Julia Jessen - Die Architektur des Knotens

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Yvonne und Jonas sind ein gutes Paar. Sie kümmern sich liebevoll um ihre Kinder, sie haben einen großen Freundeskreis, sie verstehen sich, beide sind berufstätig, teilen sich die Aufgaben. Warum Yvonne immer mehr das lähmende Gefühl hat, nur noch zu funktionieren, ist ihr selbst rätselhaft. Nur die Gewissheit, dass es so nicht weitergehen kann, die wird immer stärker.
Nach einem Fest geht sie mit einem der jüngeren Gäste noch in eine Bar. Und schläft mit ihm. Aber warum musste sie es ihrem Mann erzählen? Warum dann ihre Familie verlassen? Warum etwas zerstören, was sie perfekt aufgebaut hat? Um dem wunschlosen Unglück, der stillen Zerstörung zuvorzukommen, die man oft erst bemerkt, wenn es zu spät ist?
Julia Jessen erzählt schmerzhaft genau von Konflikten, in denen viele sich wiederfinden, auch wenn sich nur wenige so radikal damit konfrontieren. Und sie erzählt davon, wie eine Familie wieder zusammenfindet, auch wenn es nicht mehr so ist, wie es mal war.

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Als ich wieder an der Galerie vorbeihaste, sehe ich den Galeristen von hinten. Er hat die Hände in die Hüften gestemmt und unterhält sich mit einer Frau, die unter jedem Arm einen Hund trägt.

Ich möchte mein rosa Kleid anziehen und mich danebenstellen. Passiv aggressiv. Also noch mal anders. Ich möchte ein Leben haben, in dem es Sinn macht, ein rosa Kleid anzuziehen und sich danebenzustellen. So rum.

Ich bin doch da! Oder etwa nicht? Bin ich doch. Warum will ich mir ein Kleid anziehen und mich danebenstellen. Neben Bilder. Neben Galeristen. Neben mich. Was soll denn das?

Freitag fahren wir los. Zu Sven und Mille, zu Ellas Taufe, nach Kopenhagen.

Ich freue mich darauf. Ich freue mich hauptsächlich darauf, wegzufahren. Mit Jonas und den Jungs. Keine Ahnung, ob ich das rosa Kleid anziehen werde.

3

ICH WACHE AUF UND FINDE,dass ich in einer merkwürdigen Position liege.

So gerade und steif, so wie eine Tote. Wie eine Tote, die man mit einem Zettel am Zeh aus einem Kühlregal gezogen hat, denke ich. Ich liege einfach nur da und hab dieses Bild von mir im Kopf. Wie ich so liege. Bewegungsunfähig.

Mein Kopf sinkt auf die linke Seite und ich kann den Regen sehen, der an der Fensterscheibe herunterläuft. Und die Sonne dahinter. Ein kurzer Blick nach rechts, auf den Wecker, kurz nach acht. Ich drehe den Kopf wieder zum Fenster. Regen an Fensterscheiben ist etwas, was mich an früher erinnert. Lange Autofahrten. Das Auto meiner Eltern. An einen verklebten Bauch von zu vielen Süßigkeiten.

In Gedanken fahre ich mit dem Finger die Bahnen der Regentropfen nach. In solchen Dingen konnte ich früher versinken, die Zeit vergessen.

Zeit ist kein guter Spielkamerad mehr, finde ich. Früher hat sie sich vor mir ausgebreitet wie Phantasien in der Unendlichen Geschichte . Unendlich eben. Zeit war etwas Dehnbares und gleichzeitig war sie zusammenfaltbar. Man konnte in ihren Falten verschwinden, die ganze Welt konnte man darin verschwinden lassen, einen Stein im Garten umdrehen und eine Welt aus Tausendfüßlern und Spinne neiern war plötzlich das Eingangstor in eine völlig neue Zeitzone.

Zeit war ein dehnbarer Begriff. Noch gar kein Begriff eigentlich. Im Grunde war sie ohne Bedeutung. Ich sollte aufstehen.

Jetzt ist Zeit etwas, wogegen ich ständig kämpfen muss. Sie läuft mir davon, sie geht einfach vorbei, ohne sich zu verabschieden. Manchmal stehe ich im Wohnzimmer und stelle fest, dass mir schon wieder mehrere Jahre abhanden gekommen sind. Einfach weg. Regen ist kein Schlupfloch mehr, durch das ich ihrem Takt entgehen, bei dessen Betrachtung ich ihr unbeirrbares, stoisches Ablaufen vergessen könnte. Es ist einfach nur Regen. Er läuft an meiner Schlafzimmerscheibe herunter, und ihn dabei zu betrachten, macht mich nervös. Ich muss wirklich aufstehen.

Weil ich Salate machen muss. Zwei. Für den einen muss ich vorher noch Kartoffeln kochen. Inge hat mich gestern angerufen. Wenn Jonas’ Mutter mich anruft, geht es meistens um Essen. Zwei Salate soll ich mitbringen. Wir grillen heute. Ich denke kurz über all das Müssen und Sollen nach, das ständig in meinen Gedanken vorkommt, aber ohne wirkliches Ergebnis.

Ich schaffe es nicht aufzustehen.

Vielleicht ist es so, denke ich, seit wir die Zeit in Uhren gesperrt haben. Dass wir ihrer nicht mehr wirklich Herr werden können. Sie gehört uns nicht mehr.

Ich bin unsagbar müde. Die Müdigkeit ist das Schlimmste.

