Als meine Freundin und ihre Familie das nächste Mal die Tür zu ihrem Ferienhaus aufschlossen, war dieses zur Hälfte leer.
Alles von Wert war verschwunden, die wirklich schönen, teuren Stücke, die meine Freundin auf jeden Fall hatte behalten wollen, die Antiquitäten und sogar die teuren Designermöbel auf der Terrasse. Meine Freundin war fassungslos. Sie stellte die Haushälterin zur Rede. Die behauptete allerdings, das Ganze sei so abgesprochen gewesen, überhaupt hätte sie viel zu viel Arbeit mit dem Verkauf gehabt und fast nichts für die Möbel bekommen, großzügigerweise würde sie meiner Freundin aber einen Teil des Verkaufserlöses geben – ein Bruchteil dessen, was die Möbel und die Antiquitäten tatsächlich wert waren.
Die Haushälterin hatte sich großzügig die Taschen gefüllt. Das ärgerliche Ende dieser Geschichte: ein hoher finanzieller Schaden, ein Haus, in dem das halbe Mobiliar fehlte und eine Anzeige bei der Polizei.
Wie sich später herausstellte, war meine Freundin nicht die Einzige, die auf diese Frau hereingefallen war. Und sie war nicht die Letzte. Die Reihe der Geschädigten wurde länger und länger. Damit wuchs aber auch die Zahl derjenigen, die über die Frau Bescheid wussten, was sich auf ihr »Geschäftsmodell« eher negativ auswirkte.
Mit anderen Worten gesagt: Die Luft für sie wurde immer dünner. Das ergaunerte Geld war sehr schnell weg; soweit ich weiß, ist sie inzwischen arbeitslos und denkt darüber nach wegzuziehen.
Makler auf Abwegen
Eine noch dramatischere Geschichte hat ein Kunde von mir erlebt. Während eines Urlaubs in Frankreich hatte er einen Makler für Luxusimmobilien und dessen Frau kennengelernt. Und weil dieser Mann zurück nach Deutschland wollte (offensichtlich ohne seine Frau), hatte er meinen Kunden dringend um einen Job gebeten. Er war äußerst freundlich und hilfsbereit, fast schon unterwürfig, und erzählte immer wieder, wie übel ihm mitgespielt worden sei, dass man ihn um viel Geld betrogen habe und überhaupt alle gegen ihn seien. Seine Geschichte klang wenig glaubwürdig, und die Frau meines Kunden, die den Mann ebenfalls kennengelernt und als sehr unangenehmen Menschen empfunden hatte, riet ihm von einer Einstellung dringend ab. Auch mein Kunde hatte ein ungutes Gefühl bei der Sache, trotzdem bekam der Mann – mehr aus Mitleid – den Job. Was mein Kunde zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Der Mann, den er gerade in sein Unternehmen geholt hatte, hatte in den Jahren zuvor mehrfach die Stelle gewechselt, hatte nicht nur als Makler in verschiedenen Unternehmen gearbeitet, sondern auch in der Gastronomie. Erfolg hatte er nirgendwo gehabt, und jeden, mit dem er zu tun gehabt hatte, beschimpfte und bedrohte er später. In seiner Wahrnehmung hatten ihn alle betrogen.
Zurück in Deutschland stellte sich schnell heraus, dass die Skepsis meines Kunden und seiner Frau völlig berechtigt gewesen war. Statt, wie vereinbart, Kunden im Auftrag des Unternehmens zu besuchen, blieb der Mann einfach zu Hause – in einer großzügigen Wohnung, die mein Kunde ihm zur Verfügung gestellt hatte. Danach verschwand er für mehrere Wochen. Wie sich herausstellte, war er nach Frankreich geflogen. Zur Rede gestellt behauptete er, dort die ganze Zeit im Home Office gearbeitet zu haben – eine glatte Lüge, denn selbst im Home Office hätte er sich regelmäßig im Unternehmen melden müssen.
Vorfälle wie diese häuften sich, der Mann wurde immer dreister, und wenn man ihn auf sein Fehlverhalten ansprach, reagierte er aggressiv, nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Wieder einmal fühlte er sich als Opfer, zeigte sich maßlos enttäuscht und stimmte schließlich einem großzügigen Aufhebungsvertrag zu – nur um diesen wenig später als Frechheit zu bezeichnen. Um es kurz zu machen: Irgendwann regelte der Rechtsanwalt meines Kunden die Sache, was den Mann aber nicht davon abhält, auch jetzt noch Droh-E-Mails an meinen Kunden und seine Frau zu schicken. Zum Glück lassen sich die beiden davon nicht beeindrucken.
Und die Moral von der Geschicht'?
