Einige Zeit später mussten die Schunemiterin und ihr Sohn nun also auswandern. Es war der Prophet Elischa, der der Schunemiterin und ihrem Sohn geraten hatte, mit ihrer Familie wegzugehen, um der Hungersnot zu entkommen. Es scheint ihm ein besonderes Anliegen gewesen zu sein, dass die Menschen genug zu essen hatten. Mehrmals kümmert er sich darum, dass Menschen nicht hungern müssen. In dem Kapitel der Bibel, in dem sich die Geschichte der Frau aus Schunem findet, gibt es zwei weitere Erzählungen über Menschen ohne Nahrung. Eine berichtet von einer sehr armen Witwe, die nichts mehr zu essen hatte. Ihr Gläubiger wollte ihr bereits ihre beiden Söhne wegnehmen und sie als Sklaven arbeiten lassen, um die Schulden ihres verstorbenen Mannes abzubezahlen. Aber Elischa half ihr, eine Lösung zu finden (2Könige 4,1-7). Am Ende des Kapitels versorgt er eine Gruppe von Propheten, die mit den Folgen der Hungersnot zu kämpfen hatten, mit Nahrung (2Könige 4,38-44).
Die Schunemiterin zog also mit ihrer Familie in das benachbarte Philisterland, wo es Nahrung gab. Sieben Jahre lang lebten sie dort als Migranten, obwohl die Philister eigentlich Feinde Israels waren. Vielleicht lernte sie neue Bräuche und neue Techniken kennen – und natürlich die andere Sprache. Denn die Philister waren kein semitisches Volk. Sie haben wohl eine indoeuropäische Sprache gesprochen. Sie waren berühmt für ihre Fertigkeiten in der Eisenherstellung und für ihre Kochkünste.
Aber wie so viele, die fern von ihrem Heimatland leben, wollte die Schunemiterin nach Hause zurück. Das war nicht so einfach. Sie musste ihr Haus und ihre Äcker zurückfordern, die sie durch ihren Weggang verloren hatte. Lesen Sie selbst, ob sie schließlich Erfolg hatte. (2Könige 8,1-6)
Elischa hatte der Frau, deren Sohn er wieder lebendig gemacht hatte, die Weisung gegeben: Zieh weg von hier und suche für dich und deine Familie anderswo ein Unterkommen! Denn der HERR schickt eine Hungersnot ins Land, die sieben Jahre lang anhalten wird.« Die Frau tat, was der Mann Gottes ihr befohlen hatte, und blieb mit den Ihren sieben Jahre im Land der Philister. Dann kehrte sie nach Israel zurück und wandte sich an den König, um ihr Haus und ihre Äcker zurückzubekommen.
Der König sprach gerade mit Gehasi, dem Diener Elischas. Er hatte ihn gebeten: »Erzähl mir doch von den Wundertaten, die Elischa vollbracht hat!« Und gerade als Gehasi ihm erzählte, wie Elischa einmal einen toten Jungen wieder lebendig gemacht hatte, erschien die Frau vor dem König und bat ihn um Hilfe wegen des Hauses und wegen der Äcker.
»Mein Herr und König«, sagte Gehasi, »das ist die Frau, deren Sohn wieder lebendig wurde, und hier ist auch ihr Sohn!« Da ließ sich der König noch einmal alles von der Frau selbst erzählen. Dann gab er ihr einen Hofbeamten mit und befahl ihm: »Sorge dafür, dass sie alles zurückbekommt, was ihr gehört. Und sieh zu, dass sie auch vollen Ersatz bekommt für alles, was man in den Jahren ihrer Abwesenheit auf ihren Feldern geerntet hat!«
Xenophobie ist die Angst vor Fremden oder Ausländern. Solche Fremdenfeindlichkeit gab es schon immer und gibt es auch unter uns heute. Um sich ihrer eigenen Identität zu vergewissern, lehnen Menschen oft alles Fremde ab. Auch wenn wir heute im Zeitalter der Globalisierung leben, stellen viele Gruppen immer ihre eigene Kultur ins Zentrum und lehnen den Einfluss anderer Kulturen ab. Tatsächlich hat die Fremdenfeindlichkeit unter den steigenden Zuwanderungszahlen in der heutigen Zeit sogar zugenommen. Das beeinflusst dann oft auch die offizielle Regierungspolitik.
