„An etwas glauben heißt, in jedem Moment damit rechnen.“
Können wir uns ausmalen, dass Dinge, die in den Glaubensbüchern der Religionen stehen, wahrlich eintreffen? In jeder Phase und jedem Moment des Daseins, was wir Leben nennen? Halten wir es doch eventuell lieber an dem, was uns der österreichische Schriftsteller Karl Heinrich Waggerl (1897-1973) auf den Weg gab:
„Der Glaube versetzt Berge, der Zweifler erklimmt sie.“
An etwas zweifeln bedeutet nicht immer, dagegen zu sein, sondern Dinge aus einer anderen Sicht zu sehen. Hier kommt es immer darauf an, dass beide einen Weg der Vernunft finden, ohne Hass aufeinander. Wir geben uns Populisten hin und erklären einige Religionen zum Feind. Falsch und zerstörend ist dies. Den Vorwurf, dass diverse Religionen sich um diese Auswüchse stärker kümmern sollten, muss erkannt werden und nicht primär nennen, dafür ist der jeweilige Staat zuständig. Hierdurch sind Irritationen vorprogrammiert. Sind diese Zeilen als sozusagen Einführung zu diesem Buch über Lügen usw. provokant? Wohlgemerkt, es ist hiermit keinesfalls von mir eine Verurteilung von gläubigen Menschen gemeint. Der Glaube hilft Menschen als Gespräch mit einem gedachten Wesen. Die Lüge hat dennoch viel mit dem Denken gemein. Schon 360 v. Chr. sagte ein schlauer Mensch:
„Zweifel als Prinzip des Denkens annehmen.
Keine Ablehnung, sondern Untersuchen und Forschen von Erkenntnis und hierbei eine Wahrheit finden.“
Es ist nicht so einfach. Jedoch im Verständnis dafür, sollten wir nie sofort Dinge annehmen, sondern positiv zweifeln und darüber diskutieren. Es ist nie verwerflich, wenn wir erkennen, dass insbesondere der Zweifel, dieses Infragestellen und eine gesunde Skepsis den sorgfältigen, gesunden Menschen auszeichnen. Wir staunen über viele Dinge und erreichen kaum eine vollständige Befriedigung zur Erklärung dessen. Zweifel muss aber immer begründbar sein und nie aus Wichtigtuerei genannt werden. Dies erleben wir sehr oft. Ebenso ist das Verschweigen aus Bedachtheit eine gewisse Unwahrheit. Der deutsche Literaturwissenschaftler und Philosoph Ludwig Marcuse (1894-1971) sagte uns sehr treffend:
„Die Unwahrheit ist oft nicht in dem, was man sagt, sondern in dem, was man nicht sagt.“
Wir haben und machen es trotzdem weiter, dieses…nicht sagen…, um andere nicht zu verletzen oder gar einen Trumpf für später zu haben.
Stimmt es?
Als weitere Einführung zum Verstehen des Titels und als Anregung zum Nachdenken möchte ich die sehr einfachen, aber wohl wahren Worte von Martin Luther (1483-1546) nennen:
„Esse, was gar ist. Trinke, was klar ist und rede, was wahr ist“
Beachte bitte die Zeit Luthers. Wurde nicht damals schon sehr viel gelogen? Lange vor der Zeit Luthers hatten wir ein ständiges Gewitter im Kopf. Gewitter bedeutet wahrlich dieses Etwas mit Blitzen und Donnerknall. Passen wir also auf, dass es keine Erdbeben werden. Wir haben Luther wohl nicht verstanden. Mit dem…was wahr ist haben wir große Schwierigkeiten. Wenn wir verstehen, was um uns herum geschieht, wäre es der erste Schritt zur Vermeidung. Etwas Verstehen ist schwierig, Nachdenken ebenso. Mit wem sprechen wir und wollen etwas erfahren über unser Gewitter im Hirn? Nun gut, beten soll ja helfen zur Beruhigung. Rede, was wahr ist … nicht so einfach. Nehmen wir es also als Aufforderung nicht nur an Luthers Zeit im 15./16. Jahrhundert, sondern als eventuelles Ziel unserer Spezies Mensch im Heute. Es ist wohl kaum möglich, jedenfalls der letzte Teilsatz mit dem, was denn nun wahr ist. Keiner weiß es, kennt nur seine Wahrheit. Ob Luther seinen Zeitgenossen Niccolo Machiavelli (1469-1527) gelesen und verinnerlicht hat? Immer die Realität beachten und sogar, wenn angebracht, falsch verstandene Moral und auch seltsam verstandenes Recht opfern. Ich denke, sogar Martin Luther wusste, dass nur 2/3 des Satzes wahr sein kann und wir nicht fähig sind, nur wahre Worte zu reden und auch nicht wollen. Aber in dieser Einfachheit der Sätze sind die Aufforderungen an uns.
