Mit diesem Buch will ich Sie liebe Leserin, lieber Leser, einerseits teilhaben lassen an meiner vielleicht etwas außergewöhnlichen Geschichte mit vielen Sackgassen, Kurven und Umwegen durch Höhen und Tiefen. Andererseits möchte ich Sie mit vielen persönlich erlebten Anekdoten und Geschichten dazu inspirieren, Ihre eigenen mutvollen »Tauchgänge« durchs Leben zu gestalten, wie Sie es für richtig, wünschens- und erstrebenswert halten. Sie werden in diesem Buch zudem Fragen und Formate finden, welche ich über die letzten Jahre zuerst persönlich im Selbstversuch erprobt und anschließend auch erfolgreich mit meinen Klienten und Kunden angewendet habe. Dieses Buch soll Sie dazu einladen, Ihre eigenen Wege mutig zu gehen und Ihre lang ersehnten Vorhaben, Träume, Wünsche, Sehnsüchte, Pläne, Visionen endlich in die Tat umzusetzen, vertrauensvoll den ersten Schritt dafür zu tun und loszulegen. Wagen Sie das, was Ihnen wirklich wichtig ist! Wenn nicht jetzt, dann spätestens am Ende dieses Buches. Deal? Vielen Dank, dass Sie sich dazu Ihre wertvolle Zeit nehmen!
Ihr mutiger Angsthase Lorenz Wenger
Teil I ANGST – EINTAUCHEN
1 Ängste – alltäglich und doch tabu
Unsere Welt scheint sich immer schneller zu drehen. Wir versaufen in Informationen und Möglichkeiten und dürsten gleichzeitig immer mehr nach Glück und Erfüllung in unserem Leben. Noch nie war das Tempo der Entwicklung so rasant wie heute. »Die einzige Konstante ist die Veränderung« – sicherlich haben auch Sie diese Aussage bereits mehrmals gehört. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Mittlerweile verändert sich auch die Geschwindigkeit dieser Veränderung, und zwar exponentiell. Wir leben somit in einer Zeit totaler Veränderung, permanenten Fortschritts – und das Tempo nimmt laufend weiter zu. Wir haben natürlich stets die Wahl und Freiheit, ob uns das gefällt oder nicht, ob wir neue Entwicklungen, Technologien, Möglichkeiten, Chancen, Gelegenheiten annehmen oder diese als Bedrohung wahrnehmen und verweigern. Es liegt einzig und alleine an uns selbst. Aber genau diese Freiheit kann auch zu ausgeprägten Ängsten führen.
Was vor 10 Jahren noch undenkbar war, ist heute Realität. Was gestern gültig war, ist heute obsolet. Dieses Tempo wird über die nächsten Jahre noch rasant zunehmen, davon bin ich fest überzeugt. Werten oder bewerten möchte ich das nicht, das überlasse ich anderen und auch Ihrer persönlichen Einschätzung, liebe Leser. Doch die Tatsache, dass sich unsere Welt und unsere Umgebung, unsere Wirtschaft und Politik, unsere Arbeitsplätze und Gesellschaft verändern, lässt sich nun mal nicht leugnen. Wenn wir unsere Köpfe in den Sand stecken und Vogelstrauß-Politik betreiben, mag das zwar kurzfristig eine Lösung sein, doch langfristig werden wir damit kaum glücklich werden. Dieses Buch soll Mut machen, aktiv an diesen Veränderungsprozessen mitzuwirken und sich diesen neuen Eindrücken nicht zu verweigern. Ja, es ist beängstigend, ja, es ist teilweise unübersichtlich, aber es ist auch gleichzeitig unheimlich aufregend, genau jetzt hier mit dabei zu sein, mitwirken zu können und auch Teil von etwas Größerem zu sein. Machen Sie einen Unterschied, sehen Sie sich Ihre ureigenen Ängste genauer an, stellen Sie sich diesen und nehmen Sie Ihre eigene Zukunft selbst in die Hand. Es geht darum, die Welt, in der wir leben wollen, selbst zu gestalten und aktiv sowie mutvoll in sie einzutauchen. Dazu müssen wir jedoch unsere Ängste erst einmal erkennen und vor allem annehmen. Lassen Sie uns diese Welt gemeinsam etwas mutiger gestalten!