Oft läuft es wie folgt ab: In einem Land kommen Menschen an, die z.B. vor Hunger oder Verfolgung geflohen sind. Sie bleiben und leben dort als Immigranten. Ihre Familien werden nach und nach größer. Sie halten an ihren eigenen Sitten und Bräuchen und an ihrer Sprache fest – bis zu dem Punkt, dass das Land, das sie aufgenommen hat, sie als Problem ansieht und sich bedroht fühlt. Die Fremdenfeindlichkeit verschärft sich und die Zuwanderer werden diskriminiert. Mitunter fürchten die Regierungen, dass diese Gruppen revoltieren oder auf andere Weise Unruhe stiften. Daher leiten sie strenge Maßnahmen gegen sie ein. Möglicherweise weisen sie sie aus oder unterwerfen sie der Zwangsarbeit. In extremen Fällen werden die Gruppen sogar physisch bedroht oder gar vernichtet. Besonders beschämend war z.B. das Schicksal der Afrikaner, die als Sklaven nach Amerika gebracht wurden, um dort auf Plantagen oder in Bergwerken für die Reichen zu arbeiten oder ihnen als Personal in Privathäusern zu dienen. Viele flohen aus der Unterdrückung und Abhängigkeit und emigrierten weiter an andere Orte, an denen es keine Sklaverei gab. Die Menschen mussten bei der Planung ihrer Flucht äußerst vorsichtig vorgehen. Diese Schicksale aus der jüngeren Geschichte erinnern uns an das Leid des Volkes Israel in Ägypten, wie es im Buch 2Mose/Exodus beschrieben ist.
Ihr Schreien drang zu Gott
Der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten
Der Auszug aus Ägypten markiert den eigentlichen Beginn der Geschichte des Volkes Israel. Mit ihm fing alles an. Die Israeliten waren wegen einer Hungersnot nach Ägypten ausgewandert. Es ging ihnen gut dort. So ließen sie sich nieder und vermehrten sich. Nach einiger Zeit fühlte sich der Pharao, die höchste Autorität im ägyptischen Reich, von diesen Fremden bedroht. Daher verpflichtete er die Männer zur Zwangsarbeit. Später entschloss er sich, die neugeborenen Jungen töten zu lassen. Der Pharao wusste: Wenn die Menschen extremem Druck ausgesetzt sind, haben sie keine Zeit, über ihre Freiheit nachzudenken (2Mose/Exodus 5,9). Doch die Israeliten schrien so erbarmungswürdig um Hilfe, dass Gott ihre Gebete erhörte. Gott beschloss, sie aus der Sklaverei in Ägypten zu befreien, und zwar durch einen Mann namens Mose.
Moses eigene Geschichte war wundersam. Als Baby wurde er von seiner hebräischen Mutter in einem Binsenkörbchen im Schilf des Nil versteckt, damit er nicht getötet wurde. Später sorgte seine ägyptische Adoptivmutter dafür, dass er behütet aufwachsen konnte. Diejenigen, die die Befreiung des Volkes Israel vorbereiteten, zeigten eine erstaunliche Cleverness, wenn es darum ging, ihre Ziele zu erreichen. Sie hatten Erfolg dank der Hilfe und Führung Gottes, der sich als viel mächtiger erwies als der Pharao von Ägypten. (Auszüge aus 2Mose/Exodus 1–12)
Zusammen mit Jakob, der auch Israel heißt, waren elf seiner zwölf Söhne mit ihren Familien nach Ägypten ausgewandert, nämlich: Ruben, Simeon, Levi und Juda, Issachar, Sebulon und Benjamin, Dan und Naftali, Gad und Ascher. Josef war schon vorher nach Ägypten gekommen. Insgesamt waren es mit Kindern und Enkeln siebzig direkte Nachkommen Jakobs.
Dann waren Josef und seine Brüder gestorben. Von ihrer ganzen Generation lebte niemand mehr. Aber ihre Nachkommen, die Israeliten, waren fruchtbar und vermehrten sich; sie nahmen überhand und wurden so zahlreich, dass sie das Land füllten.
Da kam in Ägypten ein neuer König an die Macht, der von Josef nichts mehr wusste. Er sagte zu seinen Leuten: »Die Israeliten sind so zahlreich und stark, dass sie uns gefährlich werden. Wir müssen etwas unternehmen, damit sie nicht noch stärker werden. Sie könnten sich sonst im Kriegsfall auf die Seite unserer Feinde schlagen, gegen uns kämpfen und dann aus dem Land fortziehen.«
Die Ägypter setzten deshalb Aufseher ein, um die Israeliten mit Fronarbeit unter Druck zu halten. Die Männer mussten für den Pharao die Vorratsstädte Pitom und Ramses bauen. Aber je mehr man die Israeliten unterdrückte, desto zahlreicher wurden sie und desto mehr breiteten sie sich aus. Den Ägyptern wurde das unheimlich.
Darum ließen sie die Männer Israels als Sklaven für sich arbeiten, misshandelten sie und machten ihnen das Leben zur Hölle. Sie zwangen sie, aus Lehm Ziegel herzustellen und harte Feldarbeit zu verrichten.
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