Bei Prinzessin Dianas Begräbnis war alles anders: Wir waren vorbereitet.
Nun war die gesamte Welt in Trauer. Um Mitternacht Eastern Standard Time – sechs Uhr früh in Frankreich – erklärte der leitende Arzt Dr. Alain Pavie im Hôpital de la Pitié-Salpêtrière in Paris Prinzessin Diana für tot. Sie war gegangen.
Ich habe sie nie persönlich kennengelernt, aber ihr Schicksal ging in diesem Moment selbst mir als Wissenschaftler nahe. Ich habe oft darüber nachgedacht, wie große Ereignisse ein gemeinsames Bewusstsein vieler Menschen erschaffen können, und eines wurde mir in dieser Nacht bewusst: Prinzessin Dianas Begräbnis wird ein solches sein. Hunderte Millionen Menschen – letztendlich waren es laut Schätzungen sogar bis zu zwei Milliarden – werden weltweit im Fernsehen, Radio und im Internet ihren letzten Weg mitverfolgen.
Zur Zeit von Dianas Begräbnis konnten nur ein Dutzend Wissenschaftler weltweit an unserem Experiment teilnehmen, bei dem ein Netzwerk von Zufallsgeneratoren, die keinerlei Verbindung zueinander hatten, Messdaten generierten. Aber das Resultat dieses Prototyps eines Experiments, um den Impact von einer oder zwei Milliarden Menschen zu messen, die ein tiefes emotionales Erlebnis verband, den Verlust einer strahlenden Persönlichkeit, war wissenschaftlich signifikant.
Wir konnten signifikante Anomalien in den Daten feststellen, die eine solide Grundlage für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einem technischen Instrument bildeten, das die Effekte von weltumspannenden geistigen Verbindungen erfassen konnte. Das war ein Meilenstein in der Erforschung des globalen Bewusstseins.
Die Macht des Welt-Geistes
Wir hatten ein System entwickelt, das die Fähigkeit haben sollte, die Auswirkungen einer Macht zu messen, die wir den Welt-Geist nennen.
Jeder einzelne Zufallsgenerator war ein autark funktionierendes System. Wir entwickelten kurzfristig für das Begräbnis ein klares Protokoll, wie wir messen und vorgehen werden. Es war ein spontaner Versuch, der an diesem 6. September 1997 stattfinden sollte.
Während die ganze Welt gebannt auf den Kensington Palast, den Trauerzug, angeführt von Dianas Söhnen, die Westminster Abbey, die berührende Messe und auf Sir Elton John, als er »Goodbye England’s Rose« sang, blickte, zeichneten wir die stabilen, aber nicht vorhersehbaren Sequenzen von Nullen und Einsen mit unseren Zufallsgeneratoren auf.
Milliarden Menschen synchronisierten ihre Gefühle
Das Resultat war eindeutig und präzise messbar: Es erfolgte eine deutliche Abweichung von den zu erwartenden Normwerten.
Die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis nur Zufall war, lag bei 100 zu 1.
Die Maschinen lieferten keine Zufallszahlen mehr: Es trat eine unheimliche Ordnung ein, nicht nur bei uns in Princeton, sondern bei allen Außenstationen, wo Zufallsgeneratoren liefen.
Milliarden Menschen kamen in einem gemeinsamen Moment der Trauer zusammen, und ihre Gefühle, ihr Respekt und ihre Anteilnahme synchronisierten sich. In diesem Moment veränderten sie mit ihren Gedanken und ihrem Mitgefühl die physische, reale Welt in subtiler, feiner Weise. Diese Veränderung war keine Vermutung mehr, sondern mit wissenschaftlichen Methoden messbar.
Wir kontaktierten danach Wissenschaftler und Forscher auf der ganzen Welt, die mit Zufallsgeneratoren arbeiteten und von denen wir annahmen, dass sie Interesse an der Teilnahme an einem globalen Netzwerk zur Erforschung des Bewusstseins haben könnten. Sie sollten unsere Außenstationen werden, die mit speziell von uns entwickelter Software und professionellen, hochsensiblen Zufallsgeneratoren künftig rund um die Uhr Aufzeichnungen machen und Daten generieren würden. Die Zufallsfolgen aus aller Welt würden dann ständig zum zentralen Server an der Princeton University überspielt werden. Wir würden dafür sorgen, dass die Generatoren aller Messlabore weltweit weder korrelierten noch durch das Internet verbunden waren oder sonst in irgendeiner Weise miteinander kommunizieren konnten. Das war die Idee.
