Zygmunt Bauman - Dialektik der Ordnung
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Anfangs war der Blick durch dieses Fenster für mich fremd, und darin glich ich vielen meiner Fachkollegen. Wie die meisten Soziologen nahm ich an, der Holocaust sei bestenfalls ein Untersuchungsgegenstand für die Sozialwissenschaften; daß der Holocaust seinerseits unseren Untersuchungsgegenstand erhellen könnte, ahnte ich nicht. Der Holocaust schien mir (weil ich es nicht besser wußte) eine Unterbrechung des normalen Ganges der Geschichte, ein Krebsgeschwür am Körper der zivilisierten Gesellschaften, ein Fall von Wahnsinn inmitten gesunder Verhältnisse. Nur deshalb konnte ich meinen Studenten ein Bild von der normalen, gesunden Gesellschaft zeichnen, denn ich glaubte, den Holocaust den Spezialisten für Pathologisches überlassen zu können.
Meine Selbstzufriedenheit und die meiner Kollegen wurde gefördert (auch wenn dies keine Entschuldigung sein darf) durch die Art und Weise, in der das Vermächtnis des Holocaust vereinnahmt und behandelt wurde. Im kollektiven Bewußtsein gilt der Holocaust als Tragödie der Juden und der Juden allein; von den anderen wird nicht viel mehr als Bedauern, Mitleid, vielleicht auch Rechtfertigung verlangt. Wieder und wieder von Juden und Nichtjuden wurde der Holocaust als kollektives Schicksal und Privatangelegenheit der Juden dargestellt, argwöhnisch bewacht von denen, die den Erschießungen und Gaskammern entkommen waren, oder von den Kindern der Ermordeten. Unter dem Strich ergänzten sich die »Innen«- und die »Außenperspektive«. Selbsternannte Sprecher der Opfer warnten vor einer Verschwörung derer, die den Juden den Holocaust entreißen und »christianisieren« oder sein spezifisch jüdisches Gepräge zu einer Frage der »Humanität« machen wollten. Der Staat Israel versuchte, die tragische Erinnerung in ein Zertifikat seiner politischen Legitimität, in einen Freibrief für die frühere und zukünftige Politik und sozusagen als Vorschuß auf das von ihm selbst begangene Unrecht umzumünzen. Alle diese Gründe trugen dazu bei, daß sich der Holocaust in das öffentliche Bewußtsein als rein jüdische Angelegenheit eingrub, die von nur geringer Bedeutung für die heutige Gesellschaft und die in ihr Lebenden (seien sie nun Juden oder nicht) ist. Wie sehr die Bedeutung des Holocaust fatalerweise auf die des privaten Traumas einer einzigen Nation reduziert worden ist, erlebte ich an einem gelehrten, klugen Freund. Als ich mich darüber beklagte, wie wenig allgemeingültige Schlußfolgerungen aus dem Holocaust in der soziologischen Literatur zu finden seien, war seine Reaktion: »Das finde ich auch erstaunlich, wenn man bedenkt, wieviel jüdische Soziologen es doch gibt.«
Der Holocaust wird zu Jahrestagen und besonderen Anlässen thematisiert, normalerweise in jüdischen Gemeinden oder vor einer jüdischen Zuhörerschaft. Universitäten bieten Kurse über die Geschichte des Holocaust an, wenn auch außerhalb der normalen Lehrveranstaltungen. Der Holocaust gilt als Spezialthema der jüdischen Geschichte, es gibt Fachleute, die einander auf Tagungen und Symposien immer wieder begegnen. Doch ihre produktive und äußerst interessante Forschungsarbeit findet nur selten Eingang in die allgemeine Fachwissenschaft oder das kulturelle Leben – was natürlich auf viele Spezialgebiete in unserer Welt der Spezialisten und des Spezialistentums zutrifft.
Wenn Erkenntnisse diesen Weg schließlich doch einmal finden, dann betritt der Holocaust die öffentliche Bühne in der Regel in gereinigter, demobilisierender und abgemilderter Form. Im Einvernehmen mit den gängigen Mythen rüttelt der Holocaust das Publikum als menschliche Tragödie auf, ohne jedoch die Selbstzufriedenheit zu tangieren. Ein Beispiel ist die amerikanische Fernsehserie Holocaust: Sie zeigte, wie gebildete, kultivierte Arztfamilien aufrecht, würdevoll und moralisch unversehrt in die Gaskammer gingen, geführt von widerlichen, degenerierten Nazischergen und ihren ungeschlachten, blutrünstigen slawischen Gehilfen. David G. Roskies, ein scharfsinniger und einfühlsamer Beobachter der jüdischen Reaktionen auf die Apokalypse, hat in diesem Zusammenhang eine wichtige Beobachtung gemacht: Sei die Ghetto-Dichtung zunächst durch Nachdenklichkeit gekennzeichnet gewesen, so habe sich in den späteren Versionen – wie durch schleichende Selbstzensur – jüdisches Selbstbewußtsein durchgesetzt. »Je mehr die Zwischentöne verdrängt wurden«, so Roskies, »desto mehr bildeten sich die bekannten archetypischen Konturen des Holocaust heraus: Die jüdischen Opfer waren absolut gut, die Nazis und ihre Kollaborateure absolut böse.« 1Hannah Arendt löste einen Sturm der Empörung aus, als sie die These wagte, die Opfer eines unmenschlichen Regimes hätten auf dem Weg in die Vernichtung notgedrungen einen Teil ihrer Menschlichkeit verloren. Der Holocaust war ohne Zweifel eine jüdische Tragödie . Zwar waren die Juden nicht die einzigen, die dem Naziregime zum Opfer fielen (auf Geheiß Hitlers starben 20 Millionen Menschen, davon 6 Millionen Juden), doch nur für die Juden war die vollständige Vernichtung geplant, da sie in der Neuen Ordnung der Nationalsozialisten keinen Platz hatten. Dennoch: Der Holocaust ist nicht einfach ein jüdisches Problem und nicht ausschließlich ein Element jüdischer Geschichte . Der Holocaust wurde inmitten der modernen, rationalen Gesellschaft konzipiert und durchgeführt, in einer hochentwickelten Zivilisation und im Umfeld außergewöhnlicher kultureller Leistungen; er muß daher als Problem dieser Gesellschaft, Zivilisation und Kultur betrachtet werden . Die Verdrängungsprozesse im historischen Gedächtnis unserer modernen Gesellschaft sind aus diesem Grunde mehr als nur Ignoranz, die die Opfer der Genozids verletzen muß; sie sind auch ein Indiz für eine gefährliche, potentiell suizidale Blindheit.