Jonas schläft, seine Arme liegen verschränkt hinter dem Kopf, als würde er für ein Foto posieren. Da ist kurz der Impuls, ihm durchs Haar zu streichen, das tue ich aber nicht. Weil ich keine Zeit dafür habe. Weil ich Salate machen muss.

Nachdem ich ihn eine Weile betrachtet habe, werde ich unruhig. Ich verfolge die Minuten, wie sie vorbeigehen. Minutenblasen, gefüllt mit Gedankenschrott. Ich kann ihnen dabei zusehen, wie sie vergehen. Sie zerplatzen wie Seifenblasen, wenn ihre Zeit um ist. Plopp, das war’s. Wieder eine Minute. Vorbei.

In meinem Kopf habe ich schon den Herd angemacht, Kartoffeln aufgesetzt und fange gerade an, die Tomaten kleinzuschneiden. In Wirklichkeit liegen meine Hände still zwischen meinen Oberschenkeln und sind kalt.

Inge hatte gesagt: Einen Tomatensalat bitte und einen Kartoffelsalat bitte … Keine Ahnung, ob sie wirklich »Bitte« gesagt hat. Ich hoffe, sie hat Bitte gesagt.

Jonas schnarcht. Der Wecker summt leise.

Seine Haare sind wild, sein Mund steht halb offen. Ist er ein schöner Mann? Was ist ein schöner Mann? Meine Gedanken schweifen von ihm weg, weil ich darüber nachdenke, was ich eigentlich unter einem schönen Mann verstehe. Ich stelle fest, dass ich das nicht mehr so genau weiß. Es hat was mit Lässigkeit und Kraft zu tun. Jonas hat beides, auch wenn er jetzt schnarcht. Ich werde ihn schlafen lassen, wie immer.

Kartoffeln aufsetzen, denke ich, beweg mich aber nicht. Mein Körper fängt leicht an zu zittern. Ich glaube, ich bin wütend. Darüber, dass er den Wecker nicht hört. Dann darüber, dass ich jemand geworden bin, der deswegen wütend wird. Und dann über die Machtlosigkeit, gegen dieses Gefühl nicht mehr anzukommen. Nur noch Punkte von einer Liste abzuhaken.

Was kann er dafür, denke ich. Meine Hände schmerzen.

Ohne es zu merken, haben sich meine Finger zwischen den Oberschenkeln verdreht und zusammengepresst, so fest, dass es jetzt wehtut. Langsam ziehe ich sie aus der Umklammerung meiner Beine und spüre, wie das Blut zurückfließt. Das warme, stechende Prickeln fühlt sich gut an. Für einen kurzen Moment fühlen sich meine Hände lebendig an. Sie sind ganz da. Dann verschwindet das Gefühl wieder, als wäre nur ein Schatten über sie hinweggewandert.

Niemand nennt mich mehr Yv. Alle sagen Yvonne. Alle, die mich Yv genannt haben, sind nicht mehr in meinem Leben. Außer Jonas. Ich weiß auch gar nicht mehr, wer Yv ist.

Als ich in der Cocktailbar Drinks gemixt habe, und das ist über fünfzehn Jahre her, stelle ich erstaunt fest, als ich nachrechne, da haben mich alle Yv genannt.

Ich versuche, mich an die Yv zu erinnern, die hinter dem Tresen stand. Ich erinnere mich aber mehr an ein Gefühl der Unversehrtheit. Etwas war anders.

Ich bin mir sicher, dass ich im Grunde von nichts eine wirkliche Ahnung hatte. Aber es hat sich nach mehr angefühlt … weil ich mich in jede Richtung bewegen konnte. Weil ich unfertig war. Jetzt gibt es eine fertige Version von mir. Eine, die ich sein sollte, bleiben muss. Angekommen. Wiedererkennbar. Eingefroren.

Ich versuche, mich an damals zu erinnern, und denke tatsächlich, es war poetisch. Darüber muss ich fast lachen. Ich sollte besser aufstehen jetzt.

Ich erinnere, dass ich Gedichte auf kleine Zettel geschrieben habe. Auf die Blöcke, auf denen wir die Bestellungen der Gäste notiert haben. Gedichte auf Zetteln.

Das war Yv. Yv hatte immer ein goldenes Stirnband im Haar. Nichts Sportliches, eben so … wie eine Elfe. Ich wäre wirklich ganz gern eine Elfe gewesen. Ich mochte die zarten Körper, die durchsichtigen Flügel, in denen man das zarte Gerüst erkennen kann.

Durchlässige Membranen. Naturgeister. Feinstoffliche Wesen. Etwas, das vom Wind davongetragen werden kann. So wollte ich mich fühlen, so durchlässig wollte ich sein. So ausgesehen habe ich bestimmt nicht.

Jetzt bin ich eine Mauer. Eine Wand. Eine, die dem Wind standhält. Vielleicht ist das auch gut. Vielleicht bin ich einfach nur undankbar. Jonas war eines Tages in der Bar aufgetaucht, in einem langen grünen Mantel, den ich seltsam fand. Den ganzen Mann fand ich seltsam. Er trug Sweatshirts und darüber immer diesen Mantel. Er setzte sich hin, bestellte Gin Tonic und ging als Letzter.

Flo, der mit mir hinterm Tresen gearbeitet hat, hat mir erzählt, dass Jonas von seiner dicken Freundin verlassen worden ist, von der dicken hässlichen Anja, hat er gesagt und dabei die Augen verdreht. Keine Ahnung, warum ausgerechnet das Jonas für mich interessant gemacht hat.

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