Vielleicht fragen Sie sich, was Ihre Gedanken mit Ihrer Gesundheit zu tun haben? Sehr viel sogar. Sie können sich Ihre Gesundheit „erdenken“. Unsere Gedanken sind ein sehr machtvolles Instrument. Wenn Sie denken, dass Gedankenkraft nur etwas für Yogis ist, die sich in Meditation üben, oder für Auserwählte, dann irren Sie. Jeder kann sich durch richtige und zielgerichtete Gedanken seine Gesundheit selbst erschaffen.
Schauen wir uns einmal an, wie ein ganz normaler Tag ablaufen könnte:
Montagmorgen sprinten Sie viel zu spät aus dem Bett, da der Wecker wieder einmal nicht geläutet hat.
Sie stürmen in die Küche und ärgern sich über das schmutzige Geschirr, das seit dem Vorabend herumsteht und keine Heinzelmännchen findet, die es wegräumen. Dann stolpern Sie fluchend über die hungrige Katze, die plötzlich unter Ihren Füßen vorbeihuscht, reißen die Kühlschranktür auf und bemerken, dass die Milch sauer geworden oder keine mehr da ist. Jetzt sind Sie stinksauer. Eilig öffnen Sie das Katzenfutterdöschen, wobei der Griff kaputtgeht. Sie versuchen mit dem Messer den Deckel zu öffnen, bevor Ihre unruhige Katze Ihnen die frisch angezogene Strumpfhose zerreißt, rutschen ab und schneiden sich in den Finger.
Wütend auf sich selbst und Ihre Katze, die bereits schmatzend über dem Fressnapf schnurrt, eilen Sie zum Verbandskasten, nur um festzustellen, dass weder Alkohol, noch Watte vorhanden sind (und die Pflaster haben Sie beim letzten Kindergeburtstag alle verbraucht, als die Horde von Fünfjährigen beim Eierlaufen in die Brennnesseln gefallen ist).
Also wickeln Sie sich mit der Küchenrolle einen „dicken Daumen“ und laufen zur Straßenbahn, die Ihnen genau vor der Nase die Tür schließt. Der Fahrer grinst Sie frech an und steigt aufs Gaspedal. Wut steigt in Ihnen auf, Sie zeigen (gedanklich natürlich) dem Fahrer den Stinkefinger (was würden sonst die Leute sagen?) und murmeln zu dem Passanten, der neben Ihnen steht: „Was für eine bodenlose Frechheit!“ Dieser sieht Sie verschlafen an, hat von all dem nichts mitbekommen, weil er gerade um die Ecke kam und denkt, Sie möchten ihn anmachen. Sie beginnen zu schwitzen, fühlen einen Kloß im Hals, denn in fünfzehn Minuten sollen Sie am Bürotisch sitzen, sonst meckert Ihr Chef wieder.
Kurz nach acht Uhr kommen Sie keuchend im Büro an, ärgern sich beim Öffnen Ihrer Mails, dass eine seit Tagen sehnsüchtig erwartete Mail noch immer nicht gesendet wurde, zerren ungeduldig am verknoteten Telefonkabel und tippen wütend die Ihnen bereits wohlbekannte Telefonnummer ein. Nach dem zwanzigsten Läuten sehen Sie ein, dass der Kunde wohl noch auf der Toilette sitzt, und beschließen, Ihren bereits erhöhten Blutdruck wegen des total schiefgelaufenen Tagesbeginns mit einem Tässchen gut riechenden und ebenso gut schmeckenden Espressos noch weiter zu erhöhen. Weil das Tässchen so klein ist, genehmigen Sie sich noch ein zweites. Außerdem zahlt es die Firma. Aber, wohlgemerkt: Sie denken an Ihre Gesundheit und verzichten auf den Schuss Milch (wegen des hohen Cholesterinspiegels oder weil auch hier die Milch übers Wochenende sauer geworden ist) und nehmen anstatt Zucker nur Süßstoff (wegen der Linie).
Was wäre ein Tässchen Kaffee ohne eine Zigarette danach? Fast fad! Der Kaffee schmeckt mit Nikotin einfach besser.
Frau Mitzi, die Reinigungsfrau, feiert heute ihren Geburtstag und lädt auf eine fettige Nusstorte ein (selbstverständlich mit viel Sahne). Eigentlich können Sie die Mitzi nicht leiden, weil sie die Kaffeetassen schlecht spült und Sie des öfteren Spuren des knallroten Lippenstifts von der unverschämt sexy und schlank aussehenden Praktikantin am Tassenrand entdeckt haben.
Man herzt und küsst sich und spricht Glückwünsche aus wie: „Alles, was du dir wünschst, soll in Erfüllung gehen!“ (obwohl man dies natürlich nicht so meint, weil nicht einmal Sie bekommen alles, was Sie sich wünschen), oder man sagt mit schelmischem Grinsen: „Man sieht dir dein Alter gar nicht an. Was, du bist schon 50?“ (wenngleich Ihr Gegenüber wie eine verrunzelte Zwetschge aussieht), trinkt noch einen Kaffee, weil sonst die Torte schlecht herunterrutscht (dieses Mal mit Zucker, weil der Süßstoff alle ist – Frau Mitzi hat wieder mal nicht rechtzeitig eingekauft, aber heute an ihrem Jahrestag kann man ihr das nicht sagen), entschuldigt sich und eilt zum Büroplatz.
