1 ...7 8 9 11 12 13 ...27 Papua-Neuguinea ist ein wunderbares Land mit wundervollen Menschen. Die leider sehr ungleich im Parlament vertreten sind. Unter den 111 Abgeordneten gibt es keine einzige Frau. Deswegen machte Regierungschef Peter O'Neill am Frauentag, 8. März 2019, den Vorschlag, der Pazifikstaat könnte Abgeordnetenmandate für Frauen reservieren. Das sei „nur fair“, sagte O'Neill, denn: „Traurige Tatsache ist, dass die Interessen von Frauen vernachlässigt werden.“ Papua-Neuguinea ist wegen fehlender Frauenrechte und weit verbreiteter häuslicher und sexueller Gewalt in Verruf. Die Täter kommen oft ungestraft davon. In manchen Landesteilen werden Frauen sogar Opfer von Hexenjagden. Der Glaube an schwarze Magie ist nach wie vor weit verbreitet. Die Verbrennung einer Frau bei lebendigem Leibe 2013 schreckte die Öffentlichkeit auf. Die Zwanzigjährige soll einen Jungen durch „Hexerei“ getötet haben. Als die Polizei gegen die Ermordung einschreiten wollte, wurde sie daran gehindert. Nach dem Vorfall schaffte die Regierung ein Gesetz von 1971 ab, das Hexerei zur Straftat erklärte. NGOs kämpfen seit Jahren dafür, dass derartige Verbrechen härter bestraft werden. Mit Erfolg: Opfer berichten, die Polizei gehe inzwischen härter gegen Gewalt an Frauen vor. Weibliche Abgeordnete sind jetzt der nächste überfällige Schritt.
Hütten im Hafen von Port Moresby
Bezeichnend für die Situation im Inselstaat war der Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC), der 2018 erstmals im ärmsten der 21 Mitgliedsländer abgehalten wurde. Prominentester Gast war Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping. Da es in Port Moresby an Hotels fehlte, waren viele Teilnehmer im Hafen auf drei eigens gecharterten Kreuzfahrtschiffen untergebracht. US-Vizepräsident Mike Pence übernachtete in Australien und ließ sich zu den Treffen einfliegen. Das Beispiel zeigt: Trotz enormer Bodenschätze gehört Papua-Neuguinea zu den ärmsten Staaten der Welt. Korruption ist weit verbreitet, und im UN-Entwicklungsindex liegt PNG abgeschlagen auf Platz 153.
„Die Rohstoffindustrie ist Fluch und Segen zugleich“, analysiert Human Rights Watch die verfahrene Situation: „Die Minenprojekte haben gewalttätige Konflikte, Missbrauch und verheerende Umweltschäden entfacht. Die Staatseinkünfte verschwinden durch Korruption und Missmanagement und bringen den Bürgern keine Verbesserung.“ Die von Chinesen geführte Ramu-Nickel-Mine an der Ostküste zeigt, wie es nicht laufen soll. „Sie bringen Technologie der 1960er-Jahre, sie vergewaltigen unser Land, die Regierung profitiert, aber wir sehen nichts davon“, kritisiert ein Anrainer. Der Ärger speist sich aus der Angst vor Umweltschäden, der Sorge um das Überleben des Dorfes, Frust über die Regierung und Misstrauen gegen die wenig integrierfreudigen Chinesen. Die Regierung betreibe einen Ausverkauf des Landes, fülle sich die eigenen Taschen und die Bevölkerung bekomme nichts, schimpfen die Dorfbewohner: „Entwicklung hat gute und schlechte Seiten, aber wir sehen nur die schlechten.“
Papua-Neuguineas Natur ist von internationalen Minenprojekten bedroht.
Japan
Berühmt, berüchtigt, beneidet für:
Der rotwangige Schwarzbär Kumamon ist das populärste Maskottchen des Landes und durfte sogar vor dem Kaiserpaar tanzen. Der Rummel um die niedlichen yuru-kyara (entspannte Figuren) im Comic-Stil kennt kaum Grenzen. Firmen, Behörden und Regionen ringen mit den bunten Figuren um Aufmerksamkeit.
