Ab dem Jahr 2000 gingen die Kot-Vorräte aber zur Neige und das Land verarmte. Zurück blieb eine vom Bergbau zerstörte Insel, die einer Mondlandschaft gleicht. Nauru klagte vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag gegen Australien, verlangte Entschädigungen für die beim Phosphatabbau entstandenen Umweltschäden und die jahrzehntelange wirtschaftliche Ausbeutung ohne Gegenleistung. Die australische Regierung bezahlt Nauru aber lieber für die Internierung von in Australien nicht erwünschten Bootsflüchtlingen.
Der wirtschaftliche Niedergang Naurus ist neben gravierender Fehlinvestitionen und korrupter Geschäfte der Regierung auch dem exzessiven Konsumverhalten der Insulaner geschuldet. In der vom Vogelkot finanzierten Blütezeit besaß jeder Haushalt durchschnittlich zwei bis drei Autos – bei 41 Kilometer Straßen(un)dichte – und ein Motorboot.
Dabei widerspricht diese Unmäßigkeit der genetischen Veranlagung der Nauruer. Wie die anderen Südseeinseln wurde auch Nauru vor rund 3000 Jahren bevölkert. Die langen Bootsfahrten auf die abgelegenen Inseln schafften nur Menschen, die Essen optimal verwerten konnten. Ihr Stoffwechsel war auf Sparen eingestellt. Mit der Globalisierung der Fast-Food-Essgewohnheiten sind die früher positiven Effekte der thrifty genes (Sparsamkeitsgene) der Nauruer aber ins Gegenteil verkehrt und tragen zur kollektiven Fettleibigkeit bei, und die Diabetes-Quote ist eine der weltweit höchsten.
Die Karstlandschaft ist ein Relikt des Phosphatabbaus
Seine unbändige Lust auf Süßigkeiten und Softdrinks verleitete 2011 auch einen monatelang auf einem taiwanesischen Schiff stationierten Hubschrauberpiloten zum Anflug eines Supermarktparkplatzes auf Nauru. Der Mann wurde eingesperrt und zu einer saftigen Strafe wegen unerlaubten Landens sowie Verstoß gegen das Einwanderungsgesetz verdonnert. Beschissen, wird er sich gedacht haben, einem Seevogel mit unbändigem Kotdrang wäre das nicht passiert.
Ehemalige Phosphatbeladestation
Föderierte Staaten Mikronesien
Berühmt, berüchtigt, beneidet für:
Die 3000 Jahre alte Ruinenstadt Nan Madol wurde auf 92 künstlich angelegten Inseln als Ritualzentrum unter anderem für Schildkrötenopfer errichtet. Heute ist Nan Madol beliebter Handlungsort für Thriller und Fantasy-Romane.
Fläche: |
702 Quadratkilometer, doppelt so groß wie Malta, vergleichbar mit Singapur |
Einwohner: |
104.000, ein Viertel von Malta und ein 53stel von Singapur |
Die Föderierten Staaten Mikronesien sind ein wunderbares Land mit wundervollen Menschen, die neben Englisch noch weitere sechs Amtssprachen sprechen.
In Kosraeanisch wird auf der Insel Kosrae über die schönen und weniger schönen Seiten des Lebens gesprochen. Die Sprache hat 26 Prozent Ähnlichkeit mit Pohnpeanisch, womit man sich auf Pohnpei streitet und versöhnt. Pohnpeanisch wiederum ist zu 81 Prozent mit Pingelapisch verwandt, 75 Prozent mit Mokilesisch und 36 Prozent mit Chuukesisch. Pingelapisch ist zwar keine Amtssprache, was aber rund 3000 Menschen auf den drei Hauptinseln des Atolls Pingelap nicht hindert, diesen Dialekt für den Austausch über ihre kleinen und großen, wichtigen und weniger wichtigen Lebensthemen zu nutzen.
