Fürst: Du mußt mir nicht mißtrauen. Ich will dir deine Braut nicht nehmen.
Grischa: Mich kennst du doch. Glaube mir doch, es ist eine ehrliche Sache.
Petra: Stell dir doch einmal vor, ich führe zur See, und du bliebst zurück. Und ich müßte arbeiten und erlebte Stürme und sähe fremde Länder und bin in den Häfen vergnügt mit Türken und Kreolen und Japanern. Und du solltest inzwischen hier in der Kiautschoubucht warten und warten und warten. Mit wenig Geld. Und aus Gnade von der lieben Mutter Mewes. Du würdest aus Stumpfsinn und Verzweiflung nur saufen und –
Pepper: Das geht euch aus dem Maul wie ein Wasserstrahl. – Wir Deutschen sind dumm. Und ihr Dänen seid schlau. Und die Russen sind noch schlauer.
Fürst: Sind wir falsch?
Grischa: War ich jemals falsch zu dir?
Petra: Hast du denn ein Brett vorm Kopf? Es bleibt doch alles beim alten. Nur daß du mich eine Zeitlang statt in Hamburg irgendwo anders triffst. Wahrscheinlich öfter als bisher. Und nach zwei Jahren bleiben wir dann hoffentlich einmal ganz beisammen. – Das heißt, wenn du mich dann noch magst.
Fürst: Du gibst uns deine Adressen und wir schreiben dir jeden Tag.
Grischa: Ich schwöre es.
Pepper: Ach du mit deinen Geschwüren. Damals bei Kap Horn – mit der Leberwurst, da hast du auch falsch geschworen.
Grischa: Das ist Lüge.
Pepper: Das ist keine Lüge! Du hast noch Leberwurst gehabt.
Grischa: Wie kannst du das behaupten! Es ist nicht wahr. Ich hatte keine Spitze mehr von Leberwurst.
Pepper: Das ist Lüge. Shut up!
Grischa: Das ist Wahrheit! Ich schwöre.
Petra: Nun stecht euch um Leberwurst.
Fürst: Ja, das ist wirklich kein Zank unter Männern.
Pepper: Da hat er recht.
Fürst: Also merk dir: wir werden dir täglich schreiben, was wir vorhaben, und wo du uns erreichen kannst.
Grischa: Und wenn dir ein Schiff nicht gefällt, oder wenn dir ein Steuermann so dumm kommt, wie der Steuermann Kittel –
Petra (lächelnd) : Das Aal!
Grischa: Dann telegraphierst du an den Fürsten um Geld.
Fürst: Oder legst es aus, wenn du gerade Geld hast, und kommst zu uns.
Mewes: Das ist ein sauberer Vorschlag. Aber zwischendurch besuche auch mal Mutter Mewes. Du bist mein liebster Gast, und meine Petra meint es gut mit dir.
Pepper: Ja, Mutter Mewes. Ich besuche dich ewig. Und Geld haben wir auch. Das verdienen wir uns selber. (Er schmeißt Geld um sich auf den Boden.) Es ist schön, wenn's so prasselt.
Petra: Aber Hans! Warum spielst du dich jetzt auf? (Sie sammelt die Münzen auf.) Du verdienst es doch sauer. Und wenn du einmal alt und klapprig wirst oder wenn du vorher Malheur mit deinen Knochen hast –
Pepper: Das weiß ich wohl – aber ich will euch was sagen. Ganz wahrhaft. Denn ich bin nicht besoffen –
Petra: Doch du bist es. Aber du kannst auch dann manchmal sehr schön reden.
Pepper: Ich will euch wahrhaft sagen: – Ich kann das mit der Leberwurst nicht beweisen, aber –
Alle: (Lachen.)
Fürst: Sie läßt ihm keine Ruh.
Grischa: Denk darüber, wie du willst. Mein Gewissen ist rein.
Fürst (lachend) : In einem sind die Deutschen doch wirklich dumm.
Pepper (aufspringend) : Was sagst du? Wir Deutschen wären dumm! (Will auf den Fürsten eindringen.)
Grischa (ihn zurückhaltend) : Das hast du doch eben selber gesagt.