Nehmen wir doch mal die heutige Zeit im täglichen Dasein. Bitte sind sie nicht erschrocken über das jetzt Genannte. „Rede was wahr ist“ sagte uns Martin Luther. Wollen wir nicht wahr haben, dass wir älter werden, auch gebrechlicher, inaktiver? Es ist doch schlicht und einfach Realität. Die Pharmaindustrie, Kosmetikindustrie und viele andere Firmenzweige zeigen uns auf, dass wir es wohl „vermeiden“ können. Wir glauben es und schmeißen denen unser Geld in den Rachen. Warum stellen wir uns nicht der Wahrheit, dass wir alt werden? Es ist doch ein Fakt, den wir nicht vermeiden können. Wird eine Leistung weniger, gehen wir zum Arzt. Was meine ich? In übertriebener Darstellung meine ich damit, dass wir einfach nicht wahrhaben wollen, dass wir älter werden. Erkennen wir, dass wir nicht mehr so schnell laufen können wie vor 20 Jahren? Es macht uns traurig. Falsch. Warum müssen wir schnell laufen oder sind eventuell traurig, weil wir 15 Liegestütze weniger schaffen, wie damals….vor ca. 20 Jahren? Müssen wir optisch angeblich attraktiv wie in junger Mensch sein oder drei Mal am Tag Sex haben? (bitte keinen Aufschrei. Ihr wisst wie ich es meine) Wer redet uns dieses ein? Sind wir selbst auf diesen Gedanken gekommen oder ist es die Reklame (sprich Manipulation) im Fernseher? Wären wir nicht zufriedener, wenn wir dieses nicht so sehr ernst nehmen und einfach nur … zufrieden sind? Ich denke schon. Da beginnen Lügen und Manipulationen zu unserem Nachteil. Bitte nicht falsch verstehen. Natürlich ist es toll, wenn wir Sport treiben unter dem Aspekt fit zu bleiben oder weniger essen usw. ehrlich Spaß macht. Es sollte jedoch nie die Zufriedenheit infrage stellen, weil … viele es so machen und eventuell entgegen meiner Einstellung zum Leben sind. Wir werden älter, auch dicker und haben Falten. Na und? Für das Alter gibt es einen hervorragenden Spruch, wie ich meine, der witzig ist und passend und akzeptiert werden sollte:
„Wann ist man alt?
Wenn man sich die Schnürsenkel zubindet und dabei denkt…nun bin ich schon mal hier unten, was kann ich hier unten noch erledigen?“
Liege ich falsch? Ebenso gab uns Mark Twain (1835-1910), der eigentlich Samuel Langhorn Clemens hieß, bedeutungsvoll etwas auf den Weg.
„Das Alter ist ein ewiger Kampf zwischen der Materie (Körper) und dem Hirn (Geist). Wenn es dem Hirn egal ist, ist es der Materie erst recht völlig egal und wir gehen krumm und man erkennt von weitem, dass da ein älterer Mensch geht.“
Ist es nicht ein Ansporn, unser Alter vernünftig anzunehmen. Das beginnt im Hirn und wir können stolz mit aufrechtem Gang durch die Welt laufen, wenn uns nicht irgendeine körperliche Krankheit ernsthaft darin hindert. Kann es denn falsch sein, wenn man auch diesen Spruch verinnerlicht?:
„Ab einem gewissen Alter sich immer neu definieren.“
Kann doch eine wunderbare Aufgabe sein. Eventuell sich täglich neu definieren. Ehrlich diese Dinge anerkennen. Schnell laufen ist beschwerlich, mathematische Formeln fallen schwer, wir werden faltiger, schwerer, können mit den „Dritten“ nicht mehr so wie früher ins Schnitzel beißen und wir wollen öfter unsere Ruhe haben. Also sich selbst dem Alter entsprechend neu definieren und niemals traurig sein, dass viele Dinge langsamer werden. Lass doch die Straßenbahn wegfahren, bald kommt die nächste. Es hilft ungemein. Nennen wir es Glück, dass wir so denken. Ja, glücklich sein kann man lernen. Erlauben wir uns doch bzw. denken wir einfach mal darüber nach, was uns die Forscherin Michaela Brohm-Badry (geb.1962) darüber sagt:
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