Ruinenstadt Nan Madolt
Rai, die Steinscheibenwährung
Chuukesisch gehört wieder zu den offiziellen Amtssprachen. 38.000 Bewohner der Chuuk-Inseln beschreiben damit, was sie lieben und was sie hassen. Verwandte Dialekte und Sprachen mit einer Entsprechung von 70 bis 85 Prozent sind Mortlockesisch, Puluwatesisch, Satawalesisch, Karolinisch, Mokilesisch sowie die beiden weiteren Amtssprachen Woleaianisch und Ulithisch. Letztere ist auf dem Ulithi-Atoll aus 3000 Mündern zu hören. Ulithisch hat eine Ähnlichkeit von 77 Prozent mit Satawalesisch, 74 Prozent mit Karolinisch, 72 Prozent mit Puluwatesisch, 68 Prozent mit Chuukesisch sowie 74 bis 80 Prozent mit Woleaianisch, das von den 1600 Insulanern auf dem Woleai-Atoll im Bundesstaat Yap gesprochen wird. Die 6600 Einwohner der Insel Yap unterhalten sich im Amt und anderswo auf Yapesisch. Dessen Wortschatz wurde während der spanischen Besetzung um das Jahr 1500, die deutsche Kolonialisierung Ende des 19. Jahrhunderts sowie seit dem Ersten Weltkrieg durch japanische und englische Wörter bereichert.
Stichwort Reichtum: Der ließ sich auf dem Ulithi-Atoll im Bundesstaat Yap ewig in Steinen messen. Die Währung Rai rechnet in Steinscheiben, die überall auf den Inseln am Wegrand oder neben den Häusern stehen. Wenn ein Rai den Besitzer wechselte – das Steingeld war nur in Männerhand – ließ der neue Eigentümer den Stein meist aufgrund des Gewichts dort stehen, wo er war. Wem welcher Stein gehörte, merkte sich der Dorfälteste. Die Steine sind je nach Wert bis zu vier Meter Durchmesser groß und teils über fünf Tonnen schwer. Importiert wurde die Währung aus dem 400 Kilometer entfernten Palau, was den Wert des Rai ausmachte. Mit dem Ausbau der Schifffahrt kam es zu Inflation, da der Transport der Steine billiger wurde. 1929 wurden 13.281 Rai gezählt, die Hälfte davon soll noch vorhanden sein und als Zahlungsmittel vor allem bei symbolischen Geschäften akzeptiert werden.
Die Tradition verlangt, dass das Steingeld immer auf dem Rand stehend gelagert wird. Es gilt als schwere Beleidigung und ist gesetzlich verboten, sich auf die Steinscheiben zu setzen, etwas darauf zu stellen und sie beispielsweise als Picknicktische zu nützen. Rai entweihende Touristen werden zu Geldstrafen verurteilt – die Strafe ist aber in Dollar zu entrichten!
Salomonen
Berühmt, berüchtigt, beneidet für:
„Achtung Kopfnüsse!“ Kopf- und Rückenverletzungen durch Kokosnüsse sind auf den Salomonen genauso häufig wie Verkehrs- oder Sportunfälle. Eine Kokosnuss aus 25 Metern Höhe erreicht eine Geschwindigkeit von achtzig Kilometern pro Stunde.
Fläche: |
28.869 Quadratkilometer, so groß wie Albanien |
Einwohner: |
622.469, ein knappes Viertel der Einwohner Albaniens |
Die Salomonen sind ein wundervoller Inselstaat mit wundervollen Menschen, die ihren Staatsnamen der Fehleinschätzung eines bibelfesten Europäers verdanken: 1568 entdeckte der spanische Seefahrer Alvaro de Mendaña de Neyra die Inselgruppe für die alte Welt. Da er glaubte, die Insulaner seien reich, benannte er die Inseln nach dem jüdischen König Salomo, der laut biblischer Quelle „alle Könige der Erde an Reichtum und Weisheit“ übertraf. Als dem nicht so war, brach zwischen Seeleuten und Einheimischen ein Streit um Lebensmittel aus. Als Versöhnungsgeste soll dem Spanier „ein Viertel eines Jungen mit Arm und Hand“ angeboten worden sein. De Neyra lehnte das Geschenk ab und verprellte die Gastgeber damit noch mehr.
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