Thomas R. Die Explosion ist nicht beherrschbar, der Brand in der Größe genauso wenig. Dass sich der Brand nur auf die Wohnungseinrichtung bezieht, kann man vollständig ausschließen. Das Explosionsereignis hätte viel, viel schlimmer kommen können. Im Wohnzimmer war viel mit Benzin benetzt. Man hätte auch mit einer vollständigen Zerstörung von Haus 26 und 26 a rechnen können.
(Thomas R. verlässt den Gerichtssaal, es folgt die Zeugin Nadine R.)
Nadine R. Ich bin an dem Tag gegen 15 Uhr mit dem Auto stadtauswärts gefahren und in die Frühlingsstraße eingebogen. Hundert Meter weiter vor mir war überall weißer Rauch. Ich bin stehen geblieben und ausgestiegen, um zu sehen, was passiert ist. Ich sah Flammen und hörte es knistern. In dem Moment kam die Frau Zschäpe um die Ecke. Ich habe sie angesprochen, weil ich erschrocken bin. Ich rief: Hinter Ihnen brennt’s. Haben Sie das nicht gemerkt? Wir müssen die Feuerwehr alarmieren. Da hat sie sich erschrocken und blitzartig umgedreht. Und ist in die Richtung, aus der sie gekommen ist, wieder zurückgelaufen.
Götzl Hat Frau Zschäpe was geantwortet?
Nadine R. Sie hatte zwei Katzenkörbe in der Hand, die hat sie auf den Fußweg gestellt. In dem Haus wäre noch ihre Oma, sie müsse noch mal schauen, sagte sie. Sie hat eine Nachbarin gefragt, ob sie ein paar Minuten auf die Katzen aufpassen könnte. Dann ist sie zurückgelaufen.
Götzl Sie haben ausgesagt: Ich dachte mir, das wird sie wohl nicht allein schaffen, ihre Oma da rauszuholen.
Nadine R. Stimmt, das habe ich gedacht.
Götzl Ist Ihnen an Frau Zschäpe etwas aufgefallen?
Nadine R. Nein, nichts Außergewöhnliches.
Götzl An ihrem Gesichtsausdruck vielleicht?
Nadine R. Eigentlich war es ein freundlicher Gesichtsausdruck, entspannt. Er passte nicht zur Situation, man sah ja hinten schon den Rauch.
25. Juli 2013
Manfred Götzl, Richter. Antje H., 40, Nachbarin von Beate Zschäpe in der Frühlingsstraße in Zwickau.
Götzl Bitte berichten Sie uns, was Sie am 4. November 2011 erlebt haben.
Antje H. Ich bin an dem Tag etwa um 15 Uhr mit meiner Tochter in die Frühlingsstraße gefahren. Da habe ich gesehen, dass es gebrannt hat. Ich habe in der Einfahrt meiner Eltern geparkt. Auf der Straße habe ich die Frau getroffen, die in dem brennenden Haus gewohnt hat. Ich habe gefragt, was da passiert ist. Sie war erschrocken, hat zwei Katzenkörbe abgestellt und gefragt, ob ich mal kurz aufpassen kann. Dann ist sie um die Ecke Richtung Veilchenweg gegangen.
Götzl Was haben Sie zu der Frau gesagt, was hat sie geantwortet, können Sie sich daran erinnern?
Antje H. Genau kann ich mich nicht erinnern. Ich habe wohl gefragt: Was ist denn hier los? Die Frau hat einen erschrockenen Eindruck gemacht. Ich habe gedacht, vielleicht hat sie vergessen, den Herd auszuschalten.
30. Juli 2013
Manfred Götzl, Richter. Axel Kramer, Ergänzungsrichter. Monika M., 64, Nichte von Zschäpes Wohnungsnachbarin Charlotte Erber. Sie beobachtete, wie das Wohnhaus von Beate Zschäpe brannte und Zschäpe floh. Sebastian Scharmer, Reinhard Schön, Anwälte der Nebenklage. Henning Saß, psychiatrischer Gutachter.
Götzl Es geht uns um das Ereignis vom 4. November 2011. Erzählen Sie bitte!
Monika M. Mit einem Mal gab es einen dumpfen Knall, ich dachte, zwei Autos sind zusammengestoßen. Mein Mann ging ans Fenster und sagte: Gegenüber brennt’s. Ich habe sofort meine Tante angerufen, dass sie raus muss. Die hat das alles anfangs gar nicht begriffen. Am Abend mussten wir dann aber doch den Notarzt anrufen, sie hat da angefangen zu zittern. Der hat sie ruhiggestellt. Von einem Moment auf den anderen war sie obdachlos, mit ihren 89 Jahren.
Götzl Wie geht es denn Frau Erber heute?
