Heinz Rudolf Kunze - Werdegang

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Heinz Rudolf Kunze erinnert sich an sein Leben und seine Musik, an seine Familie und seine Weggefährten. Mit einnehmender Stimme blickt er zurück: auf eine Kindheit und Jugend im Wirtschaftswunderland, das mit der Aufarbeitung seiner Vergangenheit noch nichts zu tun haben wollte, auf die Umbrüche und Aufbrüche der grell-turbulenten 1980er Jahre und den deutschen Zeitgeist der letzten Jahrzehnte.
Werdegang erzählt von Erfolgen, Zweifeln und Höhenflügen. Und nicht zuletzt davon, welche Kraft Musik und Literatur entfalten können.
»Compañero Heinz Rudolf – über die Jahrzehnte stehen wir, wenn's drauf ankommt, immer schon Seite an Seite. Ob bei der Anti-Atom-Bewegung, auf der Loreley mit Willy Brandt, gegen Ausländerfeindlichkeit, gegen Nazis, bei Rock gegen rechte Gewalt oder auch als Teil der Friedensbewegung. Heinz Rudolf hat als Sänger immer schon politische Verantwortung übernommen. Und zusammen powern wir weiter!«
UDO LINDENBERG
»Unbändige Schaffenskraft, eine nie enden wollende Kreativität und der Mut, immer neue Herausforderungen anzunehmen – all das zeichnet Heinz und seinen künstlerischen Kompass aus. Respekt, Herr Nachbar!«
KLAUS MEINE
»Ich liebe Heinz für die Klarheit seiner Worte, für seine einprägsamen Bilder, für seine stets überraschenden Wendungen und klugen Gedanken. Ich liebe Heinz für seine Musik, für das Geschenk seiner Lieder – und weil er ein Freund ist.«
REINHARD MEY

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Nun kam es ihm zugute, dass er in Sport immer zu den Besten gehört hatte, es half ihm, die harte Grundausbildung zum SS-Soldaten zu überstehen. Er kam durch, anders als einer seiner Kameraden, der die Brutalität und Schikanen nicht mehr aushielt und sich das Leben nahm. In Westfrankreich erfolgte die Ausbildung zum Scharfschützen, dann wurde Rudi Kunze an die Ostfront geschickt, die russische Armee sollte in ihrem Vormarsch gestoppt werden, das war schon nach der deutschen Niederlage in Stalingrad. Wieder starben Kameraden, dieses Mal aber nicht mehr durch eigene Hand. Mein Vater erfüllte die ihm zugewiesene Aufgabe auf eine Weise, die man der Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse für würdig erachtete.

Der Zufall meinte es gut mit ihm. Im August 1943, einen Tag, bevor die Russen ein zweites Mal die Stadt Charkow einnahmen, diesmal jedoch endgültig, wurde mein Vater zum Abschluss der SS-Ausbildung nach Klagenfurt abberufen. So überlebte er, im Gegensatz zu den allermeisten anderen seiner Kompanie. Nichts als Zufall auch, dass mein Vater nicht Ende 1944 in der Schlacht um Budapest fiel, kurz zuvor wurde er ausgegliedert, um mit einer Kompanie den Plattensee zu sichern. Zu der im Übrigen, wie ich sehr viel später erfuhr, auch der Vater von Roland Bless gehört hatte, dem ehemaligen Schlagzeuger der Band PUR.

Meine Eltern verlobten sich zu Weihnachten 1944. Mein Vater hatte Urlaub erhalten und war für die Feiertage nach Guben zurückgekehrt. Die Lehmanns zeigten sich einverstanden mit der Wahl ihrer Tochter, vielleicht spielte es eine Rolle, dass Rudi Kunze mittlerweile nicht mehr Sohn eines Kohlenhändlers, sondern dekorierter SS-Untersturmführer war. Ringe gab es keine, die Großeltern liehen ihre eigenen Eheringe dem jungen Paar für die Feier aus. Dafür konnte echter Champagner getrunken werden. Gerdas Bruder Heinz, ein Unterfeldwebel bei der Luftwaffe, hatte ihn in Frankreich aufgetan und für einen ganz besonderen Anlass mit nach Hause gebracht. Als die Flasche geöffnet wurde, war der Bruder meiner Mutter, der rein äußerlich dem Idealbild des großen, blonden deutschen Soldaten verdammt nahegekommen ist, jedoch schon ein halbes Jahr tot. Bei einem Routineflug in Frankreich war er kurz nach dem Start abgestürzt, meine Mutter sprach mir gegenüber stets von einem Sabotageakt der Résistance. Heinz Lehmann wurde in Südfrankreich bestattet, 1977 haben wir sein Grab besucht, eines von unzähligen anderen auf einem riesigen Soldatenfriedhof. Meine Mutter hatte ihren Bruder vergöttert. Dass sie darauf bestand, mir seinen Vornamen zu geben, zeigt mir die großen Hoffnungen, die sie für mein Leben hegte. Dieses Mal sollte alles gutgehen.

Im Januar 1945 sahen sich meine Eltern noch einmal wieder, nun schon als Verlobte, nur wenige Stunden blieben ihnen. Mein Vater hatte sie dem Gehorsam gestohlen, denn er war auf dem Weg zu seiner Kompanie kurzerhand aus dem Zug gestiegen, ein winziger Aufschub, bevor es weiter nach Ungarn ging. Der Abschied fand am Gleis statt, eine letzte Umarmung, dann wurde die Zukunft ungewiss. Meine Eltern sollten sich erst wiedersehen, als die Zeit über all das, was sie einmal gekannt und geteilt hatten, hinweggegangen war.

