Petra: Aber glücklich bin ich.
Fürst: Es ist ja schon ein Glück, wenn wir das von uns glauben. Aber wir könnten alle noch glücklicher sein. (Pause.)
Petra: Und was forderst du weiter?
Fürst: Ich bitte um weiter nichts als dies und werde dir nie zu mehr zureden.
Grischa: Ich schwöre für ihn!
Fürst (tadelnd zu Grischa) : Danke. Ich kann allein schwören. (Zu Petra.) Was du darüber hinaus mir – freiwillig – im Einverständnis mit deinem Freunde schenkst, wird mich natürlich unendlich froh machen.
Petra: Und was zahlst du außer Reise, Kleidung und freier Station? (Pause.)
Fürst: Ich möchte nichts versprechen. (Pause.)
Petra: Wie lange soll es denn dauern? Einen Monat? Ein Jahr? Zwei Jahre?
Fürst: Wenn du es aushältst, zwei Jahre. Wenn du verlangst, nur drei Tage. Wenn es dir und euch beiden gefällt, länger und länger.
Petra: Welchen »euch beiden«?
Fürst: Dir und deinem Freunde.
Petra: Richtig; du willst ihn dulden.
Fürst: Dulden? Nein, nein! Wir wollen uns zusammenfinden aus allen Ständen und alles teilen. Und wenn ich zufällig Geld mitbringe: Es bringt jeder Mensch schon von Natur aus etwas mit sich.
Petra: Ah, ich verstehe. Das nennt ihr Orgie?
Fürst: Manche nennen es vielleicht Paradies.
Petra: Nein, nein, mein Freund weiß nichts von eurer Lebewelt. Der schlägt einen ganzen Palast entzwei, wenn wir mit den Beinen Skat spielen wollen.
Fürst: So meinte ich es nicht. Aber wie bist du klug! (Will ihre Hand küssen.)
Petra (Hand zurückziehend) : Zwei Jahre sagtest du. Aber was du zahlen willst, sagst du nicht.
Fürst: Traust du mir nicht?
Petra: Nein. Gar nicht. – – Wenn ich nun forderte? Nach sechs Monaten zwölf Fenster und zehn Obstbäume mit reichlich Erde. Nach zwölf Monaten ein Dach und vier Mauern. Nach achtzehn Monaten das Notwendige, was noch zu solchem Hof gehört. Und nach dem zweiten Jahr die Erlaubnis, mit meinem Freunde ohne Dank von dir zu scheiden. –? (Pause.)
Fürst: Ich wäre einverstanden und glücklich. Das ist mal ein Vorschlag, der Hand und Fuß hat.
Petra: Aber wer garantiert, daß du nach dem zwölften Monat oder nach dem vierundzwanzigsten noch Wort hältst?
Fürst: Ich bürge mit meinem Leben dafür. Ich schwöre es.
Petra: Das klingt nach was. Ich will mir's überlegen. – Prosit!
Pepper (schleudert seine Mütze in die Stube) : Mutter Mewes, ahoi!
Mewes (ihm entgegengehend) : Na endlich zurück. Herzlich willkommen!
Pepper (schwer bepackt mit einem Kleidersack, einem Bananensack, einem ausgestopften Krokodil und einem Bastkörbchen. Hinter ihm Sitty Smile. Pepper bleibt stehen und zeigt auf Petra) : Do you see, Sitty Smile? That is my Petra! Is that a wife or not?
Sitty Smile: A beautiful wife. (Laut.) Ich möchte ein große Bier.
Pepper (reicht Mewes den Bananensack) : Das habe ich dir mitgebracht. Bananen aus Madeira. (Reicht ihr das Bastkörbchen.) Und das mußt du nachher allein auspacken. Es ist eine Überraschung darin.
Mewes (es in der Hand wiegend) : Es ist sehr leicht. Ich trage es in die Küche. (Abgehend.) Ich danke dir später. Jetzt schieß auf dein Glück zu.
Pepper (eilt zu Petra) : Hallo Petra! (Drückt ihr das Krokodil in die Arme.) Das hab' ich dir mitgebracht.
