Christian M. Nein, nie, überhaupt nicht.
Götzl Was haben Sie noch in Erinnerung?
Christian M. Na ja, Frau Zschäpe sah damals ähnlich aus wie heute. Uwe Böhnhardt hatte schon was Gruseliges als Tattoo: einen Stahlhelm und einen Totenkopf. Er sagte, das seien Jugendsünden. Aber der Umgang mit ihnen war freundlich. Wir haben sogar mal zu Hause ein Paket von ihnen bekommen mit Thüringer Würstchen. Weil wir mal gemeinsam gegrillt hatten. Die waren lecker.
Das Paket kam aber ohne Absender; wir hatten die Adresse des Trios auch nicht. Wir haben uns oft mit Liese über die DDR-Zeit unterhalten. Sie sagte, sie sei gemeinsam mit Max in der Schule gewesen.
Götzl Wurde Alkohol getrunken?
Christian M. Max und Gerry haben keinen oder kaum Alkohol getrunken, Liese schon mal einen Wein.
Götzl In der polizeilichen Vernehmung haben Sie gesagt, Liese habe das Geld verwaltet.
Christian M. Das weiß ich jetzt gar nicht mehr so genau. Ich kann mich nur erinnern, dass sie immer bar bezahlt haben. Und ich weiß noch, dass Max mal ein Surfbrett und ein Segel in bar bezahlt hat. 600 und 300 Euro. Das hat mich gewundert. So viel Bargeld hätte ich nie dabei, das hätte ich immer mit Karte bezahlt.
Anwältin Başay Wer von den dreien ist denn das Auto gefahren?
Christian M. Der Gerry, immer.
Anwältin Başay Sind Sie da mal mitgefahren? Und ist Ihnen dabei was aufgefallen?
Christian M. Er ist immer sehr vorsichtig gefahren. Auf gar keinen Fall zu schnell. Er hat gesagt, als Berufskraftfahrer will er nicht, dass sie seinen Führerschein kassieren.
(Nächste Zeugin ist seine Ehefrau, Karin M.)
Karin M. Es war eine lockere Bekanntschaft. Sie haben uns angesprochen. Wir haben mit ihnen gegrillt, Badminton am Strand gespielt oder sind gemeinsam einkaufen im Aldi gegangen. Frau Zschäpe war immer die Hauswirtschaftlerin. Sie hat Salat geschnippelt, Schaschlik gesteckt. Max war der sportliche Typ, Gerry der handwerkliche; er hat auch das Grillen übernommen. Sie hat die Jungs bemuttert. Und das Geld hat sie auch verwaltet, das war ganz klar. Ganz zu Anfang haben sie uns erzählt, dass alle in eine Urlaubskasse einzahlen und Frau Zschäpe das Geld verwaltet. Die Geldbörse war eigentlich immer reichlich gefüllt.
(Es folgt Ursula S., die mit ihrer Familie im Urlaub ebenfalls neben Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos kampiert hatte.)
Ursula S. Wir haben die drei 2007 im Urlaub auf Fehmarn kennengelernt. Sie haben gefragt, ob wir mit ihnen Doppelkopf spielen, was wir dann auch gemacht haben. (Bis 2011 hat Familie S. dann jedes Jahr zusammen mit Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt Urlaub gemacht.) Sie haben uns auch drei, vier Mal zu Hause besucht. Im August 2009 waren sie beim 17. Geburtstag unserer älteren Tochter mit dabei. Da haben sie auch bei uns übernachtet. Liese bei unserer jüngeren Tochter im Zimmer, die beiden Männer im Keller. Die drei waren sehr freundlich, sehr sympathisch. Den meisten Kontakt hatte ich zu Liese. Wir haben im Urlaub auch mal was alleine gemacht. Max hat sehr, sehr, sehr viel Sport gemacht und sich mit Computerzeitschriften und seinem Laptop beschäftigt. Gerry war eher ruhig, introvertiert, eher handwerklich aktiv. Er fuhr gerne mit seinem Paddelboot allein aufs Meer raus, teilweise über Stunden. Da war die Sorge von Liese, dass er heil zurückkommt, immer sehr groß. Sie haben viel mit unseren Kindern unternommen. Gerade Liese hat sich sehr viel mit unseren Töchtern unterhalten. Über Schule und übers Erwachsenwerden. Die drei machten untereinander einen sehr harmonischen Eindruck. Ich hatte eher den Eindruck, dass Liese und Gerry ein innigeres Verhältnis hatten. Aufgrund ihres Austauschs von Berührungen. Liese hatte ein Portemonnaie mit vielen Scheinen. Ich habe keinmal gesehen, dass die Männer bezahlt haben. Wenn wir zusammen waren, hat sie immer für die drei bezahlt. Über Politik haben wir fast gar nicht gesprochen. Einmal hat Max erzählt, dass er früher in der DDR viel Blödsinn gemacht hat und deshalb nicht studieren konnte.
