Auf den ersten Blick hört sich das sehr überzeugend an. Auf den zweiten Blick jedoch zeigt sich, dass Beschimpfungen und Beschreibungen auch zusammenfallen können. Das liegt daran, dass manche Beschreibungen Eigenschaften zuschreiben, die niemand gerne sein eigen nennen mag. Sie umfassen negative Bewertungen, mit denen man andere beleidigen kann.
Viele Begriffe funktionieren so: Wenn wir Heike als »Rassistin« oder Paul als »Mörder« bezeichnen, hat das ebenfalls sowohl eine beschreibende als auch eine wertende Komponente. Einerseits können wir in die Welt schauen und prüfen, ob die Zuschreibung stimmt. Hat Paul tatsächlich jemanden ermordet? Andererseits ist klar, dass es nicht moralisch neutral ist, jemanden als »Mörder« zu bezeichnen.
So verhält es sich auch bei dem Begriff »Fake News«. Wenn man einen Bericht als Fake News bezeichnet, dann sagt man damit nämlich auch etwas über den Verfasser aus. Fake News, das wissen wir inzwischen, werden von Menschen verbreitet, die täuschen wollen oder der Wahrheit gegenüber gleichgültig sind. Eine solche Einstellung verurteilen die meisten Menschen. Zu sagen, etwas sei Fake News, bedeutet, immer auch zu sagen: »Wer das hier veröffentlicht hat, der hat etwas falsch gemacht.« Für die Checkliste heißt das: Sie ist nicht nur alles andere als naiv, sie hilft uns sogar dabei zu verstehen, wieso man sich mit Aussagen wie »Das sind Fake News!« beschimpfen kann.
Und wie steht es mit Trumps Aussage »Ihr seid Fake News!«? Immerhin werden hier ganze Medien, und nicht nur einzelne Berichte, als Fake News bezeichnet. Auch hier können wir die Checkliste gewinnbringend anwenden. Ein Medium ist Fake News, wenn dort Menschen, denen es an Wahrhaftigkeit mangelt, regelmäßig falsche oder irreführende Berichte publizieren. Dies ist der Maßstab für die Angemessenheit des Vorwurfs »Ihr seid Fake News!«, wie ihn Trump gegen CNN gerichtet hat. Der Vorwurf hat Wahrheitsbedingungen. Man kann ihn prüfen. In einem Klima der Emotionalisierung liegt darin ein Mehrwert.
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