162
Gemäß § 97 Abs. 3 S. 2 InsO trifft den Schuldner(vertreter) zusätzlich die regelmäßig mit den aktiven Mitwirkungspflichten korrelierende Pflicht, alles zu unterlassen, was der Erfüllung der sich aus § 97 InsO ergebenden Pflichten zuwiderläuft. Es ist dem Schuldner weder die Vernichtung von Geschäftsunterlagen noch das Beiseiteschaffen von Vermögensgegenständen der Insolvenzmasse gestattet. Zudem hat der Schuldner alles zu unterlassen, was die Verwertung der Insolvenzmasse im Ausland erschwert.[134] Bei einer entsprechenden Zuwiderhandlung ist der Insolvenzverwalter berechtigt, von dem Schuldner bzw. von seinem Vertreter wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigunggem. § 826 BGB Schadenersatz zu verlangen.[135]
163
Besonders gestaltet sich die Rechtslage auch bei nicht-erzwingbaren verfahrensrechtlichen Mitwirkungspflichten.[136] Hierbei handelt es sich um Obliegenheiten, an deren Nichterfüllung Sanktionen geknüpft sind. So haben bestimmte Beifügungsversäumnisse bei einem Antrag auf Restschuldbefreiung lediglich dessen Zurückweisung zur Folge. Das Gleiche gilt für die Vorlage eines nicht ordnungsgemäßen Insolvenzplanes; die Folge ist ebenfalls eine Zurückweisung durch das Gericht. Eine Stellungnahme zu einem vonseiten des Insolvenzverwalters vorgelegten Insolvenzplan im Sinne von § 232 InsO kann das Gericht vom Schuldner ebenso wenig erzwingen wie eine ordnungsgemäße Verfahrensabwicklung im Rahmen der Eigenverwaltung. Im letzteren Fall droht allenfalls die Aufhebung der Anordnung der Eigenverwaltung. Das Verbraucherinsolvenzverfahren gem. der §§ 304 ff. InsO zeichnet sich auch dadurch aus, dass bestimmte Mitwirkungspflichten mit Sanktionen oder mit einer Fiktion (vgl. § 305 Abs. 3 S. 1 InsO: der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gilt als zurückgenommen) ausgestattet sind.
[1]
BGBl. I, S. 509.
[2]
BVerfG NJW 2004, 2725 ff.
[3]
Zur Sanierung in der Insolvenz allgemein Bittmann- Gerloff § 25 Rn. 1 ff.
[4]
§ 13 Abs. 3 InsO hat das Bundesjustizministerium mit Zustimmung des Bundesrates zur Einführung eines speziellen Antragformulars für die Schuldner ermächtigt.
[5]
Zu den Voraussetzungen Keller ZJS 2010, 40, 42 ff.
[6]
S. dazu näher oben Rn. 65 ff.
[7]
S. dazu näher oben Rn. 79 ff.
[8]
S. dazu näher oben Rn. 56 ff.
[9]
Wabnitz/Janovsky- Beck 8. Kap. Rn. 154.
[10]
S. dazu näher unten Rn. 109.
[11]
S. auch den Hinweis in § 20 Abs. 1 S. 2 InsO auf die entsprechende Geltung der §§ 97, 98, 101 Abs. 1 S. 1 u. 2, Abs. 2 InsO.
[12]
Zu dessen Rechtsstellung s. § 22 InsO und Wabnitz/Janovsky- Beck 8. Kap. Rn. 159 ff.
[13]
Wabnitz/Janovsky- Beck 8. Kap. Rn. 154.
[14]
Vgl. § 21 Abs. 3 InsO.
[15]
Diese Vorgehensweise ist nicht zu verwechseln mit der Einstellung mangels Masse gem. § 207 InsO, die dort erst nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorgenommen wird.
[16]
Wabnitz/Janovsky- Beck 8. Kap. Rn. 173 spricht hier von einer „Gretchenfrage“.
[17]
Die Löschungsfrist beträgt hier gem. § 26 Abs. 2 S. 2 letzter Hs. InsO fünf Jahre.
[18]
Vgl. §§ 131 Abs. 2 Nr. 1, 161 Abs. 2 HGB, §§ 262 Abs. 1 Nr. 4, 278 Abs. 3 AktG, § 60 Abs. 1 Nr. 5 GmbHG, § 81a Nr. 1 GenG; s. auch den Hinweis von Wabnitz/Janovsky- Beck 8. Kap. Rn. 174.
[19]
Uhlenbruck ZIP 1996, 1641.
[20]
Wabnitz/Janovsky- Beck 8. Kap. Rn. 175 m.w.N.
[21]
Vgl. dazu Wabnitz/Janovsky- Beck 8. Kap. Rn. 175 m.w.N.
[22]
Uhlenbruck ZIP 1996, 1641.
[23]
Uhlenbruck ZIP 1996, 1641.
[24]
Wabnitz/Janovsky- Beck 8. Kap. Rn. 175.
[25]
Wabnitz/Janovsky- Beck 8. Kap. Rn. 176.
