Abb. 5: Die Kapitulation von Lord Cornwallis am 19. Oktober 1781 in Yorktown, Virginia
In Amerika war der Kampf um die UnabhängigkeitGroßbritannienRevolutionsepoche von Beginn an gleichzeitig als konventioneller und als revolutionärer Krieg geführt worden. Ein wichtiger Grund für den Erfolg der PatriotenPatrioten ist sicher darin zu suchen, dass sie es lernten, beide Kampfesarten zu beherrschen und miteinander zu verbinden. Die KontinentalarmeeKontinentalarmee, umsichtig geführt von George WashingtonWashington, George und nach preußischer Manier gedrillt vom Baron Friedrich Wilhelm von SteubenSteuben, Friedrich Wilhelm, Baron v., blieb unverzichtbar als Symbol der Einheit und Sammelpunkt der patriotischen Kräfte. WashingtonWashington, George, zur Zeit der UnabhängigkeitserklärungUnabhängigkeitserklärung 44 Jahre alt, war kein militärisches Genie, aber er verstand es, sich mit fähigen Beratern wie SteubenSteuben, Friedrich Wilhelm, Baron v., Alexander HamiltonHamilton, Alexander und dem auf eigene Faust aus Frankreich gekommenen Marquis de LafayetteLafayette, Marie-Joseph Motier, Marquis de zu umgeben. Noch tiefer als die meisten anderen Repräsentanten der virginischen Pflanzerelite von dem Country-Ideal des patriotischen Volksführers durchdrungen, strahlte WashingtonWashington, George natürliche Autorität aus und übertrug seine Willensstärke und sein Pflichtbewusstsein auf die Menschen in seiner Umgebung. Er glaubte fest daran, dass er von der „Vorsehung“ berufen sei, die amerikanische Freiheit zu verteidigen, und er verknüpfte sein eigenes Schicksal untrennbar mit der „glorious cause“ der Revolution. Die Stärke von WashingtonsWashington, George Armee überstieg selten 18.000 Mann, und sie sank in den harten Winterlagern von Valley ForgeValley Forge nördlich von PhiladelphiaPhiladelphia (1777/78) und Morristown, New JerseyMorristown, New Jersey (Winterlager) (1779/80) unter 5000 ab. Angesichts der zahlenmäßigen und materiellen Unterlegenheit hatte WashingtonWashington, George kaum eine andere Wahl, als die „Fabius“-Strategie zu verfolgen, mit der er Entscheidungsschlachten auswich und nur gelegentliche Vorstöße wagte.
Die BritenGroßbritannien hatten nicht ohne Grund auf die Unterstützung ihrer Truppen durch LoyalistenLoyalisten, Sklaven und IndianerNative AmericansRevolution gehofft. Schätzungsweise ein Drittel der Bevölkerung war loyalistisch gesinnt, und ein weiteres Drittel verhielt sich ängstlich abwartend bzw. bezog aus religiösen Gründen keine Stellung (hierzu zählten viele QuäkerQuäker und deutsche PietistenPietisten). Als die HoweHowe, RichardHowe, William-Brüder 1776 in New JerseyNew Jersey eine „Befriedungspolitik“ versuchten und den Bürgern anboten, durch einen Treueid auf die KroneGroßbritannienRevolutionsepoche der Bestrafung zu entgehen, meldeten sich innerhalb kurzer Zeit nicht weniger als 5000 reumütige Untertanen. Während des gesamten Krieges kämpften über 20.000 Loyalisten als reguläre Soldaten und viele andere, speziell in dem von Iro-SchottenIro-Schotten besiedelten Hinterland der Südstaaten, in loyalistischen Milizen. Obwohl sich die Militärs hüteten, die Indianerstämme an der Frontier Frontier zu einem allgemeinen Aufstand gegen die Siedler anzustacheln, waren doch an allen britischenGroßbritannienRevolutionsepoche Offensiven indianische Hilfstruppen beteiligt. Im SüdenSüden gingen zudem Tausende von Sklaven zu den BritenGroßbritannienRevolutionsepoche über, die sie durch das Versprechen der Freiheit zur Flucht ermunterten. Als die englischenGroßbritannien Truppen bei Kriegsende SavannahSavannah, Georgia, CharlestonCharleston, South Carolina und New York CityNew York City räumten, folgten ihnen zwischen 15.000 und 20.000 AfroamerikanerAfroamerikanerUnabhängigkeitskrieg. Einige dieser Flüchtlinge wurden nach FloridaFlorida oder JamaicaJamaica gebracht (wo sie in Gefahr waren, wieder versklavt zu werden), andere gelangten nach NeuschottlandNeuschottland vor der Küste von Britisch-KanadaKanadaUnabhängigkeitskrieg. Von dort transportierten die BritenGroßbritannienRevolutionsepoche in den 1790er Jahren 1100 Schwarze auf eigenen Wunsch nach AfrikaAfrika in das Gebiet des heutigen Sierra LeoneSierra Leone zurück, wo sie die Stadt FreetownFreetown, Sierra Leone gründeten.
