Die Montessori-Methode hat die großartige Eigenschaft, dass sie für alle Altersstufen geeignet ist. Es gibt immer mehr Montessori-Kitas, -Kindergärten, -Schulen und sogar -Gymnasien. Und schon zu Zeiten Maria Montessoris wurde darüber nachgedacht, sogar Montessori-Universitäten zu gründen!
Heute erzielt die Methode sehr gute Ergebnisse und funktioniert sogar bei älteren Menschen. In der Tat ist der Begriff »Methode« nicht wirklich angemessen, um all das zu beschreiben, was Maria Montessori aufgebaut hat. Man könnte vielmehr, wie sie es vorschlägt, von einer »Hilfe für den Menschen zur Eroberung seiner Selbstständigkeit« sprechen. Und wir wollen doch alle unabhängig sein!
Der Ausgangspunkt ist die Persönlichkeit aller Menschen, über die einfache Erziehungsmethode hinaus, was erklärt, warum diese Pädagogik nicht auf ein bestimmtes Alter beschränkt ist. Alle Männer und Frauen waren einmal Kinder, jene vollwertigen Wesen, auf denen die ganze Persönlichkeit aufbaut. Wenn wir die Erziehung von Kindern und Jugendlichen untersuchen, erhalten wir ein besseres Verständnis für die vielen menschlichen Tatsachen in allen Lebensaltern.
Die Montessori-Pädagogik kann in fünf große Lernbereiche unterteilt werden. Im Klassenzimmer werden diese verschiedenen Richtungen in jeweils in sich abgeschlossenen Bereichen angeordnet. Auf diese Weise kann sich das Kind unter den besten Bedingungen zurechtfinden.
Übungen des praktischen Lebens
Dies betrifft die alltäglichen Aufgaben, die von den Familienmitgliedern bewerkstelligt werden. Außerdem fallen alle Aktivitäten innerhalb des Hauses und in der unmittelbaren Umgebung darunter. Dank der Materialien für das praktische Leben lernt das Kind ab dem Alter von 2 Jahren, sich zu konzentrieren, nachzudenken, seinen Arbeitsbereich zu organisieren und in einer festgelegten Ordnung Handlungen durchzuführen, um ein Ergebnis zu erzielen. Beispiele: einen Stuhl tragen, Gießübungen, Pflege von Pflanzen und so weiter.
Hier geht es um die Ausbildung der fünf Sinne, die in der Montessori-Pädagogik sehr wichtig sind. Dazu wird geeignetes pädagogisches Material verwendet (Würfel, Zylinder, Tafeln mit Aussparungen, Stoff, bewegliche Buchstaben und vieles mehr). Das Kind lernt schrittweise Farben, Volumen, Körper, Gewicht und Material kennen. Das sensorische Montessori-Material hilft dem Kind, zu unterscheiden, zu klassifizieren und neue Informationen in den Rahmen einzuordnen, den es bereits kennt. Nach Maria Montessori ist dieser Prozess der Beginn eines bewussten Wissens.
Hierbei handelt es sich um alle mit dem Wort und dann mit der Schrift verbundenen Tätigkeiten. Die Sprache ist Teil des menschlichen Lebens, und zu sprechen, ist von Geburt an ein interner Mechanismus. Kurze Zeit später untersucht das Kind, woher diese »Musik« kommt, die den Lippen des Mundes entspringt. Es will unbedingt die Bewegungen untersuchen und sie später nachmachen. Maria Montessori hat entdeckt, dass ein Kind, damit es sprechen kann, Klänge hören und Erfahrungen mit der Sprache machen muss.
Dazu zählt alles, was mit Abstraktion und Mathematik zu tun hat. Die Montessori-Pädagogik schlägt eine Vielzahl praktischer Aktivitäten vor, um das Interesse für die Mathematik zu wecken. Alle Konzepte werden anhand konkreter Lernmaterialien betrachtet, womit das Verständnis erleichtert wird und solide Grundlagen geschaffen werden. Die Pädagogik basiert außerdem darauf, das Kind die Begründung selbst finden zu lassen, damit es ganz allein versteht, wie man zu dem Ergebnis gelangt. Dank des konkreten Montessori-Materials hat das Kind immer eine Vorstellung dessen, was es macht.
