Sie traten in einen tristen Wohnblock ein und stiegen die Treppe nach oben in eine extrem kleine Wohnung, die nach Armut stank. In der Zwischenzeit ist es Abend geworden und Lina hat eine zehnstündige Reise hinter sich. Sie fühlt sich müde, aber innerlich unruhig.
»Komm, zieh deine Klamotten aus, wir gehen jetzt duschen!«
»Ich will mich aber nicht ausziehen«, sagt Lina fast schon panisch.
Nur bei dem Gedanken, dass sie nackt vor einem Fremden steht, wurde ihr schlecht.
»Hör auf mit dem Theater«, sagt Erwin mit lauter Stimme und fängt an, Lina auszuziehen.
Lina wehrt sich nicht, sie hat Angst, fühlt sich so schwach, dass sie alles über sich ergehen lässt wie eine Marionette.
Sie schämt sich, kann aber nichts dagegen tun.
Sie steigt in die Dusche, Erwin, der sich ebenfalls schon ausgezogen hat, steigt dazu und fängt an, Lina zu waschen, insbesondere zwischen ihren kleinen Beinchen. Komplett starr wartet Lina darauf, dass alles vorbei ist.
»Anziehen und ab ins Bett!«, ruft ihr Erwin entgegen.
Lina geht ins Bett, Erwin schaltet das Licht aus und legt sich zu ihr. Er presst seinen Körper an Linas und legt seine Hand zwischen ihre Beine.
»Gute Nacht, träum was Schönes.«
Lina ist ängstlich, alles fühlt sich ganz falsch an.
Ihr Großvater hat sie niemals intim berührt und sie spürt, dass irgendetwas ganz und gar nicht stimmt. Sie kann nicht einschlafen und traut sich nicht, sich zu bewegen, irgendwann schläft sie dennoch ein.
»Lina steh auf, genug geschlafen.«
Lina öffnet die Augen und von einer Sekunde auf die andere erinnert sie sich an den letzten Abend, sie spürt, wie ihr schlecht wird und läuft schnell ins Bad, um sich zu übergeben.
»Was ist los mit dir, bist du schwanger?« Der Vater lacht lauthals und denkt, dass er einen guten Witz gemacht hat.
Vor lauter Schreck kann Lina nicht antworten. »Was wäre, wenn sie wirklich schwanger wäre?«
»Wäre das möglich?« In ihrer Familie spricht niemand über solche Dinge, dieses Thema war immer tabu.
Sie hat ein paar Freundinnen, diese reden aber nur über Puppen, Prinzen und Prinzessinnen.
Mit ganz leiser Stimme fragte sie ihn.
»Kann es sein, dass ich schwanger bin?«
Erwin fängt an zu lachen. »Du bist so dumm wie deine Mutter. Ich frage mich, ob du überhaupt mein Kind bist, denn charakterlich und äußerlich sind wir uns überhaupt nicht ähnlich.«
Das tat weh und Lina versteht nicht, was sie falsch gemacht hat. Sie wünscht sich nur, wieder zu Hause zu sein.
»Ich muss noch etwas erledigen und komme erst am Abend wieder zurück. Eine Bekannte von mir wird auf dich aufpassen.«
Lina freut sich über diese Nachricht und atmet auf.
Der Tag verging wie im Flug, die Bekannte war nett und erzählte ihr viele Geschichten, sie blieb auch über Nacht. »Dein Vater kommt leider erst morgen wieder zurück.«
»Warum leider?«, fragt sich Lina, denn sie freut sich darüber und ist erleichtert.
Am Morgen kam Erwin wieder zurück. »Pack deine Sachen, ich fahre dich nach Hause.«
»Super danke, ich freue mich.«
»Froh? Wieder in dem dreckigen Nest zu sein? Du bist wirklich ein Schwachkopf«, verspottete er sie. Lina blieb ruhig, er konnte sagen, was er will, sie freute sich nur auf zu Hause.
Wieder zehn Stunden Reisen und Selbstgespräche von Erwin …
Endlich zu Hause angekommen, rennt Lina in die Arme der „guten Mutter“. Dieser bekannte und geliebte Geruch und das Gefühl von Geborgenheit, das hat Lina sehr vermisst.
»Wir sind da und ich muss mit dir reden«, sagte er zur Großmutter.
»Sicher, kommt rein. Ich bin so froh, dass ihr wieder da seid.«
»Ich war etwas besorgt, schade dass wir kein Telefon besitzen, denn sonst hätte ich mich vergewissern können, dass alles in Ordnung ist.«
Wenn die Großmutter wüsste, was alles passiert ist.
Sie wird es aber niemals erfahren. Das wird Linas Geheimnis bleiben, weil sie sich dafür schämt und weil ihre Großmutter sicher verärgert wäre. Sie liebt sie abgöttisch und möchte ihr keinen Kummer bereiten.
Lina geht in ihr Zimmer und belauscht das Gespräch aus der Ferne.
»Ich muss berichten, dass ich ganz enttäuscht von Lina bin. Sie redet kaum etwas und ist sehr introvertiert. Ihr Benehmen ist nicht das eines glücklichen Kindes. Ich glaube, dass sie psychische Probleme hat und die Gene ihrer Mutter geerbt hat.«
Die Großmutter zog eine Augenbraue hoch und musste erstmal schlucken. »Wie kannst du so etwas behaupten?«, fragte sie ihn mit zittriger und weinerlicher Stimme. »Lina ist empfindlich, aber ein ganz gutes und liebes Kind. Es war bestimmt nicht einfach für sie, mit einem Fremden so eine weite Reise machen zu müssen.«
»Man wird sehen, wie sie sich entwickelt«, sagte er mit einer arroganten Stimme. Die Tür öffnete sich und Erwin verabschiedet sich.
»Wiedersehn«, sagte Lina mit schwacher Stimme.
Die Tür fiel ins Schloss und Lina konnte endlich wieder aufatmen. »Der böse Mann ist weg.« Sie lachte und lief durchs Haus.
»Lina, ich bin so froh, dass du wieder da bist, wie war es?«, fragte die Großmutter neugierig.
»Es hat mir nicht gefallen.« Lina erzählt ihr alles, bis auf das Geheimnis. Dieses bleibt versteckt. In einem kleinen Kästchen, ganz tief in ihrer Seele.
Sie hofft, dass der böse Mann nie wieder zurückkommt.
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