„Ich bin froh, dass du so gut drauf bist“, sagte Gracie. „Weil ich einigermaßen schlechte Nachrichten habe. Tante Rue hat angerufen.“
„Oho. Was gibt’s?“ Susanna setzte sich aufmerksam hin und rieb sich die Sonnenwärme von den Oberschenkeln. „Hat sie das Haus verkauft?“
„Schlimmer. Sie kommt im Herbst auf die Insel.“ Gracie zog ihre Schultern bis zu den Ohren hoch.
„Und ich muss umziehen.“ Rue Prather war eine Modedesignerin, die in Alanta lebte. Sie vermietete das Haus an Susanna für kaum mehr als die Nebenkosten. Die einzige Fußangel war, dass Susanna eine andere Unterkunft finden musste, falls Rue eine Zeit auf der Insel verbringen wollte.
„Weil ich gerne Gastgeberin bin.“
„Von Oktober bis März.“
„Sechs Monate?“
„Du weißt, dass sie nicht so lange bleiben wird, Suz. Sie wird unruhig werden und wieder abreisen. Sie wird von einem neuen Designer hören, der Atlanta im Sturm erobert, und die Biege machen. Ich wette, sie kommt nicht einmal vor Thanksgiving hierher. Und ist an Weihnachten wieder weg.“
„Ich kann jedenfalls nicht für ein halbes Jahr ausziehen und hoffen, dass es nur für einen Monat ist. Wenn sie sagt, dass sie im Oktober kommt, muss ich spätestens im Oktober umziehen. Was mal echt lustig werden wird, wo ich doch gerade nur im Shack arbeite.“
In fünf kurzen Tagen war alles, was in ihrem Leben stabil und durchgeplant war, mit Karacho in sich zusammengefallen. Verschwunden.
Aber in der Tiefe ihrer Seele glaubte Susanna, dass da etwas Göttliches sich seinen Weg bahnte. Eine himmlische Veränderung geschah. Wenn sie es nur lange genug durchhielt, das Ergebnis zu sehen. Vielleicht hatte Daddy ja recht. Etwas Großes war unterwegs.
„Du kannst bei mir wohnen, wenn du möchtest.“
„Nein, vielen Dank. Dafür mag ich dich zu sehr.“ Sie hatte einmal mit Gracie zusammengewohnt. Gleich nachdem sie ihren Collegeabschluss gemacht hatte. Nie wieder. „Da zieh ich vorher mit in Auroras Zelt ein.“
„Ach wirklich, Suz. So schlimm war es auch wieder nicht.“
„Doch, das war es.“
Gracie lebte sehr raumgreifend. Grenzen waren verhandelbar. Sie breitete sich in der ganzen Wohnung aus. Susanna blühte mit Grenzen erst auf. Wenn alles an seinem Platz war. Vorhersehbar. Geordnet. Routine.
Nach ein paar Monaten war sie ausgezogen, um ihre geistige Gesundheit und ihre Freundschaft zu retten.
Ihr Gespräch drehte sich und verfiel in den leichten Rhythmus einer lebenslangen Freundschaft. Susanna brauchte Gracie nicht jedes Detail ihres Seelenlebens haarklein auseinanderzusetzen. Sie wusste darum. Sie wusste es einfach.
Gracie versorgte Susanna mit den letzten Neuigkeiten aus ihrem Schönheitssalon und darüber, dass ihre neu eingestellte Stylistin dachte, dass es eine freiwillige Sache sei zu arbeiten, wenn man für eine Schicht eingetragen war. „Sie sagte mir, sie, mache in Haar’, weil sie gehört hätte, da könnte man seine Arbeitszeiten selber festlegen.“
Susanna lachte. „Ist das nicht derselbe Grund, warum du in ‚Haar’ machst?“
„Ja, aber immerhin habe ich genug Anstand besessen, erst einmal meinen eigenen Laden aufzumachen. Du, ich muss mich beeilen.“ Die Frau, mit der sie seit der sechsten Klasse befreundet war, nahm Susanna in ihre langen, schlanken Arme. „Ich muss noch ein paar Sachen erledigen, bevor ich den Segler zum Abendessen treffe.“ Sie warf Susanna im Gehen einen Blick über die Schulter zu. „Möchtest du auch kommen?“
„Ich habe doch Dienst im Rib Shack. Außerdem muss ich selber auch noch was erledigen.“
„Okay … Suz, geht es dir gut?“
Wieder alleine.
„Ja, doch, mir geht es wirklich gut.“
Susanna blieb auf der Terrasse sitzen und dachte nach, bis die Sonne am späten Nachmittag lange Schatten über den Hinterhof warf.
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