Guido Barbujani - Die Erfindung der Rassen

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Die Menschheit in Rassen einzuteilen, war eine Obsession der Wissenschaft im 19. Jahrhundert, die im frühen 20. Jahrhundert zu einer mächtigen Bewegung wurde:
Politiker, die ihren Anhängern versprachen, dass sie einer höheren Rasse angehörten, hatten allzu oft Erfolg damit. Die Folgen der Rassenideologie waren schrecklich. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts hat die biologische Wissenschaft in ihrer modernsten Form, der Genetik, allen Rassentheorien endgültig den Boden unter den Füßen entzogen, doch immer wieder versuchen Vorkämpfer der Überlegenheit der «weißen Rasse» – auch mit scheinbar wissenschaftlichen Argumenten –, rassistische Vorurteile zu schüren. Der prominente Genetiker Guido Barbujani zeigt in diesem Buch, wie mit den Mitteln der Vernunft gegen den tiefverwurzelten rassistischen Unfug argumentiert werden kann.

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Man kann dagegen sein und wieder eine Verbindung zwischen den Ideen der Wissenschaft und der politischen und sozialen Praxis herstellen wollen. In der Tat ist es das, was dieses und andere Bücher versuchen. Doch ein Buch ist keine große Sache, und die Welt verändert sich schnell. Neue Technologien und die Globalisierung haben dem Norden unserer Erde größeren Reichtum beschert, allerdings bei hohen sozialen Kosten und einer monströsen Ungleichverteilung.

Populistische Politiker haben es verstanden, den Protest der verarmten oder verängstigten Gesellschaftsschichten für sich zu nutzen, indem sie ihn entweder nach unten lenkten, gegen die Immigranten, die angeblich den Einheimischen Arbeitsstellen, Wohnungen und Unterstützung wegnehmen, oder nach oben, gegen die Eliten, die in dieser simplen Weltsicht schuld daran sind, dass der Wandel nicht gut gemanagt wurde. Wie kann ich den sogenannten Experten in Washington, Brüssel, Berlin oder Rom vertrauen, wenn sie doch nicht verhindern konnten, dass meine Bank pleite gegangen ist, dass meine Tochter, die doch das Abitur hat, in einem Callcenter arbeiten muss oder mein Mann durch einen Roboter ersetzt worden ist?

Und wenn ich dieser Politikerkaste misstraue, wie soll ich da den Wissenschaftlern vertrauen, die niemand gewählt hat und die also eine noch üblere Kaste sind?

Wieder einen Raum für eine konstruktive Diskussion zu schaffen, bei der auch Wissen und Kompetenz eine Rolle spielen dürfen, mit dem Ziel, allseits akzeptierte Lösungen zu finden und nicht bloß einen Konsens durchzuboxen – das ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit.

Ein Buch ist keine große Sache und kann nicht viel bewirken. Und doch schien es mir nach zwölf Jahren der Mühe wert, dieses Buch auf den neuesten Stand des Wissens zu bringen, aus demselben Grund, aus dem wir uns jeden Abend die Zähne putzen: Es reicht nicht, um Karies zu vermeiden, aber es ist besser als nichts.

Die Ideen der sogenannten populistischen Bewegungen verfangen zweifellos bei vielen Bürgern in der halben Welt, aber sie haben auch eine entscheidende Schwäche: Es kann so aussehen, als funktionierten die Ideen; das tun sie aber nur in winzigen Bereichen, denn sie konzentrieren sich ganz auf unmittelbar gegenwärtige Probleme, für die sie angeblich einfache und äußerst kurzatmige Lösungen anbieten. Und da in ihnen nur von Einzelheiten die Rede ist, von Mauern, die errichtet werden sollen, von Aufenthaltsgenehmigungen, die nicht gewährt werden sollen, so als ginge es darum, eine kleine alte heile Welt zu schützen, die sich aufzulösen droht und die es vielleicht nie gegeben hat, weigern sie sich, die Dinge in einer etwas größeren Perspektive zu betrachten. Es ist so, als würden sie wieder zu Kindern: Sie leben in der Gegenwart, um die größeren Sachen kümmern sich die Erwachsenen. Aber vergessen wir nicht: Auch Kinder haben viel zu leiden. Jede Erkältung, jede Trennung von einer geliebten Person ist ein Trauma, weil das Leben in der Gegenwart nicht das Bewusstsein ermöglicht, dass alles sich ändern kann, dass das Fieber vergeht, dass die geliebte Person wiederkommt.