Wenn hier von einem Verdrängungsprozeß die Rede ist, bedeutet das nicht, daß der Holocaust aus dem Gedächtnis schwindet. Im Gegenteil. Abgesehen von einigen revisionistischen Kreisen, die die historischen Fakten abstreiten (und so durch die Schlagzeilen, die sie machen, ungewollt für mehr Aufsehen sorgen), nimmt das öffentliche Interesse an den grausamen Fakten des Holocaust eher noch zu. Das gesamte Thema hat – zumindest als Rahmenthema – einen festen Platz in Filmen, im Fernsehen und in der Literatur gefunden. Dennoch findet der Verdrängungsprozeß statt, denn zwei Vorgänge wirken zusammen.
Zum einen wird die Geschichte des Holocaust zunehmend in ein Spezialgebiet mit eigenen wissenschaftlichen Instituten, Stiftungen und Symposien abgedrängt. Ein bekannter Effekt dieser Verzweigung in Fachdisziplinen ist, daß das Spezialgebiet eine nur sehr lockere Verbindung mit der allgemeinen Forschung hält; die allgemeine Forschung bezieht nur wenige Impulse aus den Erkenntnissen der Spezialisten, insbesondere dann, wenn diese ihre eigene Sprache und Begrifflichkeit entwickeln. Das wissenschaftliche Spezialgebiet wird gewissermaßen partikularisiert und marginalisiert, das heißt, es verliert an Bedeutung für die wissenschaftliche Praxis. Die Folge ist, daß der Umfang und die wissenschaftliche Qualität der Spezialuntersuchungen zum Holocaust zwar in beeindruckender Weise zunehmen, daß die Beschäftigung mit diesem Thema aber kaum noch Eingang in allgemeinhistorische Darstellungen findet.
Ein weiterer Vorgang ist die bereits erwähnte Einfriedung des Holocaust im öffentlichen Bewußtsein. Der Holocaust ist an Gedenkfeiern und die damit verbundenen Reden geknüpft. Veranstaltungen dieser Art haben ihren Sinn, doch sie tragen nur wenig zur Analyse des Phänomens Holocaust und seiner beunruhigenden, unbequemen Aspekte bei. Eine weitere Tatsache ist, daß die Informationsmedien noch hinter diesem ohnehin beschränkten Diskussionsstand zurückbleiben.
Wenn die Öffentlichkeit mit der schrecklichsten Frage konfrontiert wird, nämlich »Wie war das Entsetzliche im Herzen des zivilisierten Teils der Welt möglich?«, geraten nur wenige darüber aus dem seelischen Gleichgewicht. Untersuchung der Schuld wird verwechselt mit der Forschung nach den Ursachen. Die Wurzeln des Bösen, so hören wir, seien im Wahn Hitlers, in der Unterwürfigkeit seiner Henker, der Brutalität seiner Anhänger und in der von seinen Ideen gesäten Morbidität zu suchen. Außerdem wird darauf verwiesen, die Windungen der deutschen Geschichte, die moralische Abstumpfung der Deutschen als Folge offenen oder latenten Antisemitismus hätten eine wichtige Rolle gespielt. Als Antwort auf die Frage, »wie so etwas möglich gewesen« ist, folgt in der Regel eine Litanei von Fakten über den SS-Horrorstaat, die Bestialität der Nazis oder andere Aspekte der »deutschen Krankheit«, die, wie man uns versichert, »der Entwicklung der Welt zuwiderlaufen« 2. Nur wenn die Unmenschlichkeit der Nationalsozialisten und die Ursachen in unserer aller Bewußtsein kämen, sei es möglich »die Wunden, die der Nationalsozialismus der westlichen Zivilisation beigebracht habe, wenn sie schon nicht heilbar sind, wenigstens zu lindern« 3. Das könnte heißen, daß die Ursachenforschung abgeschlossen wäre, wenn Deutschland, den Deutschen und den Nationalsozialisten ihre Schuld moralisch und materiell nachgewiesen sei.
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