Ein paar Worte möchte ich auch zu dem Untertitel dieses Buches sagen. Der kleine Bruder Hoffnung hat mich während des Nachdenkens über Lernprozesse immer wieder inspiriert. Wer lernt, der hofft. Der hofft, dass die Welt besser wird, dass es eine Zukunft gibt, dass nichts beim Alten bleiben muss, sondern dass Veränderung möglich ist. Und der hofft, dass solche Prozesse sinnvoll sind, auch wenn Dinge anders ablaufen, als man erwartet hat. 3Man hat sich dann zumindest der Sinnhaftigkeit der Wirklichkeit anvertraut und sich mit Sachkenntnis und mit dem Maß der Milde auseinandergesetzt. Es kommt darauf an, gute Gründe für diese Hoffnung zu finden. Hierbei möchte ich mich vor allem dafür einsetzen, dass der Leser den Denkprozess dieses Buches während der Ausbildung oder später im Berufsleben immer wieder mit Freunden und Kollegen vollzieht. Kollegiales Lernen ist lebensnotwendig. Es gibt Raum, sich selbst zu erkunden und von und mit anderen zu lernen. Während der Lehramtsausbildung und im Referendariat sind sicherlich genügend Chancen zur Umsetzung gegeben. Dies ist eine gesegnete Zeit, sich selbst zu formen. Später werden die Lernchancen bestimmt seltener. Ich hoffe, dass man als Lehrkraft genügend Unterstützung findet, um sich professionell und spirituell weiterentwickeln zu können. Daher schlage ich vor, solche Chancen nicht verstreichen zu lassen. Versuchen Sie deshalb, die Schritte dieses Buches bei Ihnen selbst nachzuvollziehen. Bleiben Sie dabei gelassen und denken Sie darüber nach, was Sie für sich gewinnen können. Dabei sollten Sie sich Zeit für den Austausch mit anderen in der Ausbildung, während der Fortbildung oder einfach während eines guten Gesprächs nehmen.
Hoffnung ist ein zentraler Gedanke in meiner eigenen akademischen Laufbahn. Ich habe 1994 in meiner theologischen Doktorarbeit über moralische Bildung das Prinzip „Spielraum“ eingeführt, um Werte und Normen in der Hoffnung auf ein menschlicheres Zusammenleben zu bestimmen. Im Jahre 2011 erschien meine „Religionspädagogik der Hoffnung“ 4, ein Handbuch, in dem ich für mehr Mut in religiösen Lernprozessen plädiere. Junge Menschen stellen die alten Lebensfragen immer wieder aufs Neue und erwarten von den Erwachsenen (Eltern und Lehrern), dass sie ihnen sinn- und hoffnungsvolle Antwortperspektiven anbieten. In Prozessen religiöser Formung sollten Erwachsene sich nicht zurückhalten – im Gegenteil!
Im Folgenden möchte ich kurz meinen Hintergrund vorstellen. Ich bin ein inklusiv-denkender katholischer Religionspädagoge. Diese Worte bedürfen der Aufklärung. Sie bedeuten, dass ich zunächst Religionspädagoge und -didaktiker bin. In diesem Fachgebiet wurden in den letzten Jahren spannende Einsichten und Theorien entwickelt, die ebenfalls für die allgemeine Pädagogik und Didaktik von Nutzen sein können. Auch aus diesem Grund habe ich dieses Buch geschrieben. Des Weiteren denke und arbeite ich inklusiv: Ich bin auf der Suche nach Unterrichtsformen, in denen jedes Kind, ungeachtet seines sozialen, kulturellen und religiösen Hintergrundes, ungeachtet seiner Lernmöglichkeiten und -grenzen zum Zuge kommt. Letztlich kann ich meine christlich-katholischen Wurzeln in meiner Professionalität nicht verbergen. Ich trage als Theologe die Tradition mit mir. Dies bringt mit sich, dass ich religiöse Bilder und Einsichten verwende, die mich während meiner eigenen Tätigkeit als Hochschullehrer und Forscher geformt haben. Zweifelsohne werden sie im Buch immer wieder anklingen. Für den Leser sollen sie einerseits eine Einladung sein, sich dadurch inspirieren zu lassen, und andererseits gleichzeitig dazu auffordern, kritisch damit umzugehen.
Ich habe dieses Buch bewusst eine kleine Didaktik genannt. Es hat nicht den Anspruch, ein neues Basishandbuch für die Didaktik zu sein oder die Forschung von Bildungsexperten und Didaktikern zu ersetzen. Im Gegensatz zu ihnen jedoch betrachte ich die professionelle Expertise, die sich in dieser Domäne allmählich entwickelt hat, lediglich als Ausgangspunkt und bringe die spirituelle Dimension als kritische Stimme mit ein. 5Außerdem lade ich, wie bereits erwähnt, die zukünftigen, aber auch die bereits erfahrenen Lehrer ein, über ihre eigenen Leitungskompetenzen inmitten von didaktischen Lehrprozessen zu reflektieren. Dieses Buch ist zwar klein von Gestalt, kann eventuell jedoch große Wirkung entfalten, wenn Lehrer sich darauf einlassen, es selber weiterzuschreiben, indem sie es mit eigenen Erfahrungen füllen, Randnotizen verfassen, Beziehungen zu Fachdidaktiken herstellen und es kritisieren, kurz gesagt, wenn sie sich mit ihm beschäftigen, es sich aneignen und verinnerlichen und damit im wahren Sinn des Wortes Besitzer dieses Buches und des darin vorgestellten Denkprozesses werden. Zentral steht der Gedanke von Howard Thurman 6auf der ersten Seite dieses Buches, der sich mit folgender Frage an die Leser richtet: „Was hast Du der überraschenden Welt der Bildung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu bieten?“ Kinder und Jugendliche warten in jedem Fall auf Ihre lebensfördernde Präsenz als Lehrer.
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