(Der nächste Zeuge ist Wolfgang S., ihr Ehemann.)
Wolfgang S. Wir haben ihnen vertraut. Ich konnte das gar nicht fassen, als wir das im November 2011 mitbekommen haben. Ich war wirklich erschüttert. (Er berichtet von den Besuchen der drei bei ihnen in Niedersachsen.) Im Februar 2011 sind sie völlig überraschend vorbeigekommen. Sie sagten, sie würden eher an die Ostsee fahren und noch einen Freund in Hannover abholen. Wir haben ihnen so sehr vertraut, dass wir die Kinder mit Gerry im Motorboot fahren ließen. Die drei hatten einen sehr engen Kontakt zu unseren Töchtern. Sie haben immer »Siedler von Catan« gespielt. Unsere ältere Tochter war wegen der ganzen Sache einige Male zur psychologischen Beratung. Sie macht sich Vorwürfe, ob man irgendwas hätte merken können. Unsere jüngere Tochter mag da gar nicht drüber reden. Wir wurden da schwer enttäuscht und getäuscht auch. Rückblickend muss man sagen, das war ein tolles Schauspiel. Die drei haben das gut inszeniert.
(Wolfgang S. verlässt den Saal. Zschäpes Verteidiger Stahl gibt eine Erklärung ab.)
Verteidiger Stahl Der Generalbundesanwalt gründet den Vorwurf, dass Frau Zschäpe die Aufgabe zugekommen sein soll, die Tatbeute zu verwalten und die finanziellen Verpflichtungen nach außen zu regeln, im erheblichen Maße auf die Angaben der Urlaubsbekanntschaften. Die Befragungen heute haben ergeben, dass es um den Einkauf von Lebensmitteln und um das Bezahlen gemeinsamer Essen aus der Urlaubskasse ging. Zschäpe hat also wohl die Urlaubskasse verwaltet. Aber tragfähige Schlüsse auf eine Verwaltung der Tatbeute lassen sich daraus nicht ziehen. Nach Aussagen der Zeugen trugen auch die anderen beiden große Mengen Bargeld bei sich, das zeigt das Einzahlen in die gemeinsame Kasse und der Kauf eines Surfbretts, eines Segels und eines Schlauchbootes.
27. November 2013
Manfred Götzl, Richter. Stefan Apel, 39, Beate Zschäpes Cousin. Er sagte auch an Tag 62 aus. Annerose Zschäpe, 61, Mutter von Beate Zschäpe. Edith Lunnebach, Mustafa Kaplan, Anwälte der Nebenklage.
Götzl Herr Apel, sind Sie verwandt oder verschwägert mit den Angeklagten?
Apel Ja, mit einer. Mit meiner Cousine.
Götzl Berichten Sie uns, wie Sie aufgewachsen sind. Wie waren die familiären Verhältnisse? Wie war das Verhältnis zu Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos?
Apel Wir sind zusammen aufgewachsen, Beate und ich, wie in normalen Familien auch. Beate war dann mehr bei unseren Großeltern gewesen, als sie mit Uwe Mundlos zusammen war. Mit meiner Tante hatte sie sich ein bisschen zerstritten. Was direkt da los war, weiß ich nicht.
Götzl Wo sind Sie aufgewachsen? Wo ist Frau Zschäpe aufgewachsen?
Apel Ich bin bei meinen Eltern aufgewachsen und sie bei ihrer Mutter. Wir haben in Jena-Nord gewohnt, und sie hat in Jena-Winzerla gewohnt.
Götzl Erläutern Sie uns die familiären Verhältnisse.
Apel Frau Zschäpes Mutter ist die Schwester meines Vaters.
Götzl Wie war das Verhältnis von Beate Zschäpe zu ihrer Mutter in der Kindheit?
Apel Weiß ich nicht, die Großmutter hat sie immer vom Kindergarten abgeholt. Ich war selber Kind, wie soll ich das beurteilen?
Götzl Wie hat denn der Kontakt zu Beate Zschäpe ausgesehen über die Zeit?
Apel In der Kindheit haben wir viel Zeit miteinander verbracht, später habe ich sie nur noch ab und zu getroffen, bei den Großeltern oder mal im Jugendklub.
Götzl Beschreiben Sie uns Ihre Cousine doch mal von ihrer Art her.
Apel Sie war ein lustiger Mensch, eigentlich immer. Zur Familie war sie immer lieb, nett, sympathisch. Also zu uns, meine ich. Mit ihrer Mutter hatte sie sich ja dann irgendwann zerstritten. Wieso, weshalb, warum, weiß ich nicht. Hat mich eigentlich auch nicht interessiert.
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