Daraus entstand innerhalb von nur zwei Monaten ein globales Projekt zur Erforschung des Bewusstseins. Bei einem Treffen von Neurophysiologen, Psychiatern und anderen Wissenschaftlern in Freiburg, Deutschland, Ende 1997 stellte ich das Global Consciousness Project erstmals vor.
Heute sind über hundert Experten, darunter viele Wissenschaftler, in das Projekt eingebunden und liefern rund um die Uhr Datenmaterial, das in Princeton ausgewertet wird.
Bei Dianas Tod wurde mir erstmals bewusst: Wir sind tatsächlich alle miteinander verbunden. Nicht nur bei globalen Ereignissen, sondern immer, jeden einzelnen Tag. Es gibt ein Band zwischen uns Menschen, eine Verbindung auf einer Ebene, bei deren Erforschung wir gerade erst am Anfang stehen.
Aber dass dieses Band existiert – daran gibt es keinen Zweifel mehr.
DAS GLOBALE BEWUSSTSEIN
Die wissenschaftliche Erforschung des Unerklärlichen
Wir sind alle miteinander verbunden
»Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.«
– Albert Einstein
John Hamm 1war ein trainierter junger Mann Anfang dreißig mit dunklem, anliegendem Haar, der seinen Abschluss in Princeton machte und sich bei uns als Testperson für eine neue Versuchsreihe bewarb. Er stammte aus Wisconsin und fand unsere Forschung spannend. Nun saß er in unserem REG Room des PEAR Labors im Erdgeschoss der Princeton University, einem rund 16 Quadratmeter großen Raum, dessen Wände mit dunklem Holz verkleidet waren und der die Atmosphäre eines gemütlichen Wohnzimmers ausstrahlte. In der Ecke stand eine große Indianertrommel, daneben ein Keramikfrosch, an der Wand hing das überdimensionale Bild einer Birne, und in der Mitte stand dieser komfortable orangene Stuhl, den wir Comforto nannten, in dem es sich John bequem machte. Ein Innenarchitekt hatte ihn dem PEAR gespendet. Er meinte, ein Labor, das das Unerklärliche erklären möchte, brauche eine auffällige Einrichtung.
John war Teil unserer Versuchsreihe Precognitive Remote Perception, vorausahnende Fernwahrnehmung. Diese Experimente bestanden aus zwei Personen: einem Percipient oder Empfänger, der die Wahrnehmung haben und beschreiben sollte, und einem Agenten, der erst in der Zukunft – meist ein, zwei Tage später – diese Situation erleben sollte. Das heißt, John sollte beschreiben, was ein anderer zwei Tage später erleben wird. Es war wie ein Blick in die Zukunft. Kann so etwas möglich sein?
Ich erklärte John seine Aufgabe. »Lehn dich zurück, entspanne dich, schließe deine Augen. Denke an den Menschen, der diese Szene erleben soll. Versuche nicht krampfhaft dir Details zu merken, lass einfach das, was passiert, in dein Bewusstsein fließen. Sei offen für Bilder, Farben, Gerüche. Versuche nichts zu deuten, sondern lass es einfach fließen und beschreibe es.«
John lehnte sich zurück, ich schaltete den Recorder ein, um ihn aufzunehmen und verließ den Raum. Einige Minuten passierte nichts, doch dann erzählte er: »Ich sehe eine Art Kreis wie ein Karussell oder einen Aussichtspunkt. Ein großes rundes Ding. Es ist rund an seinen Enden wie eine Scheibe. Es ist sehr hoch. Ich sehe darunter auch Wasser, dann etwas wie einen Zaun. Stufen führen nach oben wie ein Pfad. Und da ist wieder etwas wie ein Zaun. Menschen gehen entlang. Da sind vertikale Linien entlang diesem Weg. Ich sehe kleine Boote und Docks …« John beschrieb bildhaft eine Szene, die er gerade zu erleben schien.
Das Besondere an dieser Art von Experimenten war, dass sie etwas beschreiben sollten, was erst in der Zukunft von jemandem gesehen und erlebt wird, der zum Zeitpunkt des Experiments noch nicht einmal davon weiß.
Er beschrieb eine 6.922 Kilometer entfernte Szene, die erst zwei Tage später passieren sollte
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