Horst Riemenschneider - Verdorbene Jugend

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Der Autor beschreibt die Jahre seiner Lehrzeit im Waffenwerk Suhl, seine Zeit beim Reichsarbeitsdienst von der pommerschen Ostsee bis nach Südfrankreich und nach Holand und schließlich seinen kurzen Einsatz an der Ostfront im Frühjahr 1945 und die sich anschließende sowjetische Kriegsgefangenschaft, die ihn bis ins Kasachische Karaganda führte und aus der er erst 1949 nach Ronneburg heimkehrte.

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Horst Riemenschneider

Verdorbene Jugend

Februar 1940 bis November 1949

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.deabrufbar.

Herausgeber: Edeltraud Radochla, geb. Riemenschneider

radochla verlag ruben 2016

Alle Rechte vorbehalten

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2017

ISBN 978-3-938555-44-6

Noch eine Geschichte, Vati

So begannen die Sonntagmorgen, als wir noch in Ronneburg wohnten, Mutti bereits aufgestanden war, um das Frühstück zu bereiten, das Feuer in der Stube und in der Küche anzuheizen, den Tisch zu decken und dann zu rufen: Aufstehen, es wird Zeit!

An eine Kindheit mit so vielen Geschichten erinnere ich mich, so vielen Sonntagmorgengeschichten. Es war der Tag, an dem Vati ausschlafen konnte, und es war der Tag der Geschichten für mich. Es muss um 1958/​1959 gewesen sein. Für mich mit meinen sechs oder sieben Jahren waren das Abenteuer aus einer fernen Zeit, die Geschichten von den langen Bahnfahrten und dem vielen Kohldampf, von der Arbeit im Schacht und vom Mausen. Doch was anderes sollte der Vater der Tochter aus seiner Jugend erzählen, die der Krieg verdorben hatte? Erst im Laufe der Jahre konnte ich manches richtig verstehen. Dann gab es anderes zu tun.

Später, viel später besann sich Vati darauf, seine Geschichte aufzuschreiben. In den 1990er Jahren, schon von einem Schlaganfall und von Krankheit gezeichnet, nahm er diese große Bürde auf sich. Eine elektronische Schreibmaschine hat er sich angeschafft, von der wir dann per Diskette die Texte übernehmen und bearbeiten konnten. Seine letzte Überarbeitung erfolgte 2001, ein Jahr später erlag er seinem Leiden.

Seit 2002 liegen die Manuskripte nun als Nachlass bei mir. Zeit, um Abstand zu gewinnen und Nachsicht, Verständnis, Begreifen für die eine oder andere Sichtweise. Es bleiben Fragen: Hat diese verdorbene Jugend nachgewirkt? Haben sich Wertungen und Lebenseinstellungen aus dieser Zeit verfestigt? Sind Alternativen vielleicht ebenso extrem gesucht worden? Was macht das aus einem Menschen, wenn er in seiner Erinnerung an die Jugend beständig schreibt: „Wir mussten … “? Auch die Frage, ob ich den Text veröffentlichen soll, musste ich mir beantworten. Doch ich denke, dass angesichts zunehmender Interpretation von Geschichte das Wort von Zeitzeugen immer wichtiger wird.

Ich habe versucht, vorsichtig stilistische Straffungen vorzunehmen, ohne in die Intensionen des Autors einzugreifen. Namen und Orte erscheinen so, wie in der Erinnerung des Autors.

Edeltraud Radochla

Inhalt

Cover

Titel Horst Riemenschneider Verdorbene Jugend Februar 1940 bis November 1949

Impressum Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar. Herausgeber: Edeltraud Radochla, geb. Riemenschneider radochla verlag ruben 2016 Alle Rechte vorbehalten E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2017 ISBN 978-3-938555-44-6