Was zeigen diese beiden Geschichten überdeutlich? Wer wie dieser Mann oder wie die Haushälterin meiner Freundin immer krumme Geschäfte macht und andere schädigt, wer auf Kosten anderer erfolgreich sein will, lügt und betrügt, hat nichts verstanden und wird am Ende des Tages auf einen Scherbenhaufen, nicht aber auf ein erfolgreiches Leben zurückblicken. Weil alles, was wir ausstrahlen, zu uns zurückkommt. Je aufrechter man selbst ist, desto aufrechter kommt man durchs Leben – was manche Menschen leider immer noch nicht verstanden haben.
Erfolg braucht Selbstreflexion
Was Erfolg ebenfalls sehr zuverlässig verhindert, ist ein Mangel an Selbstreflexion. Gelegentlich einen Schritt beiseitezutreten und ehrlich zu schauen, wo man gerade steht, verbessert die Chance, seine Ziele wirklich zu erreichen, erheblich. Es gibt zwar Menschen – Sie kennen wahrscheinlich auch den einen oder anderen –, die mit Ignoranz relativ weit gekommen sind, ihr Erfolg ist aber nie von Dauer.
Der Künstler
Ein gutes Beispiel für einen solchen Ignoranten ist der Ex-Freund einer guten Freundin von mir. Während ihres Studiums hatte sie den jungen Mann kennen- und seine unkonventionelle, lockere Art lieben gelernt. Schnell wurden die beiden ein Paar. Die ersten Wochen waren traumhaft, dann aber zogen erste düstere Wolken am Himmel ihres kleinen Paradieses auf. Während meine Freundin ihr Studium sehr ernst nahm (sie ist ein zielstrebiger, engagierter Mensch), sah der junge Mann die Sache deutlich entspannter. Seine Seminare schwänzte er regelmäßig, statt zu lernen, verbrachte er seine Zeit lieber mit Freunden, und zu Prüfungen ging er nur, weil ihm sonst die Exmatrikulation gedroht hätte, er das Studium also hätte aufgeben müssen.
Während meine Freundin Seminare vorbereitete und ganze Tage in der Bibliothek verbrachte, achtete der junge Mann sehr auf eine »ausgewogene« Work-Life-Balance, mit Betonung auf »Life«. Arbeiten? Durften gern die anderen. Einkaufen? Das erledigte meine Freundin, weil sie keine Lust mehr hatte, hungrig schlafen zu gehen, wenn sie bei ihm übernachtete. Wäsche waschen, Bad putzen, abspülen? Warum denn, irgendjemand in der WG würde das schon erledigen, man musste nur ein bisschen Geduld haben.
Wer allerdings bald keine Geduld mehr hatte, war meine Freundin. Es dauerte kaum ein halbes Jahr, und sie war so genervt, dass sie ihm drohte, die Beziehung zu beenden, wenn er nicht endlich »erwachsen« werden würde. Der junge Mann zeigte sich durchaus reumütig und gelobte Besserung, selbstverständlich änderte sich aber überhaupt nichts. Er ließ weiterhin seine WG-Mitbewohner alle Arbeit machen, feierte mehr, als dass er studierte, und ließ sich weiterhin den Kühlschrank von seiner Freundin füllen. Deren Geduld war allerdings erschöpft. So lustig und charmant sie diesen Kerl am Anfang auch gefunden hatte, so sehr ging er ihr inzwischen auf die Nerven. Sein ständiges »In-den-Tag-hinein-Leben« machte sie wütend, und für seine Unzuverlässigkeit hätte sie ihm den Hals umdrehen können. Kurz: Was ihr zu Beginn ihrer Beziehung als sehr attraktiv erschienen war, trieb sie nun zuverlässig auf die Palme. Wie konnte dieser Mensch nur so wenig Verantwortung übernehmen, sich so kindisch benehmen und so wenig über die Konsequenzen seines Tuns (oder in seinem Fall eher Nicht-Tuns) nachdenken! Entnervt beendete sie die Beziehung.
Als sie einige Wochen später nach Hause kam und die Tür zu ihrem Zimmer öffnete, traf sie beinahe der Schlag: Vor ihr auf dem Fußboden lagen Hunderte Fotos, die sie mit ihrem Ex-Freund zeigten. Die Fotos waren in Herzform auf dem Boden verteilt worden, »umkränzt« wurden sie von dreckiger Wäsche! Ihr Ex hatte sich von ihrem Mitbewohner unter einem Vorwand den Wohnungsschlüssel besorgt und in ihrer Abwesenheit ein wahres »Kunstwerk« geschaffen, eine Installation der Liebe sozusagen. Aber warum die dreckigen Socken, die verschwitzten T-Shirts und die benutzten Handtücher? Offensichtlich hatte der »Künstler« einfach verwendet, was ihm gerade in die Hände fiel. Die Reaktion meiner Freundin? Sie brach in schallendes Gelächter aus, etwas so Absurdes hatte sie noch nie gesehen. Sie lachte, als sie das Chaos beseitigte, und sie lachte immer noch, als sie mir die Geschichte zwei Tage später erzählte.
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