Die letzten Kriegstage, Tage des sinnlosen Endkampfs, erlebte mein Vater in Wien, der Flughafen Schwechat sollte gegen die heranrückende Rote Armee verteidigt werden. Er war neunzehn, als er einen sowjetischen Panzer abschoss und die Soldaten darin sterben sah, auch diese Erinnerung ließ ihn später wieder und wieder schreiend aus dem Schlaf hochfahren. In Wien gab es keine SS-Oberen mehr, sie hatten sich aus dem Staub gemacht oder waren vor den Augen meines Vaters gefallen. Auf einmal galt er als der Ranghöchste, und es war an ihm, die noch Verbliebenen schließlich an die siegreiche sowjetische Armee zu übergeben. Ein Moment, der in seiner lakonischen Absurdität auch in Louis-Ferdinand Célines fantastischem Roman Reise ans Ende der Nacht am Platz gewesen wäre. Die Kapitulation, mein Bruder schildert das in seinem Buch, erfolgte am Rand eines Feldwegs. Ein sowjetischer Offizier trat meinem Vater entgegen, er konnte Deutsch und schaffte es mit einem einzigen Satz, auch noch die letzten Reste von Hitlers Wahngebäude einstürzen zu lassen: »Jetzt sind sie da, die Mongolen.«

Vielleicht war es dieser Offizier, vielleicht auch ein anderer, der meinen Vater davor bewahrte, von betrunkenen Rotarmisten noch an Ort und Stelle erschossen zu werden. Der Offizier sprang von seinem Geländewagen, ohrfeigte seine Untergegebenen und nahm ihnen die Waffen ab. Dann sagte er, wiederum auf Deutsch, damit mein Vater ihn verstehen konnte: »So etwas machen wir nicht. So etwas machen nur die Faschisten.« Letztlich verdanke ich diesem Mann und seiner Lektion in Sachen Menschlichkeit mein Leben.

Elf Jahre hat mein Vater in sowjetischer Kriegsgefangenschaft verbracht. Irgendwann in diesem schier endlosen Strom der Tage muss, so stelle ich es mir vor, der Punkt gekommen sein, an dem ihm der Ausnahmezustand zum Alltag geworden ist. Mein Vater im wechselnden Licht der Jahreszeiten, an Orten, die ich in meinem Leben niemals sehen werde und deren Namen ich höchstens aus russischen Romanen kenne. Ein Gefangener, dem langsam die Jugend abhandenkommt, wenn auch vielleicht nicht die Hoffnung auf eine Rückkehr nach Hause, vielleicht ist die ihm immer geblieben, die ganze Zeit, aber was weiß ich schon. Denke ich an die Gefangenschaft meines Vaters, fallen mir Details ein, die er mir erzählt oder die mein Bruder in so großer Fülle zusammengetragen hat. Ich rufe sie mir ins Gedächtnis und versuche, sie zu einer Geschichte zusammenzusetzen, denn ich möchte mir diese elf Jahre verständlich machen. Es gelingt mir nicht. Nie ergibt sich ein Ganzes. So bleibt es bei Einzelheiten, hinter denen das Vergehen der Zeit, bei meinem Vater in Russland, bei meiner Mutter in Guben, fast unsichtbar wird.

Ein Zug, der von Rumänien an die Wolga fuhr, dann ein Fußmarsch zum ersten Gefangenenlager, dem noch so viele folgen sollten. Astrachan im Süden von Russland. Neben dem Lager eine große Schiffswerft, doch meinen Vater hatte man für die Gärtnerei-Kolchose eingeteilt, er verbrachte seine Tage zwischen langen Reihen von Tomatenbeeten und Pfirsichbäumen. Bald wurde er Brigadeführer, sein Trupp bestand aus neunzig Mann, der russische Aufseher mochte es, wenn sie sangen, von den Texten der Lieder verstand er nichts, zum Glück. Geschlafen wurde in Baracken, gestorben ebenso, denn das Trinkwasser war voller Keime, mein Vater gehörte zu jenen, die mithalfen, die Toten in die Gräber zu legen.

Drei Jahre dauerte das, was im offiziellen sowjetischen Sprachgebrauch »Untersuchungshaft« hieß, die eigentliche Verurteilung ließ auf sich warten, erst 1948 wurde mein Vater dem Militärtribunal vorgeführt. Die Urteile glichen einander, daher waren sie schnell gefällt, sieben Jahre Zwangsarbeit für Rudi Kunze, zu verbüßen im Gefängnis von Astrachan. Zwei davon, die ersten, vergingen kaum. Zu siebt waren die Häftlinge in kleinen Kellerräumen eingeschlossen, sie hatten nichts zu tun, nichts zu hoffen. Sie aßen feuchtes Brot, mittags gab es etwas Suppe, zum Glück war dieses Mal das Wasser abgekocht. Nach zwei Jahren setzte man meinen Vater in einen Gefangenentransport, der Zug fuhr weiter und immer weiter nach Osten, da hatte das neue Jahrzehnt gerade begonnen, und Deutschland, das waren nun gleich zwei Staaten.

Mein Vater kam nach Jekaterinburg am Ural, dann nach Westsibirien. Die Gefangenen arbeiteten in Bergwerken oder in der Industrie, wie eingefroren war die Zeit, nicht nur aufgrund der extremen sibirischen Temperaturen. In den kalten Suppen schwammen noch gefrorene Kohlstücke. Später, im Zivilleben, sollte mein Vater, der gewiss kein Gourmet war, bei jeder Mahlzeit auf vorgewärmten Tellern bestehen. Nie mehr wollte er etwas essen, das ihm nicht heiß genug erschien.

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