Dort wartet schon ein wütender Chef und trommelt auf die Tischplatte. „Der Trottel soll mich in Ruhe lassen“, denken Sie, aber trotzdem spüren Sie ein ungutes Gefühl im Bauch.
Ja, er bekomme die gewünschte Statistik sofort, ja, heute Vormittag noch. Sie setzen sich hin und arbeiten. Nach einer Stunde, Sie tippen gerade gemächlich in die Tasten und sind zufrieden mit sich und der Welt, tanzt Ihre Bürokollegin an und setzt sich auf Ihren Schreibtisch. Sie mögen das zwar überhaupt nicht, sagen aber nichts wegen ihrer geschwollenen Augen, die Ihnen traurig entgegenblicken.
Voller Mitleid lassen Sie die Statistik sein und hören ihr zu. Ihr Mann würde sie schlagen, sie wisse nicht, was sie tun solle, klagt sie. Ihre Kollegin tut Ihnen leid, und Sie wissen nicht, wie Sie helfen können. Es zieht Ihnen förmlich das „Herz“ zusammen. Fast müssen Sie mitheulen, reißen sich aber zusammen.
Sie ist selbst schuld, warum trennt sie sich nicht von ihm, aber wahrscheinlich hat er so seine Qualitäten, denken Sie insgeheim. Sie gehen mit der Kollegin ins Kaffeezimmer (weil die Statistik ohnehin fast fertig ist und der Chef noch ein wenig darauf warten kann), wo das Radio läuft.
Sie versuchen, die Nachrichten mitzubekommen, während Sie mit einem Ohr der traurigen Geschichte Ihrer lieben Arbeitskollegin lauschen. In den Nachrichten wird nur von Mord und Totschlag berichtet. Irgendwo ist ein Bus mit 50 Touristen abgestürzt, und alle sind tot. Gott sei Dank fliege ich mit dem Flugzeug in den Urlaub, geht es Ihnen durch den Kopf.
In Südamerika herrscht eine Kältewelle wie noch nie, und Kinder erfrieren oder sterben an Lungenentzündung. Sie denken daran, dass Sie wieder einmal etwas spenden sollten, um ihr Gewissen zu erleichtern. Irgendwo wütete ein Erdbeben. Die Kollegin spricht immer noch, und Sie finden keine Worte. Langsam bekommen Sie Ihr altbekanntes Kopfweh und fühlen sich ausgelaugt und schlapp.
Und die gesamte Zeit über denken Sie. Sie denken an Gutes und an Schlechtes, Sie haben einen Wutanfall, dann ärgern Sie sich. Gegenüber Ihrem Chef benehmen Sie sich freundlich, innerlich zerfrisst Sie die Wut wegen seiner arroganten Art und seiner Inkompetenz.
„Wie hat er das gemacht, dass er Chef geworden ist?“ fragen Sie sich. Sie sorgen sich um Ihre Kollegin, bekommen Angst bei den täglichen Horrornachrichten und lesen bereits keine Zeitung mehr, weil immer nur Sensationsnachrichten gedruckt werden. Denn nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht.
Hören Sie jetzt kurz auf zu lesen und beantworten sich selbst eine Frage. Glauben Sie, dass Hektik, Wut, Hass, Ärger, Unfreundlichkeit, Sorge oder schlechte Nachrichten Sie beeinflussen? Und wenn ja, wie?
Es beeinflusst Sie sogar sehr. Es macht Sie krank. Wenn Sie denken, Sie werden nur von viel Kaffee, Zigaretten, Alkohol, zu viel und zu fettem Essen, zu wenig Bewegung und Chips am Abend vor dem Fernseher krank, dann irren Sie sich. Sie werden krank, weil Sie sich krank denken. Ihre Emotionen machen Sie krank. Wut, Hass, Neid, Sorge, Kränkung, Angst und Unsicherheit machen Sie krank. Sie selbst sind es, die oder der sich durch Gedanken und Gefühle die Krankheit „anzieht“.
Aber das muss nicht sein, Sie können sich auch wieder gesunddenken – oder gar nicht erst krankdenken. Das ist gar nicht schwer. Sind Sie jetzt geschockt, wenn ich behaupte, dass Sie sich Ihre Krankheit selbst „erdacht“ haben? Dass Sie selbst schuld an Ihrer Krankheit sind? Niemand will das gerne hören. Ist es doch viel leichter, anderen die Schuld zuzuschieben. Der Nachbar ist schuld, weil er Sie immer ärgert; Ihr Sohn ist schuld, denn er hat eine Frau geheiratet, die Sie nicht leiden können; Ihr Chef ist schuld, denn er steht immer neben Ihnen und treibt Sie zur Arbeit an; Ihre Mutter ist schuld, denn Sie keift den gesamten Tag über. Oder so ähnlich. Erkennen Sie sich wieder?
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