Gefeiert wurde Bastet mit orgiastisch-fröhlichen Festen, vor allem in der ihr geweihten Stadt Per-Bastet (»Haus der Bastet«), von den Griechen Bubastis genannt. Der griechische Historiker Herodot beschreibt, wie ganze Massen auf Schiffen zum Kultzentrum der Katzengöttin reisen. Die gesamte Fahrt über wird gesungen, musiziert und gelärmt. An jeder Stadt am Fluss halten sie an, manche Frauen tanzen und »heben ihre Kleider hoch«. »Wenn sie aber nach Bubastis gekommen sind, feiern sie und bringen große Opfer dar, und Wein aus Reben geht bei diesem Fest drauf mehr als in dem ganzen Jahr sonst.« 700 000 fröhliche Bastet-Verehrer, Männer und Frauen, strömen regelmäßig für das trunkene Fest zusammen.
Um ihr zu huldigen, opferten Pilger der Göttin allerdings nicht nur schöne Bastet-Statuetten aus Bronze oder Alabaster, sondern auch Katzenmumien. Dazu wurden Hauskatzen in dafür eingerichteten Stätten in Tempelnähe von Priestern in großen Zahlen gezüchtet – und getötet, oft schon als kleine Kätzchen, wie Analysen erhaltener Mumien zeigten. Offenbar wurden sie gut gefüttert und behandelt, bevor man sie strangulierte, und vor dem Hintergrund, dass sie nach dem Glauben der Ägypter durch die Einbalsamierung nicht für immer starben, sondern später in seligen Gefilden ewiges Leben finden würden, erscheint ihre Tötung in einem anderen Licht.
In Bubastis, aber auch in anderen Orten, wie der alten Nekropole Beni Hasan, wurden Katzenfriedhöfe und -katakomben entdeckt, teils mit Hunderttausenden von Katzenmumien, die ganz unterschiedlich gestaltet waren, manche einfach, andere aufwändig mit Gold verziert. Leider sind nur wenige erhalten, da viele Stätten geplündert wurden und man den archäologischen Wert der Mumien noch nicht erkannte. So wurden einst in Liverpool an einem einzigen Tag (10. Februar 1890) 9,5 Tonnen Katzenmumien als Dünger verkauft. Nur wenige blieben verschont und gingen etwa an das British Museum, wo man sie heute besichtigen kann.
Geliebt über den Tod hinaus
Andere Katzen wurden nicht als Opfergabe einbalsamiert, sondern offenbar zu Ehren ihrer Persönlichkeiten, als geliebte Schoßtiere. Bekannt ist das Beispiel der Katze des Thutmosis. Der Kronprinz starb noch zu Lebzeiten seines Vaters, und so wurde sein Bruder Echnaton (Ehemann von Nofretete und Vater des Tutanchamun) an seiner Stelle Pharao. Thutmosis’ Katze Ta-Miaut (›Die Katze‹) wurde mit dem Prinzen in Memphis bestattet, und zwar in einem für sie gefertigten Sarkophag, der so aufwändig gearbeitet und mit magischen Zeichen versehen war, wie es sonst für hochwürdige Menschen üblich war. Er zeigt auch ein Bildnis von Ta-Miaut, die vor einem Opfertisch mit zubereitetem Geflügel sitzt. Der Kalkstein-Katzensarg, der etwa auf das Jahr 1350 v. Chr. datiert wird, gilt als Beleg dafür, dass die Ägypter an ein Leben nach dem Tod auch für Tiere glaubten – und als Zeichen der innigen Zuneigung des Prinzen für seine Katze.
