Alberto Nessi - Nächste Woche, vielleicht

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'Ich heisse José, bin einunddreissig Jahre alt und Buchhändler in Lissabon. Ich bin lungenkrank und will die Welt verändern.' Mit diesen Worten stellt sich der Protagonist José Fontana im neusten Roman von Alberto Nessi vor. Er erzählt von seiner Kindheit im Tessin, von der Zeit als Uhrmacherlehrling in Le Locle und seiner Emigration nach Lissabon, wo er den Sozialismus in Portugal kennengelernt hat und zur historischen Buchhandlung Bertrand fand. Einmal mehr gelingt es dem Tessiner Schriftsteller Alberto Nessi, eine historische Figur zum Protagonisten seines Romans zu machen und mit der ihm eigenen Menschlichkeit dessen Geschichte zu erzählen. Die Auswanderung aus der Armut im Tessiner Tal ist ebenso Thema wie die Welten, die sich José in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts öffnen.

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«Jetzt sorgt das Heilige Kreuz für ihn.»

Manche Frauen stiegen mit Körben voll Butter und Käse in die Ebene hinunter. Die Butterfrauen. Die Käsefrauen. Die Männer waren derweil in Frankreich, Deutschland, Eng­land, Spanien, Amerika. Die, die dablieben, kletterten auf Bäume, um Esskastanien herunterzuschlagen, sie drangen tief in den Wald ein, um Erlen zu fällen, aus deren Holz die Ruder für die venezianischen Gondolieri gefertigt wurden; aber vielleicht sagte man das bloß so, um sich eine Geschichte zu erzählen, um von venezianischen Spitzen zu träumen.

Das Holz aus den Wäldern oben wurde zu Holzkohle verarbeitet, die man auf dem Markt in Como verkaufte. Ich erinnere mich an den Platz oberhalb des Dorfes, wo der Meiler rauchte: Am Ende des Sommers geht man abends den Köhlern zuschauen, und Gesualda bringt mir bei, im Wald einen kleinen Stapel aufzuschichten, um Holzkohle zu machen, die man im Winter in den Bettwärmer tut.

Das Erste, was ich in meiner Kindheit sehe, ist ein Mann, der wie ein Reisigbündel in dem Holzkarren liegt. Im violetten Schatten kamen sie den Berg herunter, und im Karren lag Pín. Der Letzte des kurzen Zuges trug zwei Eimerchen mit dem Blut des Toten, das sie zwischen den Felsen zusammengekratzt hatten, wo er zerschellt war; das Blut ist heilig und muss mit der Leiche bestattet werden.

«Wir haben ihn da draußen gefunden, bei der Crotta.»

Crotta, das war ein schwarzes Wort für mich, weil dort unten die toten Seelen umgingen.

«Das kommt davon, wenn man unbedingt eine junge Frau nehmen will.»

PínSelig verdingte sich als Saisonarbeiter, und sie blieb allein daheim und sammelte Strohhalme, dürre Zweiglein und Hanfstängel für den Herd. Doch eines Tages war er ohne Vorankündigung zurückgekommen, und als er am Schuppen neben dem Haus vorbeiging, hatte er ein Keuchen gehört, wie von einem gehetzten Tier, er war lauschend stehen geblieben, hatte aber die Tür nicht öffnen können. Gegen Abend hatte er sich im Nebel verlaufen, an einer Stelle, wo Wasser hervorsprudelt, Muttergottesknie wird sie genannt. Er aber fluchte, er wusste nicht mehr, wo er war, es gelang ihm nicht, jenes Keuchen aus seinem Herzen zu verbannen, und so fiel er in die Schlucht.

Im Dorf hieß es, er habe sich hinuntergestürzt, weil seine Frau mit einem Schnitter Heu in den Schuppen einbrachte. Das ist meine erste Erinnerung: die Eimerchen mit dem Blut von PínSelig, der in dem rumpelnd auf dem Saumpfad daherkommenden hochwandigen Karren liegt. Im Vorübergehen hoben wir das Leintuch und betrachteten das wächserne Gesicht. Und einer neben mir sagte voller Schrecken: «Wenn sein Mund offengeblieben ist, bedeutet es, dass er jemanden aus dem Dorf zu sich rufen will …»

Als Kinder spielten wir Verstecken, «Hunde und Hase». Oder «Siegestor»: Das Tor bildeten die Arme zweier Mädchen, die Himmel und Hölle darstellten; einmal ging auch ich unter diesem Triumphbogen durch.

Manchmal versteckte ich mich in der Erlöserkirche, um die Gesichter der Sünder zu betrachten: Der Pfarrer schickt sie in die Hölle, die Sünder, und lässt sie auf ewig in den Flammen schmoren. Ich aber wollte sehen, was für Gesichter sie hatten. Gern wäre ich in die Rolle des Beichtvaters geschlüpft: Man lernt, die Stimme des Pfarrers nachzuahmen, versteckt sich im Beichtstuhl und lässt sich die Sünden erzählen. Gern hätte ich unter den Röcken der beichtenden Frauen Zuflucht gesucht. Oder unter dem Mädchen, der ich im Winter half, mit einem Stein das Eis zu brechen auf dem großen, am Dorfrand neu gebauten Waschtrog mit den Säulen. Im Frühling sah ich ihr gern zu, wenn sie Wäsche wusch. Sie sang beim Waschen. Ihre Stimme war silberhell, aber sonntags in der Kirche vernahm ich sie nie, denn in der Kirche singen nur die Männer; Eva, die aus einer Rippe Adams gemacht ist, muss still in ihrer Bank sitzen. Doch am Waschtrog sang das Mädchen.