Ich bin davon überzeugt, dass die kurzsichtige Debatte darüber, wie sich der Strom der Immigration aufhalten lässt – der nach jeder seriösen Analyse noch über viele Jahre zunehmen wird –, uns zu Gefangenen der Gegenwart macht, zu Kindern. Und uns damit dazu verdammt, wie die Kinder zu leiden, weil wir die Komplexität der Erscheinungen aus dem Blick verlieren. Stattdessen sollten wir versuchen, erwachsen zu sein. Und hier heißt erwachsen sein, die Dinge in ihrem Zusammenhang zu betrachten und zu verstehen, dass wir Menschen wandern, nicht heute oder gestern, sondern schon immer; zu verstehen, woher wir kommen und wie groß die Unterschiede zwischen uns sind, natürlich auch, weil viele Menschen diese Unterschiede in übertriebener oder verzerrter Form wahrnehmen. Meine Hoffnung ist, dass dieses Buch denen, die es lesen, dabei hilft, die eine oder andere hier oder da aufgeschnappte oberflächliche oder falsche Vorstellung loszuwerden und sich mit ein paar Vorurteilen weniger in der Welt umzusehen.

Guido Barbujani, im November 2020

1. KAPITEL

GRENZZIEHUNGEN

Worin wir uns fragen, ob es Menschenrassen gibt und was sie sein sollen

Immer neue Grenzen werden gezogen, stellen wir fest. Laut Wikipedia gab es im Februar 2018 siebenunddreißig Grenzkonflikte, die jeweils im Vorjahr mehr als hundert Todesopfer forderten. Das Verzeichnis geht von A wie Afghanistan über J wie Jemen bis Z wie Zimbabwe und umfasst auch die unzähligen Fälle, in denen es zwar nicht zu Begegnungen zwischen Streitkräften kommt, in denen aber Konflikte zwischen Menschen verschiedener ethnischer Gruppen das tägliche Leben bestimmen: die Rechte der Bürger und ihren Zugang zu natürlichen Ressourcen, zu Bildung und zur Gesundheitsversorgung. Fremdenhass und Rassismus, Phänomene, die wir noch vor wenigen Jahren als Überreste von Unterentwicklung wahrgenommen hatten, die bald verschwinden würden, sind zu globalen Problemen geworden, und keine Gegend der Welt ist dagegen immun.

Der Südtiroler Friedensaktivist Alexander Langer hat einmal gesagt, wir müssten die Grenzen, wenn wir sie nicht ganz abschaffen können, wenigstens durchlässig machen. Doch stattdessen wurden in den letzten 20 Jahren vor allem immer neue Grenzen erfunden, oft willkürliche und stets bestreitbare, die um neue Identitäten gezogen werden, die sich dadurch wiederum verhärten – was dann dazu führt, dass dasselbe auf der anderen Seite der Grenze geschieht. All dies sei, so sagt man uns, durch die untrennbare Verbindung von Blut und Boden gerechtfertigt, zwischen einem Territorium und denjenigen, die es seit je besiedelt haben und deshalb seine einzigen legitimen Bewohner seien. Wir sind, so sagen dieselben Leute, grundsätzlich, und zwar biologisch, verschieden, und wir können unsere Identität, die in unserem Blut (wie es früher hieß) oder in unserer DNA *(wie man heute sagt) wurzelt, nur verteidigen, wenn wir auch unser Territorium gegen die Invasionen von Trägern einer anderen Identität verteidigen.