Ein noch älteres Zeugnis ist der Fund von 17 Katzenskeletten in einem Grab der Nekropole Umm el-Qaab aus der 12. Dynastie (1991–1783 v. Chr.). Die Katzen waren offenbar mit Futter-Grabbeigaben bestattet worden: kleine Näpfe, die wohl einst Milch enthielten. Interessant ist eine Entdeckung, die sogar in die prädynastische Zeit zurückweist. In einem rund 6000 Jahre alten Grab in Hierakonpolis fand man einen Mann, der mit einer Gazelle und einer Katze beigesetzt worden war. Während die Antilope sicher als Nahrung für den Verstorbenen (und möglicherweise auch für die Mieze) im Totenreich gedacht war, glauben manche Experten, dass die Katze wohl sein Lieblingshaustier, auf jeden Fall aber sehr wichtig für ihn war – unter anderem, weil ihre Knochen in Stoff gewickelt waren, was auf eine frühe Form von Mumifizierung hindeuten könnte.
Zwar waren Katzen als Haustiere in prädynastischer Zeit wohl noch selten und exotisch, doch ab etwa 2000 v. Chr. häufen sich Darstellungen von Katzen, die sie auch in Posen zeigen, wie wir sie heutzutage von unseren Mini-Tigern kennen, etwa in Körbchen ruhend. Auf einem Bild sitzt ein Kätzchen auf dem Schoß des Ehemannes, eine erwachsene Katze unter dem Sitz der Frau. Gleichzeitig verbreitete sich ihre Verehrung als heiliges Bastet-Tier. Der griechische Historiker Diodor, der im 1. Jahrhundert vor Christus lebte, schrieb, die Katzen der Ägypter würden »in geheiligten Räumen gepflegt, erhalten warme Bäder, werden mit den ausgesuchtesten Speisen gefüttert und mit den besten Salben gesalbt«. Den Tod einer Katze zu verursachen, auch versehentlich, galt als Verbrechen. Der französische Schriftsteller Denis Diderot beschreibt, wie ein Römer in Ägypten von einer aufgebrachten Menge gelyncht wurde, weil er aus Versehen eine Katze überfahren hatte. Laut Herodot rasierten sich Ägypter, deren Katze gestorben war, die Augenbrauen als Zeichen der Trauer und brachten die Katzen in geheiligte Häuser, wo sie einbalsamiert und zu den Katzenfriedhöfen von Bubastis gebracht wurden.
Die Katzenverehrung der Ägypter hatte, glaubt man einer Erzählung des makedonischen Schriftstellers Polyainos, sogar weitreichende politische Folgen: In der Schlacht bei Pelusium (525 v. Chr.) gegen den ägyptischen Pharao Psammetich III. bediente sich der Perserkönig Kambyses II. demnach einer perfiden Strategie – er wies seine Soldaten an, Katzen als lebende Schutzschilde zu verwenden. Da die Ägypter die heiligen Tiere keinesfalls verletzen wollten, gaben sie die Verteidigung der Stadt auf – die Perser eroberten Pelusium und bald ganz Ägypten. Ob bei dieser entscheidenden Schlacht tatsächlich Katzen eingesetzt wurden oder ob Polyainos die Kriegslist nur als Beispiel erfand, ist nicht sicher belegt. Auf jeden Fall illustriert seine Erzählung die berühmte Katzenliebe der Ägypter, die bei den Griechen und bei den Römern oft auf Spott und Unverständnis stieß.
Paul Marie Lenoirs Darstellung der Schlacht von Pelusium.
Die Bastet-Verehrung reichte bis in die Zeit der römischen Herrschaft hinein, und es gibt Hinweise darauf, dass die Göttin auch von in Ägypten lebenden Griechen verehrt wurde, vor allem von Frauen. Von den Hellenen wurde sie häufig mit Artemis gleichgesetzt, Göttin der Jagd, des Mondes, Beschützerin der Frauen und Kinder, bisweilen allerdings auch mit Aphrodite, Göttin der Liebe, Schönheit, Sexualität und Fruchtbarkeit. Dass Bastet auch außerhalb Ägyptens angebetet wurde, zeigen Funde in Rhodos, Nemus Dianae (bei Rom), Scarbantia (in Ungarn) und Port Torres (Sardinien) aus griechischer bis römischer Zeit. Um 390 n. Chr. wurde der Kult – wie andere heidnische Rituale – verboten. So begann das Ende einer Jahrhunderte währenden religiösen Verehrung der Katze.
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