Christian Herwartz - Brücke sein
Здесь есть возможность читать онлайн «Christian Herwartz - Brücke sein» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.
- Название:Brücke sein
- Автор:
- Жанр:
- Год:неизвестен
- ISBN:нет данных
- Рейтинг книги:4 / 5. Голосов: 1
-
Избранное:Добавить в избранное
- Отзывы:
-
Ваша оценка:
- 80
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
Brücke sein: краткое содержание, описание и аннотация
Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Brücke sein»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.
Brücke sein — читать онлайн ознакомительный отрывок
Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Brücke sein», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.
Интервал:
Закладка:
Eine Lebensweise kann wie ein Vorwurf empfunden werden, einfach dadurch, dass sie so gelebt wird. Das hat im Falle der Naunynstraße oft dazu geführt, dass es zu dem kleinen, aber entscheidenden Fehlschluss kam: »Die leben so, um uns zu provozieren.« Das ist dann eine Ursache für Misstrauen, Vorwürfe und Ablehnung. Meine Antwort auf die Provokationsbotschaft lautete: »Zur Provokation gehören zwei – der, der provoziert, und der, der sich provozieren lässt.« Als ich im Herbst 1994 die Naunynstraße aufsuchte, war es dann so weit. Christians Schul- und Canisius-Kolleg-Trauma brach bei der ersten Begegnung durch, und er sagte zunächst einmal statt »Guten Tag« bloß: »Brrrrr, Lehrer!« Ich dachte mir: »Du kannst mich mal – ich bleibe weiterhin Lehrer.« Und dann begannen wir, über Gefangene zu sprechen. Dabei stieß ich auf eine Schlüsselbotschaft, die ich akzeptieren konnte: Gefangene besuchen ist vor dem Hintergrund des Evangeliums nicht begründungspflichtig. Der eine musste sein Lehrersein nicht rechtfertigen, der andere musste seine Gefangenenbesuche nicht rechtfertigen. Das war eine gute Ausgangsbasis. Das war der Anfang, in gegenseitiger Freiheit. Und dann war für mich der Weg klar: Wir diskutieren nicht über unterschiedliche Meinungen, sondern wir beginnen, gemeinsam etwas zu tun, in kleinen Schritten: Gefangene besuchen, Schule öffnen, Brüder und Schwestern suchen, auf die Straße gehen, Verbündete suchen, Einladungen annehmen und so weiter.
Noch ein Geleitwort möchte ich den Leserinnen und Lesern sagen: Es geht in diesem Buch darum, sich bedeutenden gesellschaftlichen Fragen über die eigene Erfahrung zu nähern, und nicht bloß über Zeitungsartikel, Expertenwissen und anderes Wissen aus dritter Hand. Zwischen dem Wissen aus eigener Erfahrung und dem Wissen aus dritter Hand besteht kein grundsätzlicher Gegensatz. Oft habe ich aber erlebt, dass das eigene Erfahrungswissen abgewertet wird oder diejenigen, die damit argumentieren, eingeschüchtert werden mit dem Hinweis auf Expertenwissen, das angeblich viel mehr über die gesellschaftliche Wirklichkeit aussage als die eigene Erfahrung. In der bildungspolitischen Debatte habe ich in den letzten 15 Jahren häufig erlebt, dass das Erfahrungswissen von Lehrenden in den Diskussionen um die Konsequenzen aus PISA, TIMM und anderen OECD- oder Bertelsmann-Studien nicht willkommen war. Umgekehrt ließen sich dann viele Lehrende an der Basis einschüchtern von den gewaltig auftretenden Expertisen und Experten, die genau wussten, wie es eigentlich gehen müsste. Doch Erfahrungswissen nicht ernst zu nehmen bedeutet letztlich, Menschen mit ihren Erfahrungen zu entmündigen. Ein Beispiel: Der Arbeiter Georg Elser versuchte 1939, die NS-Führung im Münchner Bürgerbräukeller durch ein Attentat auszuschalten. Er hatte schon ganz früh begriffen, dass Hitler auf Krieg zusteuerte. Das Attentat scheiterte, Elser wurde hingerichtet. Bis in die 90er-Jahre hinein wurde ihm bestritten, aufgrund von eigener Erkenntnis und Einsicht gehandelt zu haben – denn das könne ja nicht sein, dass ein einfacher Arbeiter ohne politisches Expertenwissen so sicher habe voraussehen können, dass Hitlers Politik in den Krieg führen würde.
Einer meiner philosophischen Lehrer wird immer wieder mit dem Satz zitiert: »Erfahrung macht dumm.« Das gilt denjenigen, die sich keiner neuen Anfrage oder Erkenntnis mehr öffnen wollen, weil sie angeblich »aus Erfahrung« wissen, dass alles Neue nicht klappen kann und nur Unordnung schafft. Aber andererseits gilt auch, dass nur Erfahrung wirklich dazu führt, dass man mit »Vollmacht« sprechen kann, so wie Jesus: »Er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.« (Markus 1,22) Gerade dem »Neuen«, dem Weiterführenden, dem »Geist« begegne ich in der eigenen Erfahrung, in der ich ganz in Anspruch genommen werde. Karl Rahner, ein wichtiger Jesuitentheologe des letzten Jahrhunderts, beschrieb den »Mystiker« als einen Menschen, der »etwas erfahren hat«, was mit Gott zu tun hat. Erfahrungen mit Gott aber sind niemals bloß »private« Erfahrungen, sondern drängen zur Mitteilung. Christian Herwartz reflektiert in diesem Buch gesellschaftliche Themen über den Weg der eigenen Erfahrungen. Ihnen kommt eine eigene Autorität zu, auch für den Erzählenden selbst. Durch dieses Reflektieren und Erzählen wird Christian zum Lehrer – ohne dass er es beabsichtigt. Aber es ist die Wirkung, die er zulassen muss, wenn er das Buch in die Hände der Leserinnen und Leser legt.