Der Konflikt zwischen Identitäten ist kein gewöhnlicher politischer Konflikt. Er betrifft nicht, was jemand macht oder machen will, sondern wer jemand ist oder zu sein meint. Und deshalb ist er unlösbar. Zwischen politischen Gegnern gibt es immer die Möglichkeit zu vermitteln und zu verhandeln, in der Anthropologie oder der Biologie gibt es sie nicht. Wenn Gruppen unterschiedlicher Identität es nicht schaffen, miteinander zu leben, gibt es nur die Möglichkeit, sie zu trennen und zu hoffen, dass der Waffenstillstand hält. Der Preis, der dafür gezahlt werden muss, ist eine Vervielfachung von Grenzen und damit einhergehenden Spannungen – nicht nur zwischen den Staaten, sondern auch entlang weniger genauer Trennlinien durch Staaten, Regionen und sogar Stadtviertel, in denen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur oder unterschiedlichen Einkommens misstrauisch beäugen oder ostentativ ignorieren.

Und was passiert mit denjenigen, die gezwungen sind, außerhalb der eigenen Grenzen zu leben oder dies sogar freiwillig gewählt haben? Das haben wir alle vor Augen. Von Europa bis Afrika, von Asien bis Süd- und Nordamerika verfestigt sich immer mehr die Vorstellung, dass nicht jeder Mensch überall dieselben Rechte hat. Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Sprache, ihrer Religion oder ihres Passes zu diskriminieren, verbreitet sich immer mehr und wird immer weniger als Skandal empfunden.

Es ist ein alter Gemeinplatz, dass Wissenschaftler sich nicht gern mit dem unmittelbar Lebenswichtigen befassen, sondern sich lieber in ihren schönen Laboratorien mit langwierigen Forschungen beschäftigen. Vielleicht stimmt das auch, doch dann haben wir es in unserem Fall mit einer Ausnahme zu tun. Mit den biologischen Grundlagen der Diversität* der Menschen oder, wie man einmal zu sagen pflegte und heute wieder zu sagen beginnt, mit der Natur und der Existenz menschlicher Rassen, haben sich, oftmals sogar leidenschaftlich, die größten Geister der Biologie befasst, von Linné und Darwin bis hin zu vielen Zeitgenossen (die leider selten das Niveau ihrer Vorgänger erreichen). Das Konzept der Rasse* wurde das gesamte 18. und 19. Jahrhundert hindurch diskutiert, bis es im 20. Jahrhundert dann zu dramatischen und schwerwiegenden Konsequenzen führte. Aus naheliegenden Gründen pausierte die Diskussion in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, allerdings nicht überall: Man denke nur an die Bürgerrechtskämpfe in den Vereinigten Staaten während der fünfziger und sechziger Jahre. Dann, gegen Ende des 20. Jahrhunderts, kommt der Begriff »Rasse« wieder in Mode. Genetische und anthropologische Studien werden dazu veröffentlicht, und die Wissenschaft beginnt sich über die Bedeutung des Rassenkonzepts zu streiten. Einerseits gelingt es keiner dieser Untersuchungen zu beweisen, dass es in unserer Spezies* deutlich unterscheidbare Rassen gibt wie etwa bei Hunden und Pferden (was, wie wir sehen werden, keine guten Beispiele sind) oder bei Schimpansen (das passt schon besser). Dass unsere Identität, wie immer wir sie definieren mögen, etwas mit unseren Genen* zu tun hat, hat noch niemand nachweisen können. Andererseits gehört das Wort »Rasse« zur Sprache (und zum Denken) vieler Menschen, und wenn dies auch nicht heißt, dass der Begriff sinnvoll ist, so ist er doch einfach verständlich, und das macht es schwierig, ihn durch andere zu ersetzen, die die Vielfalt der Menschheit besser und richtiger beschreiben.

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