Noch eine Geschichte, Vati Noch eine Geschichte, Vati So begannen die Sonntagmorgen, als wir noch in Ronneburg wohnten, Mutti bereits aufgestanden war, um das Frühstück zu bereiten, das Feuer in der Stube und in der Küche anzuheizen, den Tisch zu decken und dann zu rufen: Aufstehen, es wird Zeit! An eine Kindheit mit so vielen Geschichten erinnere ich mich, so vielen Sonntagmorgengeschichten. Es war der Tag, an dem Vati ausschlafen konnte, und es war der Tag der Geschichten für mich. Es muss um 1958/​1959 gewesen sein. Für mich mit meinen sechs oder sieben Jahren waren das Abenteuer aus einer fernen Zeit, die Geschichten von den langen Bahnfahrten und dem vielen Kohldampf, von der Arbeit im Schacht und vom Mausen. Doch was anderes sollte der Vater der Tochter aus seiner Jugend erzählen, die der Krieg verdorben hatte? Erst im Laufe der Jahre konnte ich manches richtig verstehen. Dann gab es anderes zu tun. Später, viel später besann sich Vati darauf, seine Geschichte aufzuschreiben. In den 1990er Jahren, schon von einem Schlaganfall und von Krankheit gezeichnet, nahm er diese große Bürde auf sich. Eine elektronische Schreibmaschine hat er sich angeschafft, von der wir dann per Diskette die Texte übernehmen und bearbeiten konnten. Seine letzte Überarbeitung erfolgte 2001, ein Jahr später erlag er seinem Leiden. Seit 2002 liegen die Manuskripte nun als Nachlass bei mir. Zeit, um Abstand zu gewinnen und Nachsicht, Verständnis, Begreifen für die eine oder andere Sichtweise. Es bleiben Fragen: Hat diese verdorbene Jugend nachgewirkt? Haben sich Wertungen und Lebenseinstellungen aus dieser Zeit verfestigt? Sind Alternativen vielleicht ebenso extrem gesucht worden? Was macht das aus einem Menschen, wenn er in seiner Erinnerung an die Jugend beständig schreibt: „Wir mussten … “? Auch die Frage, ob ich den Text veröffentlichen soll, musste ich mir beantworten. Doch ich denke, dass angesichts zunehmender Interpretation von Geschichte das Wort von Zeitzeugen immer wichtiger wird. Ich habe versucht, vorsichtig stilistische Straffungen vorzunehmen, ohne in die Intensionen des Autors einzugreifen. Namen und Orte erscheinen so, wie in der Erinnerung des Autors. Edeltraud Radochla

Vorwort Vorwort Die Schilderung über meine „verdorbene Jugend“ umfasst drei Teile: Die Lehrzeit, die Zeit im Reichsarbeitsdienst und meine kurze Militärzeit mit der sich anschließenden langen Kriegsgefangenschaft. Ich habe nur das aufgeschrieben, was ich noch wusste. Ich wollte außerdem nur schildern, wie es war. Nicht mehr – und ein Roman sollte es schon gar nicht sein. Die eine oder andere Sache hätte ich noch besser ausschmücken können, doch ich hatte Angst, dass ich es nicht mehr schaffe. Mit 75 Jahren muss man mit dem Lebensabschluss schon eher rechnen, als wenn man jünger ist. Vorher hatte ich aber keine Zeit und keine Lust zum schreiben. Außerdem waren mir die technischen Voraussetzungen nicht gegeben. Ich hatte jedoch einige schriftliche Aufzeichnungen und meine Berichtshefte aus der Lehrzeit, die mir bestimmte Zeiten dokumentierten. Zeiten, die ich nicht mehr dokumentarisch belegen kann, habe ich nach meiner Erinnerung niedergeschrieben. Horst Riemenschneider Bürgel auf einer alten Ansichtskarte, Familiennachlass

Teil 1 Lehrjahre

Aufnahmeprüfung

Ein neuer Lebensabschnitt

Der erste Arbeitstag

Wie es weiter ging

Der erste Fliegeralarm

Eine Fahrradtour

Ein lustiges Ereignis

Das Geld

Die Appelle und die Arbeitszeit

Die Berufsschule im ersten Lehrjahr

Die Hauptsache

Eine ungute Einlage

Direktor Lange

Das Schulungslager

Wieder im Betrieb und im Heim

Endlich Vaters Unterschrift

Zum Wintersport

Zurück in die Lehrwerkstatt

Der neue Ausbildungsleiter

Die Zeit nach Haider

Der Lehrjahreswechsel

Eine neue Wohnstätte

Neue Seiten

Die Freizeit in Dietzhausen

Ein neuer Freund

Doppelflinten

Werkstattwechsel

Forellenfang

Kontakt im Dorf

Wanderungen

Das letzte Lehrjahr

Die Facharbeiterprüfung

Als Friedensstifter

Wehrertüchtigungslager

Böse Buben

Freispruch und neues Wirkungsfeld

Der Krieg kommt näher

Die letzten Wochen in Dietzhausen

Ein erster Blick zurück

Teil 2 Reichsarbeitsdienst

Sammelfahrt ins Ungewisse

Im Sondertrupp

Lagerwechsel

Wachhabender

Mit der Waffe und dem Spaten

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