[26]
So in § 28 Abs. 1 S. 2 InsO vorgegeben.
[27]
Die Eigenverwaltung stellt lediglich eine Ausnahme dar.
[28]
Vgl. § 80 Abs. 2 S. 1 InsO i. V. m. §§ 135, 136 BGB.
[29]
Vgl. zu dieser Abweichung von der früheren KO auch Wabnitz/Janovsky- Beck 8. Kap. Rn. 171.
[30]
Wabnitz/Janovsky- Beck 8. Kap. Rn. 178.
[31]
RGSt 26, 37; vgl. auch Lackner/Kühl -Heger § 283 Rn. 28 m.w.N.
[32]
Schönke/Schröder -Heine/Schuster § 283 Rn. 61.
[33]
Wabnitz/Janovsky- Beck , 8. Kap. Rn. 178.
[34]
Bittmann- Smid § 10 Rn. 106 ff.
[35]
Man beachte den Ausnahmetatbestand des § 151 Abs. 3 InsO.
[36]
Vgl. dazu § 177 InsO.
[37]
§§ 31–33 InsO gelten hier gem. § 200 Abs. 2 S. 2 InsO entsprechend.
[38]
Vgl. §§ 286 ff. InsO.
[39]
In diesem Punkt besteht der Unterschied zum Anwendungsbereich des § 26 Abs. 1 InsO.
[40]
Zu Aufgaben und Stellung s. Rn. 1080 ff.
[41]
Wabnitz/Janovsky- Pelz 9. Kap. Rn. 437; Weyand/Diversy Rn. 179; Graeber NZI 2003, 569.
[42]
Wabnitz/Janovsky- Pelz 9. Kap. Rn. 437.
[43]
Wabnitz/Janovsky- Pelz 9. Kap. Rn. 438; Weyand/Diversy Rn. 179.
[44]
Müller/Wabnitz Wirtschaftskriminalität, 6. Rn. 21; Schäfer wistra 1985, 209.
[45]
Vgl. dazu Schäfer wistra 1985, 209.
[46]
OLG Frankfurt NStZ 1996, 565 m.w.N.
[47]
OLG Frankfurt B. v. 15.5.2006 – 3 Ws 466, 507/06, BeckRS 2006, 8422; offen gelassen durch LG Hildesheim NJW 2008, 531.
[48]
LG Hildesheim B. v. 22.8.2007 – 25 Kls 5413 Js 18030/06FE, BeckRS 2007, 16963.
[49]
S. dazu Weyand/Diversy Rn. 180.
[50]
Näher dazu Boochs LSW Heft 9/2005, 283 ff.
[51]
Boochs LSW Heft 9/2005, 283 ff.; dazu auch BFH DStRE 2005, 479.
[52]
So z. B. § 36 Abs. 1 EStG, § 13 UStG, § 18 GewStG, § 9 Abs. 1 ErbStG.
[53]
Ein Einkommensteuerbescheid kann auch während eines Insolvenzverfahrens gegen den Ehegatten eines Schuldners erlassen werden, falls Zusammenveranlagung gewählt wurde; vgl. hierzu MüKo-InsO- Schüppen/Ruh Insolvenzsteuerrecht Rn. 80 ff.
[54]
Boochs LSW Heft 9/2005, 283, 286.
[55]
BFH U. v. 24.8.2004 – VIII R 14/02; BStBl 2004 II S. 246.
[56]
So die Aufzählung von Boochs LSW Heft 9/2005, 283, 286.
[57]
Vgl. § 184 Abs. 1 InsO.
[58]
Vgl. § 361 AO bzw. § 69 FGO.
[59]
Vgl. § 85 Abs. 1 S. 1 InsO.
[60]
Vgl. § 89 Abs. 1 InsO; s. dazu auch Boochs LSW Heft 9/2005, 283, 285.
[61]
Vgl. §§ 129 ff. InsO.
[62]
Vgl. § 88 InsO.
[63]
BFH U. v. 23.7.1996 – VII R 88/94; BStBl. II 1997, S. 511.
[64]
Vgl. § 94 InsO.
[65]
So BFH DStRE 2005, 479, 480 f., in Fortführung der Senatsrechtsprechung BFH DStRE 2005, 240 ff. = NZI 2005, 276, 276 ff. mit Anm. App.
[66]
BFH DStRE 2005, 479, 480.
[67]
S. dazu Rn. 1085, 1106 ff.
[68]
S. dazu Boochs LSW Heft 9/2005, 283, 287.
[69]
Vgl. § 179 Abs. 1 InsO i. V. m. § 251 Abs. 3 AO.
[70]
Boochs LSW Heft 9/2005, 283, 287.
[71]
Trotz Bestandskraft könnten bspw. die Voraussetzungen nach den §§ 129, 164, 172 ff. AO nicht vorliegen oder die Abrechnung unrichtig sein.
[72]
Boochs LSW Heft 9/2005, 283, 287.
[73]
Zum Ausschluss des Einspruchs vgl. § 348 AO.
[74]
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