Fläche: |
377.930 Quadratkilometer, so groß wie Deutschland und Slowenien zusammen |
Einwohner: |
126.045.000, eineinhalb Mal soviel wie Deutschland |
Japan ist ein wunderbares Land mit wundervollen Menschen. Zwei durfte ich kennen und schätzen lernen. Zum Abschied schenkte mir das Ehepaar Oe einen selbst gefalteten Papierkranich und ein T-Shirt mit der Aufschrift „Hiroshima loves peace“. Drei Tage lang war ich ihr Gast. Ich habe das moderne Tokio gesehen und das alte Kyoto, Hightech und Teezeremonie, Geishas und Karaoke … – interessant, fremd, schön. Vor allem in Erinnerung geblieben sind mir aber die Oes und ihr Hiroshima. In einen japanischen Privathaushalt eingeladen zu sein, habe ich als intimeres Miteinander erlebt als irgendwo anders. Alles war so ordentlich, so putzig, so lieb. Alles sollte perfekt sein und war es auch.
Kenzaburo Oe, der japanische Literatur-Nobelpreisträger, oft als Gewissen der Nation bezeichnet und (nur) Namensvetter meiner Gastgeber, hat diese japanische Eigenheit, alles so gut, so schön, so perfekt wie möglich zu machen, in Beziehung zu den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki gestellt. In seinem Buch „Hiroshima notes“ schreibt er: Von der ersten Minute nach dem Atom-Blitz an haben die noch mit dem Leben davon Gekommenen daran gearbeitet „diese Hölle wieder so menschenfreundlich wie sie nur können zu machen“. Sie haben die Toten begraben, den Todkranken ein würdiges Sterben ermöglicht, die Verwundeten gepflegt, die Brände gelöscht, den Schutt weggeräumt … Oe sagt, das haben die Menschen von Hiroshima zuerst für sich selbst gemacht. Gleichzeitig haben sie „aber damit auch die Belastung für die Gewissen derer erleichtert, die die Atombombe geworfen haben“. Oe ist überzeugt: Die Menschen von Hiroshima haben in die Hölle eine Ausgangstür gebaut.
Ich durfte in Hiroshima eine Überlebende treffen. Als die Bombe detonierte, war sie 15 Jahre alt. Der Lichtstrahl sei im ersten Moment schön gewesen, sagte sie. Erst dann tat sich der Blick in die Hölle auf: Die Gesichter der Menschen sind geschwollen und es war nichts Menschliches mehr an ihnen zu erkennen. Ihre Mutter beugte sich schützend über sie. Als sie nach zwanzig Jahren Leiden an den Folgen dieses Tages starb, hörte die Tochter die Glasscherben, die ihre Mutter abgefangen hatte, in der Urne scheppern – und beschloss, als Überlebende vor Besuchern Zeugnis zu geben.
Origami Kranich
Dann stand ich mit „meinen“ Oes im Museum vor einem steinernen Hauseingang, auf dem noch der Schatten eines Menschen zu erkennen war. Der saß dort am Morgen des 6. August 1945, bis ihn die Bombe auslöschte. Dieser Schatten symbolisiert für mich die schiere Gewalt von Atombomben. Und deswegen habe ich es im ersten Moment hilflos, sinnlos, lächerlich empfunden, dass man in Hiroshima mit Origami-Papierkranichen, auch wenn es Zigtausende sind und es immer mehr werden, gegen eine derartige Macht anzukämpfen versucht. Mittlerweile denke ich anders. Das verdanke ich meinen Oes in Hiroshima, die mir drei Tage lang gezeigt haben, was der Dichter so beschreibt: „Weich ist stärker als hart. Wasser ist stärker als Fels. Liebe ist stärker als Gewalt.“
Friedenspark und Gedenkstätte in Hiroshima
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