Material zur kosmischen Erziehung
Darunter fallen alle Tätigkeiten, die das Ziel haben, die Welt kennenzulernen. Die vorgeschlagenen Aktivitäten gestatten dem Kind, seine Neugier zu befriedigen und die externe Umgebung genauer kennenzulernen, indem es sie versteht.
Montessori heute: die Einrichtungen
Es gibt sehr viele Montessori-Schulen auf der ganzen Welt! Und es werden immer mehr. Dies ist einer der Gründe, warum Eltern, die beispielsweise aus beruflichen Gründen ins Ausland gehen, Montessori-Schulen für die Ausbildung ihrer Kinder wählen. Letztlich kommt es darauf an, dass ein Kind, das mit den Eltern in ein anderes Land – womöglich mit einer anderen Sprache – umzieht, dieselbe pädagogische Umgebung vorfindet.
Maria Montessori wollte ihre Pädagogik nicht festschreiben, weil sie sich weiterentwickeln sollte. Deshalb ist es schwierig, genaue Zahlen zu nennen, weil keine Schule verpflichtet ist, zu erklären, dass sie nach der Montessori-Methode vorgeht. Man stellt jedoch fest, dass es bemerkenswerte Entwicklungen in dieser Hinsicht gibt.
Ein paar Zahlen…
Es gibt etwa 35.000 Montessori-Schulen auf der ganzen Welt, davon 5.000 Schulen in den USA und mehr als 600 in Großbritannien.
In Deutschland gibt es etwa 1.000 Montessori-Einrichtungen (600 Kindergärten und 400 Schulen, davon 35 Prozent staatlich).
In den Niederlanden haben die 160 Montessori-Schulen einen Vertrag mit dem Staat. Sie sind sehr beliebt. Etwa 5 Prozent aller Schüler haben einen Teil ihrer Schulzeit in einer Montessori-Schule verbracht.
Eine der Inspirationsquellen der Schulreform in Finnland war die Montessori-Pädagogik. Seit dem Jahr 2000 liegt Finnland in der internationalen PISA-Studie der OECD in allen Klassifizierungen an erster Stelle. Andere Länder, wie beispielsweise Kanada oder Schweden (312 Montessori-Schulen), haben ebenfalls die Montessori-Pädagogik erfolgreich in die staatlichen Schulen integriert. Vor Kurzem wurde in England die Montessori-Pädagogik in mehrere öffentliche Grundschulen übernommen, womit maßgebliche Erfolge erzielt wurden.
Montessori für den Frieden
Maria Montessori wurde dreimal für den Friedensnobelpreis nominiert, für die großartige Idee, die ihrer gesamten Pädagogik zugrunde liegt: eine Welt des Friedens zu schaffen. Sie hat die beiden Weltkriege durchlebt und verstanden, dass Kinder die Zukunft der Menschheit sind. Und nur wenn man ihnen erlaubt, sich frei zu entwickeln, mit Respekt für sich selbst und für andere, werden sie als Erwachsene wollen, dass Frieden auf der Erde herrscht.
Maria Montessori beschrieb das Kind als einen »vergessenen Bürger«, obwohl es doch die Zukunft der Menschheit ist und in den Mittelpunkt aller Debatten gestellt werden sollte. Ungerechtigkeiten, Hindernisse, Tadel und Schuldzuweisungen verhindern, dass es sich frei entfaltet. Zeigt man dagegen Verständnis für die verschiedenen Entwicklungsstufen eines Kindes und seine tiefsten Bedürfnisse, wird es selbstbewusst, respektvoll, stark, frei denkend und fähig, sich für das Wohl aller einzusetzen.
Aus diesem Grund muss der Erwachsene unbedingt eine andere Haltung entwickeln, um die konflikthafte Beziehung zwischen dem Kind und dem Erwachsenen als schwacher und starker Partner aufzubrechen. Wenn der Erwachsene dem Kind erlaubt, sich zu entwickeln, indem er ihm ganz an seine Bedürfnisse angepasste Umgebungen und Materialien bereitstellt, hilft er ihm zu verstehen, dass alles im Universum ein harmonisches Ganzes bildet, von dem es nicht nur ein Teil ist, sondern in dem es auch eine unverzichtbare Rolle spielt. Das Kind wird sich für die ihm anvertraute Welt verantwortlich fühlen. Es wird also mit dem Gedanken aufwachsen, dass es lernen muss, sich um sich selbst zu kümmern, aber auch um andere und seine Umwelt, weil es gegenüber jedem von ihnen eine Rolle übernehmen muss.
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