Die Zukunft stellt unbequeme Fragen
Niemand von uns verfügt über eine Glaskugel, aus der man wirklich zuverlässige Prognosen der Zukunft deuten kann. Prognosen bleiben Prognosen und bergen stets den Faktor Unsicherheit in sich. Gerade jetzt – während ich diesen Abschnitt schreibe und Corona nicht nur in aller Munde ist, sondern auch medial sämtliche globalpolitischen Themen unterspült und die Flüchtlingssituation, die Handelskriege, Fridays for Future, den Brexit, die Situation in Syrien aus dem Radar der Interessen drängt – stellt sich mir die Frage: Wo ist die vermeintliche Sicherheit geblieben? Die Menschen haben Angst vor einem Virus und suchen nach Orientierung, wie damit umzugehen ist. Welchen Prognosen können wir trauen, welche Quellen schenken uns Sicherheit, welche Epidemiologen sind vertrauenswürdig, welche Zahlen geben uns Aufschluss und bieten uns die Informationsgrundlage, unsere eigene Meinung zu bilden, Entscheidungen und Handlungen abzuleiten? Es gibt viel Meinung, aber scheinbar nur wenig Ahnung. Wir befinden uns schlagartig innerhalb von Tagen und Wochen inmitten der größten Wertediskussion, wie ich sie in meinen bisherigen Lebensjahren niemals vorher wahrgenommen habe. Man schaut, was andere tun, was andere sagen, welche Promis mit »gutem« Beispiel vorangehen, wer ignoriert, wer polemisiert und wer verleumdet. Was bedeutet Solidarität überhaupt? Und welchen Preis hat die gesellschaftliche Gesundheit? Was kostet ein Menschenleben? Welchen volkswirtschaftlichen Wert hat ein gesunder 30-jähriger, wieviel eine 85-jährige mit drei Vorerkrankungen? Fragen, die unangenehm und schwer zu beantworten sind, die wir uns jedoch zu dieser Thematik alle stellen. Es ist eine Wertediskussion, die öffentlich noch nicht richtig stattfindet, da alle mit sich selbst und ihrer Situation und ihrem Umfeld beschäftigt sind. Firmen versuchen sich gerade digital neu zu organisieren, Führungspersonen erfahren, was es heißt, via Zoom, Teams, Skype und anderen Tools auf Distanz zu führen, und Schulen sind ebenfalls gefordert, den Lehrplan auf Distanz durchzubringen. Ein unglaublicher Kraftakt aller Beteiligten! Da bleibt keine Zeit für die notwendige Wertediskussion. Noch nicht. Doch sie wird bestimmt stattfinden, ja stattfinden müssen. Die Zukunft stellt uns unbequeme Fragen, wir brauchen mutige Antworten! Diese Diskussion erfordert Zuversicht, Verantwortung und Beteiligung von uns allen. Sie wird unsere Haltung sowie unsere Entscheidungen und Handlungen und in letzter Konsequenz unsere Zukunft maßgeblich beeinflussen. Und diese offizielle Diskussion erfordert vor allem eines: MUT.
In diesem Zusammenhang sollten wir uns die folgende Frage stellen: Bedeutet das Leben nicht per se Risiko und Unsicherheit? Ist die Sicherheit, nach der wir uns sehnen und in welcher wir uns suhlen, nicht ohnehin eine Schein-Sicherheit und repräsentiert lediglich ein gutes Gefühl? Gegenüber unseren Vorfahren hat sich unsere Lebensqualität deutlich verbessert, die Lebenserwartung eindeutig verlängert. Wohlfahrt und Fortschritt haben unumstritten stattgefunden. Neue Technologien unterstützen unseren Alltag, vereinfachen unsere Arbeit, verlängern unser Leben. Algorithmen geben uns vor, was wir tun, wie viele Schritte wir täglich aufrecht gehen, was wir essen, trinken, lesen, schauen und hören sollen. Um fit und gesund zu bleiben, schauen wir uns Tutorials an und vertrauen auf Apps und auf die künstliche Intelligenz, die dahintersteckt. In vielen Bereichen unseres Alltags gibt es kaum noch Risiko. Und wenn, dann erkennt es der Algorithmus in der Cloud rechtzeitig und warnt uns davor! Direkt oder indirekt über die Gesundheitskasse, die Bank, die Versicherung, das Kreditkartenunternehmen, Google, Apple, Facebook oder Amazon. Im Falle einer Pandemie, wie wir sie alle jetzt kennenlernen durften, hilft uns eine Tracing-App, zurückzuverfolgen, wo und wann die Ansteckung stattgefunden hat und wer der Überträger war. Ist das wirklich die Sicherheit, nach der wir uns sehnen? Und wenn ja, zu welchem Preis fordern wir diese ein? In welcher Zukunft wollen wir leben, und wie nutzen wir unsere technologischen, digitalen und humanen Ressourcen?
Dass die Propheten von gestern die Deppen von morgen sind, das kennen wir nicht nur aus der Wirtschaft, wo immer wieder Schwarzmaler und Endzeitbotschafter auftreten und den nächsten Börsencrash oder gar den Untergang der Finanzmärkte prophezeien. Wer in seinen Prognosen mehr als dreimal richtig lag, wird gefeiert, wer falsch war, geht im Sumpf der Scharlatane und Verschwörungstheoretiker unter. Um all dem entgegenzutreten, braucht es Mut. Und dabei existieren doch so viele Gründe, Angst zu haben.
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