Eines Tages näherte ich mich. Sie war allein und bat mich, ihr beim Auswringen zu helfen. Mit der Hand streifte ich ihre Schürze und fühlte die Wärme ihres Busens, und sie schaute mich etwa so an, wie sie eine Anemone anschauen könnte, deren Blüte sich gerade öffnet. Das Wasser daneben lachte.

Seit jenem Tag fühlte ich die Wärme der Frau in allen Dingen der Natur. Ich stellte sie mir auf meinen Streifzügen zum Vogelfängerturm vor und verglich sie mit den Federn der Zugvögel, die sich in den zwischen den Bäumen gespannten Netzen verfingen, wenn der Landpfarrer, ein großer Vogelsteller, die Adlerattrappe durchs Turmfensterchen herunterwarf. Und ich spürte jene Wärme auch in den grünen Hängen, die ich vor dem Haus sah. Ich wurde zur Eberesche, die gerade die ersten Blätter bekommt. Ich wurde etwas anderes. Ist das die Liebe, von der ich vage reden hörte, und immer so, als hätte sie etwas mit der Madonna und den Heiligen zu tun? Oder ist die Liebe der Stier auf der festgebundenen Kuh?

Vor dem Einschlafen sah ich das Mädchen vom Waschtrog wieder vor mir, wie sie sich für das Dorffest die Haarnadeln in den Knoten steckt.

Auf einem Steinsitz vor dem Haus lauschte ich den Geschich­ten der Großen, während die Fledermäuse, halb Mäuse, halb Vögel, in der Abenddämmerung Ballette aufführten. Ich übte meine Vorstellungskraft. Ich hörte von einem, der das Hydroskop erfunden hat, um den Meeresgrund zu erforschen. Oder die Geschichte des Kupferstichverkäufers Anselmo, der um die ganze Welt gereist ist. Oder die Sache mit den Geistertänzen in Cetto, ein paar Bauernhäusern unten in einem tiefen Tal, wo nie die Sonne hinkommt: Diese berüchtigten Geister bringen den Kerzenleuchter auf dem Tisch und den Kochlöffel im Kessel zum Tanzen, und dann fällt der Putz von der Decke, die Teufel und die Töpfe fangen zu tanzen an, und man sagt, das sind die Seelen, die Hilfe brauchen.

Ich träumte von diesen Seelen. Sie kämpften mit der Lehrerin der Novelletten, die wir in der Schule lasen. In der Welt herrscht ein Kampf zwischen den Verdammten und den Engeln, zwischen Gut und Böse. Und ich fragte mich, warum mein Vater gestorben war: Hatte das Käuzchen ihn sterben lassen?

Mein Vater. Fahl sehe ich ihn wieder auf dem großen Bett in dem Zimmer liegen, wo die Fledermäuse Spuren ihrer Raubzüge hinterlassen haben. Der Pfarrer und der Minis­trant mit dem Weihwasserwedel. Lateinische Worte murmelnd, gibt der Pfarrer ihm die letzte Ölung, taucht den Finger ins Öl und salbt meinem Vater Augen, Brust, Mund, Hände und Fußsohlen. Und dann sehe ich ihn, wie er da ruht, mit der brennenden Kerze auf dem Nachttisch. Und danach zündet Mama drei Tage lang den Herd nicht an, damit das Feuer nicht die Seele meines verstorbenen Vaters verbrennt.

Der Tod färbt alles schwarz wie Ruß, wie der Priesterrock. Er legt sich über die Bäume im Wald, wenn der Abend kommt und der magere Fuchs sich den Häusern nähert. Alle Bäume haben eine Seele. Und ein Gesicht. Weißes Gesicht, schwarzes Gesicht. Im Winter liegen tote Insekten unterm Schnee, die Seele der Bäume reist durch unterirdische Tunnel und besucht die Seelen der Toten, auch die von PínSelig, die in dem Steinhaufen geblieben ist.

Wenn ein Kind starb, läutete man im Dorf festlich die Glocken, weil das Engelchen die himmlischen Heerscharen verstärkte: Jenen Bub aber, der nach dem Ave-Maria das Haus verlassen hatte, um die Ziegen zu rufen, sich aber nicht bekreuzigte, den hatten die bösen Geister hinuntergelockt in die Crotta, um die Ziegen zu rufen bis in alle Ewigkeit.

Es gab ein paar Seelen, die auf den Pfaden einen Ausweg suchten. Mir war, als erkennte ich sie, wenn ich manchmal gegen Abend am Fenster das rote Licht der untergehenden Sonne zwischen den Buckeln der Täler betrachtete. In Form leichter Wolken sah ich von dort oben die Seelen umher­irren. Und die Hügel in der Ebene erschienen mir wie die Wellen, aus denen die Seeleute den Anker gelichtet hatten, um in die Welt hinauszufahren. Wenn man die Ohren spitzte, konnte man das Schiff tuten hören, das Onkel Lorenzo nach Brasilien und Uruguay gebracht hatte. Wann würde der Frachter für mich tuten? Ich stellte mir vor, ich würde davonfliegen wie ein Luftwesen, ein Zaunkönig: Ich bin der Herr des Universums, und die Flügel tragen mich mühelos, wohin ich will. Der Bass des Wildbachs wird zu einem der Walzer, die man zu Karneval hört, und im Flug kann ich von oben Berto Crapún sehen, der auf dem Kirchvorplatz seinen großen Kopf baumeln lässt zum Gruß. Ciao, Berto, ciao, heiliger Georg, ich gehe den Düs töten.

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