Besuchergruppe im Steinbruch
Erhalten haben die Gerstners bis heute nichts. Sie befürworten, dass große Funde der Öffentlichkeit gehören und ausgestellt werden. Doch nach einer kurzen Schließung des gesamten Steinbruchs haben sie mit diesem Kapitel abgeschlossen und einen Bereich wieder für Hobbyarchäologen freigegeben. In den Teil, in dem der Archaeopteryx und einige weitere besondere Fossilien gefunden wurden, dürfen jedoch nur noch Wissenschaftler denen die Familie vertraut, dass sie die Funde nicht einfach entwenden.
Auch wenn dadurch die Chance auf einen Archaeopteryxfund deutlich geschrumpft ist: Wissen kann man nie, was sich zwischen den Steinplatten findet. Und selbst wenn es kein weltbewegender Fund ist, kann man hier unzählige Tiere und Pflanzen entdecken, die das Herz eines jeden Hobbyarchäologen höher schlagen lassen. Das Schöne daran ist, dass man alles behalten darf, was nicht ein über 30 Zentimeter langer Fisch ist oder Teil eines Wirbeltiers. Ammoniten, versteinerte Gräser, Farne und Blätter sowie kleine Muscheln darf man somit mit nach Hause nehmen. Ebenso wie Dendriten, welche als sogenannte Pseudofossilien keinen organischen Ursprung haben, sondern Ablagerungen von im Sickerwasser gelösten eisen- und manganhaltigen Mineralien sind und wunderschöne Rosetten bilden können.
Zur Ausrüstung eines jeden Hobbyarchäologen sollten festes Schuhwerk sowie Hammer und Meißel, eine Schutzbrille und Papier zum sicheren Verpacken und Transportieren möglicher Funde zählen. Bevor man sich ans Werk macht, ist es hilfreich und interessant zugleich, die Informationstafeln entlang des Fossilien-Lehrpfades am Steinbruch zu lesen. Anschließend kann man sich eine vielversprechende Stelle suchen und anfangen, mit seinem Werkzeug die Steinplatten zu brechen und zu spalten. Abgehobene Schichtpakete öffnet man vorsichtig durch gefühlvolles Klopfen mit Hammer und Meißel, welcher dabei an mehreren Stellen rings um die Platte angesetzt wird. Selbst wenn man auf den ersten Blick vielleicht nichts sieht, lohnt sich oft ein zweiter Blick mit einer Lupe, um kleine Fossilien zu entdecken.
Erfolgreiche Suche im Steinbruch
Mit Geduld und Ausdauer gehen die meisten Besucher mit einem kleinen Andenken an diesen Tag nach Hause. Was genau es sein wird, ist purer Zufall gemischt mit einem Quäntchen Glück.
INFO
Lage:20 Kilometer nordöstlich von Ingolstadt
Anfahrt:Auf der Autobahn A9 nimmt man die Ausfahrt Ingolstadt-Nord und fährt Richtung Großmehring. Nach drei Kilometern verlässt man den Kreisverkehr an der dritten Ausfahrt und fährt über Demling, Theißing und Oberdolling. Nach dem letzten Ort sind es knappe acht Kilometer bis zu einem weiteren Kreisverkehr, an dem man die dritte Ausfahrt nimmt und der Straße durch Sandersdorf folgt. In Schamhaupten angekommen nimmt man in der Ortsmitte vor dem Kindergarten die Augustinerstraße nach links, gleich darauf die Rot-Kreuz-Straße nach rechts und nach 200 Metern die Bergstraße wieder nach rechts. Dieser sich schlängelnden Straße folgt man 700 Meter und biegt dann nach links auf den ungeteerten Feldweg zum 400 Meter entfernten Parkplatz beim Steinbruch ab.
