Monika M. Ja, die andere Frau war etwa gleich alt. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, dass gesagt wurde, dass es die Schwester war.
Götzl Sie sprachen bei der Polizei auch von mehreren Personen auf der Fensterbank.
Monika M. Das waren mehrere Männer, die haben da geraucht und auf dem Fensterbrett gesessen.
Götzl Wie viele Personen waren das?
Monika M. Weiß ich nicht.
Götzl Wie gut hat Ihre Tante eigentlich noch gesehen?
Monika M. Och, nicht mehr so gut. Sie hat eine Brille gebraucht, aber die lag dann immer irgendwo herum.
Götzl Und wie gut hat sie gehört?
Monika M. Sie hat schwer gehört, aber kein Hörgerät gewollt und deshalb den Fernseher immer sehr laut gehabt. Und da hab ich auch mal die Nachbarin, also die Frau Zschäpe, gefragt, ob sie das stören würde. Sie hat gesagt, es würde sie nicht stören.
Götzl Bei der Polizei haben Sie angegeben, dass Sie die Frau auch mal auf die neuen Türen angesprochen haben.
Monika M. Ja. Wie das genau war, weiß ich aber nicht mehr.
Götzl Sie haben bei der Polizei angegeben: Die Frau habe gesagt, dass sie die neuen Türen selbst eingebaut hätten. Sie habe gesagt, sie sei oft allein zu Hause und habe dann Angst.
Monika M. Ja, das stimmt.
Richter Kramer Haben Sie an den Fenstern der Wohnung irgendwelche Beobachtungen gemacht?
Monika M. Ab und zu war eine rote Lampe an. Da haben wir erst gedacht, die arbeitet in einem anderen Bereich. (Lacht.) Eine kleine rote Leuchte, die im Fenster stand. Wir haben immer gesagt, das ist ja merkwürdig. Heißt das: Der Nächste kann kommen?
Anwalt Scharmer Sie haben Folgendes zu Protokoll gegeben, ich zitiere: »Im Nachhinein muss ich sagen, dass die Frau den Tod meiner Tante in Kauf genommen hat.« Können Sie mir sagen, wie Sie zu dieser Aussage kommen?
Monika M. Sie wusste ja, dass meine Tante ganz schwer zu Fuß war. Und es hätte ja noch schlimmer ausgehen können.
Anwalt Schön Haben Sie an der Wohnung Blumenkästen gesehen?
Monika M. Ja, mit künstlichen Pflanzen.
Anwalt Schön Gab es da Veränderungen?
Monika M. Die letzte Zeit, wo das passiert ist, waren sie mal weg. Es hatte sich mal verändert. Es war alles künstliches Efeu. Da haben wir uns gewundert.
Saß Können Sie noch etwas sagen, wie das Verhalten war, wenn die drei zusammen waren?
Monika M. Immer lustig, war nie Streit oder so was.
Saß Hatten Sie den Eindruck, wie so die Stellung der drei zueinander war?
Monika M. Weiß ich nicht.
Saß Hat man das in der Siedlung eigentlich geglaubt? Dass die Frau da mit ihrem Freund und dessen Bruder zusammenwohnte?
Monika M. (windet sich) Ich wollte das so genau gar nicht wissen. Auf eine Art war es uns ja auch egal.
31. Juli 2013
Manfred Götzl, Richter. Oliver Peschel, 49, Rechtsmediziner aus München, der die Obduktion des Obst- und Gemüsehändlers Habil Kılıç vornahm, der am 29. August 2001 in München-Ramersdorf erschossen wurde. Peschel sagte auch an den Tagen 37, 232, 263 und 312 aus. Anna S., 67, Zeugin aus München. Yavuz Narin, Sebastian Scharmer, Anwälte der Nebenklage.
Peschel Ich habe am 29.8.2001 Habil Kılıç obduziert: Bei der Obduktion fanden sich zwei Schädeldurchschüsse. Der erste war ein Gesichtsdurchschuss. Der zweite Schusskanal war ein Durchschuss des Hirnschädels. In den oberen und tieferen Atemwegen fand sich reichlich Blut. Es ist zu einer ausgeprägten Bluteinatmung gekommen. Eine Erstickungskomponente kann eine Rolle gespielt haben. Die Blutalkoholbestimmung ergab 0,0 Promille, also keinen Hinweis auf eine Alkoholisierung zum Ablebenszeitpunkt. Es wurden auch keine Rauschmittel nachgewiesen.
