Berichte von Eltern und Lehrern, die über ihre Erfahrung mit Montessori berichten.
Teil I
Was ist die Montessori-Pädagogik?
IN DIESEM TEIL …
Was ist Montessori? Der Name einer Pädagogik, die seit mehr als einem Jahrhundert in aller Munde ist, und die sich immer mehr durchsetzt! Man findet sie in Klassenzimmern voller Regale mit interessanten Lernmaterialien, in den Auslagen der Buchhandlungen und sogar bei Friedenskonferenzen! Sie ist außerdem das außergewöhnliche Ziel einer Italienerin, Maria Montessori, die die bemerkenswerte Vorstellung hatte, dass ein Kind nicht nur ein Schulkind ist, das es zu bestrafen und zu disziplinieren gilt. Die Methode ist eine Philosophie, um Selbstständigkeit, Vertrauen und Wohlergehen zu fördern. Begleitet wird sie von verschiedenen Lernmaterialien, deren Bedeutung heute von der Neurowissenschaft bestätigt ist, und die von Eltern wie Lehrern gleichermaßen anerkannt werden. Ihre großen Prinzipien zu verstehen, bedeutet auch, der Lehre neuen Atem einzuhauchen, und zu erkennen, dass wir mit der geänderten Sicht auf unser Kind eine bessere Welt für morgen schaffen!
Kapitel 1
IN DIESEM KAPITEL
Die Montessori-Philosophie
Beobachtungen und Überlegungen im Dienste des Kindes
Eine universelle Methode für alle Altersstufen
Montessori heute: die Einrichtungen
Die Montessori-Pädagogik wird oft als eine Methode angesehen, die hauptsächlich auf Materialien basiert. In Wirklichkeit ist es ganz anders!
Egal, welchen Begriff man verwendet, um über Maria Montessoris Entdeckungen zu sprechen – die wir im nächsten Kapitel kennenlernen werden –, man muss erkennen, dass es dabei um viel mehr geht als um eine Denkweise. Kurz gesagt, es ist eine Philosophie.
Maria Montessori schlägt eine komplette Methode vor, zu leben und zu sein. Sie hat eine Pädagogik entwickelt, die überall ihren Platz hat, in allen Teilen der Welt, an Orten, an denen Kinder ebenso willkommen sind wie zu Hause, in den reichsten ebenso wie in den ärmsten Umgebungen. Sie vermittelt den tiefen Respekt, den jedes Wesen in jedem Alter verdient.
Bei der Umsetzung ihrer Methode mit Kindern gilt es drei Aspekte, von Maria Montessori »äußerlich« genannt, zu beachten:
eine an sie angepasste Umgebung
durch einen informierten Erwachsenen
mithilfe von Lernmaterialien
Diese drei grundlegenden Aspekte führen zu bemerkenswerten Ergebnissen, sowohl praktisch als auch philosophisch. Die Erwachsenen-Kind-Beziehung ist zutiefst friedlich. Wenn wir diesen Ansatz fortführen, können wir uns auf ein erreichbares Ideal zubewegen: Frieden.
Das Adlerauge von Doktor Maria
Was Maria Montessoris Arbeit so einzigartig und relevant macht, ist vor allem ihre Methode. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Forschern verwendete sie als Ausgangspunkt keine Hypothese, die sie testen wollte. Vielmehr begann sie damit, ihre Überlegungen auf strenge wissenschaftliche Beobachtung zu stützen, frei von jeglichem Urteil. Als Ärztin beobachtete sie ihre Umgebung und hörte zu, um zu verstehen, bevor sie handelte und entschied. Nachdem sie zunächst in einer psychiatrischen Klinik mit sogenannten »defizitären« Kindern gearbeitet hatte, bemerkte sie bei objektiver Betrachtung, dass diese Kinder Aktivität brauchen. Sie stellte ihnen daher von ihr erfundenes oder bereits vorhandenes Lernmaterial zur Verfügung, um ihnen beim Lernen zu helfen – sie passte sich ihren Bedürfnissen an.
Im Jahr 1906 wurde ihr das Projekt des ersten Kinderheims in San Lorenzo angeboten (siehe Kapitel 2). Hier baute sie Möbel in der richtigen Größe für die Kinder ein, schuf ein sauberes Umfeld und stellte das Material in einem großen Schrank zur Verfügung. Von da an begann sie auch, die Materialien immer besser an die Bedürfnisse der Kinder anzupassen.
