Das Herz des Weltwalds bildet der Zentralpavillon, in dem wechselnde Ausstellungen zu sehen sind, wie zum Beispiel ein Vergleich der Forstwirtschaft in Deutschland und den USA. In unmittelbarer Nähe findet sich das über 1000 Jahre alte Kirchlein St. Clemens, welches als letztes noch stehende Gebäude des ehemals hier existierenden Weilers Oberberghausen übrig geblieben ist. Dieser bestand aus vier Höfen, die Ende des 19. Jahrhunderts allerdings von der staatlichen Forstverwaltung aufgekauft und abgerissen wurden.
Drei weitere kleinere Pavillons sind über das Gelände verteilt und informieren über die nahe Umgebung. Die sogenannten „Gärten der Kontinente“ sind besonders bei Familien beliebt, da sie auf spielerische Weise kulturelle Einblicke in die Heimatländer der Weltwaldbäume geben. Verstreut liegen die vier Spezialsammlungen Botanikum (Gehölze), Populetum (Pappeln), Rosaceum (Rosengewächse) und Salicetum (Weiden). Überall im Wald finden sich lauschige Plätze zum Entspannen sowie Bänke zum Rasten, und Kunstliebhaber können eine stetig wachsende Ausstellung an Holzskulpturen entdecken, die über den Wald verteilt sind.
130 Jahre alte Pennsylvanische Esche
Im Europa-Garten
Im Norden und Nordosten des Aboretums findet man den amerikanischen Kontinent repräsentiert, der die Möglichkeit bietet Bäume aus Kanada und Alaska, den Rocky Mountains, den Appalachen, und von der Pazifikküste sowie den Großen Seen zu bewundern. Der 1400 Meter lange Themenpfad „Nordamerika Ost“ führt durch Laubwälder mit Zuckerahorn, Zweifarbiger Eiche, Tulpenbaum und Gelb-Birke und bietet im Herbst zur Zeit des „Indian Summer“ einen wahren Farbregen. Der etwas kürzere Weg „Nordamerika West“ hingegen bringt einen an interessanten Nadelbäumen wie Douglasie, Gelb-Kiefer oder dem imposanten Mammutbaum vorbei. Passend zum Kontinent gibt es sogar ein kleines Indianerdorf für Kinder im Felsengebirge des Amerika-Gartens.
Im Westen des Weltwaldes sind Europa und Vorderasien vertreten. Dabei trifft man nicht nur auf bekannte Vertreter aus Mitteleuropa, sondern auch Exoten aus Nord- und Südeuropa bis hin in den Nahen Osten. Durch diesen Teil führt der längste Themenpfad mit zweieinhalb Kilometern Länge, auf dem man die Diversität dieser Landmasse bewundern kann. Der Weg passiert Libanon-Zeder und Ungarische Eiche und bietet einen möglichen Abstecher zum Botanikum und zu einer durch Baum- und Strauchpflanzungen angedeuteten Burganlage, dem Europa-Garten.
Im Süden des Arboretums macht man einen Sprung nach Mittel- und Ostasien und taucht ein in die Welt von Zentral-China, Sibirien, Japan, Korea und des Himalaya. Auf 750 Metern führt der Themenpfad durch den Fernen Osten, vorbei an Japanischer Schirmtanne, Urweltmammutbaum sowie Hiba-Lebensbaum und mit Blick auf ein reizvolles Wiesentälchen. Ein wahrhaft gelungener Abschluss für einen Tag Weltreise.
INFO
Lage:fünf Kilometer westlich von Freising
Anfahrt:Von Freising aus nimmt man die nach Westen aus der Stadt hinausführende Thalhauser Straße Richtung Allershausen, welche zur Staatsstraße 2084 wird. Nach 2,7 bzw. drei Kilometern biegt man links in den Kranzberger Forst ein zu den zwei offiziellen Parkplätzen für Besucher des Weltwalds P1 Oberhausen bzw. P2 Eisweiher.
