoges mit Betroffenen bietet auch das Buch Ebert / Godzik; 1993.
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