Sie hatte ein Auge dafür, Gesten und Bedürfnisse wahrzunehmen. Sie halfen ihr dabei, ihre Methode umzusetzen. Ihr vorrangiges Ziel war es, das Kind zu begreifen und es dann besser zu erziehen. Heute sind Maria Montessoris Forschungen durch die Neurowissenschaften belegt und zeugen von einer wissenschaftlich fundierten Arbeit sowie Fortschrittlichkeit.
Die Methode des Kindes
Die ganze Welt spricht von der Montessori-Methode. Maria Montessori selbst hatte niemals gewollt, dass diese Methode ihren Namen trägt. Sie bezeichnete sie als die »Methode des Kindes« – das war der erste Name der »wissenschaftlichen Pädagogik, die für die Ausbildung von Kindern in Kinderhäusern« verwendet wurde. Dieser Name wurde jedoch als zu lang betrachtet. Nachdem ein englischer Journalist vorschlug, ihn durch »die Montessori-Methode« zu ersetzen, wurde diese Bezeichnung von weiteren englischsprachigen Autoren und schließlich von der ganzen Welt übernommen!
Das Kinderhaus? Was ist das? Wir stellen uns womöglich ein zauberhaftes, im Wald verborgenes Haus mit den sieben Zwergen vor! Ganz so ist es nicht, aber dennoch steht die Idee dahinter, dass es für Kinder maßgeschneidert ist. Das erste Casa dei Bambini – so der ursprüngliche Name – entstand in einem stark bevölkerten Viertel von Rom (siehe Kapitel 2).
Um die in Slums lebende Bevölkerung neu zu gruppieren und das Leben im Viertel zu verbessern, beschloss die Gemeinde 1906 den Bau von zwei Gebäuden. Und es war Maria Montessori, die gebeten wurde, das Leben der Kinder so zu organisieren, dass sie nicht mehr auf der Straße herumlungerten, während ihre Eltern Arbeit suchten. So wurde im Gebäude ein Kinderhaus eingerichtet, in dem alles für Kinder vorgesehen war – ein Raum, um den sie sich kümmern mussten.
Maria Montessori hatte zunächst nur Zeit, den großen Raum, der den Kindern als Klassenzimmer dienen sollte, neu streichen zu lassen, kleine Tische und Stühle aufzustellen, die noch sehr schwer waren, sowie einen großen abschließbaren Schrank zur Aufbewahrung von Lernmaterial. Die Kinder freuten sich sofort über das saubere weiße Haus, die neuen Tische und Stühle und die speziell für sie entworfene Ausstattung. Die einfache Tatsache, ihnen eine schöne und angepasste Umgebung zu bieten, war der Ausgangspunkt, um eine gelassene, friedliche und arbeitsorientierte Atmosphäre zu schaffen. Vor Ort lebend, hat Maria Montessori in Zusammenarbeit mit den Eltern diesen Ort zu einem bemerkenswerten Arbeitsplatz für die Kinder gemacht, an dem sie beobachten und lernen konnten. Noch heute werden Montessori-Schulen als Kinderhäuser bezeichnet.
Auch wenn Maria Montessori ihre Methode zunächst dafür konzipiert hatte, um mit sogenannten defizitären Kindern oder Kindern aus den überfülltesten Klassen in Rom zu lernen, bedeutet dies keineswegs, dass ihre Pädagogik nur für schwierige Fälle reserviert ist. Ganz im Gegenteil!
Die Montessori-Methode ist außergewöhnlich, weil sie universell anwendbar ist. Ihre Wirkungen sind an allen Kindern zu erkennen, unabhängig von ihrem Lebensstandard oder dem Ort, an dem sie leben. Ebenso außergewöhnlich ist, dass die Methode die Zeit überdauert hat – sie ist heute genauso aktuell wie vor hundert Jahren, weil Kinder ab der Geburt immer dieselben Bedürfnisse haben. Man muss verstehen, dass die Montessori-Methode auf einem tiefen Respekt vor dem Rhythmus des Kindes und seiner eigenen Persönlichkeit basiert, sodass sein ganz eigener Charakter zum Vorschein kommen kann. Maria Montessori zeigt, dass sich das Kind, wenn sein Rhythmus respektiert wird, als ruhig, gelassen, mutig und fleißig erweist. Es wird alles getan, um diesen Rhythmus zu schützen und die Entwicklung des Kindes zu fördern.
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