Nach einem ersten Schuss in aufrecht stehender Körperposition ist Herr Kılıç offenbar im Fallen oder Liegen erneut von einem Schuss getroffen worden. Wir haben Hirngewebe an der Kasse gefunden. Der Gesichtsdurchschuss wäre medizinisch beherrschbar gewesen. Der Gehirnschädeldurchschuss ist medizinisch nicht beherrschbar. Auch wenn hier ein neurochirurgisches Operationsteam danebengestanden hätte, wäre diese Verletzung nicht überlebbar gewesen.
(Der Zeuge Peschel verlässt den Gerichtssaal, nächste Zeugin ist Anna S..)
Götzl Erzählen Sie uns vom 29. August 2001, was wissen Sie denn noch?
Anna S. Was ich noch weiß? Ich kann nur sagen, dass an dem Tag, es war Vormittag, ich wollte eigentlich lüften, und dann sehe ich, dass unter meinem Fenster zwei junge Männer mit schwarzen Rädern stehen. Ich wollte eigentlich schimpfen, weil man die Räder da nicht hinstellt. Aber ich hab dann die Vorhänge zugemacht und bin zurück in meine Wohnung. (Lacht verlegen.) Und jetzt wollen Sie wissen, wie die ausgeschaut haben, gell? (Lacht.)
Götzl Ja …
(Gelächter im Saal.)
Anna S. Junge Männer zwischen 22 und 26 Jahren, dunkle, kurze Haare. Sie haben ein Radldress angehabt, Mützen und Radlerhandschuhe. Und einer hat, glaube ich, einen Rucksack gehabt. Die Bilder, die da später immer gezeigt wurden: Ich kann mich nicht erinnern, dass die so ausgeschaut haben. Vor allem die Ohren an dem Kleineren, die sind mir nicht aufgefallen. Ich bin gelernte Schneiderin, und die sieht so was, wo’s passt und wo’s nicht passt.
Götzl Wie sahen die Mützen aus, die die jungen Männer trugen?
Anna S. Das waren runde schwarze Kappen.
Götzl Können Sie etwas zu den Fahrrädern sagen?
Anna S. Das waren schwarze Räder, mit dünnen Reifen.
Götzl Wie haben sich die beiden Männer verhalten?
Anna S. Recht ruhig. Sie haben keinen nervösen Eindruck auf mich gemacht.
Götzl Jetzt haben Sie gesagt, Sie wollten eigentlich schimpfen? Warum haben Sie es dann nicht gemacht?
Anna S. (Lacht.) Ich weiß auch nicht. Vielleicht weil sie sich unterhalten haben, da platzt man nicht dazwischen.
Götzl Ist Ihnen was zu sonstigen Merkmalen in Erinnerung geblieben?
Anna S. Sie waren unterschiedlich groß. Und ich hatte eher den Eindruck, dass es Osteuropäer waren.
Götzl Es waren ja Bilder in den Medien. Haben Sie die beiden wiedererkannt?
Anna S. Das waren die nicht. Unmöglich.
Götzl Haben Sie denn die Gesichter der Männer gesehen?
Anna S. Schon. Nicht die Augen. Auf mich hat es den Eindruck gemacht, dass die sehr gepflegt waren, und rasiert, normal eigentlich.
Götzl Aber in der Vernehmung am 29.8.2001 haben Sie gesagt: Die Gesichter der Männer sah ich nicht.
Anna S. Die Gesichtshaut schon. Ich hab nicht die Augenfarbe gesehen und nicht die Lippen.
Götzl Kannten Sie eigentlich Herrn Kılıç?
Anna S. Ja, ich hab dort eingekauft.
Götzl Sind Sie sich da sicher?
Anna S. Ja.
Götzl Ich frage nur wegen einer Protokollierung Ihrer früheren Aussage nach. Da heißt es: Den Herrn Kılıç kannte ich nicht näher, weil ich da nie einkaufe.
Anna S. Ich kannte ihn vom Sehen, nicht näher.
Anwalt Narin Haben Sie auch bei dem Größeren der beiden auf die Ohren geachtet?
Anna S. Nein, aber es hat mich irritiert, als ich die Bilder der Täter jetzt gesehen habe. Diese Ohren, das wäre mir hundertprozentig aufgefallen.
Anwalt Narin Warum haben Sie die beiden für Osteuropäer gehalten?
Anna S. Die Hautfarbe ist etwas dunkler gewesen. Ich hab früher viel mit Menschen zu tun gehabt, die nicht aus Deutschland kommen, ich war Objektleiterin in der Gebäudereinigung. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das unser Schlag war. Das ist mein Eindruck gewesen, und da gehe ich auch nicht weg.
Anwalt Scharmer Aber 2005 haben Sie in einer Vernehmung gesagt: Die beiden, die ich gesehen habe, sahen eher westeuropäisch aus.
Anna S. Nein, wenn ich den Eindruck habe, die sahen osteuropäisch aus, dann sag ich doch nicht westeuropäisch.
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