Prolog
Erstes Kapitel: Die Schule als Lebensmedizin
Erfahrung
Mein Vater sagte immer zu mir:
„Erfahrungen sollte man haben,
bevor man sie macht“.
Die zwei Hälften des Lebens
Die eine Hälfte des
Lebens wartet man
und die andere –
kommt man zu spät.
Prolog
Lebensmotto
Lässt du den Blick zum Himmel schweifen
zu den unendlich vielen Sternen,
so wirst voll Ehrfurcht du begreifen –
dein Lebensmotto heißt: das Lernen.
„Die Flaschenpost“
Malerei auf Seide, 85 cm x 85 cm, 2003
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Die Flaschenpost
Die geniale Übersetzung
Besonders während des Lateinunterrichtes in der Oberstufe des Gymnasiums kam es des Öfteren zu merkwürdigen, aber auch hu-morvollen Übersetzungen von lateinischen Textstellen.
So übersetzte zum Beispiel einer meiner Mitschüler, zum Miss-fallen unseres Lateinprofessors, die Worte aus einer Textstelle „Cae-sar suis cuique …“ etwas verändert mit „Caesar … äh … das Schwein … äh … äh … quiekte?“
Leider passierte auch mir bei einer Lateinschularbeit folgendes Missgeschick.
Zu dem damaligen Zeitpunkt lasen wir gerade in den Werken des großen römischen Dichters Ovid, nachdem wir zuvor die eher sachlichen und „trockenen“ Textstellen des Cicero im Unterricht durchgenommen hatten.
Die Dichtkunst Ovids schätzte ich damals sehr, da ich Gefallen an den eher blumigen und fast schwulstigen Textstellen fand, wel-che mit vielen Vergleichen und Beispielen aus der Natur angerei-chert waren.
Am Tage der Lateinschularbeit war ich absolut überzeugt, dass ein Text von Ovid zur Übersetzung kommen würde. Während der Schularbeit bemühte ich mich redlich, schwitzend und stöhnend gebeugt über mein Arbeitsheft, die mir vorliegende Stelle zu über-setzen.
Dabei hatte ich das Problem, dass mir die Bedeutung eines Vokabels auf Lateinisch „miles …, mileis …“ in der deutschen Über-setzung „Der Soldat …“ – partout nicht einfallen wollte. Zum Glück hatte ich für solche Notfälle vorgesorgt und ein ungefähr 7 cm x 5 cm großes so genanntes „Lilliput“-Wörterbuch in meine Hosen-tasche eingesteckt. Dabei handelte es sich um ein kleines Buch mit lateinischen Vokabeln und deren deutschen Übersetzungen als Inhalt.
Auf eine mir bis zum heutigen Zeitpunkt unerklärliche Weise kam ich bei der Suche des lateinischen Wortes „Miles, mileis …“ auf
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Erstes Kapitel: Die Schule als Lebensmedizin
eine falsche Übersetzung, so dass ich es ins Deutsche mit „Ameise“ übersetzte.
Es fiel mir damals gar nicht auf, dass es sich nicht um einen Text, wie ich vermeinte, Ovids, sondern um einen Auszug des Werkes von Cicero aus den punischen Kriegen zu Zeiten Hannibals handelte.
Wahrscheinlich wurde dieses Versehen ausgelöst durch die mir damals innewohnende Nervosität und durch den Prüfungsstress.
So ließ ich in weiterer Folge die weißen gegen die schwarzen Ameisen kämpfen und war ganz begeistert von den „Vergleichen mit der Natur“ und bewunderte die phantasievolle Dichtkunst die-ses von mir fälschlicherweise Ovid zugeschriebenen Werkes.
Ich wurde immer euphorischer und mutiger, sodass meine Übersetzung in dem Wort „castra, castrorum …“ — auf Deutsch „das Heerlager“ –, welches ich frei mit „AMEISENHAUFEN“ übersetzte, gipfelte.
Es muss, glaube ich, nicht weiter betont werden, dass meine Schularbeit wegen Sinnverfehlung mit „Nicht genügend“ beurteilt wurde, obwohl sie zur Belustigung sämtlicher Lehrer und Schüler im gesamten Gymnasium vorgelesen wurde und somit einen wert-vollen, heiteren Beitrag zu dem jeweiligen Lateinunterricht leistete.
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Die geniale Übersetzung
Der Weg zum Erfolg
Kleine Schritte führen zum Erfolg
heißt meistens kurzsichtig werden.
Denn leicht stolpert und kommt
zu Fall, der nur den Blick
in die Ferne gerichtet
und nicht einen Fuß vor
den anderen setzend
dahinschreitet, ohne genau
zu achten, wohin man tritt.
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Erstes Kapitel: Die Schule als Lebensmedizin
„Spurensuche“
Malerei auf Seide, 85 cm x 85 cm
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Spurensuche
Spalier als Racheakt
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Erstes Kapitel: Die Schule als Lebensmedizin
In der ersten Klasse des Bundesgymnasiums hatten sich zwei „Bu-benbanden“ gebildet, was besonders beim „Räuber- und Gendar-men-Spiel“ zu zahlreichen Raufereien in den Pausen zwischen den einzelnen Unterrichtsstunden führte. Selbstverständlich war die Bande, in der ich Mitglied war, die wesentlich „bessere und stär-kere“, und dies behaupte ich auch heute noch – wie es sich für ein „ordentliches Bandenmitglied“ gehört. Zahlreiche Streiche gingen auf unser „Konto“, und in jeder Pause fand entweder eine Rangelei oder das beliebte „Fangerlspiel“ statt. Unser spitzbübisches Verhal-ten und die dauernden Hänseleien ärgerten im besonderen Maße die Maturaklassen, welche ja – unmittelbar vor der Reifeprüfung stehend – „erwachsen und besonnen“ waren und daher kein Ver-ständnis für die „Kindereien der Erstklassler“ hatten.
So beschloss eine Maturaklasse, sich an den Schülern der ersten Klasse des Gymnasiums zu rächen und es diesen frechen Lausbu-ben heimzuzahlen, indem sich sämtliche Maturaaspiranten vor der Tür der „Erstklassler“ mit Atlanten bewaffnet einfanden. Dort er-hoben sie die durchaus schweren Bücher über ihre Köpfe und war-teten auf die „Kleinen“, offensichtlich in der Absicht, der frechen Bubenbande mit den dicken Buchbänden auf den Kopf zu schlagen.
Kaum läutete die Schulglocke zum Pausensignal, kamen die ersten Buben aus dem Klassenraum. Schon sausten die Atlanten auf ihre Köpfe, so dass sich die Mitglieder unserer, aber auch der rivalisierenden Bande nur durch das Hochheben der Arme vor der Wucht der Schläge schützen konnten.
Bei all diesem Trubel und Geschrei übersahen jedoch die Schü-ler der Maturaklasse, dass sich unser nur 156 cm großer Naturge-schichtsprofessor inmitten unserer Gruppe befand, da er gemein-sam mit uns den Klassenraum verlassen wollte.
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