Während die amerikanischen, französischen und britischenGroßbritannienRevolutionsepoche Armeen den Kampf nach den klassischen Regeln von Bewegung, Belagerung und Feldschlacht führten, versanken weite Teile des Landes im Bürgerkrieg oder erlebten zumindest bürgerkriegsähnliche Zustände. BritenGroßbritannienRevolutionsepoche und PatriotenPatrioten kämpften nicht nur gegeneinander, sondern stets auch um die Gunst und Kontrolle der lokalen Bevölkerung. Je länger der Krieg dauerte, desto weniger konnten die BritenGroßbritannienRevolutionsepoche die ihnen treu ergebenen Amerikaner schützen, und desto mehr ging ihr Einfluss auf die öffentliche MeinungÖffentliche Meinung verloren. Die Ausweitung der kolonialen Revolte zu einer breiten, aggressiven Volksbewegung kündigte bereits vor Yorktown die englische Niederlage an und ließ nach 1781 weitere militärische Anstrengungen vollends aussichtslos erscheinen. Zu dieser Einsicht gelangte auch George III.George III., obwohl er lange Zeit eine Art DDomino-Theorieomino-TheorieAußenpolitikDomino-Theorie verfochten hatte, derzufolge die amerikanische Unabhängigkeit zwangsläufig den Verlust KanadasKanadaUnabhängigkeitskrieg, der karibischen Besitzungen und sogar Irlands nach sich ziehen würde. In vieler Hinsicht nahmen die BritenGroßbritannienRevolutionsepoche also bittere Erfahrungen vorweg, die Kolonialmächte im Kampf gegen nationale Befreiungsbewegungen später immer wieder sammeln sollten. Aber auch die Amerikaner zahlten mit ca. 25.000 Toten einen hohen Preis für die Trennung vom Mutterland. Von allen Kriegen, an denen die USA bis heute beteiligt waren, forderte nur der Bürgerkrieg, gemessen an der Gesamtbevölkerung, mehr Opfer als der UnabhängigkeitskriegUnabhängigkeitskrieg.
Im April 1782 begannen in ParisParis Friedensverhandlungen, an denen für die Vereinigten Staaten Benjamin FranklinFranklin, Benjamin, John AdamsAdams, John und John JayJay, John teilnahmen. Hinter den Kulissen ergab sich bald Einvernehmen zwischen den Amerikanern, die ihre Unabhängigkeit so schnell wie möglich völkerrechtlich bestätigt sehen wollten, und den BritenGroßbritannienRevolutionsepoche, die fürchteten, Franzosen und Spanier könnten lange Verzögerungen zu weiteren Gebietsgewinnen auf Kosten Englands nutzen. Im Frieden von ParisFrieden von Paris (1783), der schließlich am 3. September 1783 unterzeichnet wurde, erreichten FranklinFranklin, Benjamin und seine Kollegen durch geschicktes Taktieren nahezu ihre Maximalziele: EnglandGroßbritannienRevolutionsepoche erkannte die amerikanische Unabhängigkeit formell an, trat das gesamte Territorium zwischen den AppalachenAppalachen und dem MississippiMississippi (Fluss) an die Vereinigten Staaten ab und räumte den Amerikanern Fischfangrechte vor NeufundlandNeufundland und NeuschottlandNeuschottland ein. KanadaKanadaUnabhängigkeitskrieg nördlich der Großen Seen blieb britisch, wobei die Grenzen allerdings noch nicht unzweideutig definiert wurden. Der gleichzeitige Friedensschluss zwischen den europäischen Mächten brachte keine wesentlichen Veränderungen, abgesehen von der Tatsache, dass EnglandGroßbritannienRevolutionsepoche FloridaFlorida an SpanienSpanienKolonien zurückgeben musste. Die Amerikaner begrüßten dies mit Blick auf die Zukunft, weil sie davon ausgingen, dass Spanien die schwächere der beiden Kolonialmächte sei. Das aus amerikanischer Sicht wichtigste Ergebnis war natürlich – abgesehen von der Unabhängigkeit selbst – die Öffnung der riesigen Westgebiete, die bislang noch von zahlreichen Indianerstämmen bewohnt waren, in die nun aber bereits Siedler zu strömen begannen.
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