Petra: Guten Abend, geliebter Hans. (Küßt ihn auf den Kopf.) Seit mehr als einem Jahr erwarte ich dich.
Grischa (der sich mit dem Fürsten zurückziehen will, fixiert plötzlich Pepper) : Bist du nicht Hans Pepper?
Pepper (sich von Petra losreißend) : Was? Grischa? Der Russki?! – Mein alter Freund Grischa! (Sie umarmen und küssen sich.) Du, Petra, mit dem hab' ich gefahren! – Wir sind einmal fast abgesoffen. Vor Rio de Janeiro. – Hallo old Grischa!
Grischa: Es ist lange her. Ich war Steward an Bord.
Pepper: Ein Schweinestall hat uns gerettet.
Grischa: Das Schiff ging unter mit Mann und Maus, auch meine schöne Gitarre.
Pepper: Ja verflucht, es ging hart her! Nur wir zwei Ratten blieben übrig.
Grischa: Und konnten beide nicht schwimmen. Aber da trieb ein – wie nennt man das? – ein Holzkäfig im Wasser –
Pepper: Ein Saustall.
Grischa: Ja, ein Schweinekäfig trieb im Wasser mit einer lebenden Sau darin.
Pepper: Darauf haben wir zwei wohl acht Stunden lang balanciert, bis sie uns auffischten. Die andern sind alle abgebuddelt.
Grischa: Auch die süße kleine Pia, die Schauspielerin.
Pepper: Es war die fetteste Sau, die ich je gesehen habe. Und sie ist trotzdem ersoffen, weil wir sie durch unser Gewicht unter Wasser drückten. Und denke dir, Petra – –
Petra: Nun setzt euch doch erst mal alle. Du auch, Fürst.
Fürst: Sag doch Boris zu mir.
Petra: Gut. Also das ist Fürst Boris, und das ist Grischa, und das ist Hans Pepper.
Pepper: Der sieht auch wirklich aus wie ein richtiger Fürst.
Petra: Das ist auch ein richtiger. Und außerdem mein Freund. Also auch dein Freund.
Pepper (drückt dem Fürsten die Hand) : Allright shake hands! Ich hab' auch schon mal einen Fürsten kennengelernt. Der hieß Wildenstein oder Wassermann oder so ähnlich.
Fürst: So? Den kenne ich leider nicht.
Pepper: Ja, das waren zwei Brüder, und die schulden mir jeder noch vier Dollar.
Grischa (umarmt Pepper und küßt ihn) : Ach welche Freude, dich wiederzusehen. – Ich bin damals noch ein Jahr gefahren und dann wurde ich Kellner und dann wieder wandernder Musiker. Bis mich Fürst Boris von der Straße aufgelesen – –
Fürst: Aufgelesen, du Esel? –Bis ich dich entdeckt und als fleißig helfenden, treuen Freund bei mir behalten habe.
Petra: Hans, hat dir der Lotse den Aal gegeben?
Pepper: Ja, danke dir. Aber der stank schon. Und da haben wir ihn dem Steuermann Kittel in die Matratze genäht. Das Aas hat uns so schikaniert.
Petra: Das Aal?
Pepper: Nein, das Aas, sage ich. Übrigens: Ich habe eine Flasche echten Black Label durchgeschmuggelt. (Kramt sie hervor.) In der dreckigen Wäsche. Wir hatten alle furchtbar drauf gespuckt, und ich habe im Freihafen dem Zollmann gesagt: »Sieh doch selber nach, du Papagei!« Da hat er mich, ohne weiter nachzusehen, rausgeschmissen.
Petra: Hier steht schon Whisky für dich bereit. Prost Hans! (Betrachtet seine Stirn.) Du blutest ja.
Pepper: Ich habe mit Larsen geboxt. Es ist nicht der Rede wert. Skol, Petra!
Petra: Skol Hans!
Fürst: Prost Hans Pepper!
Petra: Nasdorowje Boris und Grischa! (Alle durcheinander: Prost, Skol und Nasdorowje.) Warum hast du mit Larsen geboxt?
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