Öffnungszeiten:1. April bis 31. Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr
Eintritt:nichts
Aktivitäten:Fossiliensuche
Unterkünfte:
Urlaubsbauernhof Gerstner: unweit vom Steinbruch gelegener und besonders für Familien mit Kindern geeigneter Bauernhof, dessen Eigentümern auch der Steinbruch gehört; Ferienwohnung ab 58 EUR und Doppelzimmer ab 72 EUR; Bergstraße 18a, 93336 Schamhaupten, Tel.: 09446 1330, urlaubsbauernhof-gerstner.de
Zur Post: modernes Boutique-Hotel in der historischen Altstadt von Vohburg; Doppelzimmer ab 100 EUR; Donaustraße 31, 85088 Vohburg, Tel.: 08457 9368000, boutique-hotel-vohburg.de
Hinweise:Notwendiges Werkzeug wie Hammer und Flachmeißel muss mitgebracht werden, da es keinen Verleih vor Ort gibt. Am besten hat man auch eine Schutzbrille dabei. Die Platzordnung ist einzuhalten. Dazu zählt beispielsweise, dass man pro Person nur auf einer Fläche von fünf Quadratmetern maximal 40 Zentimeter tief abbauen darf und Funde von Fischen mit mehr als 30 Zentimetern Länge sowie von (Resten von) Wirbeltieren sofort den Steinbrucheigentümern anzuzeigen sind, da diese automatisch zu 50 Prozent Miteigentümer sind.
4. DONAU-AUEN: BAYERISCHES AUENLAND
Mit einer Fläche von 2100 Hektar ist der Donau-Auwald zwischen Neuburg und Ingolstadt eine der größten noch vorhandenen Auenlandschaften in Deutschland. Besucher können in diesem Paradies der Biodiversität seltene Flora und Fauna entdecken und erleben, wie die Natur hier funktionierte, bevor der Mensch den mäandernden Fluss ab dem 19. Jahrhundert begradigte und aufstaute.
Wild und urig ist die Landschaft entlang der Donau zwischen Neuburg und Ingolstadt.
Ungefähr 20 Kilometer lang erstrecken sich die Auen zwischen Neuburg an der Donau und Ingolstadt. Die eigentlichen Waldflächen werden ergänzt durch eine Vielzahl anderer Lebensräume und sind Heimat für eine beeindruckende Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Gelbbauchunke, Hirschkäfer, Eisvogel und Biber fühlen sich ebenso wohl wie Frauenschuh und Kreuz-Enzian.
Idealer Ausgangspunkt zur Erkundung dieses Naturjuwels ist das Aueninformationszentrum im Schloss Grünau östlich von Neuburg. Eine Ausstellung vermittelt Wissen über die Flussauen und deren Bedeutung für den Hochwasser- und Naturschutz, wobei besonders Umweltbildung und Naturerfahrung einen hohen Stellenwert haben. Dabei lernt man, welche Biotope es in der Aue gibt, warum man heutzutage Flüsse renaturiert, was ein Auendynamisierungsprojekt ist und vieles mehr. Gefüllt mit Wissen lässt sich dann die Auenlandschaft noch intensiver erkunden.
Schloss Grünau
Mehrere Themenwege mit zahlreichen Infotafeln schlängeln sich durch die Donau-Auen. Die „Große Auenrunde“ lässt sich am besten per Fahrrad oder teilweise zu Fuß erkunden. Auf 26 Kilometern führt sie von der Staustufe Ingolstadt entlang des nördlichen Donauufers bis zur Staustufe Bergheim, über das Schloss Grünau und am südlichen Flussufer wieder zurück. Dabei trifft man auf der ersten Hälfte auf den Themenweg „Kulturlandschaft Eichenwald“, welcher auf siebeneinhalb Kilometern beim neu errichteten Holzpavillon südwestlich von Gerolfing beginnt und als Rundweg am Schafirrsee vorbei geht. In kaum einer anderen Gegend in Mitteleuropa findet man eine so gut erhaltene Mischung an historischen Landschaftselementen, wobei besonders der urige Eichenwald einen in die Vergangenheit zurückversetzt. Der Weg „Zurück zur Natur“ entlang des südlichen Donauufers ist ebenso lang und verbindet die Stadt Neuburg mit dem Aueninformationszentrum.
Hochwasser gehört zum Lebenszyklus von Auen.
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