Pepper: Ja, ich darf das sagen. Aber ein Ausländer darf mir das nicht sagen. (Er ringt mit Grischa und wirft Tisch und Stühle um.)
Sitty (Flieht aus den Lokal.)
Petra (Pepper zurückziehend) : Hast du nicht eben auch die Dänen und die Russen beschimpft!?
Pepper: Ja, helft euch nur zu dritt, Hand über Hand.
Fürst: Ich stamme selbst von einer deutschen Mutter. Aber ich meinte das, was ich sagte, auch ganz anders. Ich wollte sagen: in einem sind die Deutschen sonderbar. Wenn sie einmal einen anständigen Standpunkt gefunden haben, dann wollen sie ihn nie mehr verlassen und halten es für Untreue, ihn gegen bessere Einsicht umzutauschen. Aber ich drücke mich wohl zu kompliziert aus.
Petra: Ja, Boris, bei uns mußt du dich einfacher ausdrücken. Wollen doch endlich friedlich sein. (Sie tuschelt Grischa ins Ohr, der sich zur Gitarre schleicht.) Ich habe mich ein Jahr lang auf Hans gefreut. Und nun ist er da, und es gibt Streit. Und er glaubt nicht mehr an mich.
Fürst (zu Pepper) : Laß mich noch ein letztes Wort sagen. – Liebst du Petra aufrichtig?
Pepper: Ja, das meine ich wohl! Bis heute war sie mein einziges Glück. Überall, bei jedem Wetter und bei jeder See.
Fürst: Gut, Hans Pepper. Ich glaube es dir. Nun schau dir einmal deine Petra an. Siehst du nicht, wie nervös, wie blaß sie ist, wie dringend sie Erholung braucht?
Petra: (Winkt lachend ab.)
Pepper: Wenn sie so säuft und mit jedem Kerl loszieht –
Petra: Pfui, das ist gemein von dir.
Pepper: Warst du nicht bei Larsen? Und warst du nicht bei dem Araber? Und bei Jonny Bay?
Petra: Ich war bei vielen und ich hab' dir's immer gesagt, damit du mir vertraust.
Pepper: Ich habe dir vertraut wie der Ankerkette von einem Feuerschiff.
Petra: Ich bin gar nicht mit so vielen losgezogen, wie du meinst, weil ich es so sagte. – Ich war auch nicht bei Larsen. Ich war auch nicht bei Jonny Bay.
Pepper: Warum schwindelst du dann? Warum hast du mir erst so gesagt?
Petra: Weil ich darauf wartete, daß du einmal sagen würdest: »Petra, du gehörst mir, und darfst dich nicht an alle andern hingeben.«
(Pause)
Pepper: Ich habe gedacht – ja wie soll ich das sagen – in allen Häfen habe ich Mädchen gehabt. Es kann sogar sein, daß in vielen Ländern Kinder von mir herumkröpeln, von denen ich gar nichts weiß. Und ich weiß auch, daß du so allein in Hamburg festliegst. Und da habe ich gedacht, man kann nicht verlangen, daß sie in der langen Zeit nicht auch sich amüsiert und –
Petra (ihn streichelnd) : Und auch Kinder kriegt –
Fürst: So denken sich Menschen vorbei, die zusammengehören. Ihr wußtet beide nicht, wie gut es eines mit dem andern meint. (Reicht Pepper die Hand hin.) Schlagt doch meine Freundschaft nicht aus. Ich meine es gut mit euch. Deine Braut soll sich bei mir erholen und nicht mehr so lange nachts hier herumlungern. Sei mein und ihr Freund, und bleibe Grischas Freund. Komm als Bootsmann zu mir und reise einmal mit deiner Petra zusammen.
Mewes: Schlag ein, Hans. Ich habe dir noch niemals schlecht geraten.
Grischa (beginnt leise La Paloma zu spielen.)
Pepper: Ja, sie darf nicht mehr so viel saufen, und sie muß auch mal raus aus dieser Wirtschaft.
Fürst: Ja. Sie soll doch gesund leben. Schlag ein, Hans Pepper!
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