Öffnungszeiten:immer
Eintritt:nichts
Aktivitäten:Wandern
Unterkünfte:
Hotel Bayerischer Hof: denkmalgeschütztes Hotel von 1874, direkt am Marienplatz in Freising; Doppelzimmer ab 102 EUR; Untere Hauptstraße 3, 85354 Freising, Tel.: 08161 538300, bayerischerhof-freising.de
Gasthof Lerner: familiengeführtes Hotel mit angeschlossenem Restaurant; Doppelzimmer ab 84 EUR; Vöttinger Straße 60, 85354 Freising, Tel.: 08161 91646, gasthof-lerner.de
8. ISARAUEN: GRÜNES IDYLL ENTLANG DER MITTLEREN ISAR
Die Isar ist der Oberbayern liebster Fluss. Zumindest scheint es so, wenn man sich bei schönem Wetter die Massen an Sonnenanbetern an den Kiesstränden in München und die vielen Paddler zwischen Bad Tölz und der Landeshauptstadt so anschaut. Umso erstaunlicher ist es, dass das Gewässer nicht mehr viel Beachtung bekommt, sobald es München verlässt. Dabei wird es hier noch einmal so richtig wildromantisch.
Das Naturschutzgebiet Isarauen zwischen Hangenham und Moosburg hat eine beachtliche Größe von über 600 Hektar. Als einer der letzten Reste des Auwaldgürtels im Bereich der Mittleren und Unteren Isar hat es auch internationale Bedeutung und ist sogar Teil des Europäischen Schutzgebietes „Natura 2000“. Der Auwald entlang beider Flussufer bietet einer Vielzahl von bedrohten Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum, wie man ihn nur noch selten in Bayern findet. Dazu zählen zum Beispiel der hier wieder heimisch gewordene Biber, aber auch seltene Gänsesäger, von denen es im ganzen Bundesland nur noch etwa 500 Brutpaare gibt.
Goldener Herbst in den Isarauen
Moosach bei Oberhummel
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Mittlere Isar von der Münchner Stadtgrenze bis über Moosburg hinaus begradigt und in ein gleichförmiges Bett gezwängt. Der Bau eines Kanals reduzierte die Wassermenge im Hauptfluss drastisch, wodurch sich das Flussbett immer tiefer eingrub. Trotz dieser extremen Eingriffe hat sich zwischen der Landeshauptstadt und Landshut ein weitgehend geschlossener Auwald erhalten, dessen Wichtigkeit für das Ökosystem vor einigen Jahrzehnten erkannt wurde. Seit der Deklarierung zum Naturschutzgebiet im Jahr 1985 hat man die Wassermenge wieder erhöht, zusätzliche Rückhalteflächen zum vorbeugenden Hochwasserschutz gebaut und Deiche zurückverlegt, um ein Fortbestehen des Auwaldes zu sichern.
Wo die Isar hinter Garching nach Nordosten schwenkt und Freising passiert hat, erstrecken sich auf einer Länge von etwa zehn Kilometern und einer Breite von bis zu 700 Metern die Auen, die von zahlreichen Bachläufen durchzogen werden. Nicht viele Wege führen hier durch, was der Natur eine wunderbare Ruhe gibt – abgesehen von der parallel in einem Kilometer Entfernung laufenden Autobahn und dem Fluglärm der vom Münchner Flughafen startenden und landenden Maschinen.
Doch wer den von Menschen verursachten Lärm ausblendet und auf die Geräusche der Natur achtet, wird überrascht sein, was man hier alles hört. Es zwitschert und zirpt über einem, raschelt im Laub und in den Bäumen, und kreucht und fleucht um einen herum. Auf dem Wasser schnattern Stockenten, Eidechsen huschen aus dem Weg, Ringelnattern suchen unauffällig das Weite und Frösche sitzen gut getarnt im Anschwemmgut am Ufer.
Kiesbank mit Treibholz an der Isar
Entlang des Weges gibt es immer wieder Kiesbänke, welche die Isar nach Hochwassern und im Frühjahr nach der Schneeschmelze regelmäßig neu formt. Diese sind ökologisch besonders bedeutend, da sie einen extrem seltenen Lebensraum bieten. Auf ihnen finden sich außerdem die Leidtragenden einer manchmal vor Kraft nur so strotzenden Isar: von Wasser und Sonne gebleichte Baumleichen, die als wunderschönes Treibholz die Landschaft zieren.
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