Klaus Mertes

I. FREIHEIT SUCHEN
Über Macht, den Missbrauchsskandal und die Erneuerung in der katholischen Kirche
Wir leben in einer Zeit, in der sehr deutlich ist, wie sehr die Kirche und die Gesellschaft insgesamt eines neuen Umgangs mit Macht(ausübung) bedürfen.
Eines der Zeichen, das sehr klar auf die Notwendigkeit einer Veränderung hingewiesen hat und es noch tut, ist die jetzt erst offen geführte Debatte um sexuellen Missbrauch in Zusammenhang mit Macht. Der Jesuitenorden hat dabei eine wichtige Rolle gespielt. Was ich davon miterlebt habe, möchte ich hier berichten. Weniger um des Ereignisses selbst willen, sondern um zu zeigen, dass auch große Veränderungen – wie der veränderte Umgang mit Missbrauch in der katholischen Kirche – aus vielen kleinen Schritten Einzelner bestehen.
Im Jahr 2010 blickte ganz Deutschland auf das Canisius-Kolleg in Berlin. Die Schule wird von Jesuiten geführt. Missbrauchsopfer aus den Reihen der ehemaligen Schüler hatten sich zu Wort gemeldet und trafen beim damaligen Rektor Klaus Mertes auf die vormals verweigerte Bereitschaft, ihnen zuzuhören und Glauben zu schenken. Eine Riesenwelle weiterer Opfermeldungen kam in Gang. Das Thema bekam viel Aufmerksamkeit in der Presse und Öffentlichkeit, und für uns Jesuiten begann eine sehr kontroverse Auseinandersetzung mit unseren verborgenen dunklen Seiten.
Klaus Mertes, der Hauptakteur, ist seit Jahren ein enger Freund von mir, und so habe ich vieles aus der Nähe miterlebt bzw. auch selbst mitgestaltet. Ein Höhepunkt meiner Präsenz in diesem Prozess war der Blog »Unheilige Macht«, den ich anlässlich des Erscheinens des gleichnamigen Buches eingerichtet habe. In diesem Buch resümieren Jesuiten, was sich seit dem öffentlichen Bekanntwerden der Missbrauchsfälle verändert hat. Da weder die Aufarbeitung noch der Dialog mit den Opfern zu jener Zeit abgeschlossen war, ging es auf dem Blog zeitweise sehr hoch her. Doch zurück zu den Ereignissen, die diesen neuen Umgang mit Missbrauch überhaupt erst ermöglicht hatten: Ausgelöst oder vielleicht besser möglich gemacht hat Klaus Mertes diesen Prozess, weil er etwas getan hat, was für ihn selbstverständlich ist: Er hat den Opfern zugehört. Dafür ist er inzwischen mit dem Gustav-Heinemann-Bürgerpreis ausgezeichnet worden. Sein Wagnis war, ein Tabu zu brechen, nämlich über »so etwas« öffentlich zu reden, die Verantwortung zu übernehmen und sich zu entschuldigen.
Das Thema, um das es eigentlich geht, verstehe ich als Auseinandersetzung mit Macht. Macht, die verhindern kann, dass Menschen sich näherkommen, weil sie in unterschiedlichem Maße über sie verfügen. Macht, die ausgenutzt werden kann und Menschen ins Abseits drängt. Wie wir als Orden, als Kirche und als Gesellschaft mit Macht umgehen, halte ich für ein sehr wichtiges Thema. Die Wirklichkeit ganz anzunehmen und dabei auch Grenzen zu überschreiten ist meine Vision. Wie einzelne, ganz kleine Schritte in diese Richtung aussehen können, davon handelt dieses Buch.
Die Freundschaft zwischen Klaus und mir ist ein Beispiel für eine solche Grenzüberschreitung.
Sie begann in einer Zeit harter Auseinandersetzungen. Ende der 80er-Jahre suchte unsere kleine Jesuitengemeinschaft in Berlin-Kreuzberg den Kontakt zu Gefangenen der Roten Armee Fraktion. Als sie 1989 in den Hungerstreik traten, begann eine intensive Beziehung zu ihren Angehörigen. Mit ihnen bin ich auf der großen Demonstration während des Hungerstreiks in Bonn gewesen und habe im Auftrag unserer Gruppe vor 10 000 Teilnehmern gesprochen. Dann wurden wir auch von den Gefangenen selbst eingeladen, sie zu besuchen. Diesen Schritt konnten damals nicht alle Mitbrüder leichten Herzens mitansehen. Besonders nicht jene, deren Familien zu den Angriffszielen der RAF gehört hatten, wie die von Klaus. Sein Vater war Mitglied der Regierung gewesen, weshalb ein Anschlag auf ihn hatte verübt werden sollen. Diese angedrohte Ermordung seines Vaters und der Menschen, die dann zufällig in seiner Nähe sein würden, hat Klaus traumatisiert.
Читать дальшеИнтервал:
Закладка:
Похожие книги на «Brücke sein»
Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Brücke sein» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.
Обсуждение, отзывы о книге «Brücke sein» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.