Monika M. Sie hat sich nicht wieder richtig erholt. Das war ihre Traumwohnung. Jetzt ist sie im Seniorenheim. Sie hatte auch letztes Jahr noch eine Herzoperation, es geht ihr nicht besonders gut.
Götzl Wie war denn der Gesundheitszustand zum damaligen Zeitpunkt, am 4. November 2011?
Monika M. Laufen konnte sie schlecht. Sie hat sich viel hingelegt. Wir haben sie auch immer mit dem Rollstuhl abgeholt. Sie ist in ihrer Wohnung noch so langsam hin und her. Sie ist eben sehr langsam gelaufen. Und dann hat sie auch noch ein bisschen schwer gehört.
Götzl Hat sie Ihnen denn gesagt, was sie mitbekommen hat?
Monika M. Sie hat gesagt, sie habe gar nichts mitbekommen.
Götzl Also irgendeinen Knall oder so was?
Monika M. Nein, hat sie nicht gehört.
Götzl Wie häufig hat denn Frau Erber die Wohnung verlassen?
Monika M. Die hat sie eigentlich nur verlassen, wenn wir sie geholt haben.
Götzl Konnte sie sich denn noch selbstständig draußen fortbewegen?
Monika M. Also ganz langsam.
Götzl Hatte Sie Hilfsmittel?
Monika M. Sie hatte einen Rollator.
Götzl War sie auch mal ohne Rollator unterwegs?
Monika M. Nein, das konnte sie nicht mehr so.
Götzl Wenn wir jetzt zur Wohnung kommen, wo es gebrannt hat. Kannten Sie die Bewohner?
Monika M. Die Dame, ich wusste damals überhaupt nicht, wie sie hieß. Wir haben uns ab und zu unterhalten, sie war eigentlich sehr nett. Einmal hab ich sie bei der Sparkasse getroffen, und da haben wir uns über ihren Urlaub unterhalten, dass es sechs Wochen waren. Da hab ich gefragt, ob der Chef denn so lange freigibt. Da hat sie mir erzählt, sie würden das ansparen und könnten frei am Computer arbeiten.
Götzl Ist denn über Urlaubsziele gesprochen worden?
Monika M. Dass sie auf Fehmarn waren, das hat sie mir erzählt.
Götzl Hatten Sie die beiden Herren denn auch mal gesehen?
Monika M. Nö. Einmal hab ich sie gesehen, da haben sie eine Waschmaschine bekommen, da habe ich Hilfe angeboten, wir haben ja auch Männer, die helfen könnten. Aber die sagten, es wäre nicht so schwer.
Götzl Die Dame – wie hat sie sich Ihnen gegenüber verhalten?
Monika M. Sehr nett und freundlich, eine nette Person.
Götzl Hatte sie auch Kontakt zu Ihrer Tante?
Monika M. Sie hat auch mal gefragt, wie es geht. Aber direkt? Wüsste ich jetzt nicht.
Götzl Wie haben sich die Männer verhalten? Wie würden Sie die beschreiben?
Monika M. Am Fenster hab ich die mal gesehen, vor allem den Älteren. Die waren beide relativ groß, kurz geschnittene Haare. Dass einer älter war und einer jünger, das hat man gesehen.
Götzl Sie hatten berichtet, der eine war Ihnen als Freund und der andere als dessen Bruder beschrieben worden. Wussten Sie, wer wer war?
Monika M. Nee, das wusste niemand so richtig.
Götzl Haben Sie mal gesprochen, was die beruflich machen?
Monika M. Also alles über Computer von zu Hause aus. Aber was genau, das weiß ich nicht. Manchmal hat man durch die Wand auch Besuch gehört. Man hat gehört, dass die viel Spaß hatten.
Götzl Konnten Sie deren Fahrzeuge zuordnen?
Monika M. Einmal einen Van und dann das Wohnmobil. Das stand da länger gegenüber.
Götzl Wie lange?
Monika M. Ein paar Tage. Es hatte eine vogtländische Nummer.
Götzl Sie sind ja von der Polizei vernommen worden am 11.11.2011. Da ging es auch um das Wohnmobil. Ist denn dieses Wohnmobil umgestellt worden?
Monika M. Ja, es stand mal zur Seite und mal hinter dem Haus. Ich hab es immer stehen sehen. Ich hab noch zu meinem Mann gesagt: Dass die das da so stehen lassen! Einen Tag vor dem Brand habe ich es das letzte Mal gesehen.
Götzl In Ihrer Zeugenvernehmung bei der Polizei haben Sie angegeben, Sie hätten Frau Zschäpe mal in der griechischen Gaststätte, die im Erdgeschoss war, gesehen. Sie habe dort zusammen mit einer anderen Frau gesessen, die sie als ihre Freundin oder Schwester ausgegeben habe.
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