Solche Gestaltungsoptionen machen Lehrkräfte erfahrungsgemäß (wieder) handlungsfähig. Sie kommen heraus aus dem Gefühl des ewigen Reagierens im Verhaltens-Pingpong mit «schwierigen» Schülerinnen und Schülern und hinein in eine gestaltgebende, aktive Handlungsposition. Der Zwang, reagieren zu müssen , lässt allmählich nach. Damit finden sie oft endlich oder wieder Anschluss an ihre ursprünglichen Ideale und Ziele als Lehrkraft.
Proaktive und reaktive Verhaltenskontrolle
Der Bereich der Verhaltenskontrolle teilt sich in den
•Aspekt des proaktiven Handelns und in den
•Aspekt des reaktiven Handelns.
Alles präventive Gestalten ist proaktives Handeln ohne konkrete Störung. Bei einer sich abzeichnenden Störung kann die Lehrkraft oft nonverbal und diskret Signale senden («präventive Strategien») und das Problem «nebenbei» beheben, bevor es zu groß ist.
Reaktives Handeln sind Interventionen mit dem Charakter eines Stoppschilds; sie zeigen Schülerinnen und Schülern die ultimativen Grenzen auf, falls sie diese bis dahin noch nicht selbst erkannt haben sollten. «Bis hierher und nicht weiter!», lautet die Botschaft. Es geht darum, Führung zu zeigen und Einhalt zu gebieten.
Selbstregulation als Bezugspunkt
Allen Gestaltungsideen und ihrer Umsetzung durch die Klassenführung sollte die Überzeugung zugrunde liegen, dass sie der Selbstregulation jedes Schülers und jeder Schülerin förderlich sind. Dann ist nämlich zu erwarten, dass sich die «Unterrichtsstörungen» reduzieren, denn
•wer über den Rubikon geschritten ist, der ist am Lernprozess beteiligt;
•wer weiß, auf welches Ziel er hinarbeitet, der arbeitet für seine eigenen Ziele;
•wer Handlungsstrategien kennt, muss nicht andere fragen oder ins Nichtstun ausweichen;
•wer regelmäßig seine Handlungsfortschritte reflektiert, lebt bewusst im Lernprozess und kann ihn selbst mitsteuern.
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ANKERPLATZ |
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Die Klassenführung soll grundsätzlich auf die Förderung der Selbstregulation der Schülerinnen und Schüler ausgerichtet sein. Durch präventive Maßnahmen werden sie in ihren Bedürfnissen wahrgenommen und unterstützt; Störungen rücken damit eher aus dem Fokus des Unterrichtsgeschehens, das Lernen dafür mehr ins Zentrum. Die Lehrkraft hat dafür zahlreiche Gestaltungsoptionen in Gruppe, Raum und Lernsituation.Die Lehrkraft reflektiert dabei über ihre Haltung und Persönlichkeit, um selbst-bewusst mit den Schülerinnen und Schülern Verantwortung zu gestalten. Ihre Werte und die Führungsrolle haben auf diese Prozesse großen Einfluss. |
Anmerkungen zu Kapitel 2
[1]Helmke & Helmke, 2014, S. 9 f.
[2]Kounin, 2006, S. 82–84.
[3]Kounin, 2006, S. 148 f.
[4]Kounin, 2006, S. 149.
[5]Emmer & Evertson, 2009.
[6]Evertson, Emmer & Worsham, 2002; Emmer & Evertson, 2009.
[7]Emmer & Evertson, 2009; Evertson, Emmer, Sandford & Clements, 1983. Es folgt eine eigene Übersetzung der zentralen Kapitelüberschriften und relevanten Unterpunkte.
[8]Vgl. Evertson & Emmer, 2017. Die zehn Techniken wurden 2017 um diese elfte ergänzt.
[9]Meyer, 2003, 2004.
[10]Helmke, 2009, S. 168 f.
[11]Helmke, 2007, S. 46 f.
[12]Vgl. Nolting, 2012; Lohmann, 2003.
[13]Mayr, 2006.
[14]Lenske & Mayr, 2015, S. 71–84.
[15]Mayr, Eder, Fartacek, Lenske & Pflanzl, o. J.
[16]Hattie, 2009, 2014.
[17]Reinhardt, 2013.
[18][Waack], 2019; Hattie; 2014.
[19]Schüßler, 2011.
[20]Bartz, 2011.
[21]Kunter & Trautwein, 2013, S. 63 ff.
[22]Klieme, Knoll & Schümer, 2001, S. 51.
[23]Helmke, 2012, S. 71.
[24]Helmke & Helmke, 2014, S. 9.
[25]Vgl. Kunter & Trautwein, 2013, S. 63.
[26]A.a.O., S. 76 ff.; vgl. Klieme, Knoll & Schümer, 2001, S. 51.
[27]Kunter & Trautwein, 2013, S. 77.
[28]Wir beziehen uns teilweise auf die Checkliste «Kognitive Aktivierung» (Helmke et al., 2018).
[29]Vgl. Green & Green, 2005.
[30]Vgl. Martin, 2000.
[31]Hepting, 2008, S. 47–50.
[32]Von der Groeben & Kaiser, 2014, S. 36 f.
[33]Kunter & Trautwein, 2013, S. 77.
[34]Ebd.
[35]Vgl. Götz, 2011.
[36]Leitbild Realschule Lenningen, www.rs-lenningen.de/schule/leitbild/[14.5.2020].
[37]Leitbild berufliche Schulen Kehl, www.bs-kehl.de/schulleben/leitbild/. [18.5.2020].
[38]ZNL, TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen. www.znl-fex.de/weiteres/Exekutive-Funktionen/exekutive-funktionen.html[18.5.2019].
[39]Schmitz & Wiese, 2006.
[40]Achtziger & Gollwitzer, 2006, 278.
[41]Eccles & Wigfield, 2002.
[42]Zum Einfluss von Emotionen vgl. Frenzel & Stephens, 2011.
[43]Walk & Evers, 2013, S. 30. Eine andere Auflistung der exekutiven Funktionen finden Sie in Dawson & Guare, 2012, S. 25–28.
[44]Vgl. Walk & Evers, 2013.
[45]Eine hilfreiche Anleitung zum Training der exekutiven Funktionen im Alltag, auch für Eltern, finden Sie bei Dawson & Guare, 2012.
[46]Walk & Evers, 2013.
[47]Als Anregung für die Auseinandersetzung mit dem Thema Klassenführung dienten uns v. a. Klaffke 2013, Syring 2016 und Bastian 2016.
[48]Erstmals in Reinhardt & Warbinek, 2019a.
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